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Auswirkungen des gesetzlichen Mindestlohns

Pressemitteilung

15.10.2018

Der gesetzliche Mindestlohn wurde zum 1. Januar 2015 eingeführt. Im Voraus wurden vor allem mögliche negative Beschäftigungseffekte der Einführung diskutiert. Jan Zilius(Mindestlohnkommission) und Oliver Bruttel (Geschäfts- und Informationsstelle für den Mindestlohn) ziehen auf Basis der inzwischen verfügbaren Daten und einer Vielzahl von Forschungsergebnissen in der aktuellen Ausgabe des Wirtschaftsdienst Bilanz und zeigen, dass auch andere Anpassungskanäle eine wichtige Rolle spielen.

Zunächst hat die Einführung des gesetzlichen Mindestlohns die Stundenlöhne am unteren Rand der Stundenlohnverteilung erhöht. Allerdings zeigen sich bei den Bruttomonatslöhnen deutlich geringere oder keine Effekte. "In den Verdienst(-struktur-)erhebungen des Statistischen Bundesamts stieg der Stundenlohn bei Beschäftigungsverhältnissen im Mindestlohnbereich von 2014 bis 2016 um rund 14 % – ähnlich wie im SOEP –, der Monatslohn hingegen lediglich um etwa 4 %", erläutern Zilius und Bruttel. Dies lasse sich unter anderem darauf zurückzuführen, dass nach Einführung des gesetzlichen Mindestlohns teilweise gleichzeitig die vertraglich vereinbarte bzw. bezahlte individuelle Arbeitszeit reduziert wurde. Die Zahl der Beschäftigten, die nach wie vor Stundenlöhne unterhalb des gesetzlichen Mindestlohns erhalten, wird je nach Datenlage für 2016 auf rund 750 000 (Statistisches Bundesamt) bzw. rund 1,8 Mio. (DIW Berlin) geschätzt.

Substanzielle negative Beschäftigungseffekte durch die Mindestlohneinführung lassen sich bisher nicht feststellen. Im Gegenteil: die Gesamtbeschäftigung hat von April 2014 bis April 2017 im Jahresvergleich jeweils zwischen 1,4 % und 1,9 % zugenommen. Am meisten hat sich die Mindestlohneinführung auf die durchschnittliche wöchentliche Arbeitszeit ausgewirkt. Die Anpassung der Arbeitszeit bzw. die Arbeitsverdichtung sei eine wesentliche Reaktion der Betriebe auf die Einführung des Mindestlohns. Während sich die tatsächlich geleistete Arbeitszeit kaum verändert hat, ist die vertraglich vereinbarte Arbeitszeit unmittelbar nach Einführung des gesetzlichen Mindestlohns deutlich zurückgegangen. "Dieser Befund sollte weiter analysiert werden, insbesondere vor dem Hintergrund, dass Unregelmäßigkeiten bei der Erfassung der Arbeitszeit hinsichtlich der Umgehung des Mindestlohns als besonders relevant angesehen werden.", betonen Zilius und Bruttel.

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