Ein Service der

Digitalisierung im Gesundheitswesen

Pressemitteilung

13.10.2017

Die Gesundheitswirtschaft gehört zu den am wenigsten digitalisierten Branchen in Deutschland, aber auch hier nimmt die Digitalisierung an Fahrt auf. Die Autorinnen und Autoren des aktuellen Zeitgesprächs im Wirtschaftsdienst sehen Chancen vor allem in einer besseren Vernetzung im Gesundheitssystem, aber auch darin, in unterversorgten Bereichen Routinebehandlungen elektronisch zu unterstützen. Die größten Probleme liegen beim Schutz der Patientendaten.

Thomas Lux und Bernhard Breil führen in ihrem Beitrag aus, dass die Digitalisierung im Gesundheitswesen bereits weit fortgeschritten sei, allerdings mehr im Rahmen der medizinischen Leistungserstellung z.B. durch Operationsroboter. "Andere Bereiche, wie die akteursübergreifende digitale Unterstützung bzw. Dokumentation des Behandlungsprozesses, die Vernetzung der Akteure oder der Einsatz einheitlicher Standards befinden sich gerade einmal auf dem Weg." Dabei wirken Regulierungen und Beschränkungen auf dem Gesundheitsmarkt innovationshemmend. Auch "ist ein Umdenken der Akteure erforderlich, nicht nur das punktuelle Ergebnis ihrer medizinischen Leistung zu sehen, sondern die Effizienz und Qualität des gesamten Behandlungsprozesses aus Sicht des Patienten", erläutern die Autoren.

Michael Dörries, Daniel Gensorowsky und Wolfgang Greiner stellen heraus, dass Qualitätssteigerungen bei der Versorgung den Patienten zugute kommen. Durch die Einbindung digitaler Technologien in den Versorgungsprozess könnten eine schnellere Diagnosestellung erfolgen sowie sinnvolle Therapieansätze unter Berücksichtigung komplexer Patientencharakteristika ausgewählt und Fehler z.B. durch Interaktionswarnungen im Medikationsprozess vermieden werden. "Eine zentrale Chance der Digitalisierung liegt zudem im Patient Empowerment", stellen die Autoren fest. Die Nutzung digitaler Technologien und die direkte Vernetzung der Leistungserbringer mit ihren Patienten bilden die Grundlage dafür, dass die Patienten stärker in den Versorgungsprozess eingebunden werden können.

Doris Pfeiffer weist auf die zunehmend größere Rolle der Telemedizin im digitalisierten Gesundheitswesen hin. Denn in etlichen telemedizinische Angeboten lägen Effizienzpotenziale: Zeiten können eingespart, räumliche Distanzen leicht überwunden und relevante Informationen und Expertise schneller zur Verfügung gestellt werden. Wichtig sei aber, auch in Zukunft eine unmittelbare medizinische Versorgung für die Patienten zu gewährleisten. "Die Telemedizin darf nicht dazu führen, dass der Sicherstellungsauftrag der ambulant tätigen Ärzte unterlaufen wird", betont Pfeiffer.

Felix G. Rebitschek, Gerd Gigerenzer und Gert G. Wagner identifizieren drei kritische Voraussetzungen für die Digitalisierung im Gesundheitswesen. Erstens sei eine Risiko- und Gesundheitskompetenz von Versicherten sicherzustellen. Zweitens müsse die Ausweitung der Defensivmedizin gestoppt werden. Digitale Erfassungs- und Kontrollmechanismen dürften nicht dazu führen, "dass Ärzte ihre Haftungsrisiken zulasten des Patientenwohls minimieren". Drittens sollte die Solidarität im Gesundheitswesen gesichert werden. Studien müssen aufzeigen, für wen die Nutzung welcher Werkzeuge gesundheitsförderlich ist. "Erst dann ist eine gesellschaftliche und politische Auseinandersetzung darüber verantwortbar, inwieweit individuelle Verantwortung für die eigene Gesundheit über Körper und Geist ins Portemonnaie hineinreichen könnte und sollte", schließen die Autoren.

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