Im Gegensatz zu dem Vorjahr machen sich bei der Reichsbank die Jahresendebedürfnisse schon im Ausweis vom 15. Dezember bemerkbar. Die bankmäßige Anlage (Wechsel, Schecks und verzinsliche Schatzanweisungen) erhöhte sich um 136,8 Mill. (i. V. — 63,1). Die Veränderungen auf Lombard- und Effektenkonto blieben unbedeutend. Der Notenumlauf erhöhte sich um 82,2 Mill. (+ 69,6), der Bestand der fremden Gelder um 139,2 Mill. (— 128,7). Der Metallbestand vermehrte sich durch Silberrückflüsse, die durch die bevorstehende Außerkurssetzung der Zweimarkstücke veranlasst sind, um 11,5 Mill. An Darlehnskassenscheinen wurden in Verkehr gesetzt 60,4 Mill. (86,2). Der Darlehnsbestand der Kassen beläuft sich auf 7187 Mill. M. Er ist gegen die Vorwoche um 82,9 Mill. erhöht, so dass der Bestand der Reichsbank an Darlehnskassenscheinen sich um 22,5 Mill. erhöhen konnte. Es betrug in Mill. M:
Tabelle 1
Ausweis der Reichsbank (Aktiva)
|
Metall- |
davon |
Kassen- |
Wechsel |
Lombard |
|
|---|---|---|---|---|---|
| 15. 12. 17. | 2556,1 | 2405,8 | 1103,1 | 12 282,5 | 7,6 |
| 15. 12. 16. | 2535,4 | 2518,9 | 228,1 | 7 867,6 | 12,8 |
Tabelle 2
Ausweis der Reichsbank (Passiva und sonstige Konten)
|
Effekten |
Sonstige |
Noten- |
Giro- |
Sonstige |
|
|---|---|---|---|---|---|
| 15. 12. 17. | 95,5 | 1947,7 | 10 773,3 | 6176,2 | 777,1 |
| 15. 12. 16. | 88,1 | 758,1 | 7 471,5 | 3295,0 | 466,1 |
Auf die 7. Kriegsanleihe sind in der 2. Dezemberwoche 112,1 Mill. eingezahlt worden, so dass jetzt 11 891,3 Mill. M voll eingezahlt sind.
*
In der außerordentlichen Generalversammlung der Österreichisch-Ungarischen Bank wurde bekanntgegeben, dass die Bank bis zum 7. Dezember d. J. dem Staat 13,2 Milliarden Kronen geliehen hat, davon an Österreich 9 Milliarden, an Ungarn 4,2 Milliarden. Der Goldbestand, der vor dem Kriege 1094,9 Mill. betragen hatte, ist auf 264,2 Mill. gesunken. An Devisen und Auslandsguthaben besitzt die Bank dagegen 677,7 Mill. Der Gesamtbetrag an Gold und Auslandszahlmitteln war bei Kriegsausbruch 1269,9 Mill. Er ist jetzt, nach der Münzparität gerechnet, 1080,1 Mill. Der Notenumlauf (vor dem Kriege 3 Milliarden) war am 17. Dezember auf 17,7 Milliarden angewachsen.
Im ungarischen Parlament ist der Antrag Paul Sandors auf Errichtung einer selbstständigen ungarischen Notenbank abgelehnt, die zweijährige Verlängerung des Privilegs der Österreich-Ungarischen Bank dagegen mit großer Stimmenmehrheit angenommen worden. Für den Antrag Sandor stimmten einige Mitglieder der Karloyi- und Apponyi-Parteien. Der Antrag wurde mit der erstaunlichen Behauptung begründet, der unbefriedigende Stand der österreichisch-ungarischen Valuta sei auf die Tätigkeit der Österreichisch-Ungarischen Bank und auf die deutsche Währungspolitik zurückzuführen. Sowohl Tisza wie Wekerle traten diesen schlechthin unsinnigen Klagen entgegen und verwiesen darauf, dass Deutschland durch Einräumung von Markguthaben viel zur Befestigung des Kronenkurses getan habe. Ein festes Verhältnis von Krone und Mark lasse sich nicht herstellen. Möglicherweise habe aber die Devisenzentrale der Doppelmonarchie ihre Tätigkeit zu spät begonnen.
*
Der Ausweis der Bank von England vom 13. Dezember zeigt nur unwesentliche Veränderungen, die zum größten Teil nur die Veränderungen der Vorwoche kompensieren. Der Wechselbestand ging um 264 000 £ zurück, während der Barbestand um 23 000 abnahm. Das Privatguthaben verringerte sich um 12,5 Mill. (in der Vorwoche + 12,9 Mill.), das Staatsguthaben nahm um 4 Mill. zu (— 5 Mill.). Regierungseffekten nahmen um 8 Mill. ab (+ 7 Mill.). Der Notenumlauf stieg um 207 Mill. Es betrug in 1000 £:
Tabelle 3
Ausweis der Bank von England
|
Barvorrat |
Wechsel- |
Regierungs- |
Noten- |
Privat- |
Staats- |
|
|---|---|---|---|---|---|---|
| 13. 12. | 57 512 | 91 535 | 57 896 | 43 935 | 123 153 | 40 416 |
| 6. 12. | 57 535 | 91 799 | 65 913 | 43 728 | 135 639 | 36 458 |
Die Einnahmen des Schatzamts waren in der letzten Novemberwoche befriedigender als in den Vorwochen. Die Begebung von Schatzwechseln, die in der Woche vorher dem Betrag der Fälligkeiten nicht erreicht hatte, stieg auf 66,6 Mill. Rohertrag, wovon nach Einlösung der Fälligkeiten 10 Mill. dem Schatzamt verblieben. Die Kriegsbonds erbrachten 12 Mill. (i. V. 9,6), Auslandsanleihen 12,5 Mill. (19,2), Vorschüsse auf Budgetkonto 23,0 Mill. (23,5), Steuern 12,3 Mill. (8,4), davon Einkommensteuer 2,6 und Kriegsgewinnsteuer 3,7 Mill. £. An Reineinnahmen standen also 68 ¼ Mill. zur Verfügung; die ordentlichen Ausgaben beliefen sich auf 78,1 Mill.; davon entfielen 26,8 auf den Zinsendienst der Kriegsanleihe. Das Guthaben des Schatzamts verminderte sich um 9 ¾ Mill. £.
Die Nationalkriegsbonds haben im Durchschnitt der ersten neun Wochen statt der erforderlichen 20—25 Mill. nur wöchentlich 14,3 Mill. £ erbracht. Infolge des Zinstermins der Kriegsanleihen stiegen sie Anfang Dezember auf 23 Mill. £.
Die bereits Ende Oktober angekündigte neue Kreditbewilligung ist in Höhe von 550 Mill. £ angefordert und genehmigt worden. Die Summe der in diesem Jahr bewilligten Kredite beträgt nunmehr 2450 Mill. £, der Gesamtbetrag der Kriegskredite 6242 Mill. £. Die durchschnittlichen Tagesausgaben beliefen sich in den beiden letzten Monaten auf 6,8 Mill. £, also 1,4 Mill. £ über dem Voranschlag. Bonar Law hielt es auch diesmal für richtig zu behaupten, dass von diesem Betrag die wiedereinbringlichen Mehrkosten abgesetzt werden müssten, so dass das tägliche Mehr sich auf 350 000 £ ermäßige. Der Gang der Ereignisse in Russland scheint den englischen Finanzkritikern recht gegeben, die diese Rechnungsart für ein Vorbild schlechter Bilanzkunst erklärt haben.
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Bei der Bank von Frankreich verringerte sich nach dem Ausweis vom 13. Dezember der Notenumlauf um 96,6 Mill., während das Privatguthaben um 87 Mill. stieg, das Schatzguthaben um 3,7 Mill. abnahm. Das Auslandsguthaben stieg um 40 Mill., der eigene Goldbestand um 3,9 Mill., die Vorschüsse an Verbündete um 5 Mill., während Wechsel um 2,2 Mill. und Lombarddarlehn um 3,9 Mill. abnahmen. Es betrugen in Mill. frs
Tabelle 4
Ausweis der Bank von Frankreich (Teil 1)
|
Gold |
Gold im |
Silber |
Auslands- |
Wechsel |
Morator.- |
|
|---|---|---|---|---|---|---|
| 13. 12. | 3303 | 2037 | 246 | 727 | 801 | 1144 |
| 6. 12. | 3299 | 2037 | 246 | 737 | 802 | 1146 |
Tabelle 5
Ausweis der Bank von Frankreich (Teil 2)
|
Lombard- |
Vorschüsse |
Vorschüsse |
Noten- |
Privat- |
Staats- |
|
|---|---|---|---|---|---|---|
| 13. 12. | 1154 | 13 000 | 3205 | 22 821 | 2883 | 39 |
| 6. 12. | 1158 | 13 000 | 3200 | 22 912 | 2796 | 43 |
Die Einnahmen des Schatzamts im November betrugen 335,3 Mill. frs und zeigen gegen das „Normaljahr“ einen Mehrertrag von 39,4 Mill. Die Börsensteuer hat allerdings nur 263 000 frs geliefert. Der Rückgang beträgt hier 1 140 000 frs; in ihm spiegelt sich das Herabsinken der Pariser Börse bis zur Bedeutungslosigkeit.
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Der letzte Ausweis der Russischen Staatsbank, der bekannt geworden ist, trägt das Datum des 5. November. Danach betragen der Notenumlauf 18 917 Mill., das Privatguthaben 2492 Mill., das Staatsguthaben 907 Mill.; der Goldbestand 1292 Mill., das Guthaben im Ausland 2309 Mill., der Bestand an kurzfristigen Schatzscheinen 15 507 Mill., die Vorschüsse an den Staat zum Ankauf von Waren 1275 Mill., der Wechselbestand 500 Mill., die Lombarddarlehn 1512 Mill., die sonstigen Vorschüsse 204 Mill. Rbl.
Nach einer Meldung des Berner Bund sollen alle Goldbestände sowohl der Staatsbank wie der Privatbanken von den gegenwärtigen Machthabern beschlagnahmt sein. Auch soll jeder Geldverkehr im Innern unterbunden sein. Nach einer anderen, ebenfalls noch unbestätigten Nachricht ist die Zahlung von Anleihezinsen an das Ausland vom 1. Januar 1918 ab verboten.
Die Banca d'Italia ist Anfang Dezember ermächtigt worden, 1,1 Milliarde in Noten zu 100 und 50 Lire auszugeben.
Die ordentlichen Einnahmen des Staats vom 1. Juli bis 30. November übersteigen die des Vorjahres um 432 Mill. Lire.
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Die spanische Regierung hat zum Schutz ihrer Neutralität verboten, dass Ausleihen fremder Staaten in den Zeitungen angekündigt werden.
Die Bank von Spanien hat eine Erhöhung ihres Kapitals von 150 auf 180 Mill. Pesetas beantragt, die durch Ausgabe von Gratisaktien bewerkstelligt werden soll.
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Die schwedische Reichsbank erhöht ihren Diskont von 6 auf 7 %. Im Sommer 1914 stand er auf 4 ½ %. Bei Ausbruch des Krieges wurde er auf 6 ½ % gesetzt. Die weiteren Veränderungen sind aus folgender Aufstellung ersichtlich:
Tabelle 6
Diskontveränderungen der schwedischen Reichsbank
| Januar 1915 | 5 % |
| 9. November 1916 | 5 ½ % |
| 28. September 1917 | 6 % |
| 12. Dezember 1917 | 7 % |
Schweden hat nunmehr von allen europäischen Ländern den höchsten Bankdiskont. Man vermutet, dass durch die Erhöhung Kapitalansprüche des Auslands abgewehrt werden sollen. Es ist jedoch zweifelhaft, ob diese sich durch einen etwa höheren Zinssatz abschrecken lassen werden. Wahrscheinlicher ist es, dass das Gründungs- und Kapitalserhöhungsfieber in Schweden selbst Veranlassung gegeben hat. Wie weit der Rückgang der Devise Stockholm und gewisse, nicht ganz durchsichtige Änderungen in der Goldpolitik der Zentralbank mit der Aufnahme in Zusammenhang stehen, kann heute noch nicht festgestellt werden.
Auch die Bank von Norwegen hat ihren Diskont erhöht: von 5 ½ auf 6 %. Die letzte Erhöhung war am 9. 11. 1916 vorgenommen worden.
Das alles sind Anzeichen einer kritischen Zuspitzung, die der Schlussakt der Konjunktur der Neutralen darstellen mag.
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Die Einnahmen des amerikanischen Schatzamts belaufen sich im November auf 139,4 Mill. $, die Ausgaben auf 513,0 Mill. $. Das Schatzamt verfügte am Ende des Monats über einen Kassenbestand von 4,8 Milliarden $.
Der Budgetvoranschlag des Schatzamts sieht Ausgaben in Höhe von 2,7 Milliarden $ vor, von denen 2,2 Milliarden $ für Kriegszwecke angefordert werden, und zwar 1323 Mill. $ für das Heer, 202,8 Mill. $ für die Flotte.
Das Bundes-Reserve-Amt hat eine Erhöhung der Diskontsätze um ½ % bei der Mehrzahl der Bundesreservebanken angeordnet, wie Reuter mitteilt, „um die Inflation zu entmutigen und eine gesunde Wirtschaftslage zu befördern.“
Die kriegsfinanziellen Notwendigkeiten führen auch in der Union zu einer Rationierung des Kapitals. Der Kapitalmarkt soll von Ansprüchen der Industrie und der Eisenbahnen freigehalten werden. Besondere Einrichtungen sind geplant, um den privaten Unternehmungen die Verstärkung ihrer Betriebsmittel auf anderem Wege zu ermöglichen.
Die kanadische Freiheitsanleihe hat einen Gesamtbetrag von 401 Mill. $ bei 627 373 Zeichnern ergeben.
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Nach einer Meldung der „Agencia Americana“ hat der Präsident Carranza ein Gesetz unterzeichnet, nach dem alle sei dem Auftreten Maderos durch die mexikanische Revolution entstandenen Schäden vergütet werden sollen. Es sind Ausschüsse eingesetzt, um die Schadensansprüche zu prüfen. Die Entschädigungen werden in Stücken einer inneren Anleihe gezahlt, die zu diesem Behuf zu schaffen ist.
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Brasilien erhielt in Frankreich eine Anleihe von 110 Mill. frs, sowie die Zusage des Ankaufs von brasilianischen Landesprodukten, insbesondere Kaffee im Betrag von 100 Mill. frs. Zu politisch-dekorativen Zwecken wird auch die neue französische Anleihe in Brasilien aufgelegt; es wird verkündet, dass bereits 5 Mill. frs gezeichnet waren.
K. S.