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Ein intelligentes städtisches Verkehrssystem

Pressemitteilung

16.05.2018

Nicht zuletzt mit dem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts Leipzig Ende Februar 2018 zu Diesel-Fahrverboten hat sich die öffentliche Aufmerksamkeit auf die Luftverschmutzung in Städten gerichtet. Die Autorinnen und Autoren des aktuellen Zeitgesprächs diskutieren mögliche Alternativen, um die negativen Folgen der Verkehrsexpansion zu mindern. Eine Stärkung des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV), der Ausbau des Radverkehrs und eine bessere Vernetzung der Verkehrsmittel bieten sich an.

Michael Ortgiese von der Fachhochschule Potsdam plädiert in seinem Beitrag dafür, bei der Umgestaltung der Mobilitätssysteme die Gesamtwirkung zu beachten. Auch sollte eine Vielzahl von Lösungsansätzen miteinander kombiniert werden. In erster Linie muss der motorisierte Individualverkehr reduziert und elektrifiziert werden. Darüber hinaus sollte der ÖPNV und der Radverkehr ausgebaut sowie durch neue Mobilitätsangebote und -technologien ergänzt werden.

Christian Holz-Rau und Alexander Reichert von der Technischen Universität Dortmund beschreiben die Verkehrsplanung und -politik als eine Suche nach Kompromissen zwischen wirtschaftlichen Interessen, widerstreitenden Nutzeransprüchen und Schutzinteressen bei effektivem Einsatz öffentlicher Mittel. Mögliche Strategien einer integrierten Verkehrsplanung sind die Vermeidung, Verlagerung und verträglichere Abwicklung von Verkehr. Städte bräuchten insbesondere gute Lösungen für die Naherreichbarkeit. "Eine solche Stadt unterstützt den Alltag der Menschen, die weitgehend unabhängig vom Pkw leben müssen oder wollen, und sollte gleichzeitig auf gute Bedingungen für den Fuß- und Radverkehr achten", betonen die Autoren.

Kirstin Lindloff und Jürgen Gies vom Deutschen Institut für Urbanistik weisen darauf hin, dass derzeit ein Handlungsfenster zur stärkeren kommunalen Förderung des ÖPNV bestehe. Die Angebote müssen aber auch attraktiv sein, z. B. indem sie den klassischen ÖPNV mit Sharing-Lösungen kombinieren, um die Nutzung dieser Angebote zu erhöhen.

Alexander Eisenkopf von der Zeppelin Universität Friedrichshafen setzt sich mit der Finanzierung des zukünftigen Stadtverkehrs auseinander. So sei das Thema der Verletzung der Grenzwerte von Stickoxiden nur eine der zahlreichen Herausforderungen für den Stadtverkehr. Beim ÖPNV gehe es vor allem um einen erheblichen Investitionsrückstand und den Finanzbedarf öffentlicher Infrastrukturen. "Der Investitionsbedarf für ÖPNV-Projekte in Deutschland wurde zuletzt in einer Studie aus dem Jahr 2009 systematisch erhoben und für die Jahre 2016 bis 2025 mit nominal 2,45 Mrd. Euro bis 2,93 Mrd. Euro p. a. beziffert; hinzu kommt ein Nachholbedarf von 2,35 Mrd. Euro", erläutert Eisenkopf.

Günter Knieps von der Universität Freiburg beschäftigt sich mit städtischen Verkehrssystemen in der App-Ökonomie. "Weltweit werden inzwischen die vielfältigen Innovationspotenziale von 'shared' Mobilitätsdienstleistungen diskutiert, die durch die App-basierte Echtzeitkommunikation ermöglicht werden", führt er aus. Ein Beispiel sind innovative Mobilitätsdienstleistungen in Helsinki, wo die Nutzung von Shared-Taxi- und Shared-Bus-Diensten die eigene Pkw-Nutzung reduzieren soll. Dies kann den CO2-Ausstoß und insbesondere Staus in Städten verringern.

 

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