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Buchvorstellung mit Kai A. Konrad: Schulden ohne Sühne?

Nachbericht

Am 01.12.2010 stellte Prof. Dr. Kai A. Konrad sein gemeinsam mit Holger Zschäpitz verfasstes Buch „Schulden ohne Sühne? Warum der Absturz der Staatsfinanzen uns alle trifft" in der ZBW Hamburg vor. Dr. Brigitte Preissl, Chefredakteurin von Wirtschaftsdienst und Intereconomics, moderierte.

 

Brigitte Preissl stellt Kai Konrad vor.

Trotz Wintereinbruchs, arktischer Temperaturen und temporärem Zusammenbruchs des U-Bahn-Verkehrs haben sich wieder einmal weit über 100 wirtschaftspolitisch interessierte ZuhörerInnen im Tagungsraum der ZBW Hamburg eingefunden. Unter Ihnen waren auch einige Wirtschaftsdienst-Autoren, ehemalige und aktuelle MitarbeiterInnen und Professoren von Fachhochschulen und Universitäten.

ZuhörerInnen des Vortrags

Zunächst erläuterte Konrad, warum Politiker vor einer Wahl Schulden machen und sie dann gegebenenfalls ihren (unliebsamen) Nachfolgern hinterlassen. „Die Wähler erwarten, dass sie vor der Wahl ein Geschenk von den Politikern erhalten", so Konrad. Das hinge mit der Asymmetrie in der Politik zusammen: Diejenigen, die die Schulden machten, seien in den meisten Fällen nicht diejenigen, die auch die Verantwortung für die Verschuldung zu tragen hätten.


Konrad bei der Vorstellung seines Buches

 

Staatsverschuldung ist nicht erst heute ein Problem. Konrad hob hervor, dass die Geschichte der Staaten zwangsläufig auch eine Geschichte der Staatsbankrotte sei. Das sei auch früher schon so gewesen. Wie Konrad und Zschäpitz in ihrem Buch ausführen: „Ende des 18. Jahrhunderts vertrat der französische Finanzminister Abbé Terray die Ansicht, dass ein Staat mindesten ein Mal im Jahrhundert pleite gehen müssen, schon allein um in regelmäßigen Abständen ein neues Gleichgewicht herzustellen." (S. 104 f.)

 

Konrad bei der Vorstellung seines Buches

 

Um das Thema „Generationengerechtigkeit" müsse man sich allerdings überhaupt keine Sorgen mache, beruhigte Konrad. Das stehe in allen Parteiprogrammen hinreichend drin. Wie ernst es den Politikern mit dem Erreichen dieses Ziels ist, zeigt jedoch der zunehmende Schuldenberg in fast allen Industriestaaten.

 

Konrad bei der Vorstellung seines Buches

 

Ausführlich sprach Konrad über die No-Bailout-Klausel der Europäischen Union. Diese Klausel soll verhindern, dass die EU oder die Mitgliedstaaten mit den Schulden anderer Mitgliedstaaten belastet werden. Die aktuellen Ereignisse haben jedoch gezeigt, dass sie nicht wirklich durchgesetzt wird. „Wenn die EU nicht einmal in der Lage ist, Deutschland einen blauen Brief zu schrieben, wenn die Defizitquote überschritten wird, dann verliert die Klausel natürlich an Glaubwürdigkeit", erklärt Konrad. Vor allem liege das daran, dass die EU in der Vergangenheit keinerlei Anstalten gemacht habe, Fehlverhalten zu sanktionieren.

Paragrafen seien eben nicht gleich Paragrafen. Konrad und Zschäpitz sind überzeugt, dass die Glaubwürdigkeit von Vorschriften eine enorme Rolle spielt. „Wir müssen den europäischen Stabilitäts- und Wachstumspakt glaubhaft machen", plädierte Konrad am Ende seines Vortrags.

 

Fagen aus dem Publikum während der anschließenden Diskussion

 

In der anschließenden Diskussion antwortete Konrad auf die Frage, wann und ob wir pleite gingen knapp mit „Das hängt davon ab, wie lange die Gläubiger noch davon überzeigt sind, dass wir liquide sind." Schwierig sei es allerdings, Empfehlungen zu geben. Konrad setzt hier vor allem auf Vorschriften für den Finanzsektor. Im Publikum gab es allerdings angesichts der großen globalen Kapitalmobilität Zweifel daran, dass dies ein überzeugendes Konzept ist.

Trotz der eher düsteren Prognosen in Sachen Staatsverschuldung diskutierte Kai A. Konrad noch lange im Foyer mit seinen ZuhörerInnen bei Wein und Snacks weiter.

 

Die Fortsetzung der Diskussion im Foyer

 

Die Fortsetzung der Diskussion im Foyer

 

Die Fortsetzung der Diskussion im Foyer

 

Vorschau

Die Lesereihe des Wirtschaftsdienst geht im neuen Jahr mit Udo Reifners „Die Geldgesellschaft" weiter. Am 19.01.2011 zeigt er, wie wir aus der Finanzkrise lernen können.

 

Zum Buch

Können Staaten Pleite gehen? Wollen wir wetten? Kai A. Konrad, einer der renommiertesten Ökonomen Deutschlands, und der Wirtschaftsjournalist Holger Zschäpitz zeigen, wie es zur aktuellen Lage kommen konnte und warum wir alle betroffen sind.

Auf Basis neuester ökonomischer Forschung zeigen Kai A. Konrad und Holger Zschäpitz, wie es zu dem massiven Anstieg der Staatsverschuldung kam, sie ziehen historische Parallelen, entlarven populäre Irrtümer und diskutieren realistische Lösungsmöglichkeiten. Wenn wir aus der Schuldenfalle nicht herauskommen, drohen uns allen - Arbeitnehmern, Rentnern, Kapitalanlegern - drastische Folgen, die der Hyperinflation und den Währungsreformen, die Deutschland in seiner Geschichte schon mehrfach erlebt hat, in nichts nachstehen.

Nominiert für den Deutschen Wirtschaftsbuchpreis 2010.

Das Buch "Schulden ohne Sühne?" ist am 27. Juli 2010 beim C. H. Beck Verlag erschienen. Weitere Literatur von Kai A. Konrad finden Sie bei ECONIS, dem Online-Katalog der ZBW.

 


Zum Autor

Prof. Dr. Kai A. Konrad ist Direktor am Max-Planck-Institut für Geistiges Eigentum, Wettbewerbs- und Steuerrecht in München. Er ist einer der forschungsstärksten deutschen Ökonomen und ein vielgefragter Berater in Medien und Politik.

 

 

Zur Lesereihe des Wirtschaftsdienst

Zu der Lesereihe lädt der Wirtschaftsdienst alle zwei Monate Autoren - vor allem aus dem Bereich Wirtschaftspolitik - ein. Die Verfasser stellen dabei aktuelle Bücher zu wirtschaftswissenschaftlichen und gesellschaftspolitischen Fragestellungen vor. Ziel der Lesereihe ist es, den Autoren einen direkten Kontakt zu ihren Lesern zu vermitteln und ihre Bücher mit den Lesern des Wirtschaftsdienst, Besuchern der ZBW und anderen wirtschaftspolitisch Interessierten zu diskutieren. Die Buchvorstellungen sind öffentlich, der Eintritt ist frei.

Büchertisch


Bisherige Gäste der Lesereihe des Wirtschaftsdienst

  • Dezember 2010: Prof. Dr. Kai A. Konrad, Direktor am Max-Planck-Institut für Geistiges Eigentum, Wettbewerbs- und Steuerrecht, präsentiert sein gemeinsamt mit Holger Zschäpitz verfasstes Buch "Schulden ohne Sühne - Warum der Absturz der Staatsfinanzen uns alle trifft".
  • Oktober 2010: Prof. Dr. Max Otte, Leiter des Instituts für Vermögensaufbaus in Köln, stellt "Der Informationscrash - Wie wir systematisch für dumm verkauft werden" vor.
  • September 2010: Prof. Dr. Martin Junkernheinrich, Inhaber des Lehrstuhls für Stadt-, Regional- und Umweltökonomie an der Technischen Universität Kaiserslautern, stellt seinen Beitrag "Kommunalfinanzen - Krisenreaktionen im Ländervergleich" aus dem Jahrbuch für Öffentliche Finanzen 2010 vor.
  • Juli 2010: Dr. Daniel Gros, Direktor des Centre for European Policy Studies (CEPS), und Dr. Sonja Sagmeister, Mitarbeiterin der ORF-Wirtschaftsredaktion, lesen aus "Nachkrisenzeit - Wie die erfolgreichste Denkfabrik Europas unsere Welt für die nächste Generation sieht".
  • Mai 2010: Prof. Dr. Thomas Eger, Geschäftsführender Direktor des Instituts für Recht und Ökonomik an der Universität Hamburg, liest aus "Europäische Integration - Wirtschaft und Recht, Geschichte und Politik".
  • März 2010: Prof. Dr. Wolfgang Michalski, Hamburg Ambassador, liest aus "Hamburg - Erfolge und Erfahrungen in der globalisierten Welt".
  • Januar 2010: Prof. Dr. Sebastian Dullien, Professor für International Economics an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin, liest aus „Der gute Kapitalismus ... und was sich dafür nach der Krise ändern müsste".
  • Oktober 2009: Dr. Ulrich Thielemann, Vizedirektor des Instituts für Wirtschaftsethik der Universität St. Gallen, liest aus „System Error - Warum der freie Markt zur Unfreiheit führt".
  • Juni 2009: Ulrich Schäfer, Ressortleiter der Wirtschaftsredaktion der Süddeutschen Zeitung, liest aus „Der Crash des Kapitalismus".
  • April 2009: Prof. Dr. Claudia Kemfert, Energieexpertin des DIW, liest aus „Die andere Klimazukunft - Innovation statt Depression".
  • Februar 2009: Prof. Dr. Birger P. Priddat, Lehrstuhlinhaber für Politische Ökonomie der Privat-Universität Witten-Herdecke, liest aus „Karl Marx. Kommunismus als Kapitalismus 2ter Ordnung".
  • Dezember 2008: Prof. Dr. Heiner Flassbeck, zurzeit bei der UNCTAD, ehem. Staatssekretär unter Oskar Lafontaine, und Friederike Spiecker, freie Wirtschaftspublizistin, lesen aus „Das Ende der Massenarbeitslosigkeit".
  • Oktober 2008: Uwe Jean Heuser, Leiter des Wirtschaftsressorts der Wochenzeitung Die Zeit, liest aus „Humanomics. Die Entdeckung des Menschen in der Wirtschaft".
  • Mai 2008: Olaf Storbeck, Wirtschaftsredakteur des Handelsblatt, liest aus „Ökonomie 2.0. 99 überraschende Erkenntnisse".

Weitere Informationen

Mittwoch, 1. Dezember 2010, 18.00 Uhr

ZBW - Deutsche Zentralbibliothek für Wirtschaftswissenschaft
Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft
Raum 519
Neuer Jungfernstieg 21
20354 Hamburg

Eintritt: Eintritt frei

Downloads zur Veranstaltung

Verlag C. H. Beck

www.chbeck.de/index.aspx

Claudia Sittner hilft Ihnen gerne weiter!

Telefon: +49-40-42834-332
E-Mail



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