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Buchvorstellung mit Joachim Weimann: Geld macht doch glücklich

Nachbericht

„Ist der Materialismus out?“ Diese Frage stellte Joachim Weimann zu Beginn seines Vortrags und beantwortete sie gleich selbst: „Wenn Geld nicht glücklich macht, warum fordern die Arbeitnehmer denn immer wieder Lohnerhöhungen?“ Zunächst einmal stehen die zentralen Verhaltensannahmen der ökonomischen Forschung im Vordergrund. Handlungsträger ist dabei der Homo Oeconomicus, der grundsätzlich rational und selbstsüchtig entscheidet und nach dem Ziel strebt, ein möglichst hohes Einkommen zu erlangen. Die Suche nach dem Glück steht also bisher nicht im Mittelpunkt der Ökonomie. Weimann erklärt aber: „Die Spieltheorie hat gezeigt, dass der Homo Oeconomicus mit seiner nicht-kooperativen Strategie in die Rationalitätenfalle tappt und bei Entscheidungen nicht zu dem für ihn besten Ergebnis kommt.“

Rationalität ist also noch nicht einmal immer nützlich, wenn man nach Materiellem strebt. Die Verhaltenökonomie – ein neuer Forschungzweig – hat mit Hilfe von Laborexperimenten ebenfalls manches dazu beigetragen, die Bedeutung des Homo Oeconomicus zu relativieren. Dann überraschen auch die empirischen Ergebnisse von Richard Easterlin nicht, der schon 1974 in einem internationalen Vergleich nur einen schwachen Zusammenhang zwischen Einkommen und subjektivem Glück feststellen konnte. Auch eine intertemporale Studie konnte nicht ermitteln, dass mit steigendem Einkommen die Lebenszufriedenheit zunahm. Dieses sogenannte Easterlin-Paradoxon hält Weimann allerdings für angreifbar: „Es stellt sich die Frage, wie valide die Ergebnisse der Glücksforschung sind. Zum einen kommt es darauf an, ob in den Studien immer die gleichen Daten abgefragt wurden, zum anderen reduzieren sie einen komplexen Zustand wie das Glück auf eine einzige Zahl,  die auf einer Skala von 0 bis 10 verortet werden muss.“

Weimann weist darauf hin, dass die Glücksforschung mittlerweile etwas weiter ist, sie misst die Lebenszufriedenheit nicht mehr zu einem bestimmten Zeitpunkt, sondern versucht „Happy Life Years“ zu ermitteln, sozusagen den gesamten Nutzenstrom eines Lebens zu addieren. „Wenn es sich also eine prosperierende Wirtschaft leisten kann, mehr Geld für Gesundheitsleistungen auszugeben, dann leben die Bürger dieses Landes länger und erhalten somit ein größeres Nutzenvermögen,“ meint Weimann. Zudem spreche vieles dafür, dass die Lebenszufriedenheit logarithmisch wachse, d.h. 10% mehr Einkommen führe bei Armen wie bei Reichen zu einer gleich hohen Steigerung des Glücks. Und wenn auf dieser Basis der Zusammenhang von Glück und Einkommen gemessen wird, löst sich das Easterlin-Paradoxon auf. Weimann schließt: „Letztlich war und bleibt der materielle Fortschritt wichtig.“

Nach dem Vortrag eröffnete Moderatorin Brigitte Preissl die Fragerunde mit dem Publikum. In der Diskussion ging es auch darum, welche wirtschaftspolitischen Empfehlungen aus den Überlegungen der Glücksforschung folgen. Weimann ist nicht der Auffassung, dass etwa eine höhere Besteuerung  dazu beitragen könne, die Lebenszufriedenheit in einem Land zu erhöhen. Für eine bessere Datengrundlage in der Glücksforschung wünscht er sich, dass die auch bisher sehr nützlichen Daten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) mit Verhaltensexperimenten verknüpft werden können. Anschließend wurde bei Wasser, Wein und Häppchen noch lange lebhaft weiter diskutiert.

Die Präsentation, die Joachim Weimann am 27.02.2013 verwendet hat, liegt am Ende dieser Seite zum Download bereit.

 

Joachim Weimann beim Vortragen

Joachim Weimann beim Vortragen

Joachim Weimann beim Vortragen

Brigitte Preissl und Joachim Weimann


Buchvorstellung von Joachim Weimann

 

Zum Buch

Kritischer Blick auf die Glücksforschung.

Steigende Einkommen haben uns in den letzten Jahrzehnten nicht zufriedener gestimmt, so die Diagnose der Glücksforschung. Aber stimmt der Befund? Pointiert rücken die Autoren diesem zu Leibe. Ihre Thesen: Die Glücksmessung ist zu fehleranfällig. Das Glück gibt es nicht – das subjektive Wohlbefinden ist mehrdimensional. Und: Die Glücksforschung eignet sich nicht zur Messung des gesellschaftlichen Fortschritts. Ihre Ergebnisse machen klar, dass die Dinge nicht so einfach sind, wie es viele Glücksökonomen darstellen.

Die ökonomische Glücksforschung, die mit der Arbeit von Easterlin 1974 ihren Anfang nahm, hat in den letzten Jahren innerhalb der Wirtschaftswissenschaft und im politischen Raum Diskussionen entfacht, die in dieser Form noch vor wenigen Jahren undenkbar gewesen wären. Grundfesten der Ökonomik stehen plötzlich zur Debatte.

Sollen wir uns wirklich noch am Bruttoinlandsprodukt als Maß für unseren Wohlstand orientieren? Ist mehr Konsum tatsächlich besser als weniger? Sollte der Staat uns nicht besser durch hohe Steuern davon abhalten, so viel zu arbeiten?

Mit Richard Easterlins Beobachtung, dass sich trotz steigender Einkommen die Zufriedenheit und das Glücksempfinden der Menschen in den letzten Jahrzehnten nicht verändert haben, hat die Glücksforschung das ökonomische Verständnis von Wirtschaftswachstum erschüttert.

Die Autoren erläutern die wichtigsten Erkenntnisse zum Zusammenhang von Einkommen und Glück und diskutieren ihre gängigen Interpretationen.

Wenn uns Geld nicht glücklich macht – was dann? Die Glücksforschung hat nicht nur gezeigt, dass Geld nur eine geringe Rolle für das Glück spielt, sondern sie hat auch viele Faktoren identifiziert, die positiv mit dem Glücksempfinden verbunden sind. An dieser Stelle werden die wichtigsten dieser Faktoren (Persönlichkeitseigenschaften, Gesundheit, Familie, Arbeit / Arbeitslosigkeit …) vorgestellt.

Aber ist es wahr, was die Glücksforschung bisher herausgefunden hat? Stimmt Easterlins Befund? Sind die Daten, auf denen die Glücksforschung basiert, geeignet, tatsächlich das zu messen, was sie vorgeben zu messen? Das sind Fragen, die in diesem Buch untersucht werden.

Die Glücksforschung wird einer kritischen Würdigung unterzogen. Die Autoren verwenden dabei auch eigene empirische Ergebnisse, die klar machen, dass die Dinge nicht so einfach sind, wie es viele Glücksökonomen darstellen. Ist also wahr, was die Glücksforschung bisher herausgefunden hat? Sind die Daten, auf denen die Glücksforschung basiert, geeignet, tatsächlich das zu messen, was sie vorgeben zu messen?

Drei zentrale Punkte werden herausgearbeitet:

  1. Die Glücksmessung ist zu fehleranfällig.
  2. Das Glück gibt es nicht: das subjektive Wohlbefinden ist mehrdimensional.
  3. Die Glücksforschung eignet sich nicht zur Messung des gesellschaftlichen Fortschritts.

Das Buch "Geld macht doch glücklich - Wie die ökonomische Glücksforschung irrt" ist im Juli 2012 beim Schäffer-Poeschel-Verlag erschienen. Auf der Verlagsseite gibt es auch eine Leseprobe.

Dr. Brigitte Preissl, Chefredakteurin des Wirtschaftsdienst, wird die Veranstaltung moderieren.

Weitere Literatur von Joachim Weimann finden Sie bei ECONIS, dem Online-Katalog der ZBW.

 

Zu Joachim Weimann

Prof. Dr. Joachim Weimann stellt das Buch in der ZBW Hamburg vor. Er ist Inhaber des Lehrstuhls für Wirtschaftspolitik an der Otto-­von­-Guericke­-Universität Magdeburg und ist Mitglied im wissenschaftlichen Beirat des Wirtschaftsdienst.

 

Zur Lesereihe des Wirtschaftsdienst

Zu der Lesereihe lädt der Wirtschaftsdienst alle zwei Monate Autoren - vor allem aus dem Bereich Wirtschaftspolitik - ein. Die Verfasser stellen dabei aktuelle Bücher zu wirtschaftswissenschaftlichen und gesellschaftspolitischen Fragestellungen vor. Ziel der Lesereihe ist es, den Autoren einen direkten Kontakt zu ihren Lesern zu vermitteln und ihre Bücher mit den Lesern des Wirtschaftsdienst, Besuchern der ZBW und anderen wirtschaftspolitisch Interessierten zu diskutieren. Die Buchvorstellungen sind öffentlich, der Eintritt ist frei.

Büchertisch boysen + mauke


Bisherige Gäste der Lesereihe des Wirtschaftsdienst

  • Januar 2013: Prof. Dr. Peter Bofinger, Mitglied im Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, stellt sein Buch "Zurück zur D-Mark? Deutschland braucht den Euro" vor.
  • Oktober 2012: Prof. Dr. Paul J. J. Welfens, Jean Monnet Professor für Europäische Wirtschaftsintegration und Inhaber des Lehrstuhls für Makroökonomik an der Bergischen Universität in Wuppertal, stellt sein Buch "Die Zukunft des Euro: Die europäische Staatsschuldenkrise und ihre Überwingdung" vor.
  • Juli 2012: Prof. Dr. Helge Peukert, Hochschuldozent an der Universität Erfurt, stellt sein Buch „Die große Finanzmarkt- und Staatsschuldenkrise" vor.
  • Mai 2012: Dr. Jochen Bittner, politischer Redakteur bei der ZEIT, stellt sein Buch "So nicht, Europa! Die drei großen Fehler der EU" vor.
  • März 2012: Prof. Dr. Bert Rürup, Gründer und Vorstandsmitglied der MaschmeyerRürup AG, stellt das Buch "Fette Jahre - Warum Deutschland eine glänzende Zukunft hat" vor.
  • Januar 2012: Prof. Dr. Joseph Vogl, Humboldt-Universität zu Berlin, stellt im Gespräch mit Prof. Dr. Bertram Schefold, Universität Frankfurt a.M., das Buch "Das Gespenst des Kapitals" vor.
  • Dezember 2011: Prof. Dr. Werner Plumpe, Inhaber des Lehrstuhls für Wirtschafts- und Sozialgeschichte an der Goethe Universität in Frankfurt am Main, stellt "Wirtschaftskrisen - Geschichte und Gegenwart" vor.
  • Juni 2011: Prof. Dr. Karl-Heinz Paqué, Inhaber des Lehrstuhls für Internationale Wirtschaft an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, stellt "Wachstum! Die Zukunft des globalen Kapitalismus" vor.
  • Februar 2011: Prof. Dr. Arne Heise, Professor für Finanzwissenschaft am Fachbereich Sozialökonomie der Universität Hamburg, und Prof. Dr. Jürgen Kromphardt, emeritierter Professor für Wirtschaftstheorie an der TU Berlin und Vorsitzender der Keynes-Gesellschaft, stellen den Sammelband "Methodenpluralismus in den Wirtschaftswissenschaften" vor.
  • Januar 2011: Prof. Dr. Udo Reifner, Direktor des Instituts für Finanzdienstleistungen e. V., stellt sein "Die Geldgesellschaft - Aus der Finanzkrise lernen" vor.
  • Dezember 2010: Prof. Dr. Kai A. Konrad, Direktor am Max-Planck-Institut für Geistiges Eigentum, Wettbewerbs- und Steuerrecht, präsentiert sein gemeinsamt mit Holger Zschäpitz verfasstes Buch "Schulden ohne Sühne - Warum der Absturz der Staatsfinanzen uns alle trifft".
  • Oktober 2010: Prof. Dr. Max Otte, Leiter des Instituts für Vermögensaufbaus in Köln, stellt "Der Informationscrash - Wie wir systematisch für dumm verkauft werden" vor.
  • September 2010: Prof. Dr. Martin Junkernheinrich, Inhaber des Lehrstuhls für Stadt-, Regional- und Umweltökonomie an der Technischen Universität Kaiserslautern, stellt seinen Beitrag "Kommunalfinanzen - Krisenreaktionen im Ländervergleich" aus dem Jahrbuch für Öffentliche Finanzen 2010 vor.
  • Juli 2010: Dr. Daniel Gros, Direktor des Centre for European Policy Studies (CEPS), und Dr. Sonja Sagmeister, Mitarbeiterin der ORF-Wirtschaftsredaktion, lesen aus "Nachkrisenzeit - Wie die erfolgreichste Denkfabrik Europas unsere Welt für die nächste Generation sieht".
  • Mai 2010: Prof. Dr. Thomas Eger, Geschäftsführender Direktor des Instituts für Recht und Ökonomik an der Universität Hamburg, liest aus "Europäische Integration - Wirtschaft und Recht, Geschichte und Politik".
  • März 2010: Prof. Dr. Wolfgang Michalski, Hamburg Ambassador, liest aus "Hamburg - Erfolge und Erfahrungen in der globalisierten Welt".
  • Januar 2010: Prof. Dr. Sebastian Dullien, Professor für International Economics an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin, liest aus „Der gute Kapitalismus ... und was sich dafür nach der Krise ändern müsste".
  • Oktober 2009: Dr. Ulrich Thielemann, Vizedirektor des Instituts für Wirtschaftsethik der Universität St. Gallen, liest aus „System Error - Warum der freie Markt zur Unfreiheit führt".
  • Juni 2009: Ulrich Schäfer, Ressortleiter der Wirtschaftsredaktion der Süddeutschen Zeitung, liest aus „Der Crash des Kapitalismus".
  • April 2009: Prof. Dr. Claudia Kemfert, Energieexpertin des DIW, liest aus „Die andere Klimazukunft - Innovation statt Depression".
  • Februar 2009: Prof. Dr. Birger P. Priddat, Lehrstuhlinhaber für Politische Ökonomie der Privat-Universität Witten-Herdecke, liest aus „Karl Marx. Kommunismus als Kapitalismus 2ter Ordnung".
  • Dezember 2008: Prof. Dr. Heiner Flassbeck, zurzeit bei der UNCTAD, ehem. Staatssekretär unter Oskar Lafontaine, und Friederike Spiecker, freie Wirtschaftspublizistin, lesen aus „Das Ende der Massenarbeitslosigkeit".
  • Oktober 2008: Uwe Jean Heuser, Leiter des Wirtschaftsressorts der Wochenzeitung Die Zeit, liest aus „Humanomics. Die Entdeckung des Menschen in der Wirtschaft".
  • Mai 2008: Olaf Storbeck, Wirtschaftsredakteur des Handelsblatt, liest aus „Ökonomie 2.0. 99 überraschende Erkenntnisse".

Weitere Informationen

Mittwoch, 27. Februar 2013, 18.00 Uhr

ZBW
Raum 519
Neuer Jungfernstieg 21
Hamburg

Eintritt: Eintritt frei

Downloads zur Veranstaltung

Claudia Sittner hilft Ihnen gerne weiter!

Telefon: +49-40-42834-332
E-Mail



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