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Tempolimits und Grenzwerte: für eine evidenzbasierte verkehrspolitische Debatte

Pressemitteilung

15.05.2019

In der Diskussion um städtische Luftverschmutzung und Geschwindigkeitsbegrenzungen auf Autobahnen besteht ein Mangel an evidenzbasierten Argumenten, was die Debatte immer wieder blockiert. Wolfgang Habla, Vera Huwe und Martin Kesternich vom ZEW in Mannheim betonen in der aktuellen Ausgabe des Wirtschaftsdienst, dass bei der Beurteilung von Grenzwerten bzw. angedachten Maßnahmen wie Tempolimits kausale Wirkungszusammenhänge differenziert betrachtet und kommuniziert werden sollten.

Die Diskussion über lokale Luftverschmutzung konzentriert sich bisher auf deren Einfluss auf Erkrankungen und Sterblichkeit, die Debatte über Tempolimits dreht sich nahezu ausschließlich um das CO2-Einsparpotenzial und die Verkehrssicherheit. Dies verkennt die Bedeutung weiterer, ökonomisch relevanter Dimensionen. In den vergangenen Jahren wurde einhellig nachgewiesen, so Habla, Huwe und Kesternich, dass die körperliche bzw. geistige Leistungsfähigkeit und damit die Produktivität an Tagen mit hoher lokaler Luftverschmutzung statistisch signifikant zurückgeht. Luftverschmutzung schlägt sich auch schon bei geringer Belastung negativ in Bildungsergebnissen nieder. Negative Effekte auf den Bildungserfolg sind insbesondere auch bei langfristiger Belastung zu verzeichnen, z. B. wenn die Luftqualität an Schulen aufgrund der Nähe zu einer Autobahn oder einer vielbefahrenen Straße über einen längeren Zeitraum hinweg schlecht ist. Habla, Huwe und Kesternich fordern für eine sorgsamere und differenziertere Auseinandersetzung mit kausalen Wirkungszusammenhängen aktuell verfügbare Daten und eine genaue Definition der gesellschaftlichen Zielfunktion.

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