Die deutsche Volkswirtschaft bereitet sich vor, einen jährlichen Kriegstribut von anfangs 50 bis 60 Milliarden Mark dem Verband der siegreichen Westmächte zu zahlen. Unter allen Verständigen wird darüber Einverständnis bestehen, daß dieser Tribut nur auf zwei Wegen entrichtet werden kann, ohne die Leistungsfähigkeit der Wirtschaft dauernd zu schwächen: durch Bereitstellung von Leistungen und Waren, deren Wert auf die Jahresleistung verrechnet werden kann, und durch diejenigen Auslandsguthaben, die den Überschuß der Warenausfuhr über die Wareneinfuhr darstellen. Über die naturalen Leistungen sind, fast zwei Jahre nach Unterzeichnung des Friedens, Verhandlungen zwischen deutschen und französischen Ministerien aufgenommen worden. Das Ergebnis dieser Besprechungen wird von allen, die sich ihrer Verantwortung bewußt sind und die nicht die Eigenart der Lage verkennen, ohne überschwengliche Hoffnung, aber auch ohne lähmende Zweifel abgewartet werden. Jeden Tag in der Zeitung lesen zu wollen, wie weit die Dinge gediehen sind, wäre nicht sinnvoller handeln als die Kinder, die ihre selbstgesäten Pflanzen jeden Morgen herausrupfen möchten, um das erwünschte Wachstum der Wurzeln festzustellen.
Die Zwischenzeit mag füglicherweise mit Betrachtungen über den Stand der deutschen Ein- und Ausfuhr als der zweiten Grundlage der Tributzahlungen ausgefüllt werden. Daß es unser Bestreben sein müsse, die Ausfuhr kräftig zu fördern, obgleich der Ausfuhr-Index der variablen Jahresraten auf den ersten oberflächlichen Blick hin die entgegengesetzte Richtung zu empfehlen scheint, wird nach anfänglichem Schwanken jetzt allgemein als die einzig mögliche Politik betrachtet werden; es wird inzwischen auch dem Laien klar geworden sein, daß ohne starke Steigerung der Ausfuhr nicht einmal die ersten Jahresraten gezahlt werden können. Auch darüber hört man nur eine Stimme, daß jede irgendwie entbehrliche Einfuhr zu unterbleiben habe. Doch weiß kaum jemand anzugeben, wie große Summen auf diesem Wege noch eingespart werden könnten. Dies gilt nicht nur von der Einfuhr auf Schleichwegen, die aus der offenen Westflanke des Reichs leichte und schmähliche Gewinne zieht und deren Höhe wohl auch schätzungsweise nicht annähernd angegeben werden kann, sondern auch von der legitimierten Einfuhr, die in der Statistik des deutschen Außenhandels sichtbar wird. Diese Statistik wird erst seit einigen Monaten wieder veröffentlicht, lückenhaft genug, und sehr verspätet: nicht einmal für das ganze Jahr 1920, geschweige denn für die wichtigen Frühjahrmonate des laufenden Jahres, liegen Mengenzahlen vor, Wertzahlen überhaupt nicht. Die Sache drängt indessen so sehr, daß wir den Versuch nicht unterlassen möchten, aus dem vorliegenden Material das Feststellbare festzustellen, es sei wenig oder viel.
*
Es ist vorauszuschicken, daß die Grenze des Begriffs der Luxusware sehr eng und sehr weit gezogen werden kann. Wir haben es vorgezogen, sie sehr eng zu ziehen. Daß Kaviar, Austern und Hummern, Schaumwein, Seidenwaren, Spitzen, Schmuckfedern, Elfenbeinsachen, Pelze, Parfüm, Kosmetika, Edelsteine und Gold- und Silberwaren einzubeziehen sind, wird niemand bestreiten, soll nicht dem Begriff Luxus jeder Sinn genommen werden. Doch sind von uns darüber hinaus alkoholische Getränke schlechthin, sowie Tabak- und Tabakerzeugnisse eingerechnet worden; die Einfuhr ausländischer Biere und Weine kann heute nicht eigentlich als nationale Notwendigkeit betrachtet werden; der Verbrauch von Zigarren und Zigaretten aber hat längst einen Umfang angenommen, der ihn aus dem Bereich des anregenden Genusses längst in den sinnloser Vergeudung gerückt hat. Dagegen bleiben Kaffee, Tee und Kakao, Südfrüchte und Gewürze von der Betrachtung ausgeschlossen; es sind zwar keine Nährstoffe, doch in mäßigem Umfang durchaus nicht entbehrlich; sie wären es nur, wenn der Mensch eine bloße Maschine zwecks Umsatz von Kalorien darstellte.
Die Berücksichtigung der Waren aus Gold und Silber machte auch die Einbeziehung von Barren aus Edelmetall notwendig. Diese dienen zwar in wechselnder Höhe nicht nur der Deckung von Luxusbedürfnissen, sondern der Erfüllung währungspolitischer Zwecke. Doch stellt ihre Einfuhr die notwendige Grundlage der Schmuckwarenindustrie dar und kann aus diesem Grunde nicht außer Betracht bleiben. Es sind also keine geldtheoretischen Motive, die zu dieser Einrechnung geführt haben.
Die Betrachtung muß von einem Vergleich mit den Verhältnissen der Zeit vor dem Kriege ausgehen. Solche Vergleiche sind immer mißlich, da sie bei dem Laien die naheliegende Vorstellung bestärken, der Vorkriegsstand sei als der normale schlechthin zu betrachten. Diese Vorstellung ist durchaus irrig. Aber die Gefahr so mißverständlicher Assoziationen muß hingenommen werden, da es keinen andern Weg als den des Vergleiches gibt, um die Eigenart und die Bedeutung der heutigen Verhältnisse deutlich zu machen. Was auch immer über den Vorkriegszustand gesagt werden mag: er war das Ergebnis eines jahrzehntelangen Anpassungsvorganges, der schließlich zu einer Art von fließendem Beharrungszustand geführt hatte — wenn man von den Kräften absieht, die, dem Sehenden schon damals sichtbar, das scheinbare Gleichgewicht für absehbare Zeit zu sprengen bestimmt waren.
Der Vergleich mit dem Jahr 1913 wird dadurch erschwert, daß für die Einfuhr des Jahres 1920 keine Wertangaben gemacht werden können. Es wird am Schluß unserer Arbeit versucht werden, diesen Mangel durch Schätzungen auszugleichen. Zugrundegelegt wurden die Zahlen für die ersten zehn Monate des Jahres 1920, da die Außenhandelsstatistik für das ganze Jahr noch nicht vorliegt. Die Ergebnisse sind in folgender Übersicht zusammengestellt:
Tabelle 1
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Menge in 1000 dz, bei Edelsteinen, Halbedelsteinen und Edelmetallen in dz; |
Einfuhr |
Ausfuhr |
||||
|---|---|---|---|---|---|---|
|
Menge |
Menge |
Wert |
||||
|
10 Mon. 1920 |
10 Mon. 1913 |
10 Mon. 1920 |
10 Mon. 1913 |
10 Mon. 1920 |
10 Mon. 1913 |
|
| Alkoholische Getränke | 1227,6 | 1787,1 | 438,2 | 1764,3 | 252,6 | 55,9 |
| Branntwein aller Art | 359,7 | 123,2 | 5,8 | 200,7 | 18,9 | 9,3 |
| Wein | 756,1 | 1084,1 | 75,6 | 182,5 | 108,3 | 19,4 |
| davon Schaumw. | 6,6 | 15,0 | - | 24,2 | - | 3,4 |
| Bier | 111,8 | 579,8 | 356,8 | 1381,1 | 125,4 | 27,2 |
| Tabak u. Tabakerzeug. | 683,4 | 720,9 | 11,2 | 9,5 | 135,4 | 6,7 |
| Rohtabak | 607,3 | 680,8 | 2,5 | 2,7 | 9,4 | 0,4 |
| Rauchtabak | 55,4 | 29,9 | 2,0 | 2,1 | 7,7 | 0,4 |
| Zigarren | 1,5 | 3,5 | 4,8 | 3,4 | 93,7 | 4,1 |
| Zigaretten | 19,2 | 6,7 | 1,9 | 1,3 | 24,6 | 1,8 |
| Kaviar | - | 2,3 | 1,9 | 3,9 | 0,9 | 0,3 |
| Austern | 0,1 | 6,0 | - | 0,1 | - | 0,01 |
| Hummern | 0,3 | 10,7 | - | 0,03 | - | 0,01 |
| Felle zu Pelzen | 5,2 | 33,7 | 0,9 | 10,4 | 229,5 | 38,4 |
| Pelze | 3,2 | 21,4 | 8,2 | 30,5 | 394,0 | 172,4 |
| Elfenbein, Schildpatt, roh | 5,5 | 31,2 | 0,3 | 12,3 | 3,1 | 2,9 |
| " " -Waren | 0,2 | 7,6 | 0,5 | 4,3 | 13,7 | 3,6 |
| Schmuckfedern, roh | 0,7 | 3,6 | 0,1 | 0,9 | 0,6 | 2,7 |
| " zugerichtet | 0,04 | 0,2 | 0,2 | 1,3 | 33,9 | 7,6 |
| Parf., Kosmetiken usw. | 5,2 | 15,1 | 15,8 | 53,6 | 141,7 | 30,1 |
| Seide | 30,2 | 196,2 | 27,4 | 215,5 | 1793,3 | 353,9 |
| roh und künstlich. | 16,4 | 71,2 | 3,4 | 18,8 | 132,0 | 29,3 |
| Gespinste | 5,0 | 22,0 | 1,7 | 8,3 | 144,1 | 14,0 |
| Kleid. u. and. Waren | 8,8 | 103,0 | 22,3 | 188,4 | 1517,2 | 310,6 |
| Spitzen, Stickereien.. | 1,8 | 4,4 | 5,1 | 34,8 | 262,0 | 68,4 |
| Edel- u. Halbedelsteine, roh .. dz | 6 | 2007 | 13 | 174 | 1,4 | 0,3 |
| " " bearbeitet " | 4 | 52 | 124 | 149 | 109,7 | 6,3 |
| Edelmetalle ...... dz | 285 | 30456 | 1088 | 8235 | 780,2 | 161,4 |
| Erze: Gold | - | 1672 | - | - | - | - |
| Platin | 181 | 19 | 0,25 | 4 | 3,0 | 2,1 |
| Silber | - | 15113 | - | - | - | - |
| rein: Gold | 23 | 3392 | 0,2 | 225 | 1,4 | 56,6 |
| Platin | 1 | 15 | 0,6 | 13 | 10,9 | 6,9 |
| Silber | 65 | 9902 | 8 | 6099 | 165,1 | 34,5 |
| Waren: Gold | 3 | 26 | 198 | 445 | 295,8 | 29,3 |
| Platin | - | 2 | 8 | 14 | 77,3 | 3,4 |
| Silber | 12 | 315 | 873 | 1435 | 226,7 | 28,6 |
| Gesamtsumme | 1962,8 | 2872,9 | 259,6 | 2150,3 | 4152,0 | 911,1 |
Vergleicht man die von Januar bis Oktober 1913 und 1920 eingeführten Mengen, so bemerkt man einen Rückgang von 2,87 auf 1,96 Mill. dz, also um rund 900 000 dz. Die Frage scheint nicht eben unberechtigt, ob ein Staat von der Armut des neuesten Deutschen Reiches sich eine Einfuhr reiner Luxusgüter gestatten darf, die hinter der Einfuhr seiner größten Wirtschaftsüppigkeit schon der Menge nach nur um ein knappes Drittel zurückbleibt. Die Frage wird um so dringlicher, als die Luxuswareneinfuhr jetzt nicht mehr die Grundlage einer entsprechend hohen Luxuswarenausfuhr darstellt. Bot im Jahre 1913 eine Einfuhr von 2,87 Mill. dz die Basis für eine Ausfuhr von 2,15 Mill. dz, so sind heute jenen 1,96 Mill. dz eingeführten nur 0,52 Mill. ausgeführte Luxuswaren entgegenzustellen. Die Exportquote: der Anteil der ausgeführten an den eingeführten Mengen, hat sich zu Ungunsten der Ausfuhr von 75 % auf 26 % gesenkt. Den absoluten Zahlen nach war der Rückgang der Ausfuhr nicht ganz doppelt so groß wie der Rückgang der Einfuhr. So ist aus einem Einfuhrüberschuß an Luxuswaren in Höhe von 0,72 Mill. dz ein solcher von 1,46 Mill. dz geworden: Der Verbrauch ausländischer Luxusgüter, soweit sie auch nur in der amtlichen Handelsstatistik erscheinen, abzüglich der Ausfuhr von Luxuswaren aus dem Deutschen Reich, hat sich nach dem verlorenen Kriege mengenmäßig rund verdoppelt...
Es ist zu prüfen, in welchem Maß hieran die einzelnen Gattungen beteiligt sind. Wir beginnen mit den odiösesten Waren, obgleich ihre Mengen und Werte die geringfügigsten sind. An Kaviar ist für 1920 überhaupt keine legitime Einfuhr zu verzeichnen. Die Ausfuhr, die jenen Namen wohl meist nur in Anführungsstrichen zu tragen befugt ist, hat sich um nicht ganz den gleichen Betrag vermindert. So entsteht der Menge nach ein Ausfuhrüberschuß von 1900 dz (gegen 1600 dz im Jahre 1913), mit einem Wert von 900 000 M, während im Jahre 1913 trotz des mengenmäßigen Ausfuhrüberschusses ein Mehr von 5,5 Mill. M an das Ausland zu entrichten war; denn der Durchschnittswert des eingeführten Kaviar verhielt sich zu dem des ausgeführten wie etwa 30 : 1... Der Einfuhrsaldo der Austern ist von 5900 auf 100 dz, der der Hummern von 10 700 auf 300 dz zurückgegangen. Immerhin ist folgendes zu bedenken: Im Jahr 1913 (zehn Monate) kostete die Einfuhr dieser drei Gattungen 11 Mill. M, die Ausfuhr 0,3 Mill. M. Im Jahre 1920 (zehn Monate) wurde zwar nur etwa 1/40 der Menge von 1913 eingeführt — ob aber der Wert dieses Quantums, angesichts einer durchschnittlichen Preissteigerung für Auslandswaren auf das Dreißigfache, ausgedrückt in Papiermark, erheblich unter dem Einfuhrwert von 1913 geblieben sein wird? Immerhin handelt es sich, auch dann noch, heute um ganz beträchtliche Teile unserer 70—90 Milliarden-Einfuhr.
Die Einfuhr von Fellen und Pelzen ist mengenmäßig auf rund ein Siebentel reduziert, doch hat sich die Ausfuhr von Pelzen stärker als die Einfuhr verringert. Im Jahr 1913 wurde in beiden Kategorien für 174 Mill. M eingeführt. Die Einfuhr von 1920 beträgt ein Zehntel davon. Die Ausfuhr erbringt 623,5 Mill. M, gegen 210,8 Mill. M im Jahr 1913 — während die Mengen von 40 900 auf 9100 dz, also auf weniger als ein Viertel, zurückgegangen sind. Hier ist aber lediglich das Zwölffache des Friedenspreises erzielt. Ob dies auch von den eingeführten Pelzen und Fellen gilt, entzieht sich unserer Kenntnis.
Bei Elfenbein und Waren daraus ist anzumerken, daß die Einschränkung der Einfuhr erheblich größer ist als die Verringerung der Ausfuhr. Im Jahre 1913 (10 Monate) schloß der Handel mit einem Einfuhrüberschuß im Werte von 9,4 Mill. M ab. Ähnlich liegen die Dinge bei dem Handel mit Schmuckfedern; hier wurden 1913 mehr eingeführt für 10,7 Mill. M rohe Federn und mehr ausgeführt 5,5 Mill. M zugerichtete. Die Parfüm-Bilanz hat sich, vermutlich infolge der Öffnung der Westgrenze, sich empfindlich zu unseren Ungunsten gewendet. Ergab sich 1913 ein Aktivsaldo von rund 10 Mill. M, so wird jetzt ein erheblicher Passivsaldo zu zahlen sein. Zwar hat sich auch der Wert der Ausfuhr fast verfünffacht (bei einer Reduktion der Menge auf weniger denn ein Drittel), doch ist die Menge der Einfuhr, in absoluten Zahlen, sehr viel weniger zurückgegangen als die Menge der Ausfuhr — und sollen wir annehmen, daß auch das Ausland sich mit einer etwas mehr als fünfzehnfachen Steigerung der Preise, ausgedrückt in Papiermark, begnügt?
Bei Spitzen und Stickereien war im Jahre 1913 ein Einfuhrsaldo im Wert von 60 Mill. M zu verzeichnen. Seitdem ist die Ausfuhr, der Menge nach, auf wenig mehr als ein Siebentel, die Einfuhr auf mehr als ein Drittel zurückgegangen. Immerhin wird der Betrag dieser Einfuhr nicht groß genug sein, um die erheblichen Ausfuhrwerte von 262 Mill. Papiermark empfindlich zu mindern. Die Ausfuhr von Seide und Seidenwaren, 1913 im Werte von 353,9 Mill. M, erbringt jetzt 1793,3 Mill., bei einem Fall der ausgeführten Mengen auf weniger als ein Achtel. Die Einfuhr allerdings ist nur in etwas geringerem Maße eingeschränkt worden, und so wird vermutlich auch hier damit zu rechnen sein, daß der Einfuhrsaldo von rund 82 Mill. M sich erhöht hat. Das Zurückbleiben der Ausfuhrmenge ist besonders deutlich bei den Fertigfabrikaten; doch zeigt der Durchschnittswert der Ausfuhr an, daß entweder hochwertigere Erzeugnisse ausgeführt werden als 1920 oder daß zum mindesten hier die Weltmarktspreise erreicht werden: er ergibt mehr als das Vierzigfache des Friedensdurchschnittswertes.
Der Handel mit Edel- und Halbedelsteinen, geringfügig in der Summe, weist erfreulichere Ergebnisse auf. Ein nicht unerheblicher Einfuhrüberschuß aus unbearbeiteten Steinen hat sich in einen kleinen Ausfuhrüberschuß verwandelt, während bei den bearbeiteten Steinen die auch 1913 bestehende Mehrausfuhr sich mengenmäßig noch vergrößert hat, vor allem durch kräftige Einschränkung der Einfuhr, bei nicht ebenso großer Verminderung der Ausfuhrmenge. Der Durchschnittswert der Ausfuhr ist um das Vierundvierzigfache gestiegen. Die Einfuhr von rohen und bearbeiteten Edel- und Halbedelsteinen betrug 1913 in zehn Monaten 18,2 Mill. M, abzüglich der Ausfuhr 11,6 Mill. M. Im Jahre 1920 war die Einfuhr kaum nennenswert; die Ausfuhr erbrachte 111 Mill. M. Bei Edelmetallen und Waren daraus ergab sich 1913 ein Einfuhrwert von 417,2 Mill. M, abzüglich der Ausfuhr 255,8 Mill. M. Jetzt ist der Ausfuhrwert 780,2 Mill. M, während der Einfuhrwert unbekannt ist. Die Einfuhrmenge ist auf weniger als 1 % vermindert. Der Durchschnittswert der Ausfuhr hat sich um das Fünfunddreißigfache erhöht. Es wäre erwünscht, man könnte den industriellen Goldverkehr von dem währungspolitischen unterscheiden, doch ist dies einstweilen nicht möglich. Immerhin zeigt ein Vergleich der Einfuhr (und Ausfuhr) von Rohgold einerseits, Goldwaren andererseits, daß im Jahre 1913 nur ein ganz geringfügiger Teil des eingeführten Goldes (höchstens ein Achtel) in verarbeiteter Form das Land verließ, während 1920 die Verhältniszahl noch geringfügiger war. Es wird daher geboten sein, aus dem Einfuhrwert für „Edelmetalle und Waren daraus“ zu Zwecken der Wertberechnung einen Abzug von etwa 230 Mill. M für Währungszwecke zu machen; es ergibt sich dann eine Zahl von 187 Mill. M; nach Abzug der Gesamtausfuhr (davon 56,6 Mill. M Gold): 26 Mill. M. Im Jahre 1920 wird, dank dem Tiefstand des Markkurses, mit einer sehr viel größeren Aktivität zu rechnen sein. Die Ausfuhrsumme zeigte in dieser eine Verminderung um rund 620 Mill. M, während die Einfuhrmenge so verkrüppelt ist, daß auch ihr Wert nicht ins Gewicht fallen kann.
Wo also liegen, da sich die bisher betrachteten Einfuhrmengen, nationalwirtschaftlich betrachtet, anscheinend kaum irgendwo erfreulich, doch auch kaum irgendwo ernsthaft bedenklich bewegt haben, die Ursachen der überaus ungünstigen Entwicklung unserer Luxuswarenbilanz? Sie ist, mengenmäßig betrachtet, fast ausschließlich auf dem Feld der Güter des Massenluxus zu suchen. Dies muß ausgesprochen und angehört werden, obwohl es unpopulär ist. Können die Führer des Volkes etwas besseres tun als vor ihren Mandanten die marxistische Forderung erfüllen: sagen, was ist? Sie werden ihnen also sagen müssen, und immer wieder sagen, daß es nicht angeht, 683 400 dz Tabak und Tabakerzeugnisse zu verrauchen, gegen 720 900 dz im letzten Friedensjahr; nach Abzug der Ausfuhr noch immer 672 200 dz gegen 711 400 dz, so daß die Einfuhr nur um 37 500 dz eingeschränkt ist, bei einer geringfügigen Steigerung der Ausfuhr von 1700 dz. (Hiervon entfallen 1400 dz auf Zigarren, bei denen sich jetzt ein Ausfuhrüberschuß von 3300 dz zeigt, während der Einfuhrüberschuß von Zigaretten sich gegen 1913 mehr als verdreifacht hat.) Welche Summen hier von der Volkswirtschaft aufzubringen sind, zeigt die Erwägung, daß im Jahre 1913 (zehn Monate) an Tabak und Tabakerzeugnissen eingeführt wurden für 136,7 Mill. M, nach Abzug der Ausfuhr 130 Mill. M. Die Ausfuhrwerte haben sich seit dem Kriege von 6,7 auf 135,4 Mill. erhöht. Der Durchschnittswert ist kaum um das Zwanzigfache gestiegen; es werden also vermutlich Erzeugnisse geringerer Qualität ausgeführt. Wie weit eine solche Veränderung auch bei der Einfuhr in Betracht zu ziehen ist, kann nicht abgeschätzt werden. Doch kann mit Bestimmtheit gesagt werden, daß angesichts einer nur etwa 5%igen Verminderung der Einfuhrmenge die heutige Einfuhr an Tabak und Tabakerzeugnissen in zehn Monaten mindestens 2,6 Milliarden M erfordern wird, nach Abzug der Ausfuhr 2,4—2,5 Milliarden, im Jahr also etwa 2,7—2¾ Milliarden M.
Bei den alkoholischen Getränken ist die Einschränkung der Einfuhr erheblicher, wenn auch noch immer ganz unzulänglich; sie beträgt, der Menge nach, etwa ein Drittel. Umsomehr fällt hier der Rückgang der Ausfuhr von 1,76 Mill. dz auf 0,4 Mill. dz ins Gewicht. Denn es ergibt sich nun ein Einfuhrüberschuß von 0,8 Mill. dz, während früher Ausfuhr und Einfuhr sich fast die Wage hielten: einer erheblichen Mehrausfuhr an Bier und einer minder erheblichen an Branntwein stand mengenmäßig eine etwa der Summe beider gleichen Mehreinfuhr an Wein gegenüber. Jetzt ist an Stelle der Mehrausfuhr von Branntwein eine fast fünfmal so große Mehreinfuhr getreten; die Mehreinfuhr an Wein ist um etwa ein Achtel verringert; die Mehrausfuhr an Bier ist auf kaum ½ reduziert, trotzdem die Einfuhr auf ein Fünftel gefallen ist. Im Jahr 1913 waren für alkoholische Getränke an das Ausland 74,1 Mill. M zu zählen, nach Abzug der Ausfuhr 18,2 Mill. M. Der Einfuhrüberschuß hat sich mengenmäßig verfünfunddreißigfacht. Setzt man den Durchschnittswert der Einfuhr alkoholischer Getränke nur mit dem Zwanzigfachen des Friedenswertes an, so ergibt sich eine Einfuhr von einer Milliarde M; bei einer dreißigfachen Preissteigerung von 1,5 Milliarden M; hiervon wären 252,6 Mill. M für die Ausfuhr abzusetzen; alles für zehn Monate gerechnet.
In der folgenden Übersicht sind die Veränderungen in den Mengen sämtlicher behandelten Luxuswaren gegen die Zahlen für die ersten zehn Monate des Jahres 1913 zusammengestellt. Es ist daraus zu sehen, daß der Gesamtrückgang der Ausfuhrmengen um 1,6 Mill. dz mengenmäßig zum allergrößten Teil (1,33 Mill. dz) auf alkoholische Getränke entfällt, während diese an der Einschränkung der Einfuhrmengen um 0,9 Mill. dz mit 0,56 Mill. beteiligt sind. Das wichtigere Verhältnis der Werte läßt sich so lange nicht exakt feststellen, wie die amtliche Statistik in diesem Punkte versagt.
Tabelle 2
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Mengen in 1000 dz, bei Edelsteinen, Halbedelsteinen und Edelmetallen in dz; |
+ Ausfuhrüberschuß |
+ Zu-, - Abnahme |
||
|---|---|---|---|---|
|
10 Monate 1920 |
10 Monate 1913 |
Einfuhr 10 Monate 1920 |
Ausfuhr 10 Monate 1920 |
|
| Alkoholische Getränke | - 789,4 | - 22,8 | - 559,5 | - 1326,1 |
| Branntwein aller Art | - 353,9 | + 77,5 | + 236,5 | - 194,9 |
| Wein | - 680,5 | - 901,6 | - 328,0 | - 106,9 |
| davon Schaumw. | - | + 9,2 | - 8,4 | - |
| Bier | + 245,0 | + 801,3 | - 468,0 | - 1024,3 |
| Tabak u. Tabakerzeug. | - 672,2 | - 711,4 | - 37,5 | + 1,7 |
| Rohtabak | - 604,8 | - 678,1 | - 73,5 | - 0,2 |
| Rauchtabak | - 53,4 | - 27,8 | + 25,5 | - 0,1 |
| Zigarren | + 3,3 | - 0,1 | - 2,0 | + 1,4 |
| Zigaretten | - 17,3 | - 5,4 | + 12,5 | + 0,6 |
| Kaviar | + 1,9 | + 1,6 | - 2,3 | - 2,0 |
| Austern | - 0,1 | - 5,9 | - 5,9 | - 0,1 |
| Hummer | - 0,3 | - 10,7 | - 10,4 | - 0,03 |
| Felle zu Pelzen | - 4,3 | - 23,3 | - 28,5 | - 9,5 |
| Pelze | + 5,0 | + 9,1 | - 18,2 | - 22,3 |
| Elfenb., Schildpatt, roh | - 5,2 | - 18,9 | - 25,7 | - 12,0 |
| " " -Waren | + 0,3 | - 3,3 | - 7,4 | - 3,8 |
| Schmuckfedern, roh | - 0,6 | - 2,7 | - 2,9 | - 0,8 |
| " zugerichtet | + 0,16 | + 1,1 | - 0,2 | - 1,1 |
| Parf., Kosmetiken usw. | + 10,6 | + 38,5 | - 9,9 | - 37,8 |
| Seide | - 2,8 | + 19,3 | - 166,0 | - 188,1 |
| roh und künstlich.. | - 13,0 | - 52,4 | - 54,8 | - 15,4 |
| Gespinste | - 3,3 | - 13,7 | - 17,0 | - 6,4 |
| Kleid. u. and. Waren | + 13,5 | + 35,4 | - 94,2 | - 166,1 |
| Spitzen, Stickereien.. | + 3,3 | + 30,4 | - 2,6 | - 29,7 |
| Edel- u. Halbedelsteine, roh dz | + 7 | - 1833 | - 2001 | - 161 |
| " " bearbeitet " | + 120 | + 97 | - 48 | - 25 |
| Edelmetalle dz | + 803 | - 22221 | - 30171 | - 7147 |
| Erze | - 180,75 | - 16800 | - 16623 | - 3,75 |
| rein: Gold | - 22,8 | - 3167 | - 3369 | - 224,8 |
| Platin | - 0,4 | - 2 | - 14 | - 12,4 |
| Silber | - 57 | - 3803 | - 9837 | - 6091 |
| Waren: Gold | + 195 | + 419 | - 23 | - 247 |
| Platin | + 8 | + 12 | - 2 | - 6 |
| Silber | + 861 | + 1120 | - 303 | - 562 |
| Gesamtsumme | - 1458,8 | - 722,6 | - 909,1 | - 1638,3 |
Das Ergebnis ändert sich in einigen nicht unwesentlichen Zügen und Verhältnissen, wenn wir den Versuch machen, uns durch Schätzungen der Einfuhrwerte ein Bild von der Bedeutung der Luxuswareneinfuhr für die deutsche Valuta zu machen. Mit allen Vorbehalten, die solche Betrachtungen wie Stachelgitter zu umgeben haben, seien folgende Betrachtungen und Berechnungen der Nachsicht des Lesers empfohlen.
Nach der amtlichen Statistik betrug die Einfuhr der gesamten Luxuswaren in zehn Monaten des Jahres 1913 1,3 Milliarden M; auf das ganze Jahr berechnet rund 1,5 Milliarden; hiervon wären abzuziehen rund ¼ Milliarde für Währungszwecke, so daß ein Rest von etwa 1¼ Milliarde M verbleibt — wenig mehr als ein Zehntel der deutschen Gesamteinfuhr. Fraglich ist, ein wie großer Teil der 900 Mill. M deutscher Luxuswarenausfuhr von jener Summe abzusetzen ist, um den deutschen Eigenverbrauch zu ermitteln. Vergegenwärtigt man sich, daß fast alle Luxuswaren aus ausländischen Rohstoffen gefertigt sind und daß einer Gesamteinfuhr von 2,9 Mill. dz eine Gesamtausfuhr von 2,2 Mill. dz gegenüberstand, in denen ja nicht nur ausländische Rohstoffe enthalten sind, so würde man geneigt sein, anzunehmen, daß in den deutschen Verbrauch damals nicht weniger als ein Viertel und wohl nicht mehr als die Hälfte der eingeführten Mengen übergegangen ist. Hierbei ist aber noch nicht bedacht, daß in jenen 2,15 Mill. dz Ausfuhrmenge nicht weniger als 1,38 Mill. dz Bier enthalten sind, dessen Rohstoffe, auch wenn sie aus dem Ausland stammen, doch nicht in jenen Einfuhrmengen enthalten sind. Zieht man Ein- und Ausfuhrmengen für Bier ab, so ergibt sich ein Verhältnis von 2,29 Mill. dz Einfuhr zu 0,77 Mill. dz Ausfuhr für das Jahr 1913 (10 Mon.). Es wären demnach mindestens zwei Drittel der eingeführten Luxuswaren im Inland verblieben. Da aber das restliche Drittel zum großen Teil veredelt oder verarbeitet das Land verläßt, wird man indessen von jenen 945 Mill. M (10 Mon. 900 Mill. M + 20 %) mehr als ein Drittel, vielleicht etwa die Hälfte abzusetzen haben, da diese Ausfuhrwerte eben ohne jene Einfuhr nicht erzielt worden wären. Man erhielte demgemäß eine deutsche Luxuseinfuhr von mindestens ¾ Milliarden M im Jahre 1913, also etwa ein Fünfzehntel der gesamten Einfuhr. Dies schien, an den Maßen der Friedenswirtschaft gemessen, nicht beträchtlich zu sein — machte aber doch den ganzen Betrag der deutschen Ausfuhr von Baumwollfabrikaten und von elektrotechnischen Erzeugnissen zusammen im Jahre 1913 aus; oder fast dreimal so viel, wie die damalige deutsche Farbenausfuhr; oder auch ein wenig mehr als die deutsche Ausfuhr an Kohle und Koks im letzten Friedensjahr.
Und im Jahr 1920? Da Wertangaben bei der Einfuhr einstweilen in der amtlichen Statistik nicht mehr gemacht werden, sind wir auf Rechnungen und Schätzungen angewiesen, die nur unter vielen Vorbehalten mitgeteilt und mit Vorsicht aufgenommen werden können. Man wird abzuwägen haben, ob die Gefahren eines solchen Versuches schwerer sind als die Schäden, die aus seiner Unterlassung folgen würden. Wir halten diese Schäden in der Tat für schwerer.
Bei allen Schätzungen dieser Art wird man von den mitgeteilten Mengenangaben ausgehen und zunächst ermitteln müssen, wie viel diese eingeführten Mengen zu den Preisen des Jahres 1913 gekostet hätten. Bis hierhin bewegt man sich durchaus im Rahmen des Berechenbaren. Da aber die seitdem eingetretene Preisänderung für die einzelne Warenart oder Warengattung nicht festgestellt werden kann, wird man die so ermittelten Preise mit einem Koeffizienten multiplizieren müssen, der der durchschnittlichen Steigerung der ausländischen Waren, ausgedrückt in Papiermark, im Jahre 1920 entspricht. Wir haben eine Steigerung auf das Dreißigfache angenommen, indem wir uns von folgenden Erwägungen leiten ließen: der Dollarkurs hat im Jahr 1920 durchschnittlich auf den Fünfzehnfachen der Friedensparität gestanden, während die nordamerikanischen Preise damals im Durchschnitt ungefähr doppelt so hoch waren wie vor dem Kriege.
Doch muß man sich vergegenwärtigen, daß die Einfuhrmengen des Jahres 1920 nicht schlechthin mit dem Dreißigfachen des Durchschnittswertes der Einfuhr im Jahre 1913 multipliziert werden dürfen: die Zusammensetzung der Einfuhr hat sich, wie aus den früheren Betrachtungen erinnerlich sein wird, sehr zu Ungunsten der hochwertigen Luxuswaren verändert. Wir fanden es daher angezeigt, drei Gruppen von Luxuswaren zu bilden, die zugleich nach dem Grad der Wertigkeit und nach der Art ihres Verbrauchs deutlich von einander unterschieden sind. Die Ergebnisse sind in der folgenden Übersicht zusammengestellt; sie enthalten nur einen problematischen Faktor: die Schätzung der durchschnittlichen Einfuhrwertsteigerung. Je nachdem sie höher oder niedriger als mit 30 eingesetzt wird, wären auch die übrigen Größen von der dritten Zahlenreihe an abzuändern. Der Wert der Gesamteinfuhr 1913 (zehn Monate) ist mit 8 Milliarden, 1920 (zehn Monate) mit 60 Milliarden angenommen.
Tabelle 3
|
Einfuhr |
Massen-Luxus |
Edelmetalle und Waren daraus |
Andere Luxuswaren |
Summen |
|---|---|---|---|---|
| Werte 1913 | 151,9 | 417,2 | 759,2 | 1328,3 |
| Werte 1920 nach Preisen von 1913 | 123,5 | 4,1 | 432,5 | 560,1 |
| Diese Werte verdreißigfacht | 3705,0 | 123,0 | 12975,0 | 16803,0 |
| Einfuhrüberschuß 1913 | 108,7 | 255,8 | 52,7 | 417,2 |
| " " 1920 | 3425 | -657,0 | 9883,0 | 12651,0 |
| Anteil des Einfuhrüberschusses ander Luxuseinfuhr 1913 | 71 % | 61 % | 7 % | 31 % |
| " " 1920 | 93 % | - | 77 % | 75 % |
| Anteil an der gesamt. Wareneinfuhr1913 | 1,3 % | 3,2 % | 0,6 % | 5,2 % |
| " " 1920 | 5,7 % | - | 16,5 % | 21,1 % |
Dies also ist, die Richtigkeit unserer Annahme vorausgesetzt, das Ergebnis: Die deutsche Volkswirtschaft gibt für die legitime Einfuhr von Luxuswaren im engsten Sinne, einschließlich alkoholischen Getränken und Tabak, monatlich 1,7 Milliarden M aus, gegen 133 Mill. M im letzten Friedensjahr. Von jener Summe entfällt ein Fünftel auf Branntwein, Bier und Tabak, gegen rund ein Neuntel im Jahre 1913. Das Verhältnis zeigt noch ungünstigere Seiten, wenn man darauf achtet, ein wie großer Teil der Luxuseinfuhr durch die Erträgnisse der Luxusausfuhr gedeckt werden konnte. Im Jahr 1913 verblieb hierbei ein Einfuhrüberschuß von monatlich 41,7 Mill. M, im Jahre 1920 war er auf 1,3 Milliarden angewachsen. Der Anteil der nicht durch entsprechende Ausfuhr kompensierten Einfuhr an der Gesamteinfuhr ist von 31 % auf 75 % gestiegen.
Auf die deutsche Gesamteinfuhr an Waren berechnet, ergibt sich eine Steigerung des Anteils der Luxuswaren (nach Abzug der gesamten Luxusausfuhr — was eher zu günstige Verhältnisse schafft) von 5,2 % auf 21,1 % — für Bier, Branntwein und Tabak im Jahr 1920 5,7 %, der Rest von 16,5 % für andere Luxuswaren; ohne Abzug der Luxusausfuhr im ganzen 28 %, davon etwa ein Viertel für Bier, Branntwein und Tabak.
Es kommt hinzu die Einfuhr auf Schleichwegen, die auf 6 bis 12 Milliarden im Jahr geschätzt wird. Auch wenn von dieser abgesehen wird, bleibt nach unseren Schätzungen und Rechnungen zu vermuten, daß zur Bezahlung so fragwürdigen Verbrauches im Jahr 1920 (10 Mon.) nicht weniger als der ganze Ausfuhrerlös folgender Industrien beansprucht werden muß: Farben: 2810, Kali: 1174, elektrotechnische Erzeugnisse: 1859, Baumwollfabrikate: 1754, Woll-Fabrikate: 1080, Papier und Papierwaren: 2234, Flachs- und Jutewaren: 447, Spielzeug: 883, Bücher: 289 Mill. M. Wenn nicht der ganze Betrag der Luxusausfuhr von der Einfuhrsumme abgesetzt werden darf, wie es wohl billig ist, da ja ein erheblicher Teil jener Ausfuhr von dieser Einfuhr unabhängig ist, so wird man den Ausfuhrerlös der Maschinenindustrie mit 4,7 Milliarden ganz oder zum Teil noch in Kauf geben müssen.
Wir wünschten, es sei in unseren Ansätzen ein Fehler enthalten, oder dies alles sei ein böser Traum.
Kurt Singer