Die deutsche Reichsbank weist am 31. Oktober eine Vermehrung des Wechsel- und Schatzanweisungs-Portefeuilles um 194 Mill. auf 11 737 Mill. ℳ auf. Im Vorjahre war die Belastung in der vierten Oktoberwoche um rund 60 Mill. größer. Der Betrag der umlaufenden Noten erhöhte sich um 262 Mill. auf 10 400 Mill., während die fremden Gelder um 49 Mill. auf 5686 Mill. zurückgingen. Der Metallbestand weist eine Erhöhung von 4,8 Mill. ℳ (davon 0,2 Mill. ℳ Gold) auf. Die Darlehnskassen haben in der Berichtswoche Kredite in Höhe von 200,9 Mill. ℳ gewährt. Ihr gesamter Darlehnsbestand ist damit auf 6738,5 Mill. ℳ gewachsen. Von den ausgegebenen Darlehnskassenscheinen sind 167,9 Mill. ℳ in den Verkehr geleitet. Der Bestand der Reichsbank ist daher nur um 33 auf 1012 Mill. ℳ gestiegen.
Die Einzahlungen auf die siebente Kriegsanleihe haben sich auf 10 470, gleich 84 %, des bisher bekannt gewordenen Zeichnungsergebnisses erhöht. Die Darlehnskassen sind bisher für diese Anleihe nur mit 134,7 Mill. ℳ in Anspruch genommen.
Der Umlauf an Kassenscheinen der Darlehnskasse Ober-Ost hat sich im Oktober von 118,7 auf 136,8 Mill. Rubel erhöht.
Die siebente österreichische Kriegsanleihe, über deren Begebung wir in der vorigen Übersicht berichtet haben, unterscheidet sich von der letzten nur ganz unwesentlich. Für die langfristige Anleihe ist der Begebungspreis wieder 92 1/2, für die (diesmal neunjährigen) Schatzscheine dagegen 94 1/2, gegen 94 bei der letzten Anleihe. Da die Banken 1/2 % vergüten und die Zeichner bei der langfristigen Anleihe eine einmonatliche Zinsenbonifikation erhalten, ist der wirkliche Zeichnungspreis 91 1/2 bzw. 94 %. Die Rentabilität der vierzigjährigen Anleihe beträgt 6 1/2 %, die der Schatzscheine 6,4 %. Die Österreichisch-Ungarische Bank erhöht für die Zeichner die Lombardgrenze für festverzinsliche Wertpapiere von 75 auf 80 %. Die sechste Anleihe hatte in Österreich 5,2 Milliarden erbracht. Dieses Ergebnis glaubt man auch dieses Mal im ungünstigen Falle erzielen zu können.
Die neue ungarische Anleihe wird wieder in zwei Formen ausgegeben: als 6 % ewige Rente, kanonzinsbar ab August 1922, mit einer Realverzinsung von 6,3 %, und als 5 1/2 % ewige Rente, kanonzinsbar ab Mai 1925, mit einer der erhöhten Kursentwicklungschance entsprechend niedrigeren Verzinsung von 6,15 %. Die sechste ungarische Kriegsanleihe hatte 1,7 Milliarden erbracht.
*
Bei der Bank von England stieg nach dem Ausweis vom 1. November das Portefeuille um 2,2 Mill. auf 92,8 Mill. £. Das Guthaben des Staates erhöhte sich um 3,8 Mill. auf 53,8 Mill., während die privaten fremden Gelder um 1,9 auf 122,4 Mill. £ sanken. Der Barvorrat nahm um 487 000 £ auf 56 Mill. zu, der Notenumlauf um 791 000 auf 42,4 Mill.
Der Betrag der umlaufenden Staatsnoten erhöhte sich in der letzten Oktoberwoche von 167,7 Mill. £ auf 167,9 Mill. £, der der Kriegszertifikate von 18,1 Mill. auf 19,3 Mill.
Die „Daily News“ behaupten, daß trotz aller Sparsamkeitspropaganda die Regierungsämter sich noch alle einer gewissen „Verachtung des Geldes“ schuldig machen. Es könnte sonst nicht vorkommen, daß im vierten Kriegsjahr noch 850 £ für die Bewachung eines einzelnen Amtes durch eine Schildwache ausgegeben werden. Der Generalstab werde noch immer nicht dazu angehalten oder halte es für unvereinbar mit seiner Tätigkeit, sich um die Kosten seiner Politik zu kümmern.
Die ordentlichen Einnahmen des englischen Schatzamtes in der dritten Oktoberwoche betrugen 10,6 Mill. £ (in der Vorwoche 8,2 Mill. £). Die Einkommensteuer erbrachte 1 Mill. (0,9), die Kriegsgewinnsteuer 4,1 Mill. (3,7), die indirekten Abgaben 2 Mill. (2,2). Die Ausgaben beliefen sich auf 42,6 Mill. £. Es waren also 32 Mill. durch Kreditaufnahme zu decken. Von Schatzwechseln wurden insgesamt 63 Mill. verkauft, 55,8 Mill. waren zurückzuzahlen, und es bleibt also nur ein Überschuß von 7,2 Mill. £ (in der Vorwoche 1916 6 Mill. £). Der Verkauf von Kriegsobligationen erbrachte 20,5 Mill. Die Zurückzahlung von kurzfristigen Vorschüssen erforderte 22,5 Mill. Dem Kriegsanleihe-Stützungsfonds wurden 2,6 Mill. zugewiesen, dem Guthaben des Schatzamtes in der Bank von England 1,6 Mill. Die Ankündigung, daß kein zweites Budget eingebracht werden wird, sondern daß man mit den bestehenden Steuern bis zum Frühjahr auszukommen hofft, hat die City mit Beruhigung erfüllt.
Einschließlich der neuen Kreditbewilligung in Höhe von 400 Mill. £ beliefen sich die Kreditbewilligungen für die ersten 9 Monate des laufenden Fiskaljahres auf 1900 Mill £ gegen 2010 Mill. im ganzen Fiskaljahre 1916/17. Die zur Finanzierung des Krieges im ersten Vierteljahr 1918 erforderlichen Mittel werden im Laufe der Herbsttagung des Parlaments noch bewilligt werden müssen. Die Gesamtsumme der bisher bewilligten Kriegskredite beträgt 5692 Mill. £ und verteilt sich auf die Kriegsjahre wie folgt:
| 1914/15 (acht Monate) | 362 000 000 £ |
| 1915/16 | 1 420 000 000 £ |
| 1916/17 | 2 010 000 000 £ |
| 1917/18 (bis heute) | 1 900 000 000 £ |
Im dritten Vierteljahr 1917 sind im englischen Kapitalmarkt 57 Mill. £ aufgenommen, die den ersten 9 Monaten 1917 1 104,2 Mill. £, davon entfallen 1 038,5 Mill. £ auf die große Kriegsanleihe. Koloniale Regierungen durften 10,9 Mill. £ aufnehmen (i. V. 6,5). Englische Gemeinden sowie englische und auswärtige Eisenbahnen haben sich in diesem Jahr überhaupt nicht an den Kapitalmarkt wenden dürfen. Auf sonstige Unternehmungen entfallen 4 Mill. £ (i. V. 4,35).
Nach der Statistik des Londoner „Economist“ über Industriegewinne ist bei den 337 Unternehmungen, die ihre Abschlüsse im dritten Quartal veröffentlichten, eine Gewinnzunahme von nur 4,5 % zu konstatieren gegen 12 bzw. 11,4 % bei den Gesellschaften, die in den beiden ersten Quartalen ihre Berichte veröffentlicht haben. Der Rückgang wird von dem „Economist“ zurückgeführt auf die Vorausbezahlung von Kriegsgewinnsteuer und Munitionsabgabe. Von den einzelnen Gewerben zeigen eine Gewinnabnahme (gegen das Vorjahr) die Textilindustrie um 10,9 %, die Reederei um 11,8 %, Kanal- und Dockgesellschaften um 13,6 %, Gasgesellschaften um 32 %, Telegraphengesellschaften um 22,4 %. Eine Zunahme weisen auf u. a. die Gewinne der Brauereien um 25,8 %, der Kautschukgesellschaften um 39,8 % und der Hotels und Restaurants (infolge von Entschädigungen) um 349,7 %. Im Durchschnitt sämtlicher Gesellschaften, die bisher in diesem Jahr ihren Bericht veröffentlicht haben, ergibt sich auf ein gesamtes Stammkapital von 332,6 Mill. £ eine Durchschnittsdividende von 10,3 %, auf das Vorzugsaktienkapital in Höhe von 209,8 Mill. £ eine Durchschnittsdividende von 5,1 %. Auf die einzelnen Industriezweige verteilen sich die Gewinne wie folgt:
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Reingewinn £ |
Dividende |
Dividende |
Rücklagen usw. |
||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|
|
£ |
% |
£ |
% |
£ |
% |
||
| Brauereien | 3 092 012 | 1 671 063 | 54,0 | 619 258 | 20,0 | 801 691 | 26,0 |
| Kanal- und Dockgesellschaften usw. | 82 049 | 37 369 | 45,5 | 27 614 | 33,6 | 17 066 | 20,9 |
| Gaswerke | 353 188 | 444 826 | 26,0 | 11 945 | 3,4 | *103 583 | *29,4 |
| Hotels, Restaurants usw. | 54 462 | 16 405 | 30,1 | 7 742 | 14,2 | 30 315 | 55,7 |
| Eisen-, Kohlen- und Stahlwerke | 2 581 376 | 1 034 483 | 42,1 | 377 971 | 14,7 | 1 121 922 | 43,2 |
| Grundstücks-, Hypotheken und andere Institute | 945 699 | 612 964 | 64,8 | 138 895 | 14,6 | 193 837 | 20,6 |
| Ölgesellschaften | 1 831 761 | 1 528 335 | 83,3 | 106 300 | 5,8 | 197 126 | 10,9 |
| Kautschukgesellschaften | 1 453 177 | 843 657 | 58,0 | 17 596 | 1,2 | 591 924 | 40,8 |
| Reedereien | 1 635 062 | 706 267 | 43,1 | 85 613 | 5,2 | 843 182 | 51,7 |
| Teegesellschaften | 759 597 | 312 423 | 41,3 | 32 708 | 4,3 | 414 466 | 54,4 |
| Telegraphengesellschaften | 392 078 | 254 498 | 64,8 | 738 | 0,2 | 136 842 | 35,0 |
| Textilindustrie | 1 229 484 | 435 343 | 35,4 | 228 965 | 18,6 | 565 176 | 46,0 |
| Straßenbahnen | 25 631 | 4 887 | 19,0 | 2 850 | 11,1 | 17 894 | 69,9 |
| Trustgesellschaften | 440 775 | 243 930 | 56,3 | 47 770 | 10,8 | 144 075 | 32,9 |
| Wasserwerke | 95 201 | 71 985 | 74,8 | 18 629 | 19,4 | 5 587 | 5,8 |
| Vermischte | 3 284 958 | 1 223 240 | 37,5 | 694 619 | 21,1 | 1 367 099 | 41,4 |
| *) Abnahme. | 18 260 507 | 9 496 675 | 52,0 | 2 419 213 | 13,2 | 6 344 619 | 34,8 |
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Das französische Kriegsanleihegesetz ist durch die Kammer so abgeändert worden, daß der Stützungsfonds durch monatliche Überweisungen von je 60 Mill. Frs. auf 360 Mill. Frs. gebracht und auf dieser Höhe gehalten werden soll. Der Realertrag der Anleihe soll um den Betrag erhöht werden, um den der Umtausch von kurzfristigen Verbindlichkeiten des Staats 8 Milliarden übersteigt. Die im Ausland begebenen Stücke sind in diesen Zahlen nicht einzurechnen.
Der Zeichnungspreis ist auf 68,68 festgesetzt. Vom 1. November ab ist der Verkauf von Nationalverteidigungsobligationen eingestellt.
Die Reinerträge der Begebung von Nationalverteidigungsbons stellten sich in der ersten Hälfte 1917 durchschnittlich im Monat auf 1 Mill. Frs. Die Ausgaben des letzten Vierteljahres 1917 werden auf 3 158 Mill. im Monat geschätzt, die wie folgt, ihre Deckung finden sollen:
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in Mill. Frs. |
|
|---|---|
| Nationalverteidigungsbons | 1 006 |
| Nationalverteidigungsobligationen | 46 |
| Resteinzahlungen der 5 proz. Anleihe | 45 |
| Vorschüsse der Banken von Frankreich, Algier usw. | 429 |
| Staatshaushaltsmäßige Einnahmen | 459 |
| Geld aus dem Auslande | 940 |
| 2925 |
Der „Statist“ schätzt die französischen Regierungsausgaben im laufenden Kalenderjahr auf 46 Mill. Frs. Davon entfallen nicht weniger als 33,9 Mill. auf die schwebende Schuld, von der allein die Vorschüsse der Bank von Frankreich 12,2 Mill. Frs. ausmachen. Die Einnahmen des dritten Kriegsjahres zeigen im Gegensatz zu den beiden ersten Kriegsjahren mäßige Überschüsse gegenüber dem sogenannten Normalertrag:
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Steuerertrag |
Normalertrag |
Überschuß |
in % |
|
|---|---|---|---|---|
| 1. 8. – 31. 12. 16 | 1 859 920 | 1 692 615 | + 167 305 | + 9,88 |
| 1. 1. – 31. 7. 17 | 2 816 130 | 2 365 758 | + 450 372 | + 19,04 |
| 4 676 050 | 4 058 373 | + 617 677 | + 15,22 |
Für die gesamte Kriegsdauer ergibt sich dennoch ein Fehlbetrag von 1188 Mill. = 9,18 % des Normalertrages. Die Steigerung der Einnahmen ist auf die erhöhten Eingänge aus Zöllen (um 128,9 %), aus der Zuckersteuer (um 24,47 %) und aus der Nachlaßsteuer (um 34,9 %) zurückzuführen. Der Voranschlag der indirekten Steuern ist im allgemeinen überschritten. Es betrug
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die Schätzung |
die Einnahme |
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|---|---|---|
| für Mineralwasser | 1 750 000 | 2 174 000 |
| „ Theater usw. | 4 083 000 | 4 757 000 |
| „ Kaffee und verschiedene Kolonialerzeugnisse | 29 500 000 | 47 952 000 |
Der Mehrertrag der Spiritussteuer blieb um 4 Mill. hinter dem Voranschlag zurück.
Das erklärte Steuereinkommen in Frankreich beläuft sich im Fiskaljahr 1917 auf 5854,5 Mill. gegen 2982,4 Mill. Frs im Vorjahr. Diese Steigerung wird darauf zurückgeführt, daß die Grenze des erklärungspflichtigen Einkommens von 5000 auf 3000 Frs. herabgesetzt, und daß die Erklärung unter Zwang gestellt ist. Der Ertrag wird auf 183,3 Mill. Frs. geschätzt, bei einer Steigerung des Satzes von 10 auf 12 1/2 % auf 200 bis 250 Mill. Frs. Von der Gesamtsumme des erklärten Einkommens entfallen auf die Einkommensstufe von 3000–8000 Frs. Einkommen in Höhe von 985,4 Mill. und einem Steuerertrag von 2,2 Mill., bei einer Einkommensstufe von 8000–12 000 Frs. Einkommen in Höhe von 743,1 Mill. und einem Steuerertrag von 3,2 Mill. Mehr als die Hälfte des Gesamtsteuerertrages entfällt auf 3000 Zensiten mit einem Einkommen von je über 150 000 Frs. und einer Einkommensumme von 1,2 Milliarden Frs., die weniger als 1/5 der Gesamtsumme des erklärten Einkommens ausmacht.
Bei den französischen Sparkassen beträgt der Überschuß der Einzahlungen über die Auszahlungen vom 1. Jan. bis 20. Okt. 1917 nicht mehr als 120,8 Mill. Frs.
Die auswärtige Verschuldung Frankreichs war bis Ende Juli auf 13 1/2 Mill. Frs. gestiegen.
Die französischen Kriegskredite betragen einschließlich der für das letzte Vierteljahr 1917 im Oktober angeforderten, rund 103 Milliarden Frs. Dazu kommen Kredite an die Bundesgenossen mit 6,4 Milliarden und andere Ausgaben in Sonderbudgets, wie das der Lebensmittelversorgung mit 1,4 Milliarden.
Eine geregelte Ausgabenwirtschaft scheint noch immer nicht vollständig durchgeführt zu sein. So suchte der Munitionsminister am 2. August, als die Kammer nach Bewilligung neuer Kredite auseinandergehen wollte, um vorläufige Genehmigung von 980 Mill. zum Ankauf von Automobilen bei der erstaunten Finanzkommission der Kammer nach. Durch den Finanzminister wurde das Gesuch erst einige Tage später befürwortet. Es stellte sich dabei heraus, daß irgendein Plan für die Anschaffung der Automobile von der Obersten Heeresleitung überhaupt nicht verlangt worden war. Für den Ankauf von Lebensmitteln im Ausland waren als Höchstgrenze 209 Mill. Frs. festgesetzt, die sich zwecks Leistung unvorhergesehener Zahlungen um 120 Mill. erhöhen sollten. Ende 1916 stellte es sich heraus, daß in Wirklichkeit für 728 Mill. eingekauft worden war. Auch die Abrechnung des Lebensmittelministers am 31. März 1917 enthält unbewilligte Ausgaben in Höhe von 414 Mill. Frs. In dieser Abrechnung figurieren der Wert der Versorgungsflotte mit 91 Mill. (dafür noch geschuldet 26 Mill.), die Forderungen an verschiedene Schuldner für Getreide und Mehl mit 272 Mill., für Rohrzucker mit 36 Mill., für Rübenzucker und Zucker aus französischen Kolonien mit 6 Mill. Fremde Regierungen und französische Ämter schulden 46 Mill. Frs., das Ministerium selbst schuldet gagegen für Zucker 127, für Mehl 290 Mill. Frs.
Die Staatsschuld belief sich am 31. Juli auf 96 1/2 Milliarden. Der jährliche Mehrbedarf ist seit Kriegsbeginn um 3,2 Milliarden gestiegen, der Schuldendienst einschließlich 452 Mill. für Pensionen, erfordert für die schon bewilligten Kredite 4,7 Milliarden. Durch das ordentliche Budget sind jährlich 9 Milliarden zu decken. Da die gegenwärtigen Einnahmequellen nur 5 Milliarden erbringen, stehen neue Steuervorlagen in Aussicht.
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Nach Angaben des italienischen Schatzministers Carcano in der Kammer am 24. Oktober betrugen die Kriegskosten am 30. September 25 Milliarden. Der Durchschnittszinsfuß wurde von ihm mit 4,24 p. a. angegeben. Die Einnahmen sollen angeblich einen Überschuß von 2139 Mill. erbracht haben. Sie belaufen sich im 3. Vierteljahr 1917 auf 828,7 Mill., gegen 619,6 Mill. in der gleichen Zeit des Vorjahres. Die monatlichen Kriegskosten übersteigen 1 1/2 Milliarden. Die nordamerikanische Regierung hat Italien einen Kredit von 230 Mill. $ zur Bezahlung von Kohlen und anderen in den Vereinigten Staaten gekauften Waren gewährt. Die italienischen Börsen sind unter der Einwirkung der kriegerischen Ereignisse bis Mitte November geschlossen worden.
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Die belgischen Kriegskosten werden im Gegensatz zu den Mitteilungen eines in Belgien selbst gedruckten Blattes von der Regierung in Le Havre auf nur 3,3 Milliarden Frs. angegeben, wovon 987 1/2 Mill. Frs. auf Hilfsgelder für die amerikanische Kommission entfallen sollen. Die belgische Quelle hatte die Schuld des belgischen Staates auf 12 Milliarden gegen 5 Milliarden vor Beginn des Krieges angegeben. Die Steigerung würde demnach 7 Milliarden Frs. betragen.
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Der Kurs des Rubels ist in New York, wo er im Frieden auf 51 1/2 stand, Anfang September auf 17—18, Mitte September auf 11 1/2 cts gefallen.
Die russische Staatsbank weist am 29. Oktober einen „Kredit für den Ankauf von Waren für Rechnung des Staats“ in Höhe von 1296,6 Mill. Rbl. auf. Die kurzfristigen Schatzscheine vermehrten sich von 14 479,3 auf 15 221,5 Mill., Wechsel von 408,5 auf 454,1 Mill., Vorschüsse auf Wertpapiere von 1485,8 auf 1505,5 Mill. Das Guthaben des Staatsschatzes nahm von 223,8 auf 204,9 Mill. ab, das der Privaten nahm von 2491,0 auf 2520,6 Mill. zu. Der Notenumlauf stieg um 503 Mill. auf 18,36 Milliarden Rbl.
Die täglichen Kriegsausgaben werden auf 65 Mill. Rbl. angegeben, die im Ausland untergebrachten Anleihen auf 12 Milliarden. Der Gesamtertrag sämtlicher innerer Kriegsanleihen beträgt nach der Birschewija Wjedomosti bis Mitte September 10 1/2 Milliarden Rubel. „Wir haben alle Rekorde geschlagen, fügt sie hinzu. Die Zeit der Zwangsanleihen ist unrettbar vorüber. Und eine weitere Zuhilfenahme der Papiergeldemission führt unaufhaltsam zum nahen finanziellen Krach.“
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Die japanische Regierung, die vom Parlament die Ermächtigung erhalten hatte, 200 Mill. Yen zur Gewährung von Anleihen zu verwenden, die den Verbündeten zur Finanzierung von japanischen Kriegslieferungen gewährt werden sollten, hatte zunächst Rußland 100 Mill. Yen überwiesen, um russische Schatzwechsel einzulösen. Am Anfang Oktober sind weitere 50 Mill. Yen der Anleihe ausgegeben, um zur Bezahlung russischer Kontrakte zu dienen. Unabhängig davon haben japanische Sparbanken 60 Mill. Yen russischer Schatzwechsel übernommen.
Die Regierung schreitet zur Ausgabe von 30 Mill. Yen Papiergeld in kleinen Abschnitten, um dem Mangel an Kleingeld abzuhelfen.
Nach einer Pekinger Meldung vom 22. Oktober hat die Regierung der Vereinigten Staaten China mitgeteilt, daß sie sich das Recht vorbehält, an der geplanten Währungsanleihe von 10 Mill. £ sich zu beteiligen. Die Vereinigten Staaten treten damit in die Bankgruppe ein, die früher das Sechsmächte-Syndikat genannt wurde.
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Die zweite nordamerikanische Kriegsanleihe scheint den erwarteten Ertrag von 5 Milliarden Dollar erbracht zu haben. Die Überzeichnung der aufgelegten 3 Milliarden war auch nicht schwer ins Werk zu setzen, da von vornherein feststand, daß nur die Hälfte des überschießenden Betrages zugeteilt werden würde.
Die New Yorker Börse hat auf den Zusammenbruch der italienischen Front mit Kursrückgängen reagiert, die in wunderlichem Kontrast mit dem scheinbaren Gleichmut der Zeitungen stehen. Es notierten:
|
24. 10. |
31. 10. |
3. 11. |
5. 11. |
|
|---|---|---|---|---|
| Canadian Pacific | 148 | 131 1/4 | 134 3/4 | 134 |
| Baltimore und Ohio | 56 3/4 | 53 1/8 | 51 1/8 | 50 3/4 |
| Bethlehem Steel | 83 1/8 | 70 7/8 | 78 1/4 | 74 1/2 |
| Steels | 104 7/8 | 100 5/8 | 95 1/2 | 92 |
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Das Projekt der Gründung einer argentinischen Staatsbank, die Banco de la Republica genannt werden sollte, ist infolge der sehr geringen Unterstützung, die es im Senat fand, aufgegeben. Der Finanzausschuß des Senats hat der argentinischen Regierung geraten, zur Deckung dringender Ausgaben in Höhe von 487 Mill. Papier-Pesos (214,3 Mill. Pesos Gold), einschließlich eines budgetmäßigen Fehlbetrages von 100 Mill. Pesos Papier, eine Anleihe aufzunehmen, die bestehen könnte entweder in 7proz. Obligationen oder 5proz. Lotterie-Prämien-Anleihe oder in einer Kombination beider Typen. Nach einem andern Projekt sollen die Banken 4proz. Obligationen übernehmen und als „Reserve“ für ihre Verbindlichkeiten halten.
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Die Kriegskosten Australiens werden bis Mitte 1918 auf 214,9 Mill. £ geschätzt. Durch ordentliche Einnahmen sind davon 25,8 Mill. £ gedeckt. Die Staatsschuld Gesamt-Australiens betrug Mitte 1917 169,2 Mill. £. Der Gesamtbetrag, der im Finanzjahr 1917/18 aufzunehmenden Anleihen wird von amtlicher Seite mit 64 Mill. £ angegeben. In dem Voranschlag für das laufende Rechnungsjahr sind die Einnahmen aus Zöllen und indirekten Abgaben mit nur 13,6 Mill. £ angesetzt gegen eine Isteinnahme von 15,6 Mill. £ im Vorjahr. In dieser Reduktion ist eine Wirkung von U-Bootkrieg und Frachtraumnot zu sehen.
Ein „Zeichen der Zeit“ ist es auch, daß die 5proz. amortisable Liberia-Goldanleihe notleidend geworden ist. Der Julicoupon, der nur 1400 £ erforderte, ist nicht eingelöst, obgleich mehrere Großmächte, darunter England, Frankreich und die Vereinigten Staaten, die Patenschaft übernommen hatten und obgleich die Anleihe durch ein Pfandrecht auf Im- und Exportzölle sowie auf Gummi- und Kopfsteuer hinlänglich gesichert schien. In der London City findet man die Haltung der „Garantiemächte“ ebenso unverständlich, wie die Tatsache, daß man die 5proz. montenegrinische Anleihe seit 2 1/2 Jahren notleidend sein läßt, obgleich nur 30 000 £ erforderlich wären, um die Coupons einzulösen.
K. S