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Chronik der Kriegsfinanzen

Intervalutarische Kurse

Die Kursbewegung der ersten Januarwoche ist für Deutschland außerordentlich befriedigend. Der „Zwischenfall“ von Brest-Litowsk und die sich daran heftenden inner- und außerpolitischen Spannungen haben den Kurs der Mark nicht in seiner Aufwärtsbewegung zu hemmen vermocht. Der Kurs stieg in Amsterdam (vom 29. 12. bis 8. 1.) von 45,30 auf 46,57 1/2, in Kopenhagen (vom 31. 12. bis 7. 1.) von 64 auf 65 5/8, in Kristiania (29. 12.—5. 1.) von 60 1/2 auf 63, in Stockholm (29. 12.—7. 1.) von 60 auf 60 1/2. Auch die Pfund-Devise hat einige Besserungen zu verzeichnen: in Amsterdam von 11 auf 11,11 1/2, in Kopenhagen von 15,40 auf 15,55, in Kristiania von 14,45 auf 14,70; in Stockholm ist sie auf 14,30 stehen geblieben, während der Dollar dort von 3,05 auf 3,02 sank, der holländische Gulden von 131 3/4 auf 129. Bedenkt man, daß der jetzige Stand des Pfund Sterling nicht höher ist als vor Beginn der Kursrevolution der letzten Wochen des Jahres 1917, während die Mark ihr in großen Sprüngen erreichtes neues Niveau nicht nur gehalten, sondern weiter erhöht hat, so erkennt man, daß diese Bewegung nicht durch Spekulationsversuche, sondern durch dauernde Faktoren verursacht worden ist und daß die Aussichten des östlichen Friedens in den neutralen Ländern nicht ungünstig beurteilt werden.

Ausweise der Notenbanken

Die Reichsbank hat am Jahresende sehr beträchtliche Ansprüche befriedigen müssen. Die „Wechselanlage“ hat sich nach dem Ausweis vom 31. Dezember um fast 2 Milliarden ℳ erhöht. Der größte Teil davon ist zur Verstärkung der Giroguthaben (um 1 415 Mill. ℳ) verwendet worden. Der Notenumlauf nahm um 441,7 Mill. ℳ zu. Dazu kamen noch 165,6 Mill. ℳ in den Verkehr gesetzte Darlehnskassenscheine. Insgesamt sind also 607,3 Mill. ℳ neuer Zahlungsmittel in Zirkulation gesetzt, während 18 Mill. ℳ Silberrückflüsse zu verzeichnen waren. Der Bestand der Reichsbank an Darlehnskassenscheinen beträgt nunmehr 1 304,5 Mill. ℳ, der Darlehensbestand der Kassen 7 689,3 Mill. ℳ. Im Verkehr befanden sich am Jahresende also 6 384,8 Mill. ℳ Darlehnskassenscheine und 11 467,7 Mill. ℳ Banknoten, zusammen 17 852,5 Mill. ℳ. Ende 1913 hatte der Notenumlauf 2 593,4 Mill. ℳ betragen. Von dem Zuwachs an papiernen Zahlungsmitteln (ohne Berücksichtigung der Reichskassenscheine) in Höhe von rund 15 Milliarden ℳ sind vermutlich mehr als 2 Milliarden für Einlieferung von Goldmünzen abzusetzen. Ein sehr erheblicher Betrag ist in die besetzten Gebiete geflossen und durch die Langsamkeit des militärischen Kassenwesens erfordert. Der Rest steht zu Zwecken der Kriegsfinanzierung geschaffenes Geld dar.

Der Ausweis der Bank von England vom 3. Januar zeigt eine Erhöhung des Portefeuilles um 11,6 Mill. £ und der Regierungsschuldverschreibungen um 12,5 Mill. £. Die privaten Depositen stiegen um 34,3 Mill. £, die staatlichen um 9,3 Mill. £. Der Notenumlauf dehnte sich um 647 000 £ aus, der Geldbestand wuchs um 862 000 £.

An Schatzamtsnoten waren Anfang Januar 190,4 Mill. £, an Kriegssparzertifikaten 22,1 Mill. £ im Umlauf.

Tabelle 1
Ausweis der Bank von England (in 1000 £)

Barvorrat

Wechsel-
bestand

Regierungs-
effekten

Noten-
umlauf

Privat-
guthaben

Staats-
guthaben

3. 1. 18 ... 59 199 106 491 70 834 46 591 158 411 32 075
27. 12. 17 ... 58 337 94 889 58 303 45 944 124 161 42 009
20. 12. 17 ... 57 672 95 114 57 820 43 038 129 128 36 926
13. 12. 17 ... 57 512 91 535 57 896 43 935 123 153 40 416
6. 12. 17 ... 57 535 91 799 65 913 43 728 135 639 36 458

Die Bank von Frankreich weist am 3. Januar eine Erhöhung des Notenumlaufs um 452,3 Mill. frs auf. An Wechseln wurden eingereicht 136,3 Mill. frs, von Privatguthaben abgehoben 136 Mill. frs. Das Guthaben des Schatzamts nahm um 84,7 Mill. frs zu, das Guthaben der Bank im Ausland um 31,8 Mill. frs. Die Vorschüsse an den Staat blieben unverändert, die Vorschüsse an die Verbündeten stiegen um 5 Mill. frs, der Goldbestand um 4 Mill. frs.

Tabelle 2
Ausweis der Bank von Frankreich (in Mill. frs)

Gold im
Ausland

Gold im
Bestand

Silber

Auslands-
guthaben

Wechsel

Morator.-
wechsel

3. 1. ... 3318,4 2037,1 246,8 810,3 1048,2 1137,7
27. 12. ... 3314 2037 248 778 912 1141
20. 12. ... 3312 2037 247 804 814 1142
13. 12. ... 3303 2037 246 727 801 1144
6. 12. ... 3299 2037 246 737 802 1146

Lombard-
darlehn

Vorschüsse
a. d. Staat

Vorschüsse
an Verbündete

Noten-
umlauf

Privat-
guthaben

Staats-
guthaben

3. 1. ... 1220,6 12 700 3225 22 789,1 2777,7 336,6
27. 12. ... 1212 12 700 3220 22 337 2914 252
20. 12. ... 1196 12 700 3215 22 354 2894 155
13. 12. ... 1154 13 000 3205 22 821 2883 39
6. 12. ... 1158 13 000 3200 22 912 2706 43

Kriegskosten und Kriegsschulden

Die folgende, dem „Statist“ entnommene Tabelle gibt ein Bild von der Größe und Buntscheckigkeit der englischen Schuldenlast nach dem Stande von Mitte November 1917.

Tabelle 3
Englische Schuldenlast

Betrag in £

Verfallzeit

1. 2 1/2 % Konsols 280 466 000
2. 2 3/4 % „ 2 709 000
3. 2 1/2 % „ 21 639 000
4. Schulden bei den Banken von England und Irland (2 1/2 % ... 13 646 000
5. Jahreszahlungen mit Endterminen... 26 159 000
1. bis 5. insgesamt... 344 619 000
6. 3 1/2 % Kriegsanleihe 1914 62 774 000 1925—1928
7. 4 1/2 % Kriegsanleihe 1915 20 000 000 1925—1948
8. 5 % Kriegsanleihe 1917 2 053 000 000 1929—1947
9. 4 % „ 1917 (steuerfrei) 51 500 000 1929—1942
10. 3 % Schatzanweisungen 21 660 000 24. 3. 1920
11. 5 % „ 153 000 000 5. 10. 19191. 12. 19205. 10. 1921
12. 5 % „ 82 110 000 1. 10. 19 bis 1. 4. 22
13. 6 % „ 141 700 000 16. 2. 1920
14. 4 % und 5 % Kriegsschuldverschreibungen (4 % steuerfrei)... 92 331 000 1. 10. 1922, 1924, 1927
15. Englisch-französische Kriegsanleihe in Amerika (5 %)... 51 370 000 15. 10. 1920
16. „Andere Schuld“ (Amerika) (Zinssatz verschieden)... 759 199 000 ?
17. Kriegsausgaben-Zertifikate... 23 561 000 4. 6. bis 31. 12. 1918
18. Kriegssparzertifikate (15 1/2 s für 1 £)... 127 988 000 20. 2. 21 bis 17. 11. 22
19. Schatzwechsel (Zinssatz verschieden). 1 006 663 000 vor dem 17. 5. 1918
20. Zeitweilige Vorschüsse (Ways and Means). 231 164 000 vor dem 31. 3. 1919
Ungefährer Betrag Mitte November... 5 282 000 000
Stand bei Kriegsbeginn 645 000 000
Kriegsschuld.... 4 637 000 000

Der Stand der österreichischen Kriegsschuld am 5. Dezember 1917 wird mit 43 602 Mill. Kr. angegeben. Von diesen Summen entfallen auf

Tabelle 4
Österreichische Kriegsschuld (in Mill. Kr.)
Schulden bei der Österreichisch-Ungarischen Bank 12 149
Schulden bei den österreichischen Bankenkonsortien 5 363
Kriegsanleihen 23 229
Anleihen in Deutschland 2 792
Anleihen in Holland 70

Nach der Aufstellung des französischen Budgets für 1918 beträgt die gesamte Auslandsschuld Frankreichs Ende 1917 21 080 Mill. frs, zu deren Verzinsung jährlich 1110 Mill. frs erforderlich sind. Davon entfallen 11 166,2 Mill. frs auf die schwebende Schuld, die sich wie folgt verteilen:

Tabelle 5
Schwebende Auslandsschuld Frankreichs (in Mill. frs)
Schuldscheine beim englischen Schatzamt begeben 8 418,9
Schuldscheine bei der Bank in England 1 815,8
Schuldscheine durch diese in England untergebracht 252,2
Industriekredite in den Vereinigten Staaten... 285,0
Bankkredite in Spanien, Schweden, Norwegen usw. 316,9
Schatzscheine, in Japan begeben... 77,4

Von den übrigen 9914 Mill. Auslandsschulden entfallen auf Vorschuß des amerikanischen Schatzamts 6 669,0 Mill., Englisch-französische Anleihe in den Ver. Staaten 1 462,5, Vorschuß amerikanischer Banken 570,9, Anleihe in den Ver. Staaten vom April 1917 575,0.

Emissionen

Die Einnahmen des englischen Schatzamts betrugen in den Ende 1917 abgelaufenen neun Monaten des Finanzjahrs 1917/18 400 650 303 £. Die Zunahme gegen das Vorjahr beträgt 107 509 692 £. Im Einzelnen erbrachten

Tabelle 6
Einnahmen des englischen Schatzamts (in £)

1. April bis 31. Dez.

Zunahme
Abnahme

Zölle 53 110 000 2 167 000
Verbrauchs-Abgaben... 28 204 000 — 13 286 000
Grundstücksteuern... 23 193 000 1 329 000
Stempelgebühren... 5 634 000 214 000
Landsteuer 60 000 10 000
Haussteuer 370 000 10 000
Besitz- u. Einkommensteuer inkl. Zuschlagssteuer 67 907 000 15 514 000
Kriegsgewinnsteuer usw. 148 945 000 69 117 000
Grundstückswertsteuer 309 000 158 000
Post... 16 800 000 300 000
Telegraph... 2 600 000 100 000
Telephon... 4 700 000 100 000
Kronländer... 460 000 — 10 000
Einkünfte aus verschiedenen Anleihen... 1 719 013 — 3 103 132
Verschiedenes... 46 639 290 34 889 824

Die Gesamtausgabe, die aus diesen Einnahmequellen zu decken ist, betrug 2 029 435 062 £ gegen 1 565 919 245 £ im Vorjahre. Die Differenz mußte durch Anleihen gedeckt werden: 1628,8 Mill. £ gegen 1272,8 Mill. £ im Vorjahr.

Die Zahlen für die letzten neun Tage des Dezembers zeigen, daß die Reineinnahmen von Schatzscheinen sich auf 981 000 £ stellten. Die Zahlen für die Einnahmen und Ausgaben in diesem Zeitraum und für die neun Monate vom 1. April bis 31. Dezember 1917 sind:

Tabelle 7
Einnahmen und Ausgaben des englischen Schatzamts (in £)

Einnahmen

9 Tage
bis 31. Dez.

1. April
bis 31. Dez.

Einkommensteuer... 2 804 000 67 907 000
Kriegsgewinnsteuer... 4 531 000 148 945 000
Gesamteinkünfte... 10 360 367 400 650 303
Schatzwechsel... 86 029 000 2 031 271 000
„Andere Schulden“... 16 133 264 556 870 296
Nationalbonds... 21 714 000 195 864 000
Kriegssparzertifikate... 600 000 30 600 000
Budget-Vorschüsse... 143 416 500 838 103 500

Ausgaben

9 Tage
bis 31. Dez.

1. April
bis 31. Dez.

Zinsen auf Kriegsanleihe... 6 167 535 144 578 657
Ordentliche Ausgaben... 39 969 381 1 862 404 425
Gesamtausgaben... 48 310 524 2 029 435 062
Zurückgezahlte Schatzwechsel 85 048 000 1 437 273 000
Andere getilgte Schulden 11 972 005 35 218 056
Zurückgezahlte Budgetvorschüsse 135 291 000 776 849 000

Die italienischen Kriegskosten werden bis Ende 1917 auf 30—35 Milliarden Lire geschätzt. Durch feste Anleihe sind davon 8659 Mill. aufgebracht. Die schwebende Schuld, die vor einem Jahr 7 605 Mill. betrug, wird jetzt auf den doppelten Betrag zu schätzen sein.

Auf die siebente deutsche Kriegsanleihe waren am Jahresende eingezahlt 12 069 Mill. ℳ, gleich 95,6 % des Zeichnungsergebnisses von 12 625 660 200 ℳ. Für die Zwecke der Kriegsanleihe waren bei den Darlehnskassen nur 205,8 Mill. ℳ gleich 1,71 % der geleisteten Einzahlungen aufgenommen.

Die siebente österreichische Kriegsanleihe hat 6 044,2 Mill. Kr. ergeben. Das Ergebnis der ungarischen Anleihe wird auf über 3 Milliarden (6. Anleihe 1,8 Milliarden) geschätzt, dazu kommen noch 700 Mill. Kr. Schatzscheine.

Die dritte französische Kriegsanleihe hat nach einer Mitteilung des Finanzministers Klotz 10 276,5 Mill. frs. erbracht. Diese Summe stellt nicht den gezeichneten Nominalbetrag, sondern den nach Berücksichtigung des Ausgabekurses von 68,60 sich ergebenden Realertrag dar. Ungefähr 5 Milliarden entfallen auf Konversionen. Die Anleihe war auf 10 Milliarden limitiert. Nur wenn die Konversionen 8 Milliarden überstiegen, sollte der Betrag um die entsprechende Zahl erhöht werden. Die erste Kriegsanleihe hatte 13,24 Milliarden erbracht, die zweite 9,96 Milliarden. Die Vorschüsse der Bank von Frankreich an den Staat beliefen sich Anfang Januar auf 12,7 Milliarden.

Italien legt eine fünfte Kriegsanleihe auf. Sie ist ebenso wie die vierte, vor einem Jahr aufgelegte, fünfprozentig. Der Ausgabepreis ist 86,50, gegen 90 % bei der vierten Anleihe. Die Zeichnungsfrist läuft vom 15. Januar bis 3. Februar. Die Entwicklung des italienischen Staatskredits während des Krieges zeigt folgende Zusammenstellung (in Mill. Lire):

Tabelle 8
Italienische Kriegsanleihen

Realverzinsung
%

Gesamt-
ergebnis

1. 4 1/2 % Rüstungsanleihe Januar 1915.. 4,70 1000
2. 4 1/2 % Kriegsanleihe Juli 1915...... 4,85 1140
3. 5 % „ Januar 1916..... 5,18 2471
4. 5 % „ Januar 1917..... 5,55 3610
5. 5 % „ Januar 1918..... 5,78

Das Schatzamt ist ermächtigt worden, bei der Notenbank außerordentliche Kredite in folgender Höhe aufzunehmen:

Bank von Italien... 600 000 000
Bank von Neapel... 152 000 000
Bank von Sizilien... 48 000 000 Lire.

Um den Absatz der englischen Nationalkriegsbonds zu fördern, haben die Londoner Banken den Depositenzinsfuß auf 3 1/2 % herabgesetzt.

England nimmt Kredite in Argentinien auf. Der Preis für die 2 1/2 Mill. t Getreide, 200 Mill. Pesos, wird auf zwei Jahre gestundet. Die Verzinsung beträgt 5 %. Die Rückzahlung soll durch Aufrechnung von fälligen argentinischen Zinscheinen und Schatzwechseln erfolgen.

Mit spanischen Banken wird über die Gewährung von Importkrediten in Höhe von 500 Mill. Pesetas an England verhandelt.

Die niederländische Regierung hat auf die 500 Mill. Gulden-Anleihe Zeichnungen in Höhe von 625 Mill. Gulden erhalten. Die Drohung mit der Zwangsanleihe hat also ihre Wirkung nicht verfehlt. Daß die Überzeichnung zur Beteiligung von Kapitalisten geführt hat, die die Anleihe überhaupt nicht zu erwerben wünschten, geht aus der Kursbewegung der Anleihe hervor, die von Pari auf 97 1/8 gesunken ist.

Die Schweiz hat die Aufnahme einer achten Mobilisationsanleihe von 150 Mill. Franken beschlossen. Die Auflegung erfolgt zum Parikurs. Der Zinsfuß ist 5 %. Die Rückzahlung soll bis spätestens 1948 erfolgen. 100 Mill. werden zur öffentlichen Zeichnung vom 7. bis 16. Januar aufgelegt. Im Fall der Überzeichnung erhalten die Banken das Optionsrecht bis zu 100 Mill.

K. S.

Schiffahrt und Schiffbau

England

lb. Das System der „Blaubuchfrachten“, nach dem die englische Regierung fast die ganze britische Handelsflotte, soweit sie nicht schon für Kriegszwecke beansprucht war, requiriert hat und so betreibt, daß die Regierung die Marktfrachten, die Schiffsreeder dagegen nur die wesentlich niedrigeren Blaubuchfrachten erhalten, hat bei fast allen davon betroffenen Reedereien das Bild der Jahresabschlüsse von Grund aus verändert. Die zwar seither schon sehr hoch besteuerten Kriegsgewinne sind, da sie unter dem neuen System der Regierung in ganzem Umfange zugeführt werden, nicht nur verschwunden, sondern sie sind in manchen Fällen sogar durch Verlustziffern abgelöst worden. Eine von der Handels- und Schiffahrtskammer in Hull aus diesem Anlaß angestellte Untersuchung ermittelte als Jahresergebnis in 11 typischen Fällen

eine Verzinsung von 12 % für 1 Dampfer
„ „ „ 4 „ „ 2
„ „ „ 2 „ „ 1
„ „ „ 1 1/2 „ „ 1
„ „ „ 1/2 „ „ 1

während bei 5 Dampfern die Blaubuchraten nicht einmal zur Kostendeckung ausgereicht hatten.

Eine Reihe von Gesellschaften hat es daher für angezeigt gehalten, ihren Aktionären den Vorteil der gegenwärtig noch hohen Schiffspreise zuzuwenden, die Schiffe zu verkaufen und das Unternehmen zu liquidieren. Die Wirkung auf die Schiffspreise konnte natürlich nicht ausbleiben, die nach den gemeldeten Verkäufen ihren Höchststand bereits überschritten haben und in England fallende Neigung zeigen, während sie in Japan und den neutralen Staaten, wo das Schiffahrtsgewerbe weniger von Regierungseingriffen eingeengt ist, höher stehen und noch im Steigen begriffen sind. Z. B. meldet Fairplay kürzlich die folgenden Verkäufe:

6 581 t dw 1911 erbaut zu 17.—/— £ per t nach England
2 710 „ „ 1907 „ 23.9/6 „ „ „ „
2 620 „ „ 1890 „ 79.10/— „ „ „ Japan
660 „ „ 1895 „ 34.17/— „ „ „ England

lb. Öltransporte. Nicht allein die Kriegsindustrie und der heimische Verbrauch Englands, sondern vor allem die ganz auf Ölfeuerung eingerichtete Kriegsmarine haben zusammen einen Ölbedarf, für dessen Heranschaffung nur ein ganz ungenügender Raum an Tankdampfern zur Verfügung steht. Diese Tatsache hat auch Lloyd George bestätigt, als er in seiner Unterhausrede vom 20. Dezember sagte, man dürfe nicht vergessen, daß der Handelsflotte aus besonderen Gründen immer Tonnage entzogen werden müsse, wie jetzt durch den Umbau von 35 gewöhnlichen Frachtdampfern in Tankdampfer, was in jedem Falle eine 1—3monatige Herausnahme des Dampfers aus der Fahrt bedeute. Vorläufig hilft man sich dadurch aus der Verlegenheit, daß die Dampfer vielfach Öl in den Wasserballasttanks transportieren. Dieses Verfahren ist der breiteren Öffentlichkeit kürzlich dadurch bekannt geworden, daß in einem der Hafenbassins von Cardiff die Wasserfläche durch ein niederfallendes brennendes Bündel Stroh in Brand geriet, wobei ein Dampfer durch das Feuer ernstlich beschädigte wurde. Die Untersuchung ergab daß beim Reinigen der Ballasttanks angekommener Dampfer Öl in großen Mengen auf die Wasserfläche des Hafenbeckens geraten war.

lb. Schiffsproviant. Die steigenden Lebensmittelnöte Englands haben Lloyd Rhondda Veranlassung gegeben, auch der Schiffsverproviantierung besondere Aufmerksamkeit zuzuwenden und darüber scharfe Bestimmungen zu erlassen. Auf eine Anregung aus Reederkreisen hin haben diese Bestimmungen am Jahresende eine Erweiterung und Ergänzung erfahren, so daß sie in ihrer neuen Fassung dem Lande eine Ersparnis von 1 Mill. Tonnen Lebensmittel (?) bringen sollen. Die Maßnahme besteht kurz darin, daß die Reedereien als Selbstversorger eine Gemeinschaft auf Gegenseitigkeit schließen. Jeder Dampfer, einerlei ob groß oder klein, soll, in welcher Fahrt er auch beschäftigt sei, über den eigenen Bedarf hinaus im Auslande an Proviant einkaufen, was zu kaufen ist, und was er unter Benutzung aller freien Räume einschließlich Mannschafts- und Passagierkammern aufnehmen kann. Der so nach England gebrachte Proviant soll, soweit er den Eigenbedarf des Schiffes übersteigt, im Löschhafen an die Reederei-Vereinigung abgegeben und von dieser für gemeinsame Rechnung, aber nur zum Zwecke der Schiffsverproviantierung, verwertet werden.

lb. Glycerin für Schiffe mit Gefrierräumen wird nach einer im Unterhause erteilten Auskunft des Munitions-Ministeriums in England nicht mehr verabfolgt, da die Vorräte angesichts des Bedarfs der Munitionsfabriken dies nicht zulassen. Die Schiffe haben sich daher mit dem Material an den Plätzen, wo Gefrierfleisch geladen wird, zu versehen.

lb. Schiffbau in England. In seiner Unterhausrede vom 20. Dezember sagte Lloyd George gelegentlich der Behandlung der U-Bootgefahr, daß der Ersatz der Verluste durch Neubauten nicht mit den Erwartungen Schritt gehalten habe. Das sei nicht allein auf den Umstand von sekundärer Bedeutung zurückzuführen, daß die in Amerika für englische Rechnung bestellten Neubauten der amerikanischen Flagge vorbehalten bleiben, sondern auch der unumgänglichen Notwendigkeit, Schiffe aus besonderen Gründen für längere oder kürzere Zeit aus der Fahrt zu nehmen, zuzuschreiben. Weit ernster aber sei noch die Aussichtslosigkeit, Material und Arbeitskräfte in dem Ausmaße zu beschaffen, in dem sich die Werften auf Produktionssteigerung einrichteten.

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