Die Debatte um eine mögliche Streichung von Feiertagen flammt in Deutschland regelmäßig auf. Aktuell geschieht dies angesichts wachsender Ausgaben für Infrastruktur, Rüstung und Klimaschutz bei zugleich wirtschaftlicher Stagnation und demografischem Wandel mit Fachkräftemangel. Der Beitrag analysiert auf Basis aktueller Daten, ob und inwieweit die Abschaffung eines Feiertags die Wirtschaftsleistung tatsächlich steigern könnte. Neben der gesamtwirtschaftlichen Relevanz werden die teils erheblichen sektoralen und saisonalen Unterschiede der Effekte beleuchtet. Sodann werden die Ergebnisse vor dem Hintergrund der anhaltenden Diskussion um das Produktionspotenzial und die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands eingeordnet.
Und (feier)täglich grüßt das Murmeltier. Regelmäßig vor den Feiertagen – etwa vor Ostern, Pfingsten oder dem Reformationstag – kommt eine gewisse Debatte zuverlässig auf: Hat Deutschland grundsätzlich zu viele Feiertage? Und könnte die Streichung eines arbeitsfreien Tages dabei helfen, den demografischen Wandel abzufedern sowie erforderliche Investitionen in eine teils marode Infrastruktur, für mehr Verteidigungsfähigkeit und den anvisierten Klimaschutz mit zu ermöglichen, indem das Produktionspotenzial erhöht wird (Fuest, 2025; Hüther in Rudzio & Schieritz, 2025; Schröder, 2025)? Als eine Art politischer „Evergreen“ ist die Frage keineswegs neu, gewinnt aber in Zeiten stagnierenden Wachstums und eines mittelfristig schrumpfenden Erwerbspersonenpotenzials zusätzlich an Brisanz.
Vor diesem Hintergrund bringen Unternehmensvertreter und unternehmensnahe Politiker die Streichung eines Feiertags – etwa des Ostermontags oder des Reformationstags – als konkrete Maßnahme zur Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands immer wieder ins Spiel (Gelinsky, 2025; ntv, 2025). Als jüngstes Vorbild wird dabei oft Dänemark herangezogen. Dort wurde im Jahr 2024 der dänische Buß- und Bettag („Store Bededag“) abgeschafft, der seit 1686 als Feiertag am vierten Freitag nach Ostern begangen wurde. Begründet wurde diese Abschaffung mit dem Ziel, höhere Verteidigungsausgaben stemmen zu können. Konkret erhoffte man sich zusätzliche Staatseinnahmen von rund 400 Mio. €, um eine Anhebung des dänischen Verteidigungsbudgets auf 2 % des Bruttoinlandsprodukts (BIP) gemäß dem damaligen NATO-Ziel ermöglichen zu können (o. V., 2025). Ein fester Lohnzuschlag von 0,45 % auf das Jahresgehalt soll dabei den zusätzlichen Arbeitstag für die Arbeitnehmer ausgleichen – was der gewerkschaftsseitig oft befürchteten‚ versteckten Lohnkürzung im Rahmen der Abschaffung eines Feiertags zumindest entgegenwirkt.
Darüber hinaus warnen Gewerkschaften vor gesundheitlichen Belastungen und betonen den Wert von Erholungsphasen für die Produktivität sowie die Bedeutung von Feiertagen für das gesellschaftliche Zusammenleben (Fahimi in Rudzio & Schieritz, 2025). Für diese Argumentationslinie besteht indes sogar ein grundgesetzliches Fundament: „Der Sonntag und die staatlich anerkannten Feiertage bleiben als Tage der Arbeitsruhe und der seelischen Erhebung gesetzlich geschützt“, heißt es in Art. 140 GG (i.V.m. Art. 139 der Weimarer Reichsverfassung). Die konkrete Ausgestaltung der Feiertagsregelung – abgesehen von nationalen Feiertagen – obliegt allerdings den jeweiligen Bundesländern.1 In der Folge variiert die Anzahl der Feiertage, die nicht auf ein Wochenende fallen, zwischen den Bundesländern. Im Jahr 2026 liegt die Spanne zwischen sieben Tagen in den nördlichen und neun Tagen in den südlichen Bundesländern. Entsprechend erschwert wird dadurch ein internationaler Vergleich der Feiertagsanzahl.
In der Regel kreist die Debatte um die Anzahl der Feiertage um klassische Trade-offs: Arbeitsvolumen versus Lebensqualität oder kurzfristige Output-Effekte versus längerfristige Produktivitäts- und Motivationsaspekte. Mit Blick auf jeweils Letzteres wird von Seiten der Gewerkschaften bisweilen gar für „zusätzliche“ Feiertage plädiert, etwa wenn gesetzliche Feiertage auf ein Wochenende fallen. Diese sollten dann – ähnlich wie in Großbritannien und weiteren Ländern – möglichst zeitnah an einem Werktag nachgeholt werden, denn andernfalls würden notwendige Erholungspausen wegfallen, was Motivation, Gesundheit und letztlich die Leistungsfähigkeit der Beschäftigten negativ beeinflusse (dpa, 2025). Im laufenden Kalenderjahr 2026 wären davon gleich mehrere Feiertage betroffen: bundesweit der Tag der Deutschen Einheit (3. Oktober) sowie der zweite Weihnachtsfeiertag (26. Dezember), jeweils an einem Samstag. Darüber hinaus fallen weitere Feiertage in einigen Bundesländern auf ein Wochenende, etwa der Internationale Frauentag (Sonntag, der 8. März), Mariä Himmelfahrt (Samstag, der 15. August), der Weltkindertag (Sonntag, der 20. September), der Reformationstag (Samstag, der 31. Oktober) sowie Allerheiligen (Sonntag, der 1. November). Deutschlandweit ergeben sich im Schnitt 250,5 Arbeitstage für 2026, was den höchsten Wert seit 2022 mit damals 251,4 Arbeitstagen darstellt (Statistisches Bundesamt, 2026b). Das kommende Jahr 2027 wird dann mit 251,8 Arbeitstagen vermeintlich noch weniger „arbeitnehmerfreundlich“.
Allein schon wechselnde kalendarische Konstellationen können mithin Anlass dazu geben, dass sich die Debatte rund um die Anzahl der Feiertage immer wieder neu entfacht. Wie sieht es aber nach aktuellem Stand mit den tatsächlichen Auswirkungen eines Feiertags auf die gesamtwirtschaftliche Leistung aus?2
Arbeitstageeffekte auf die Wirtschaftsleistung
Grundsätzlich bemisst etwa die Deutsche Bundesbank die kalendarischen Effekte auf die Wirtschaftsleistung mittels sogenannter Kalenderfaktoren. Jene Kalenderfaktoren werden dabei über einen Zeitreihenmodellansatz geschätzt, der systematische trendzyklische und saisonale Einflüsse berücksichtigt (Deutsche Bundesbank, 2012, S. 62–63). Auf dieser Basis erfolgt die Kalenderbereinigung, indem der BIP-Ursprungswert durch den jeweiligen Kalenderfaktor dividiert wird. Vor diesem Hintergrund gibt die Tabelle 1 einen Überblick, wie ein kalenderbereinigtes reales BIP-Wachstum in Deutschland berechnet werden kann. Ein hypothetischer Kalenderfaktor von 100,00 würde implizieren, dass über das betreffende Jahr hinweg keine kalendarischen Effekte (oder auch Arbeitstageeffekte) auf das BIP eingewirkt haben. Genauer gesagt hätten sich dann alle etwaig aufgetretenen Effekte gegenseitig aufgehoben. Ein Kalenderfaktor oberhalb – respektive unterhalb – von 100,00 würde demgegenüber einen positiven bzw. negativen Arbeitstageeffekt auf die Wirtschaftsleistung signalisieren. Das kalenderbereinigte BIP fiele dann entsprechend niedriger bzw. höher aus.
Tabelle 1
Einfluss von Arbeitstageeffekten auf das Wachstum des realen BIP
|
Jahr |
Kalenderfaktor |
Arbeitstageeffekt auf reales BIP in %1 |
Ursprungswerte reales BIP-Wachstum in % |
Kalenderbereinigtes reales BIP-Wachstum in % |
|---|---|---|---|---|
| 2016 | 100,17 | |||
| 2017 | 99,89 | -0,28 | 2,80 | 3,11 |
| 2018 | 99,86 | -0,02 | 1,14 | 1,14 |
| 2019 | 99,83 | -0,04 | 0,98 | 1,02 |
| 2020 | 100,19 | 0,36 | -4,13 | -4,49 |
| 2021 | 100,24 | 0,05 | 3,91 | 3,87 |
| 2022 | 100,17 | -0,08 | 1,81 | 1,88 |
| 2023 | 99,97 | -0,20 | -0,87 | -0,67 |
| 2024 | 99,95 | -0,02 | -0,50 | -0,47 |
| 2025 | 99,83 | -0,12 | 0,22 | 0,34 |
| 2026 | 100,08 | 0,25 | ||
| 2027 | 100,20 | 0,12 | ||
| 2028 | 99,98 | -0,22 | ||
| 2029 | 99,87 | -0,12 | ||
| 2030 | 99,83 | -0,04 |
1 Veränderung der Kalenderfaktoren gegenüber dem Vorjahr.
Quelle: Statistisches Bundesamt (2026a, 2026b); Angaben der Deutschen Bundesbank per E-Mail vom 06. November 2025 an den Autor; eigene Darstellung und Berechnungen.
In einem nächsten Schritt lässt sich ein prozentualer Arbeitstageeffekt auf das reale BIP als jährliche Veränderungsrate des Kalenderfaktors ermitteln. Indem man nun die Ursprungswerte des realen BIP-Wachstums um jenen Arbeitstageeffekt revidiert, erhält man das kalenderbereinigte reale BIP-Wachstum. Demnach wurde das BIP-Wachstum in den Jahren 2023 und insbesondere 2017 vergleichsweise stark durch die jahresspezifische Lage und Anzahl der Arbeitstage reduziert – um immerhin rund 0,2 bzw. 0,3 Prozentpunkte (Tabelle 1). Im Gegensatz dazu trat im Jahr 2020 ein relativ stark positiver Arbeitstageeffekt von fast 0,4 Prozentpunkten auf. Denn 2020 wies, zumal als Schaltjahr, einen deutlichen Anstieg an potenziellen Arbeitstagen gegenüber dem Vorjahr auf (Tabelle 2), der letztlich jedoch von den pandemiebedingten negativen Auswirkungen in jenem Jahr dominiert wurde. Im aktuellen Jahr 2026 kommt es durch den Arbeitstageeffekt zu einer Erhöhung des BIP-Wachstums um rund 0,3 Prozentpunkte.
Tabelle 2
Arbeitstage-Elastizität des realen BIP
|
Jahr |
Arbeitstage |
Veränderung der Arbeitstage in % |
Arbeitstage-Elastizität des realen BIP |
|---|---|---|---|
|
2016 |
251,50 | ||
|
2017 |
248,60 | -1,15 | 0,24 |
|
2018 |
247,80 | -0,32 | 0,07 |
|
2019 |
247,80 | 0,00 | |
|
2020 |
251,50 | 1,49 | 0,24 |
|
2021 |
251,80 | 0,12 | 0,45 |
|
2022 |
251,40 | -0,16 | 0,47 |
|
2023 |
249,40 | -0,80 | 0,25 |
|
2024 |
248,80 | -0,24 | 0,09 |
|
2025 |
248,10 | -0,28 | 0,42 |
|
2026 |
250,50 | 0,97 | 0,26 |
|
2027 |
251,80 | 0,52 | 0,24 |
|
2028 |
249,40 | -0,95 | 0,23 |
|
2029 |
247,80 | -0,64 | 0,18 |
|
2030 |
247,80 | 0,00 |
Quelle: Statistisches Bundesamt (2026a, 2026b); Angaben der Deutschen Bundesbank per E-Mail vom 06. November 2025 an den Autor; eigene Darstellung und Berechnungen.
Gesamtwirtschaftliche Auswirkungen der Abschaffung eines Feiertags
Eine gewisse Bandbreite möglicher Feiertagseffekte wurde bereits Mitte der Neunzigerjahre im Rahmen eines Ansatzes des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung (SVR) ermittelt. Der SVR hatte im Jahr 1995 ein Sondergutachten anlässlich der Einführung der Pflegeversicherung und der angedachten Kompensation der dadurch entstehenden Beitragslast der Arbeitgeber durch die Abschaffung des Buß- und Bettages als gesetzlichen Feiertag erstellt (SVR, 1995, S. 266–315). Dabei simulierte der SVR zwei Szenarien: einerseits eine Kostenreduzierung bei konstantem Arbeitsvolumen durch eingesparte Feiertags- und Überstundenzuschläge, andererseits eine Mehrproduktion durch ein erhöhtes Arbeitsvolumen. Die damals für einen zusätzlichen Arbeitstag ermittelten Effekte würden heutzutage eine zusätzliche Wirtschaftsleistung in einem Bereich zwischen rund 7,5 und gut 11 Mrd. € implizieren.3 Dabei kann aber nur ein möglicher Effektkorridor abgesteckt werden.
Bezogen auf die tatsächliche Abschaffung des Buß- und Bettages im Jahr 1995 hatte sich seinerzeit dann eine Entwicklung ergeben, die ein gewisses Bonmot-Potenzial aufwies. Denn im Jahr der Abschaffung wuchs das BIP Sachsens mit 9,7 % deutlich stärker an, als es in den noch am ehesten mit Sachsen vergleichbaren, da benachbarten ostdeutschen Bundesländern Sachsen-Anhalt und Thüringen (6,0 bzw. 5,4 %) der Fall war (Dullien et al., 2025, S. 2). Und das, obwohl nur in Sachsen der Buß- und Bettag nicht als gesetzlicher Feiertag abgeschafft wurde. Trotz seiner eher nur anekdotischen Evidenz wird an diesem Fallbeispiel deutlich, dass der Nettoeffekt einer Streichung von Feiertagen von vielen Faktoren abhängig sein kann. Auch deshalb dürfte die laufend aktualisierte Kalenderbereinigung in der Konjunkturstatistik der Bundesbank eine belastbarere und konkretere Quantifizierung der Auswirkungen ermöglichen als die vor drei Jahrzehnten und unter strukturell ganz anderen Rahmenbedingungen vom SVR abgesteckten Szenarien.
Um nun auf Basis der Bundesbank-Daten die möglichen Effekte eines zusätzlichen Arbeitstags auf die Wirtschaftsleistung quantifizieren zu können, wäre in einem ersten Schritt die sogenannte „Arbeitstage-Elastizität“ des realen BIP zu ermitteln. Als Maß für die Reagibilität beschreibt diese Elastizität den durchschnittlichen prozentualen Anstieg der Wirtschaftsleistung bei einem einprozentigen Anstieg der Anzahl der Arbeitstage. In Tabelle 2 wird diese Reagibilität als Quotient aus dem Arbeitstageeffekt auf das reale BIP und der Veränderungsrate der Anzahl der Arbeitstage in der letzten Spalte ausgewiesen. Für das kommende Jahr 2027 würde demnach ein einprozentiger Anstieg der Arbeitstageanzahl zu einer um 0,24 % höheren Wirtschaftsleistung führen. In den folgenden beiden Jahren wäre der Effekt dann etwas geringer. Zwar unterliegt die gesamtwirtschaftliche Arbeitstage-Elastizität jährlichen Schwankungen, im langfristigen Durchschnitt liegt ihr Wert aber relativ stabil bei ca. 0,3 (Deutsche Bundesbank, 2012, S. 59).4 Ein Anstieg der Arbeitstageanzahl um 1 % würde also im Schnitt zu einer um 0,3 % höheren gesamtwirtschaftlichen Leistung führen. Der Elastizitätswert kann dabei konstruktionsbedingt in beide Richtungen interpretiert werden: Eine um 1 % geringere Anzahl an Arbeitstagen würde die Wertschöpfung um 0,3 % mindern. Hierbei handelt es sich um eine Durchschnittsermittlung auf Basis der Vergangenheitsdaten. Für die tatsächlichen Auswirkungen wäre unter anderem relevant, inwiefern die betreffenden Arbeitstage am Jahresende liegen, da hier die Effekte weihnachtsbedingt geringer ausfallen dürften.
In einem nächsten Schritt lassen sich nunmehr die Auswirkungen genau eines zusätzlichen Arbeitstags – etwa durch die Abschaffung eines Feiertags – genauer beziffern. Ausgehend von der empirisch ermittelten durchschnittlichen Arbeitstage-Elastizität von 0,3 und mithilfe der prozentualen Änderung der jährlichen Arbeitstageanzahl bei einem zusätzlichen Arbeitstag werden in Tabelle 3 die möglichen Effekte für die kommenden Jahre bis einschließlich 2030 aufgeführt.5 Demnach könnte die jährliche Wirtschaftsleistung durch einen zusätzlichen Arbeitstag um rund 0,12 % gesteigert werden (sogenannte „Semi-Elastizität“). In den Jahren 2029 und 2030 würde dadurch der eigentlich leicht negative Arbeitstageeffekt neutralisiert bzw. zu einem leicht positiven Effekt auf das reale BIP werden. Der etwas stärker negative Arbeitstageeffekt des Jahres 2028 würde zumindest mehr als halbiert werden. Und für die aktuellen Jahre 2026 und 2027 könnte ein bereits positiver Arbeitstageeffekt sich durch einen zusätzlichen Arbeitstag um die Hälfte erhöhen bzw. verdoppeln. Umgerechnet auf das BIP in aktuellen Preisen würde demnach ein zusätzlicher Arbeitstag für eine um ca. 5,5 Mrd. € (2026) bzw. 5,7 Mrd. € (2027) höhere wirtschaftliche Gesamtleistung sorgen.6 Ganz allgemein wäre für ein Durchschnittsjahr bei 249,7 Arbeitstagen sowie einer Arbeitstage-Elastizität gemäß Bundesbank-Daten von etwa 0,3 zu erwarten, dass die gesamtwirtschaftliche Wertschöpfung durch einen zusätzlichen Arbeitstag um 0,12 % erhöht werden kann.7
Tabelle 3
Abschaffung eines Feiertags: Einfluss auf das reale BIP
|
Jahr |
Arbeitstage |
Änderung der Arbeitstage bei Abschaffung eines Feiertags in % |
Durchschnittlicher Effekt eines gestrichenen Feiertags auf reales BIP in %1 |
Arbeitstageeffekt auf reales BIP ohne Abschaffung eines Feiertags in % |
Möglicher Arbeitstageeffekt auf reales BIP bei Abschaffung eines Feiertags in % |
|---|---|---|---|---|---|
|
2026 |
250,50 | 0,399 | 0,120 | 0,249 | 0,368 |
|
2027 |
251,80 | 0,397 | 0,119 | 0,123 | 0,242 |
|
2028 |
249,40 | 0,401 | 0,120 | -0,216 | -0,095 |
|
2029 |
247,80 | 0,404 | 0,121 | -0,116 | 0,005 |
|
2030 |
247,80 | 0,404 | 0,121 | -0,039 | 0,083 |
1 Semi-Elastizität, bei einer durchschnittlichen gesamtwirtschaftlichen Arbeitstage-Elastizität von 0,3.
Quelle: Statistisches Bundesamt (2026a, 2026b); Angaben der Deutschen Bundesbank per E-Mail vom 06. November 2025 an den Autor; eigene Darstellung und Berechnungen.
Unterschiedliche sektorale Effekte
Das aggregierte Gesamtbild der wirtschaftlichen Auswirkungen eines abgeschafften Feiertags ergibt sich indes als eine Art Mosaik aus branchenspezifisch teilweise ganz unterschiedlich stark ausgeprägten Teileffekten. Für ausgewählte Sektoren werden diese in Tabelle 4 auf Basis aktueller Berechnungen der Bundesbank dargestellt. Die darin aufgeführte Semi-Elastizität repräsentiert die durchschnittliche prozentuale Veränderung des jeweiligen Indikators bei genau einem zusätzlichen – wie unter „Kalender-Variable“ definierten – Tag im betreffenden Monat.8
Tabelle 4
Arbeitstageeffekte in ausgewählten Sektoren
|
Wirtschaftsbereich |
Indikator |
Kalender-Variable |
Semi-Elastizität1 |
t-Wert |
|---|---|---|---|---|
| Produzierendes Gewerbe (ohne Bau) | ||||
| Energieversorgung | Produktionsindex | Arbeitstage Jan. bis Nov. | 0,7 | (5,2) |
| Bergbau und Gewinnung von Steinen und Erden | Bruttowertschöpfung | Arbeitstage | 1,3 | (3,1) |
| Verarbeitendes Gewerbe | Produktionsindex | Arbeitstage Jan. bis Nov. | 3,5 | (55,6) |
| Arbeitstage Dez. | 2,3 | (15,5) | ||
| Baugewerbe | ||||
| Hochbau und Tiefbau | Produktionsindex | Arbeitstage Jan. bis Nov. | 4,3 | (35,7) |
| Arbeitstage Dez. | 2,2 | (6,7) | ||
| Ausbaugewerbe | Umsätze | Arbeitstage | 0,9 | (5,6) |
| Investitionsgüterproduzenten ohne Kfz | Inlandsumsatz | Arbeitstage Jan. bis Nov. | 3,8 | (32,2) |
| Arbeitstage Dez. | 2,6 | (9,9) | ||
| Handel | ||||
| Großhandel ohne Kfz | Umsätze | Arbeitstage Jan. bis Nov. | 3,1 | (45,8) |
| Arbeitstage Dez. | 2,2 | (15,0) | ||
| Kfz-Handel | Umsätze | Arbeitstage Jan. bis Nov. | 3,7 | (34,4) |
| Arbeitstage Dez. | 2,7 | (10,1) | ||
| Einzelhandel ohne Kfz | Umsätze | Feiertage Mrz./Apr. | -1,8 | (-7,2) |
| Feiertage Mai/Jun. | -1,6 | (-9,7) | ||
| Tag der Deutschen Einheit | -1,4 | (-2,8) | ||
| Verkehr und Lagerei | Bruttowertschöpfung | Arbeitstage | 0,4 | (3,5) |
| Außenhandel / Leistungsbilanz | ||||
| Waren | Ausfuhr | Arbeitstage | 3,0 | (24,8) |
| Einfuhr | Arbeitstage | 2,2 | (17,2) | |
| Dienstleistungen | Einnahmen | Arbeitstage | 1,4 | (7,4) |
| Ausgaben | Arbeitstage | 2,2 | (11,2) |
1 Semi-Elastizität, hier die durchschnittliche prozentuale Veränderung des Indikators bei einem zusätzlichen – wie unter „Kalender-Variable“ definierten – Tag im jeweiligen Monat.
Quelle: Schätzung von Kalendereinflüssen im Rahmen der VGR (Stand: 14. Juli 2025) – Angaben der Deutschen Bundesbank per E-Mail vom 06. November 2025 an den Autor; eigene Darstellung.
Laut diesen Daten wäre es für einige Sektoren von erheblicher Relevanz, zu welcher Jahreszeit der zusätzliche Arbeitstag anfiele. So ließen sich zwischen Januar und November teils deutlich höhere Effekte erzielen, als im Dezember möglich wären. Im Verarbeitenden Gewerbe um 3,5 % statt nur 2,3 %, bei der Investitionsgüterproduktion (ohne Kfz) um 3,8 % statt 2,6 %. Im Hoch- und Tiefbau wäre der Effekt im Dezember mit 2,2 % sogar nur rund halb so hoch wie im Rest des Jahres mit 4,3 %. Hintergrund ist, dass in diesen Bereichen die Produktion in den Wintermonaten witterungsbedingt zurückgefahren wird. Im Dezember wird sie dann über die Feiertage weitgehend eingestellt und auch nicht durch Überstunden ausgeglichen. Auch im Großhandel sowie im Kfz-Handel wäre der Mehrwert eines zusätzlichen Arbeitstags im Dezember niedriger als im Rest des Jahres.
Für den Einzelhandel ohne Kfz können die jahreszeitabhängigen Effekte noch etwas differenzierter betrachtet werden. Demnach brächte ein wegfallender Feiertag im März oder April mit 1,8 % einen etwas höheren Umsatzzuwachs als im Mai oder Juni mit 1,6 %. Rein fiktiv hätte die Abschaffung des Tags der Deutschen Einheit als Feiertag demgegenüber nur 1,4 % mehr an Umsatz zur Folge. In diesem Einzelhandelsbereich würde also etwa eine Abschaffung des Ostermontags als Feiertag tendenziell mehr zusätzliche Wirtschaftsleistung generieren als eine Streichung des Pfingstmontags oder des Reformationstags. Über alle Wirtschaftsbereiche hinweg dürfte eine Streichung des Feiertagscharakters vom zweiten Weihnachtstag den wohl geringsten Zuwachs an BIP generieren, was insbesondere an der dann witterungs- und jahreszeitbedingt vorherrschenden Ruhe in vielen Branchen liegt.
Insgesamt etwas geringer fallen die Auswirkungen eines wegfallenden Feiertags im Einzelhandel (ohne Kfz) aus, zumal hier eine flexible Verlagerung von geplanten Einkäufen, insbesondere hinsichtlich Ostern und Weihnachten, eher an der Tagesordnung sein dürfte. Im Außenhandel wären für Waren tendenziell etwas stärkere Effekte zu erwarten als für Dienstleistungen, zumal Letztere sich teils auch erheblich zeitflexibler und „aus der Ferne“ erbringen lassen. Vergleichsweise deutlich niedrigere Zugewinne würde ein zusätzlicher Arbeitstag in der Energieversorgung mit 0,7 % sowie hinsichtlich des Verkehrs- und Lagersektors mit dort nur 0,4 % erzielen. Denn Energie wird auch an Sonn- und Feiertagen benötigt, ebenso Verkehrsleistungen und Lagerkapazitäten. Zwar reduziert sich der Energie- und Verkehrsbedarf an Feiertagen zum Teil um industrielle Nachfrager, aber an deren Stelle treten zumindest anteilig erhöhte Bedarfe aus Freizeit und Tourismus.
Fazit
Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass die Abschaffung eines gesetzlichen Feiertags die deutsche Wirtschaftsleistung moderat steigern könnte. Ein zusätzlicher Arbeitstag erhöht das reale BIP im Durchschnitt um etwa 0,12 % – entsprechend rund 5,5 bis 5,7 Mrd. € in den Jahren 2026 und 2027. Die Arbeitstage-Elastizität des BIP liegt langfristig bei circa 0,3, wobei deutliche saisonale und sektorale Unterschiede bestehen: Verarbeitendes Gewerbe, Bauhauptgewerbe und bestimmte Handelsbranchen profitieren je nach Jahreszeit stärker, während Effekte im Dezember oder in dienstleistungsintensiven, kontinuierlich laufenden Sektoren wie Energie und Verkehr deutlich geringer ausfallen. Die Streichung eines Feiertags könnte damit einen messbaren, wenngleich begrenzten Beitrag zur Steigerung des Produktionspotenzials leisten.
In der aktuellen wirtschaftlichen Lage dürften die positiven Impulse allerdings noch abgedämpft werden – aufgrund einer schwachen Gesamtnachfrage sowie des teils starken Fachkräftemangels, man denke nur an die hohe Auslastung im Pflege- und Handwerkssektor. Strukturelle Rahmenbedingungen und mögliche Verhaltensanpassungen der Akteure spielen hierbei eine zentrale Rolle. Insofern hätte die Streichung eines Feiertags möglicherweise eher einen symbolischen als einen transformativen Charakter. Größere volkswirtschaftliche Erträge versprechen strukturelle Reformen: beispielsweise die konsequente Digitalisierung von Verwaltungsprozessen, eine gezielte Reduzierung bürokratischer Belastungen, eine gesteuerte Erwerbsmigration zur Linderung des Fachkräftemangels sowie eine – nicht nur formelle – Verlagerung von konsumtiven hin zu investiven öffentlichen Ausgaben. Die Debatte um die Abschaffung von Feiertagen sollte daher nicht den Blick auf die dringlicheren und wirksameren Strukturreformen verstellen.
- 1 Daher müsste auch jedes Bundesland einzeln über die Streichung eines Feiertags beschließen (Schröder, 2025).
- 2 Zur Messung der Wohlstandswirkung eines zusätzlichen Feiertags gibt es input- und outputbasierte Ansätze (Hansen & Meyer, 2018, S. 19–20).
- 3 Eigene Berechnungen auf Basis des SVR-Sondergutachtens aus 1995 sowie der makroökonomischen AMECO-Datenbank (Europäische Kommission, 2026).
- 4 Dieser Wert wurde dem Autor Ende 2025 von der Bundesbank als aktuell bestätigt.
- 5 Annahmegemäß würde die Abschaffung eines Feiertags die Anzahl der Arbeitstage genau um einen Tag erhöhen.
- 6 Eigene Berechnungen basierend auf Quellen zu Tabelle 3 sowie der makroökonomischen AMECO-Datenbank (Europäische Kommission, 2026).
- 7 Laut Statistischem Bundesamt hat ein Durchschnittsjahr 249,7 Arbeitstage, wobei von einer 5-Tage-Woche ausgegangen wird. Hierbei fließen verschiedene Feiertage mit empirisch bedingt unterschiedlichen Arbeitstageanteilen in die Kalenderbereinigung ein (Statistisches Bundesamt, 2026b).
- 8 Dabei handelt es sich um Daten für das gesamte Bundesgebiet, die regional bedingt zwischen Bundesländern variieren können.
Literatur
Deutsche Bundesbank. (2012, Dezember). Kalendarische Einflüsse auf das Wirtschaftsgeschehen. Monatsbericht Dezember 2012, 53–63.
Die Verfassung des Deutschen Reichs (WRF) in der im Bundesgesetzblatt Teil III, Gliederungsnummer 401-2, veröffentlichten bereinigten Fassung.
dpa. (2025, 1. November). DGB: Feiertage nachholen – Wenn Allerheiligen auf ein Wochenende fällt. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.
Dullien, S., Herzog-Stein, A. & Stein, U. (2025, Juni). Abschaffung von Feiertagen als „Wachstumsbooster“: Idee ohne robustes empirisches Fundament. IMK Kommentar, Nr. 14.
Europäische Kommission. (2026). Makroökonomische Datenbank AMECO [Datenbank].
Fuest, C. (2025, 9. Mai). Sollte Deutschland einen Feiertag abschaffen? [Standpunkt]. ifo Institut.
Gelinsky, K. (2025, 1. Dezember), Leibinger-Kammüller facht Debatte über Feiertage an. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.
Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland (GG) in der im Bundesgesetzblatt Teil III, Gliederungsnummer 100-1, veröffentlichten bereinigten Fassung, das zuletzt durch Artikel 1 des Gesetzes vom 13. Juli 2017 (BGBl. I S. 2347) geändert worden ist.
Hansen, A. & Meyer, D. (2018). Wie viel kosten uns die arbeitsfreien Feiertage? – Zur Diskussion eines weiteren Feiertages in den nördlichen Bundesländern. ifo Schnelldienst, 73(6), 18–23.
ntv. (2025, 8. Oktober). Connemann stellt Reformationstag als arbeitsfreien Tag infrage.
o. V. (2025, April). In Feiertagsspendierlaune. DB results. Deutsche Bank AG.
Rudzio, K. & Schieritz, M. (2025, 27. März). Sollen wir einen Feiertag opfern? Die Zeit, 9.
SVR – Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung. (1995, 2. Juli). Zur Kompensation in der Pflegeversicherung [Sondergutachten] (Deutscher Bundestag, 13. Wahlperiode, Drucksache 13/3016).
Schröder, C. (2025, 19. März). Feiertag abschaffen: Ein zusätzlicher Arbeitstag bringt bis zu 8,6 Milliarden Euro. IW-Nachrichten.
Statistisches Bundesamt. (2026a, 2. Juni). Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen: Inlandsproduktberechnung – Detaillierte Jahresergebnisse (vorläufige Ergebnisse) (Fachserie 18, Reihe 1.4, 2025, Tab. 2.1.1: Bruttoinlandsprodukt).
Statistisches Bundesamt. (2026b, 22. Mai). Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen: Inlandsproduktberechnung – Saisonbereinigte Vierteljahresergebnisse nach X13 (Fachserie 18, Reihe 1.3, 1. Vierteljahr 2026, Tab. 3: Arbeitstage).
Title: Abolish a public holiday – boost economic output? On the effects of eliminating a public holiday
Abstract: The debate over the possible elimination of public holidays flares up regularly in Germany. Currently, this is taking place against a backdrop of rising spending on infrastructure, defence, and climate protection, coupled with economic stagnation and demographic change marked by a shortage of skilled workers. Based on current data, this article analyses whether and to what extent the elimination of a public holiday could actually boost economic output. In addition to the macroeconomic relevance, the analysis highlights the sometimes significant sectoral and seasonal variations in the effects. The findings are then contextualised in the light of the ongoing discussion regarding Germany’s production potential and competitiveness.