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Der Kurs der Mark, gemessen am amerikanischen Dollar, ist seit Ende des Jahres 1921 von einem Fünfundvierzigstel auf ein Fünfundsechzigstel des Friedensstandes gefallen. Für diese Entwicklung kann nicht das Fortschreiten der deutschen Inflation verantwortlich gemacht werden. Die meisten deutschen Inlandspreise halten sich noch immer auf einem Niveau, das tief unter dem Weltmarktspreis liegt: sie müßten bei einem amerikanischen Großhandelsindex von 125 im Durchschnitt auf über das Achtzigfache des Friedenspreises steigen, wenn sie zu vermehrter Einfuhr reizen und dadurch einen Druck auf den Markkurs ausüben sollten. Entscheidend für diese Bewegung können also nur Momente gewesen sein, die unmittelbar auf den Valutenmarkt einwirken: die Unmöglichkeit, in jedem Monat Reparationszahlungen von 93 Mill. Goldmark (gleich nunmehr 6 Milliarden ℳ deutsche Reichswährung) aus valutarischen Überschüssen aufzubringen und das Mißtrauen der ausländischen und deutschen Spekulation in die Vernunft unserer Vertragsgegner. Es ist vielleicht weniger der finanzielle Kredit des Deutschen Reiches als der politische Kredit Lloyd Georges, Poincarés und der Reparationskommission, der seinen Ausdruck im Markkurs findet.

Daß jene Summe von 93 Mill. „Goldmark“ nicht auf Grund einer Abschätzung der deutschen Leistungsfähigkeit festgesetzt worden war, ist an dieser Stelle im Januar dargelegt worden. Der Vorsitzende der Reparationskommission hat sich streng an den Wortlaut des Londoner Zahlungsplans gehalten, vermutlich im Glauben, daß strikter Formalismus stets eine passende Fassade für Mangel an Verstand und Verantwortung sei.

Die Vertragsgegner hatten Deutschland auferlegt, im Jahr 1921 eine Milliarde „Goldmark“ in Devisen zu zahlen, obgleich seine Handelsbilanz in den acht Monaten von Mai bis Dezember einen Einfuhrüberschuß von 12,7 Milliarden Papiermark, gleich mindestens 400 Mill. „Goldmark“ aufwies und obgleich der Rest seiner Zahlungsbilanz einen weiteren Passivsaldo von mindestens einer Milliarde zeigte. Das Ergebnis war ein Sinken der Mark auf ein Drittel des Standes im Frühjahr 1921. Am schwersten sind dadurch außer den deutschen Rentnern die ausländischen Besitzer von Marknoten und Markguthaben betroffen. Sie hatten durch ihre Käufe die Passivsalden der deutschen Zahlungsbilanz seit dem Zusammenbruch des alten Reichs gedeckt und müssen nun erfahren, daß die Reparationszahlungen auf ihrem Rücken bewirkt werden. Auch der neue Passivsaldo ist durch ausländische Käufe von Banknoten und Markguthaben finanziert worden, soweit es für das Reich und deutsche Unternehmen nicht möglich oder tunlich war, Kredite in Auslandswährung aufzunehmen. Man darf vermuten, daß die Reparationskommission in dem Augenblick, wo ihr dieses Kapitel aus der Mechanik des Wechselkurses anfängt klar zu werden, Deutschland verbieten wird, irgendeine Reparationsbelastung auf sich zu nehmen, die die Höhe des Markkurses gefährdet.

Oder sollte sie wirklich eine Art von Valutapolitik verfolgen? Will sie etwa das weitere Sinken der deutschen Währung, trotz des nicht geringen Besitzes Frankreichs an deutschen Marknoten? Glaubt sie die deutsche Handelsbilanz ins Gleichgewicht zwingen zu können, indem sie den Markkurs senkt und dadurch die Einfuhr hemmt und die Ausfuhr steigert?

Wenn dies ihr Ziel ist, so hat sie es anscheinend erreicht. Die deutsche Statistik zeigt bis zum Herbst 1921 ein starkes Ansteigen des deutschen Einfuhrüberschusses (von 928 Mill. im Mai auf 4164 Mill. im Oktober), im November aber ein Absinken auf 366 Mill. und im Dezember zum ersten Mal einen Ausfuhrüberschuß von 766 Mill. ℳ. Dies bedeutete bei einer (damals) fünfundvierzigfachen Entwertung der Mark allerdings nur einen Betrag von noch nicht 17 Mill. „Goldmark“, aber die stetige Bewegung in dieser Richtung ist bemerkenswert.

Die Wendung zur Aktivität ist bewirkt durch ein Sinken der Einfuhr von 13,9 Milliarden ℳ im Oktober auf 12,3 im November und 13,7 im Dezember, während die Ausfuhr sich in diesen Monaten von 9,7 auf 11,9 und 14,5 Milliarden ℳ hob. Die Einfuhrmengen sind stetig von 30,3 Mill. dz auf 25,3 und 20,9 Mill. gesunken; die Ausfuhrmengen sind mit 19,7, 19,1 und 19,3 Mill. dz fast stationär geblieben. Damit ist die Einfuhr mengenmäßig auf den Stand von Ende 1920 zurückgedrängt, die Ausfuhrmenge hat den Nachkriegsrekord von Juli 1920 wieder erreicht. Die Rohstofflieferanten und die Wettbewerber Deutschlands werden von dieser Entwicklung nicht befriedigt sein, aber die Finanzformalisten und Militärrealisten jenseits des Rheins haben ihren Willen durchgesetzt.

Tabelle 1
Im einzelnen betrug die Ausfuhr (in 1000 dz):

-

Oktober

November

Dezember

Chemische Grundstoffe 1948,7 1705,1 1866,4
Eisenwaren 1957,4 1952,7 1934,2
Maschinen 266,3 279,9 374,8
Papier 290,2 362,0 360,0
Kali 715,5 296,8 425,1
Farben 102,6 97,5 92,1
Holzwaren 93,0 121,2 144,9
Elektr. Erzeugnisse 64,4 77,1 89,1

Maschinen, Papier und Holzwaren weisen ein erhebliches Mehr auf.

Tabelle 2
Für die Einfuhr ergaben sich folgende Zahlen (in Mill. dz):

-

Okt.

Nov.

Dez.

-

Okt.

Nov.

Dez.

Getreide 5446,3 3706,8 1619,6 Fische 468,8 159,1 124,9
Mehl 336,9 218,6 154,0 Öle, Teere 1076,0 750,6 538,9
Eisenerz 9198,2 9372,7 7908,1 Kaffee usw. 398,0 146,7 77,3
Düngem. 223,7 76,5 56,7 Wolle 125,0 126,3 109,8
B'mwolle 297,4 272,4 283,1 Kupf.-Erz 19,6 216,2 133,3
Hanf usw. 145,6 173,6 166,3 Rohkupf. 163,4 158,6 243,3
Tier. Fette 316,4 137,5 123,7 Eisenwar. 1396,9 898,0 875,6

Der Rückgang der Ausfuhrmenge auf zwei Drittel der Oktobermenge im Dezember scheint in erster Linie durch die Einschränkung der Einfuhr von Getreide, Mehl, Eisenerz, Düngemitteln, tierischen Fetten, Fischen, Ölen, Teeren, Kaffee, Kakao, Tee und Eisenwaren hervorgerufen. Die Einfuhr textiler Rohstoffe hat wenig nachgelassen. Die Kupfer- und Kupfererzeinfuhr hat sich sehr erheblich gehoben.

Da die Zahlen der einzelnen Monate von vielen Zufälligkeiten abhängig sind, haben wir in der folgenden Tabelle Einfuhr und Ausfuhr für je drei Monate zusammengefaßt: Juni/August 1921, Oktober/Dezember 1921 und die Durchschnitte für je drei Monate der Jahre 1920 und 1913. Wir haben nicht gezögert, den Oktober zusammen mit den folgenden beiden Monaten aufzuführen, da die sehr starke Oktobereinfuhr durch eine erhebliche Vorversorgung für die nächsten Monate mitbedingt war. Bemerkenswert ist die starke Steigerung der Einfuhr von Erzen, Holz und Mineralölen im letzten Vierteljahr 1921, die vielfach auch im November und Dezember der Vorversorgung gedient haben wird, während künstliche Düngemittel und Baumwollwaren erhebliche Abnahme zu verzeichnen haben. Bei der Ausfuhr fällt die starke Vermehrung der Ausfuhr von Fischen, chemischen Produkten, Koks, Eisenwaren, Roheisen und Papier gegen die Sommermonate 1921 auf.

Tabelle 3
Einfuhr und Ausfuhr

(in 1000 dz)

Einfuhr

Ausfuhr

Okt./Dez.
1921

Juni/Aug.
1921

3 Monate
1920

3 Monate
1913

Okt./Dez.
1921

Juni/Aug.
1921

3 Monate
1920

3 Monate
1913

Eisenerz u. a. Manganerz 26479,0 13 126 16 126 36 749 413,0 637 401 6 556
Getreide, Mehl 14812,1 13 947 4 355 20 593 537,4 178 116 7 169
Mineralöl, Teere 2365,5 1 359 1 152 3 800 731,3 592 239 1 192
Fleisch, tier. F. 807,2 1 032 920 838 11,0 4 1 40
B'mwolle, roh 852,9 1 132 375 1 303 88,7 51 2 132
Kaff., Kakao, Tee 622,0 598 220 539 1,0 0 0 5
Rohkupfer 565,3 317 180 629 20,0 25 20 65
Hanf, Fl., Jute 485,5 326 209 883 17,1 5 4 162
Kupfererz 369,1 24 271 69 5,1 0 7 63
Wolle roh 361,1 339 131 498 10,5 5 1 42
K'nstl. Dün.em. 336,9 1 348 170 1 448 32,3 18 16 2 583
Fische 752,5 857 1 220 900 499,0 57 8 65
Zucker 212,6 255 246 7 73,1 34 17 2 186
Bau- u Nutzhz 1553,0 1 065 749 9 967 1403,0 1 440 971 601
Tabak-Erz.ugh. 22,0 309 252 210 9,4 5 5 3
B'woll.erzeug. 70,7 143 67 109 67,4 30 29 218
Kohle 8721,8 9 561 6 802 44 185 19406,8 15 498 19 395 94 494
Chem. Grundst. ausschl. Kali 197,8 140 369 3 188 4053,2 2 714 2 135 4 695
Kali - - 8 145 1437,0 590 2 001 4 090
Koks 60,3 15 7 1 490 3191,0 1 824 2 450 6 057
Eisenwaren 3280,3 1 388 804 1 210 5814,3 657 401 6 556
Roheisen 185,6 335 245 510 1132,0 457 315 2 141
Maschinen 23,9 9 12 220 921,0 1 050 994 1 486
Papier 181,1 78 200 282 1012,2 784 655 1 358
Holzwaren 24,3 14 13 105 359,1 295 265 197
Farben 18,3 12 29 167 291,7 239 225 654
Elektr. Erzeug. 9,0 3 4 15 230,0 265 188 335
Fahrzeuge 9,0 4 5 23 210,0 205 520 270
Kupferwaren 1,8 1 7 15 1 3,0 94 54 212

Die folgende Zusammenstellung gibt die Nettoeinfuhr und Nettoausfuhr für die angegebenen Quartale zugleich in Prozentzahlen an, die erkennen lassen, ein wie großer Teil der in einem Durchschnittsquartal 1913 ein- und ausgeführten Mengen im letzten Quartal 1921 und im Durchschnitt von drei Monaten des Jahres 1920 ein- und ausgeführt wurde.

Tabelle 4
Netto-Einfuhr (in Mill. dz.)

-

I
Okt./Dez.
1921

II
Juni/Aug.
1921

III
3 Monate
1920

IV
3 Monate
1913

v. H.
I. von IV % | I. von III %

Eisenerz 26,1 12,5 11,7 30,2 86,4 38,7
Getreide, Mehl 10,9 13,8 4,2 13,2 82,6 3,2
Mineralöle, Teere 1,6 0,8 0,9 2,7 59,3 33,3
Fleisch, tier. Fette 0,8 1,0 1,0 0,8 100,0 125,0
Baumwolle 0,8 1,1 0,4 1,2 66,7 33,3
Kaffee, Kakao, Tee 0,6 0,6 0,2 0,6 100,0 33,3
Rohkupfer 0,5 0,3 0,2 0,6 83,3 33,3
Flachs, Hanf, Jute usw. 0,5 0,3 0,2 0,7 71,4 28,6
Kupfererz 0,4 0,02 0,3 0,006 6666,6 500,0
Wolle 0,4 0,3 0,1 0,5 80,2 20,0
Künstl. Düngemittel 0,3 1,3 0,2 - 1,1 - -
Fische 0,3 0,8 1,2 0,9 33,3 133,3
Zucker 0,1 0,2 0,2 - 2,2 - -
Holz 0,1 - 0,4 0,2 0,4 1,0 - 2,1
Tabak 0,01 0,3 0,2 0,2 5,0 100,0
Baumwollwaren 0,003 0,1 0,04 - 0,1 - -
Tabelle 5
Netto-Ausfuhr (in Mill dz)

-

V
Okt./Dez.
1921

VI
Juni/Aug.
1921

VII
3 Monate
1920

VIII
3 Monate
1913

v. H.
V. von VIII % | V. von VII %

Kohle 10,7 6,1 12,5 50,3 21,3 24,9
Chem. Grundstoffe (ausschl. Kali) 3,9 2,6 1,8 1,5 260,0 120,0
Kali 1,4 0,6 2,1 4,1 34,1 51,0
Koks 3,4 1,8 2,4 14,5 23,5 16,8
Eisenwaren 2,6 4,0 3,9 12,9 20,2 30,2
Roheisen 1,0 0,1 0,1 1,8 55,6 5,6
Maschinen 0,9 1,0 1,0 1,3 69,3 76,9
Papier 0,8 0,7 0,5 1,1 72,7 45,5
Holzwaren 0,3 0,3 0,25 0,1 300,0 250,0
Farben 0,3 0,2 0,2 0,1 300,0 200,0
Elektr. Erzeugnisse 0,2 0,3 0,2 0,3 66,7 66,7
Fahrzeuge 0,2 0,3 0,5 0,25 80,0 200,0
Kupferwaren 0,1 0,1 0,05 0,2 50,0 25,0
Holz - 0,1 0,4 0,2 9,4 - -
Zucker 0,1 - 0,2 - 0,2 2,2 - 45,5 91,0
Düngemittel - 0,3 - 1,3 0,2 1,1 - 27,3 - 18,2
Baumwollwaren - 0,003 - 0,1 - 0,04 0,1 - 3,0 - 40,0

Wenn die beträchtliche Besserung der Versorgung der deutschen Volkswirtschaft mit den wichtigsten ausländischen Rohstoffen im letzten Vierteljahr, verglichen mit dem Jahr 1920, trotz der stark gesunkenen Valuta auffällig erscheint, so ist zu bedenken, daß die deutsche Einfuhr im Jahre 1920 durch politische Unruhen, hohe Auslandspreise und die Folgen der Kriegsabsperrung stärker behindert war. Im übrigen mag man sich gegenwärtig halten, daß die deutsche Gesamteinfuhr auch in den letzten Monaten, der Menge nach, nur etwa ein Drittel der Einfuhr des Jahres 1913 betrug.

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