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Erörterungen der letzten Zeit über die Zukunft des Goldes verleihen dem Jahresbericht der Firma Samuel Montagu & Co. über den Markt der Edelmetalle besonderes Interesse. Fast die ganze Golderzeugung der Erde ist von Indien und den Vereinigten Staaten aufgenommen worden. „In keinem von diesen Ländern“, legt die Firma Montagu dar, „wird das Gold als Umlaufsmittel in Verkehr gesetzt. In dem ersten wird es als kostbares Metall betrachtet, das gegen die Rupien in einem Verhältnis steht, das von dem durch die kaiserliche Regierung des Landes aufgestellten abweicht. In dem zweiten wird es in der Reserve der Bundesbanken interniert und sein Anwachsen mit ängstlicher Sorgfalt beobachtet, damit es nicht zum Nachteil der Preise und der Wirtschaft sich auswirkt. In anderen Worten: Die Vereinigten Staaten leiden in gewissem Maße an dem Übel, das König Midas betraf.“

Die Golderzeugung im British Empire und den übrigen Ländern (berechnet zu 4 £ 4 s 11¾ d die Unze fein) hat sich wie folgt verteilt:

Gebiet in 1000 £
1923 1922 1921 1920
Transvaal 38 800 29 800 34 500 34 700
Kanada 5 000 5 200 3 900 3 300
Australasien 3 800 3 700 4 200 4 700
Rhodesia 2 700 2 800 2 500 2 300
Indien 1 800 1 800 2 000 2 100
Westafrika 900 900 900 1 000
British Empire insges. 52 500 44 200 48 000 48 100
Übrige Länder 20 000 19 800 20 000 21 210
Gesamtsumme 75 500 64 000 68 000 69 300

Der Goldvorrat, der gegenwärtig im Vereinigten Königreich gehalten wird, beträgt

Bei der Bank von England 126 Mill. £
Bei der Currency Notenreserve 27 Mill. £
Zusammen 153 Mill. £


Der Rest des British Empire hält einen sichtbaren Vorrat von 105 Mill., der sich wie folgt verteilt:

Australien 24 800 00 £
Neu-Seeland 7 900 000 £
Kanada 38 200 000 £
Südafrika 11 000 000 £
Indien 22 300 000 £
Strait Settlements 800 000 £
Zusammen 105 Mill. £

Die Vereinigten Staaten andererseits verfügen jetzt über mehr als dreimal so viel Gold wie das Gesamt des British Empire, nämlich über 784 Mill., davon bei:

U. S. Treasury 145 500 000 £
Bundes-Reserve-Banken 688 500 000 £

Während des Jahres 1923 sind Goldeinfuhren nach den Vereinigten Staaten in Höhe von etwa 25 Mill. $ (netto) monatlich vor sich gegangen. Nicht ein Dollar davon wurde gebraucht, und die Goldreserven des Bundesreservesystems haben jetzt die bisher unerreichte Zahl von 80 % des Notenumlaufs und der Depositen zusammen erreicht. Es hat also die Vereinigten Staaten während des letzten Jahres ungefähr 100 Mill. gekostet, das Gold auf einem ganz künstlichen Preis zu halten (nämlich 30 Mill. Zinsen auf müßige Reserven und 70 Mill. für die Einfuhr neuen überschüssigen Goldes).

Dennoch würde, wenn die Vereinigten Staaten ihre Münzen gegen die Annahme neuen Goldes sperren würden, alles genau wie bisher verlaufen: nur dass während des Jahres zusätzliche 70 Mill. an Kapitalreserven zu anderer Verwendung verfügbar gewesen wären. Es kann nicht verständig sein, anzunehmen, dass ein solcher Zustand beliebig lange andauern wird. Beispielsweise wird in weniger als drei Jahren bei dem gegenwärtigen Wachstumsverhältnis – unter der Annahme, dass Inflation erfolgreich vermieden wird – das Gold der Bundesreservebanken 100 % ihrer Verbindlichkeiten erreicht haben. Was werden sie dann tun? Sie müssen ihre Münzen für das Gold schließen oder eine unfreiwillige Inflation erdulden.

Wenn unter dem Druck solcher Umstände die Vereinigten Staaten ihre Münzen gegen die Annahme eingeführten Goldes sperren würden – was getan werden könnte, ohne irgendein amerikanisches Interesse zu verletzen und ohne die Einlösbarkeit des amerikanischen Kurantgeldes in Gold zu stören – so würden die übrigen Goldproduzenten vermutlich den Preis der Bank von England für die Hauptmasse ihrer Produktion annehmen müssen. In diesem Falle würde das Pfund Sterling unmittelbar seinen vollen Goldwert wiedererlangen, gleich aber ein Disagio gegen den Dollar bewahren. Und wenn wir nicht bereit sind, in Amerikas Fußstapfen zu treten und unser Geld durch Aufspeichern von Gold zu stützen – was wir uns gewiss nicht leisten können – so würden wir ebenfalls vor der Alternative stehen, entweder unsere Münzen dem Gold zu verschließen oder eine unfreiwillige Inflation zu erdulden.

Diese Gedanken mögen sich auf eine extreme Annahme gründen, aber sie erläutern, wie prekär die Zukunft des Goldes jetzt geworden ist und was für ein Katarakt von Aberglauben die Augen derer umwölken muss, die es für verständig halten, als selbstverständlich anzunehmen, dass der künftige Wert des Goldes unter diesen veränderten Bedingungen durch genau dieselbe Art von Erwägungen regiert werden wird wie vor dem Kriege.

Einige sagen, dass das große Interesse des British Empire am Goldbergbau, wie es sich in den obigen Zahlen spiegelt, ein Grund ist, warum wir uns selbst anstrengen sollten, den Wert des Goldes aufrechtzuerhalten. Wenn wir Argumente über die allgemeinen sozialen Vorteile einer gesunden Währung in Rechnungen dieser Art ausschalten wollen, so lohnt es sich doch, darauf hinzuweisen, dass unsere Schuld an Amerika in Gold festgesetzt ist, dass die jährliche Last aus dieser Schuld mehrere Male so groß ist wie unsere jährlichen Gewinne aus dem Goldbergbau, und dass jeder Fall des Goldwertes diese Last erleichtert.

Es würde vorschnell sein, die Zukunft einer Sache vorauszusagen, an der das Menschengeschlecht seit so langer Zeit hängt wie das Gold. Aber die Lage ist eigentümlich. Nur zweimal haben wir in der Vergangenheit einen Stand der Dinge gehabt, der vergleichbar gewesen wäre mit dem durch die Zerstreuung der Tempelschätze, d. h. Bankreserven Europas, infolge des Kriegs herbeigeführten – einmal, als Alexander die Bankreserven (d. h. Tempelschätze) Persiens plünderte, das zweite Mal, als Spanien diejenigen von Mexiko und Peru plünderte. Auf jede dieser Begebenheiten folgte ein katastrophaler Sturz des Wertes des heiligen Metalls.

Wenn wir die gegenwärtige Lage auf Grund der Erfahrungen beurteilen wollen, so müssen wir einen größeren Bereich der Geschichte übersehen, als es die City tut. Wenn wir sie im Licht der Vernunft beurteilen wollen, müssen wir unseren Geistern erlauben, kühn zu sein.

Währungsreform hat zwei Ziele: die Konjunkturschwankungen (credit-cycles) abzustellen und die Arbeitslosigkeit und alle die Übel der Ungewissheit zu mindern; die Währungseinheit aber mit dem zu verknüpfen, worauf es ankommt, nämlich dem Wert der Stapelartikel des Verbrauchs, statt mit einem Gegenstand von allerdings morgenländischem Glanz – einem Gegenstand, dem die ägyptischen und chaldäischen Bankdirektoren magische Eigenschaften zuschrieben, der aber sonst an sich nicht nützlich und in seinen Zukunftsaussichten prekär ist. Die Zeit mag kommen, wo die Währungsreformer klar und deutlich nicht als inflationsverdächtige erscheinen werden, sondern als die einzigen Sicherungen dagegen.

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