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Wohnen in der Stadt: Wege zur Lösung eines Knappheitsproblems

Pressemitteilung

12.09.2019

Die Lage am Wohnungsmarkt in Großstädten spitzt sich zu, sodass zunehmend Maßnahmen gefordert sind, um das Angebot an bezahlbarem Wohnraum auszuweiten. Ralph Henger, Claus Michelsen, Carsten Kühl, Carolin Wandzik und Lukas Tockner analysieren die Lage und diskutieren Wege zur Lösung des Knappheitsproblems im aktuellen Zeitgespräch des Wirtschaftsdienst.

Henger sieht die aktuelle Wohnungsknappheit als Kehrseite des langanhaltenden Wirtschaftsbooms. Mit dem Aufschwung kam es zu einer stärkeren Zuwanderung aus dem europäischen Ausland. Zudem sei die Nachfrage nach Immobilien seit der Finanz- und Wirtschaftskrise auch aufgrund niedriger Zinsen gestiegen. Nun sei schnelles Handeln auf allen Ebenen erforderlich, um mehr Wohnraum zu schaffen, aber kein Aktionismus. Eine zentrale Maßnahme, um Wohnraum bezahlbar zu machen, sieht Henger im Wohngeld. "Der Vorteil des Wohngeldes liegt darin, dass es als subjektbezogenes Instrument den objektbezogenen Instrumenten hinsichtlich ihrer sozialen Treffsicherheit überlegen ist."

Michelsen konstatiert, dass die Mietpreisbremse besser als ihr Ruf sei. So lasse sich empirisch nachweisen, dass die "Mietpreisbremse entgegen vieler anderslautender Einschätzungen sehr wohl einen dämpfenden Effekt auf die Mieten entfaltet hat". Dem Mietendeckel erteilt er eine Absage: "Anstatt die Interventionsspirale immer weiter zu drehen, [...] wäre es eine klügere Politik, der etablierten und jüngst für weitere fünf Jahre verlängerten Mietpreisbremse zu mehr Geltung zu verhelfen".

Kühl betont, dass dem Problem der hohen Mietbelastungen unterer Einkommensgruppen kurzfristig nur durch signifikante Verbesserungen beim Wohngeld zu begegnen sei. Darüber hinaus sei der soziale Wohnungsbau vor allem in Wachstumsregionen ein wichtiges Element der Wohnungspolitik. Auch eine neue Bodenpolitik müsse her: "Bodenverfügbarkeit entscheidet nicht nur über die Gestaltungsfähigkeit der Kommunen, Boden ist auch der größte Preistreiber auf dem Immobilienmarkt", erläutert Kühl.

Wandzik weist darauf hin, wie wichtig die Nutzbarmachung neuen Baulands ist – sowohl in den Städten durch Nachverdichtung als auch im Umland zur Entlastung der Städte. Dies sorge allerdings vor dem Hintergrund des NIMBY-Effektes ("Not in my backyard") für Kontroversen in der Bevölkerung. "Hier sind sowohl die Politik als auch die Menschen vor Ort selbst gefragt, die erforderlichen Rahmenbedingungen zu schaffen, manchen gordischen Knoten zu zerschlagen und Verständnis für die Notwendigkeit bestimmter Maßnahmen aufzubringen", schließt Wandzik.

Tockner analysiert, wie Österreich es schafft, preisgünstige Neubauwohnungen anzubieten. Erstens werde die Höhe des Wohnungsangebots durch investitionsfördernde Maßnahmen der öffentlichen Hand direkt beeinflusst. Zweitens sei die Preisbildung bei dem durch Wohnbauförderungsmittel generierten Teil des Neubauangebots öffentlich geregelt. Dabei sei es zentral, dass kein öffentlicher Liegenschaftseigentümer mehr Grundstücke veräußere. "Freie Liegenschaften sollten im Erbbaurecht an Wohnungsunternehmen vergeben werden, die preisgebundenen Wohnraum errichten", empfiehlt Tockner.

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