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Verzehrt Deutschland seinen staatlichen Kapitalstock?

Pressemitteilung

15.01.2019

Fehlende Investitionen in die öffentliche Infrastruktur werden in der öffentlichen Debatte häufig kritisiert. Dabei wird teils darauf hingewiesen, dass Deutschland seinen staatlichen Kapitalstock verzehre. Auf Basis einer Analyse des realen Bruttoanlagevermögens lässt sich dies allerdings nicht so pauschal zeigen, argumentieren Michael Grömling, Michael Hüther und Markos Jung vom Institut der deutschen Wirtschaft in der aktuellen Ausgabe des Wirtschaftsdienst. In den letzten Jahren gab es zwar schwächere Zuwächse des Kapitalstocks, aber keine Rückgänge. Auch dem stagnierenden Kapitalstock der Kommunen, auf die 55 % des staatlichen Anlagevermögens entfallen, stünden durchgehende Anstiege beim Kapitalstock von Bund und Ländern gegenüber.

Tatsächlich stellen die Autoren eine deutliche Strukturverschiebung der staatlichen Investitionsentwicklung der letzten zwei Jahrzehnte von den klassischen Infrastrukturen zum geistigen Eigentum fest. Dies entspricht "den modernen Ansprüchen an den staatlichen Kapitalstock und reflektiert die Tatsache, dass mittlerweile ein Viertel bis ein Drittel der staatlichen Bruttoinvestitionen für Forschung und Entwicklung bereitgestellt werden". Die Stagnation zeigt sich allerdings tatsächlich beim dominierenden Nichtwohnungsbau, zu dem auch die staatliche Verkehrsinfrastruktur gehört. In diesem Bereich stagnierte das Bruttoanlagevermögen, und die Kapitalintensität ist leicht gesunken. Hier sind insbesondere die Kommunen gefordert, die diese Aufgabe angesichts ihrer desolaten Kassenlage oft nicht wahrnehmen können. "Wer also engpassorientiert handeln will, der muss die Kommunalfinanzen umfassend ertüchtigen", schließen Grömling, Hüther und Jung.

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