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Veranstaltungsrückblick: Buchvorstellung mit Thomas Mayer: Europas unvollendete Währung

24.03.2014, 18:00 - 19:30

ZBW, Raum 519
Neuer Jungfernstieg 21
Hamburg

Am 24.3.2014 stellte der Deutsche-Bank-Berater Thomas Mayer sein Buch „Europas unvollendete Währung: Wie geht es weiter mit dem Euro?“ im bis auf den letzten Platz besetzten Konferenzraum der ZBW-Hamburg vor. Nach seinem Vortrag nutzten viele Zuhörende die Gelegenheit, um Mayer nach seiner Vision für Europa zu fragen. Darüber wurde schließlich noch lange nach Veranstaltungsende weiterdiskutiert. Eine kurze Zusammenfassung finden Sie hier:

Der Euro ist ein einzigartiges historisches Experiment. Thomas Mayer stellt die These auf, dass bislang noch keine Währungsunion dauerhaft am Leben geblieben ist, wenn nicht auch ein politischer Zusammenschluss erfolgt ist. Bei der Einführung des Euro haben viele Ökonomen Bedenken geäußert. Er sieht die Einheitswährung jedoch als einen Deal zwischen Deutschland und Frankreich an, um das wiedervereinigte Deutschland fest in Europa zu etablieren.

Durch niedrige Zinsen und entsprechend günstige Kredite war der Euro zunächst ein Erfolg. Mit dem Zerplatzen der globalen Kreditblase fing der Zusammenhalt in der EWU an zu bröckeln. Die Stabilisierung erfolgte über öffentliche Kredite und viele Mitglieder waren nicht mehr in der Lage, sich an die Maastricht-Kriterien zu halten.  Zwei Alternativen standen jetzt zur Auswahl: Entweder hielt man sich an die Kriterien und verringerte die Zahl der Mitglieder oder alle Mitglieder blieben erhalten und das EWU-Modell wurde modifiziert. Das Ergebnis ist bekannt, bisher hat sich die Mitgliederzahl nicht verringert.

Die Modifizierung des EWU-Modells mit Maßnahmen, wie dem OMT-Programm, Rettungsschirm, Fiskalpakt etc. ließ einen Euro-Schattenstaat entstehen, der nicht demokratisch legitimiert ist. Offensichtlich lehnen die Bürger der EWU-Staaten eine Verlagerung der Souveränität von der nationalen auf die EWU-Ebene ab. Es besteht die Gefahr, dass über kurz oder lang die starken Länder aus dem Euro austreten, wenn die Inflation zu hoch wird. Hier sind unterschiedliche Szenarien denkbar, etwa mit einem Deuro als Buchgeld parallel zum Euro, der sich gegenüber dem Euro aufwerten kann. Die Zukunftsvision sieht Thomas Mayer in einer Demoikratie im Sinne eines Staatenverbundes mit vielen souveränen Völkern.

 

Zum Buch

Der Euro sollte ursprünglich das Sprungbrett zu einem politisch geeinten Europa sein, welches wiederum als Friedensgarant angesehen wurde. Mit dem Fall der Berliner Mauer, dem Zusammenbruch der Sowjetunion und der Wiedervereinigung Deutschlands ist jedoch die Notwendigkeit eines politischen Zusammenschlusses zum Schutz des Friedens in Europa hinfällig geworden. Da eine vollständige politische Union immer weniger angestrebt wird, gilt das "Europrojekt" nicht mehr als stabile Plattform in einer vorhersehbaren Zukunft. Daraus folgt, dass die Eurokrise (als Folge der globalen Finanzkrise) die politischen Entscheidungsträger dazu zwingt, die Wirtschafts- und Währungsunion neu zu formen.


Thomas Mayer stellt in "Europas unvollendete Währung" die These auf, dass eine europäische Währungsunion nur durch einen Zusammenschluss souveräner Staaten gelingen kann, da ein politischer Zusammenschluss im Grunde unrealistisch ist. Dies stellt ein einzigartiges historisches Experiment dar, da bis heute keine derartige Union überlebt hat. Thomas Mayer zeigt, wie die Wirtschafts- und Währungsunion funktionieren könnte und schildert Szenarien, wie es im Falle eines Scheiterns möglicherweise weitergeht.

Thomas Mayer stellte sein Buch am 24. März 2014 in der ZBW Hamburg vor. Dr. Brigitte Preissl, Chefredakteurin des Wirtschaftsdienst, moderierte die bereits 30. Buchvorstellung der Wirtschaftsdienst-Reihe.

Das Buch „Europas unvollendete Währung: Wie geht es weiter mit dem Euro?“ ist im April 2013 beim Wiley Verlag erschienen. Weitere Literatur von Thomas Mayer finden Sie bei EconBiz, dem Online-Katalog der ZBW.

 

Zu Thomas Mayer

Thomas Mayer ist Senior Fellow am Center for Financial Studies der Goethe Universität Frankfurt und Berater der Geschäftsleitung der Deutsche Bank Gruppe. Von Januar 2010 bis Juni 2012 war er Chefvolkswirt der Deutsche Bank Gruppe und Leiter von Deutsche Bank Research.