
Das Buch über „Das Gespenst des Kapitals" ist ein Bestseller, entsprechend fanden sich viele interessierte Zuhörer zu dem Gespräch zwischen Joseph Vogl und Bertram Schefold im Tagungsraum der ZBW ein.

Professor Schefold gab in einem kurzen Eingangsreferat einen Überblick über Einzelaspekte des Buches. Dabei ging er vor allem auf Grundfragen des Ökonomischen ein, die schon Aristoteles in seiner staatspolitischen Schrift „Politik" bewegt hatten: Was ist von der „Gewinnsucht" zu halten? Unterminiert eine Geldwirtschaft die Naturordnung?


Vogl sieht das zusammenfassend so: „In der schrankenlosen Fortzeugung des Geldes und seiner Sprösslinge hat sich eine gespenstische Verdoppelung oder Travestie der Naturordnung eingerichtet, es wurde eine erratische Bewegung freigesetzt, welche die innere Dynamik im Wachstum und im Erhalt des politischen Wesens pervertiert." Die Problematik wurde offenbar schon in der Antike erkannt. Seitdem hat sich die Finanzökonomie rasant fortentwickelt.


Joseph Vogl sieht den Auslöser für die Übertreibungen, die sich letztlich immer wieder in Krisen entluden, zuletzt in der Abkehr vom Golddollarstandard 1971. Dies war seiner Ansicht nach der erste Schritt für die allmähliche Befreiung der Finanzmärkte von allen Fesseln.

Nach dem Podiumsgespräch eröffnete Moderatorin Dr. Brigitte Preissl die Fragerunde mit dem Publikum. Hier ging es insbesondere um die aktuelle Finanzkrise. Auf die Frage, wie diese denn enden wird, konnte Vogl nur antworten: „Nicht gut. Die Geschichte lehrt, dass auf jeden Aufstieg auch ein Niedergang folgt."


Anschließend wurde im Vorraum bei Wasser, Wein und Häppchen noch lebhaft weiter diskutiert.
Ein Kommentar zur Buchvorstellung findet sich im Blog von Prof. Dr. Ulrich Fritsche.
Eine Leseprobe von "Das Gespenst des Kapitals" finden Sie hier.
Das Buch "Das Gespenst des Kapitals" wurde 2010 im diaphanes Verlag veröffentlicht.
Weitere Literatur von Joseph Vogl finden Sie bei ECONIS, dem Online-Katalog der ZBW. Dort finden Sie auch einige Veröffentlichungen von Bertram Schefold.
Über Joseph Vogl
Prof. Dr. Joseph Vogl lehrt Literatur- und Kulturwissenschaft/Medien an der Humboldt-Universität zu Berlin.
Über Bertram Schefold
Prof. Dr. Bertram Schefold lehrt Wirtschaftstheorie an der Universität Frankfurt/Main.
Buchinhalt
Erstes Kapitel: Der schwarze Schwan
Zweites Kapitel: Idylle des Markts I
Drittes Kapitel: Zeit des Kapitals
Viertes Kapitel: Idylle des Markts II
Fünftes Kapitel: Ökonomische und soziale Reproduktion
Sechstes Kapitel: Überraschungsraum
Zur Lesereihe des Wirtschaftsdienst
Zu der Lesereihe lädt der Wirtschaftsdienst alle zwei Monate Autoren - vor allem aus dem Bereich Wirtschaftspolitik - ein. Die Verfasser stellen dabei aktuelle Bücher zu wirtschaftswissenschaftlichen und gesellschaftspolitischen Fragestellungen vor. Ziel der Lesereihe ist es, den Autoren einen direkten Kontakt zu ihren Lesern zu vermitteln und ihre Bücher mit den Lesern des Wirtschaftsdienst, Besuchern der ZBW und anderen wirtschaftspolitisch Interessierten zu diskutieren. Die Buchvorstellungen sind öffentlich, der Eintritt ist frei.

Bisherige Gäste der Lesereihe des Wirtschaftsdienst
Dienstag, 24. Januar 2012, 18.00 Uhr
ZBW
Raum 519
Neuer Jungfernstieg 21
Hamburg
Eintritt: Eintritt frei
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Dann wenden Sie sich gerne telefonisch oder per E-Mail an Claudia Sittner.
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