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Datenkapitalismus – eine ökonomische Betrachtung

Pressemitteilung

16.07.2018

Daten bilden immer häufiger die Grundlage neuer Geschäftsmodelle und ihre effiziente Nutzung steigt ständig. Bereits am Markt etablierte Unternehmen stellt das vor neue Herausforderungen. Eine zunehmende Sensibilisierung der Verbraucher für einen achtsamen Umgang mit persönlichen Daten muss unterstützt werden. Die Autoren des aktuellen Zeitgesprächs diskutieren verschiedene Aspekte datengetriebener Geschäftsmodelle und ihre Auswirkungen.

Tobias Kretschmer weist darauf hin, dass der "Wachstumsbeitrag von Informationstechnologien im Zeitverlauf zunimmt, und dass ein Teil dieser Zunahme der Expertise von Unternehmen, mit Informationstechnologien umzugehen, geschuldet ist." Diese Innovationskraft der Unternehmen müsse aber in Verbindung mit Verbraucherrechten gebracht werden. Ähnlich wie bei den Umweltstandards geht der Autor davon aus, dass sich "Standards bezüglich der Datenverarbeitung im Zeitverlauf herausbilden und sich ähnlich schnell wie die Geschäftsmodelle selbst verändern".

Lukas Wiewiorra betont, dass die Nutzung vieler digitaler Dienste mittlerweile selbstverständlich in der täglichen Praxis verankert ist. "Regulierung muss daher eine Balance finden, die sowohl die Vor- und Nachteile für Konsumenten, Unternehmen und die Gesellschaft in einem spezifischen Kontext bzw. einer Domäne berücksichtigt." Um diesen Anforderungen zu begegnen, enthält die neue europäische Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) z. B. Transparenzvorschriften bei automatisierten Entscheidungsfindungen sowie Regelungen zur Auskunftserteilung über die gespeicherten Daten eines Nutzers und einer Übertragung von Daten an Dritte.

Jan Krämer erläutert, inwiefern die DSGVO ein wichtiger Schritt für die Novellierung des Datenschutzes in Europa war. "Die ökonomischen Implikationen der neuen Datenschutzinstrumente, wie etwa dem Recht auf Datenportabilität, sind jedoch bisher nicht hinreichend erforscht", ergänzt der Autor. Deshalb sei es noch ungewiss, ob diese Regelungen tatsächlich die erhoffte Wirkung entfalten, mehr Nutzerkontrolle und Wettbewerb im Zeitalter des Datenkapitalismus zu etablieren.

Andreas Oehler und Matthias Horn zeigen auf, dass die Datensammlung und Datenverwertung längst "auf weitreichendes Profiling und Tracking aller erfassbaren Lebensumstände inklusive der finanziellen und gesundheitlichen Gesamtsituation der Einzelpersonen und der Haushalte sowie ihrer Verknüpfung mit Daten dritter Anbieter und Verwerter" abzielt. Dabei könne die Datenindustrie bis heute darauf vertrauen, dass die zuständigen politischen Entscheider die bekannte ungleiche ökonomische Verteilung bei der Datenverwertung fortbestehen lasse.

Justus Haucap zufolge dürften die Auswirkungen der DSGVO für den Wettbewerb ambivalent sein. Zum einen reduziere die Harmonisierung des Datenschutzrechts in der EU die Kosten, geschäftlich in mehreren EU-Mitgliedstaaten aktiv zu werden und somit die Markteintrittsbarrieren für Unternehmen. Zum anderen seien jedoch gerade kleine Unternehmen oftmals mit – relativ betrachtet – höheren Umsetzungskosten konfrontiert als Großunternehmen. "Dies verschafft großen Unternehmen tendenziell einen Vorteil und kann insbesondere für Start-ups und kleine und mittlere Unternehmen innovationshemmend wirken."

Stefan Klein und Joschka Hüllmann setzen sich mit dem Beispiel der dominierenden Wissenschaftsverlage auseinander. "Die digitale Wissensproduktion ermöglicht die 'Datafication' der Wissenschaft, die als analytisches Wissenschaftsmanagement vermarktet wird und zugleich ungeahnte Potenziale der Überwachung einzelner Wissenschaftler und des Wissenschaftsbetriebs erzeugt." Dies mache insbesondere mehr Transparenz und wirksamere Governancestrukturen der marktführenden Wissenschaftsverlage erforderlich.

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