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Antizyklischer Kapitalpuffer aktiviert – zu spät, zu wenig und dennoch richtig

Pressemitteilung

13.11.2019

In Deutschland wurde im Mai 2019 erstmals der antizyklische Eigenkapitalpuffer für Banken aktiviert. Dieses makroprudenzielle Instrument der Bankenaufsicht kann EU-weit eingesetzt werden und damit die Mindestanforderungen steigern. Die Eigenkapitalanforderungen wurden allerdings nur um den Mindestschritt von 0,25 Prozentpunkten erhöht. "Da die allermeisten Kreditinstitute mit ihrem Kapital deutlich über den Mindestanforderungen liegen, ist davon auszugehen, dass sie gar nicht oder nur marginal reagieren müssen", erläutern Horst Gischer, Bernhard Herz und Lukas Menkhoff in der aktuellen Ausgabe des Wirtschaftsdienst.

Zudem erfolgt die Umsetzung im Vergleich zu anderen europäischen Ländern relativ spät. Dieses Muster der kleinen und späten Umsetzung kann eine Folge des institutionellen Rahmens mit drei zuständigen Institutionen sein. In Deutschland ist dies der Ausschuss für Finanzstabilität, in dem die BaFin, die Bundesbank und das Bundesfinanzministerium paritätisch vertreten sind. Der Ausschuss beschließt Warnungen und Empfehlungen, die einstimmig getroffen werden, und die die adressierten Institutionen umsetzen sollen. So habe jede Institution im Ausschuss neben dem gemeinsamen Interesse an Finanzstabilität ihre ureigenen Aufgaben und Interessen, die nicht automatisch perfekt zusammenpassen. Erfahrungsgemäß handeln diejenigen europäischen Länder schneller und entschlossener, in denen die Entscheidung von einer einzigen Institution getroffen wird, betonen die Autoren.

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