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Weltmärkte im Wandel – Nutzt Europa seine Chancen?

Pressemitteilung

02.05.2018

Weltmärkte im Wandel – Nutzt Europa seine Chancen?

Brigitte Preissl, Kristin Biesenbender und Cora Wacker-Theodorakopoulos (Redaktion Wirtschaftsdienst) geben in ihrer Einleitung einen kurzen Überblick über die Ergebnisse der Konferenz und die Themenschwerpunkte der Vorträge.

Steuerpolitik als Mittel des Protektionismus?

Die Globalisierung und damit die weitere Vertiefung der wirtschaftlichen Integration werden von verschiedenen Seiten infrage gestellt, betont Clemens Fuest (ifo Institut) in der Keynote der Konferenz. In vielen Ländern sind protektionistische Tendenzen zu erkennen. Die Folgen der US-Steuerreform und die Auswirkungen auf den internationalen Steuerwettbewerb werden detailliert betrachtet.

Historische und aktuelle Perspektiven im Dienstleistungshandel

Der internationale Dienstleistungshandel spielt eine immer bedeutendere Rolle im Welthandel. Hierbei muss im Gegensatz zu Zollschranken im Warenhandel auf die nicht-tarifären Handelshemmnisse geschaut werden, die oft nur schwer quantifizierbar sind. Holger Breinlich (Universität Nottingham) diskutiert in seinem Beitrag Handelsbarrieren, den Brexit sowie die damit verbundenen Bedrohungen für den Dienstleistungshandel in Europa.

Wie teuer wäre ein Handelskrieg?

Zurzeit sprechen bereits viele von einem drohenden Handelskrieg. Daher ist es sinnvoll zu hinterfragen, was schlimmstenfalls passieren kann. Die einfache Botschaft lautet, dass Handelsgewinne hoch und Handelskriege teuer sind, stellt Ralph Ossa (Universität Zürich) in seinem Beitrag fest. So ist etwa ein Viertel des weltweiten Realeinkommens auf Handelsgewinne zurückzuführen. Außerdem würde ein Handelskrieg fast ein Viertel dieser Handelsgewinne zerstören und erheblichen Schaden anrichten.

Perspectives for Global Trade and the International Trading System

Alexander Keck, John Hancock and Coleman Nee (WTO) review current developments and future prospects for international trade, arguing that despite the recent slowdown, trade remains an important driver of economic growth and development. Scepticism towards further trade opening needs to be addressed, notably via appropriate domestic adjustment policies. One challenge to advancing further global economic integration lies in the rapid transformation of trade itself and the nature of remaining barriers. The authors highlight new models of trade cooperation that can help to make progress at the global level while accommodating countries' diverse interests and levels of development.

Europe in a New World Order

The EU is a relatively open economy and has benefited from the multilateral system. Maria Demertzis, André Sapir und Guntram B. Wolff (Bruegel) argue that the EU should defend its strategic interests. The Singapore ruling has offered a useful clarification on trade policy. Addressing internal imbalances would also increase external credibility. Finally, strengthening Europe's social model would provide a counter-model to protectionist temptations.

EU-Handels- und Investitionspolitik

In der EU-Handels- und Investitionspolitik gibt es viele Baustellen. Um die bestehenden und geplanten Freihandelsabkommen beurteilen zu können, zeigt Gabriel Felbermayr vom ifo Institut die einzelnen Effekte detailliert auf. Die Wirkungen der europäischen Handelspolitik sowie des neuen Protektionismus der USA werden untersucht und erläutert.

Welche Abstimmungsmuster liegen dem Brexit-Referendum zugrunde?

Das Brexit-Referendum vom 23. Juni 2016 stellt einen zentralen Wendepunkt in der britischen Nachkriegsgeschichte dar. Sascha O. Becker, Stefan Fetzer und Dennis Novy von der Universität Warwick analysieren die Wahlergebnisse und zeigen, dass das Abstimmen für den EU-Austritt offenbar wenig mit der Handels- und Wirtschaftspolitik der EU zusammenhängt. Stattdessen scheint die Furcht vor Einwanderung, insbesondere in Gebieten, in denen diese kaum auftritt, entscheidender zu sein. Unzufriedenheit mit den allgemeinen wirtschaftlichen Zuständen und dem öffentlichen Versorgungsangebot spielen auch eine wesentliche Rolle.

Global Value Chains, the Rise of the Robots and Human Capital

It is often argued that robots will lead to the reshoring of activity from low wage countries to rich countries – the revival of manufacturing in rich countries. But smart robots are a capital biased technology which could potentially replace smart people. As a result the skill premium – the relative wage between a university graduate and a high school graduate – is declining in Europe. The expansion of higher education has been too aggressive in face of the capital bias of digital technology, emphasises Dalia Marin (Ludwig-Maximilians-Universität München) in her contribution.

Außenhandel, Arbeitsmärkte und die globale Verteilung der Einkommen

Die Globalisierung schreitet voran und nimmt Einfluss auf die Einkommensverteilung zwischen Ländern und innerhalb von Ländern. Die Erforschung dieses Zusammenhangs hat sich weiterentwickelt und bietet verbesserte und nuanciertere Erklärungen als die frühen Ansätze von Adam Smith und David Ricardo, doch deren grundlegenden Einsichten in die Vorteile der globalen Arbeitsteilung bleiben unverändert relevant. Mit der Globalisierung 2.0 werden nicht mehr nur Endprodukte gehandelt. Die moderne Weltwirtschaft tauscht Komponenten, Zwischenprodukte und Dienstleistungen. Deren Produktionsstufen siedeln sich zumeist in qualifikationsärmeren Ländern an, was zu einer erhöhten Lohnungleichheit innerhalb der Länder führt. Jüngste Fortschritte in der internationalen Handelstheorie liefern ein weitergehendes Verständnis der Einflüsse auf die Einkommensverteilung, erläutert Marc-Andreas Mündler von der University of California, San Diego.

Ethische Maßstäbe für gerechte Regeln des Welthandels

Internationale Abkommen sind in Verruf geraten. Die einen befürchten sinkende Sozial-, Umwelt- und Verbraucherschutzstandards und die anderen eine zu weitgehende Bevormundung. Dabei muss allerdings auch berücksichtigt werden, wie das Ergebnis aussieht, wenn überhaupt kein Abkommen entsteht. Das globale Gemeinwohl, Transparenz und Chancengleichheit auch für weniger entwickelte Länder sollten die vorrangigen Ziele sein, betont Johannes Wallacher von der Hochschule für Philosophie München.