Die deutsche Regierung hat in ihrer ersten Friedens-Note an den Präsidenten Wilson vom 4. Oktober 1918 erklärt, sie nehme das „von dem Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika in der Kongreßbotschaft vom 8. Januar 1918 und in seinen späteren Kundgebungen, namentlich der Rede vom 27. September aufgestellte Programm als Grundlage für die Friedensverhandlungen an.“
In seiner Reichstagsrede vom 5. Oktober hat Prinz Max von Baden hinzugefügt: „Ich habe diesen Schritt auf dem Wege zu der Erlösung nicht nur Deutschlands und seiner Verbündeten, sondern der gesamten, seit Jahren unter dem Kriege leidenden Menschheit auch deshalb getan, weil ich glaube, daß die auf das künftige Glück der Völker gerichteten Gedanken, die Herr Wilson verkündet, sich völlig mit den allgemeinen Vorstellungen im Einklang befinden, in denen sich auch die neue deutsche Regierung und mit ihr die weit überwiegende Mehrheit unseres Volkes bewegt.“
Die Kundgebungen des Präsidenten Wilson, auf die sich diese Erklärungen beziehen, sind die Kongreßbotschaften vom 8. Januar und 12. Februar, sowie die Ansprache vom 4. Juli, dem Unabhängigkeitstag, gehalten in Mount Vernon am Grabe Washingtons und die am 27. September anläßlich der Werbung für die amerikanische Freiheitsanleihe gehaltene Rede. Die erste dieser Kundgebungen enthielt das Programm der „vierzehn Punkte“, während der Inhalt, der zweiten in vier Leitsätzen, der Inhalt der vierten in fünf Bedingungen zusammengefaßt ist. Ob diese Bedingungen auch von den übrigen Mächten des feindlichen Verbandes als grundlegend für die Friedensverhandlungen anerkannt werden, ist zurzeit noch eine offene Frage. Die amerikanische Nation selbst hat sich geschlossen hinter ihren vornehmsten Sprecher gestellt. „Sein Friedensprogramm, meldete der Washington-Korrespondent der Times am Tage nach der Kriegsanleihe-Rede, empfängt heute den einstimmigen Beifall aller Nuancen politischer und wirtschaftlicher Ansichten. Niemals, ruft Zeitung nach Zeitung aus, hat der Präsident so treffend die Ziele der Nation ausgesprochen.“
Angesichts der großen geschichtlichen und politischen Bedeutung, die diesen Kundgebungen die rückhaltslose Zustimmung der Regierungen des Deutschen Reiches und der Vereinigten Staaten gibt, halten wir es für angezeigt, unseren Lesern im folgenden den englischen Text der vier historischen Dokumente zugänglich zu machen. Die Fassung mußte englischen Quellen entnommen werden; kann somit eine Bürgschaft für unbedingte Korrektheit nicht übernommen werden, so wird der Text doch mehr als die bisher dem deutschen Publikum vorliegenden Übersetzungen dazu beitragen, ein klares Urteil über Geist, Gehalt und Tragweite der Wilsonschen Friedensgedanken zu ermöglichen.
K. S.
I. Botschaft an den Kongress vom 8. Januar 1918.
Once more, as repeatedly before, the spokesmen of the Central Empires have indicated their desire discuss the objects of the war and the possible bases of a general peace. Parleys have been in progress at Brest Litovsk between representatives of the Central Powers to which the attention of all the belligerents has been invited for the purpose of ascertaining whether it may be possible to extend these parleys into a general conference with regard to terms of peace and settlement. The Russian representatives presented not only a perfectly definite statement of the principles upon which they would be willing to conclude peace, but also an equally definite programme of the concrete application of those principles. The representatives of the Central Powers, on their part, presented an outline of settlement which, if much less definite, seemed susceptible of liberal interpretation until their specific programme of practical terms was added.