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Buchvorstellung mit Helge Peukert: Die große Finanzmarkt- und Staatsschuldenkrise

Nachbericht

Am 19. Juli 2012 stellte Prof. Dr. Dr. Helge Peukert von der Uni Erfurt im vollbesetzten Tagungsraum der ZBW Hamburg seine Sicht auf die Finanzmarkt- und Staatsschuldenkrise dar. Die Ursache der aktuellen Krise sieht er darin, dass sich die Staaten von den Finanzmärkten abhängig gemacht haben. Anstatt Steuern auf das wachsende Geldvermögen zu erheben, habe der Staat seine Ausgaben zunehmend durch Kredite finanziert. Die Probleme potenzierten sich, da die Staatsschulden aufgrund der Bankenrettungen weiter wuchsen. Die Reaktion der Politik auf die Krise: Durchwursteln. „Das funktioniert aber nicht", fürchtet Peukert und sieht als kurzfristige Lösung: Griechenland sollte Staatsinsolvenz erklären, was historisch bereits in vielen Ländern vorgekommen ist. Außerdem sollte die EZB als „lender of last owner" und „lender of last resort" fungieren, d.h. sie sollte eine Zwangsrekapitalisierung von Banken finanzieren und als Garant für Problemkredite wirken.

Helge Peukert stellt sein Buch in der ZBW Hamburg vor.

Allerdings meint Peukert: „Die Finanzmärkte müssen grundlegend reformiert werden." Deshalb fordert er ein Größenlimit für Banken und eine aktive Entflechtungspolitik, die Einführung eines Trennbankensystems und eine Quote von 30% für das Kernkapital. Er geht aber noch über diese Einzelmaßnahmen hinaus und sieht eine langfristige Lösung darin, dass die Geldordnung auf ein - schon von dem US-Ökonomen Irving Fisher propagiertes - 100%-Vollgeld umgestellt wird. Mit dem Konzept verbunden sind eine 100%ige Mindestreserve und die Abschaffung der Geldschöpfung durch Geschäftsbanken. Wachstum wird in diesem Konzept dadurch ermöglicht, dass die Notenbanken dem Staat entsprechend einer jährlichen gesamtwirtschaftlichen Wachstumsrate Geld zuteilen.

Helge Peukert stellt sein Buch in der ZBW Hamburg vor.

Helge Peukert stellt sein Buch in der ZBW Hamburg vor.

Nach dem Vortrag eröffnete Moderatorin Dr. Brigitte Preissl die Fragerunde mit dem Publikum. Das Vollgeld-Konzept stieß bei den Zuhörern auf Skepsis, so wurde das große Vertrauen in die Fähigkeit des Staats, die richtigen Investitions-Entscheidungen zu treffen, in Zweifel gezogen. Ein anderer Zuhörer sah eine konsequente Durchsetzung der Gläubigerhaftung als wesentliche ordnungspolitische Maßnahme an und traf damit bei Helge Peukert auf Zustimmung.

Helge Peukert stellt sein Buch in der ZBW Hamburg vor.

Helge Peukert stellt sein Buch in der ZBW Hamburg vor.

Wirtschaftsdienst-Chefredakteurin Dr. Brigitte Preissl

Anschließend wurde im Vorraum bei Wasser, Wein und Saft noch lange lebhaft weiter diskutiert.

Helge Peukert stellt sein Buch in der ZBW Hamburg vor.

 

Zum Buch

Eine kritisch-heterodoxe Untersuchung

Auf die Finanzkrise folgte die Staatsschuldenkrise, hektische Lösungsvorschläge der Politik (Rettungsschirme, Fiskalpakt, Eurobonds, Doppelwährungen) führten seit mehreren Jahren zu keiner Beruhigung. Helge Peukert argumentiert, dass nur sehr radikale Fundamentalreformen wie eine Zerschlagung der Megabanken, eine strikte Trennung des Geschäfts- und Investmentbankings, eine Staateninsolvenzverordnung, EU-weite Mindeststeuersätze auch für Vermögen und Kapitalerträge usw. ein Leben ohne Finanzkrisen ermöglichen könnten.

 

Zum Autor

Prof. Dr. Dr. Helge Peukert ist Professor am Lehrstuhl für Finanzwissenschaft und -soziologie an der Universität Erfurt. Seine Hauptarbeitsgebiete sind die Geschichte des ökonomischen Denkens, Finanzsoziologie und Reform der Geldordnung und der Finanzmärkte.

 

Zur Lesereihe des Wirtschaftsdienst

Zu der Lesereihe lädt der Wirtschaftsdienst alle zwei Monate Autoren - vor allem aus dem Bereich Wirtschaftspolitik - ein. Die Verfasser stellen dabei aktuelle Bücher zu wirtschaftswissenschaftlichen und gesellschaftspolitischen Fragestellungen vor. Ziel der Lesereihe ist es, den Autoren einen direkten Kontakt zu ihren Lesern zu vermitteln und ihre Bücher mit den Lesern des Wirtschaftsdienst, Besuchern der ZBW und anderen wirtschaftspolitisch Interessierten zu diskutieren. Die Buchvorstellungen sind öffentlich, der Eintritt ist frei.


Bisherige Gäste der Lesereihe des Wirtschaftsdienst

  • Mai 2012: Dr. Jochen Bittner, politischer Redakteur bei der ZEIT, stellt sein Buch "So nicht, Europa! Die drei großen Fehler der EU" vor.
  • März 2012: Prof. Dr. Bert Rürup, Gründer und Vorstandsmitglied der MaschmeyerRürup AG, stellt das Buch "Fette Jahre - Warum Deutschland eine glänzende Zukunft hat" vor.
  • Januar 2012: Prof. Dr. Joseph Vogl, Humboldt-Universität zu Berlin, stellt im Gespräch mit Prof. Dr. Bertram Schefold, Universität Frankfurt a.M., das Buch "Das Gespenst des Kapitals" vor.
  • Dezember 2011: Prof. Dr. Werner Plumpe, Inhaber des Lehrstuhls für Wirtschafts- und Sozialgeschichte an der Goethe Universität in Frankfurt am Main, stellt "Wirtschaftskrisen - Geschichte und Gegenwart" vor.
  • Juni 2011: Prof. Dr. Karl-Heinz Paqué, Inhaber des Lehrstuhls für Internationale Wirtschaft an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, stellt "Wachstum! Die Zukunft des globalen Kapitalismus" vor.
  • Februar 2011: Prof. Dr. Arne Heise, Professor für Finanzwissenschaft am Fachbereich Sozialökonomie der Universität Hamburg, und Prof. Dr. Jürgen Kromphardt, emeritierter Professor für Wirtschaftstheorie an der TU Berlin und Vorsitzender der Keynes-Gesellschaft, stellen den Sammelband "Methodenpluralismus in den Wirtschaftswissenschaften" vor.
  • Januar 2011: Prof. Dr. Udo Reifner, Direktor des Instituts für Finanzdienstleistungen e. V., stellt sein "Die Geldgesellschaft - Aus der Finanzkrise lernen" vor.
  • Dezember 2010: Prof. Dr. Kai A. Konrad, Direktor am Max-Planck-Institut für Geistiges Eigentum, Wettbewerbs- und Steuerrecht, präsentiert sein gemeinsamt mit Holger Zschäpitz verfasstes Buch "Schulden ohne Sühne - Warum der Absturz der Staatsfinanzen uns alle trifft".
  • Oktober 2010: Prof. Dr. Max Otte, Leiter des Instituts für Vermögensaufbaus in Köln, stellt "Der Informationscrash - Wie wir systematisch für dumm verkauft werden" vor.
  • September 2010: Prof. Dr. Martin Junkernheinrich, Inhaber des Lehrstuhls für Stadt-, Regional- und Umweltökonomie an der Technischen Universität Kaiserslautern, stellt seinen Beitrag "Kommunalfinanzen - Krisenreaktionen im Ländervergleich" aus dem Jahrbuch für Öffentliche Finanzen 2010 vor.
  • Juli 2010: Dr. Daniel Gros, Direktor des Centre for European Policy Studies (CEPS), und Dr. Sonja Sagmeister, Mitarbeiterin der ORF-Wirtschaftsredaktion, lesen aus "Nachkrisenzeit - Wie die erfolgreichste Denkfabrik Europas unsere Welt für die nächste Generation sieht".
  • Mai 2010: Prof. Dr. Thomas Eger, Geschäftsführender Direktor des Instituts für Recht und Ökonomik an der Universität Hamburg, liest aus "Europäische Integration - Wirtschaft und Recht, Geschichte und Politik".
  • März 2010: Prof. Dr. Wolfgang Michalski, Hamburg Ambassador, liest aus "Hamburg - Erfolge und Erfahrungen in der globalisierten Welt".
  • Januar 2010: Prof. Dr. Sebastian Dullien, Professor für International Economics an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin, liest aus „Der gute Kapitalismus ... und was sich dafür nach der Krise ändern müsste".
  • Oktober 2009: Dr. Ulrich Thielemann, Vizedirektor des Instituts für Wirtschaftsethik der Universität St. Gallen, liest aus „System Error - Warum der freie Markt zur Unfreiheit führt".
  • Juni 2009: Ulrich Schäfer, Ressortleiter der Wirtschaftsredaktion der Süddeutschen Zeitung, liest aus „Der Crash des Kapitalismus".
  • April 2009: Prof. Dr. Claudia Kemfert, Energieexpertin des DIW, liest aus „Die andere Klimazukunft - Innovation statt Depression".
  • Februar 2009: Prof. Dr. Birger P. Priddat, Lehrstuhlinhaber für Politische Ökonomie der Privat-Universität Witten-Herdecke, liest aus „Karl Marx. Kommunismus als Kapitalismus 2ter Ordnung".
  • Dezember 2008: Prof. Dr. Heiner Flassbeck, zurzeit bei der UNCTAD, ehem. Staatssekretär unter Oskar Lafontaine, und Friederike Spiecker, freie Wirtschaftspublizistin, lesen aus „Das Ende der Massenarbeitslosigkeit".
  • Oktober 2008: Uwe Jean Heuser, Leiter des Wirtschaftsressorts der Wochenzeitung Die Zeit, liest aus „Humanomics. Die Entdeckung des Menschen in der Wirtschaft".
  • Mai 2008: Olaf Storbeck, Wirtschaftsredakteur des Handelsblatt, liest aus „Ökonomie 2.0. 99 überraschende Erkenntnisse".

Weitere Informationen

Donnerstag, 19. Juli 2012, 18.00 Uhr

ZBW,
Raum 519
Neuer Jungfernstieg 21
Hamburg

Eintritt: Eintritt frei

Downloads zur Veranstaltung

Metropolis-Verlag

www.metropolis-verlag.de/

Claudia Sittner hilft Ihnen gerne weiter!

Telefon: +49-40-42834-332
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