Auch der achte Bericht des Department of Commerce über die amerikanische Zahlungsbilanz, wiederum aus der Feder Dr. Ray Ovid Halls, hat den Charakter einer Pionierleistung bewahrt: kühn und zäh auf Neuland vordringend. Die fünfzehn Verfeinerungen der Methodik, die er aufzählt, betreffen zum Teil Probleme, die von keiner anderen Statistik auch nur in Betracht gezogen worden sind: so die zahlungsbilanzmäßigen Folgen des andauernd hohen Dollarkurs-Standes im Jahre 1929 einerseits, der ausländischen Wertpapierspekulation in der Form des Einschuß-Geschäftes andererseits. In einigen Fällen ist man durch direkte Befragung weitergekommen. In anderen Fällen hat man sich mit gewaltsamen Mitteln geholfen, deren Rechtfertigung nur in einem instinkthaft sicheren Zahlensinn des Statistikers gesucht werden kann. Die Arbeit ist, ebenso wie ihre Vorgängerinnen, das interessanteste Dokument zur Entwicklung der Weltwirtschaft, das im Lauf des Jahres veröffentlicht zu werden pflegt, denn es legt gleichsam das Auslandsbudget der heute führenden Wirtschaftsvormacht mit bewunderswerter Klarheit und Vollständigkeit dar: den Bedarf des Landes an ausländischen, den Bedarf des Auslandes an amerikanischen Leistungen und die Art der Deckung dieses Bedarfs. Sensationelle Aufschlüsse darf man hierbei, so wenig wie von anderen Zahlungsbilanzaufstellungen, nicht erwarten. Ihr Wert liegt nicht im Aufdecken bisher unbekannter Sachverhalte, sondern in ihrer zahlenmäßigen Präzisierung.
Versuchen wir zunächst, uns die Tragfähigkeit der Zahlen zu vergegenwärtigen. Die gefährlichsten Fehlerquellen müssen noch immer in dem weitaus größten Einzelposten der Aufstellung gesucht werden: in der Statistik des Warenhandels und des Effektenhandels (abgesehen von den statistisch gut bestimmbaren Emissionen). Infolge der Größe der Posten kann hier ein auch nur geringes prozentuales Fehlgehen erhebliche Verzerrungen im Gefolge haben. In zweiter Linie sind es die Schätzungen des Touristenverkehrs und der Auswanderer-Rimessen, gegen die sich die Kritik zu richten pflegt. Setzt man den Fall, daß die Einfuhr um 1 % überwertet, die Ausfuhr um 1 % unterwertet ist, so hätte man mit einem um 100 Mill. $ höheren Aktivsaldo zu rechnen. Ein Betrag in gleicher Höhe würde sich ergeben, wenn die Auswanderer-Rücksendungen und Touristenausgaben um 10 % überschätzt sind. Beide Fälle sind möglich, wenn auch nicht in hohem Grade wahrscheinlich. Gegenwärtig beträgt der zur Kapitalanlage im Ausland zur Verfügung stehende Saldo der erweiterten Handelsbilanz 360 Mill. $. Man muß immerhin mit der Möglichkeit rechnen, daß er um etwa 100 Mill. $ zu hoch oder zu niedrig angesetzt ist.
Die Statistik der Kapitalbewegungen bietet nur wenig Möglichkeiten der Kontrolle. Als einigermaßen gesichert sind 1123 Mill. $ Passivposten und 439 Mill. $ Aktivposten anzusehen, mit einem Kapitalausfuhr-Saldo von 684 Mill. $. Von dem Rest: Käufe und Verkäufe amerikanischer und ausländischer Wertpapiere im Verkehr mit dem Ausland ist nur ein Bruchteil bekannt, denn ein Teil der Maklerfirmen hat den Fragebogen des Amtes diesmal nicht beantwortet. Es scheint, daß sich aus den eingegangenen Antworten ein Kapitaleinfuhrsaldo in Höhe von ungefähr 273 Mill. $ ergeben hätte, so daß die Netto-Kapitalausfuhr im Jahre 1929 rund 410 Mill. $ betragen hätte. Diese Zahl unterscheidet sich als Endergebnis von der von Dr. Hall eingesetzten. Er macht 43 %ige Zuschläge für die Firmen, die den Fragebogen nicht beantwortet haben, nimmt 20 % Abschläge wegen des Vorkommens von Einschußgeschäften (marginal trading) vor und verrechnet auf diese höchst unsicheren Posten 60 % des ungeklärten Saldos der Zahlungsbilanz in Höhe von 23 Mill. $. Am Schluß ergibt sich eine amerikanische Kapitalausfuhr von 360 Mill. $. Der Bericht gibt zu, daß jene Zahlen des Effektenhandels auch jetzt noch „äußerst unsicher“ seien. Ein Fehler von nur 10 % in einem der vier hier in Betracht kommenden Posten könne einen Betrag von mehr als 150 Mill. $ ausmachen, also in ähnlicher Größenordnung wie die von uns oben in Betracht gezogenen Fehler infolge von prozentual geringen Fehlschätzungen der erweiterten Handelsbilanz.
Es kennzeichnet den heutigen Stand der Dinge, daß sich ein höherer Grad von Genauigkeit auch in dem statistisch aufschlußwilligsten Lande nicht erreichen läßt. Der mögliche, wenn auch nicht wahrscheinliche Fehler mag danach bei 1 bis 2 % der Bilanzsumme von 10 Milliarden $ liegen. Er verringert sich bis zu einem praktisch fast zu vernachlässigenden Betrag, wenn nicht die absolute Höhe der Posten, sondern ihre Veränderungen von Jahr zu Jahr betrachtet werden sollen. In der Analyse solcher Veränderungen, nicht in der Feststellung von Zuständen aber liegt für den Nationalökonomen der Hauptwert solcher Aufstellungen. Gesetzt, die Anschreibungen der Ein- und Ausfuhr, die Schätzung der Touristenausgaben und der Auswanderer-Rücksendungen seien mit konstitutiven Fehlern behaftet: so ist doch nicht anzunehmen, daß diese Fehler von Jahr zu Jahr solchen erheblichen Schwankungen unterliegen, daß von ihnen die Errechnung der Bewegung der Salden der erweiterten Handelsbilanz empfindlich berührt werden kann.
Tabelle 1
Zahlungsbilanz der Verein. Staaten 1923/29 (Mill. $)
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1923 |
1924 |
1925 |
1926 |
1927 |
1928 |
19291) |
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|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Warenbewegung (berichtigt) | |||||||
| Ausfuhr | 4368 | 4834 | 5177 | 5044 | 5091 | 5333 | 5490 |
| Einfuhr | 4162 | 3952 | 4544 | 4766 | 4508 | 4483 | 4756 |
| Saldo | + 206 | + 882 | + 633 | + 278 | + 583 | + 850 | + 734 |
| Verschied. unsichtb. Posten | |||||||
| Netto-Frachten (Ozean, Große Seen, Eisenbahn) | – 83 | – 64 | – 84 | – 95 | – 66 | – 80 | – 115 |
| Ausgaben amerikanischer Touristen | |||||||
| Kanada und Mexiko | – 131 | – 159 | – 185 | – 201 | – 231 | – 288 | – 322 |
| Übersee | – 313 | – 374 | – 400 | – 422 | – 465 | – 516 | – 517 |
| Ausg. ausl. Tourist. in den Ver. Staat. | + 104 | + 107 | + 112 | + 148 | + 163 | + 163 | + 180 |
| Passagierverkehr über den Ozean | + 60 | + 53 | + 63 | + 69 | + 89 | + 89 | + 94 |
| Zinsen auf priv. Kredite an das Ausl. | + 594 | + 635 | + 689 | + 740 | + 800 | + 893 | + 976 |
| Zinsen auf Kredite an die Ver. Staat. | – 180 | – 192 | – 229 | – 268 | – 281 | – 359 | – 414 |
| Kriegsschuldeinnahmen (Kapital) | + 92 | + 23 | + 26 | + 35 | + 46 | + 50 | + 62 |
| dgl. (Zinsen) | + 167 | + 160 | + 160 | + 160 | + 160 | + 157 | + 145 |
| Andere Regierungstransakt. (netto) | – 66 | – 53 | – 61 | – 49 | – 29 | – 57 | – 92 |
| Rücksendungen der Einwand. | – 229 | – 229 | – 235 | – 218 | – 206 | – 225 | – 223 |
| Beiträge für wohltätige Zwecke usw. | – 70 | – 55 | – 50 | – 46 | – 51 | – 49 | – 49 |
| Andere Posten (netto) | + 57 | + 68 | + 74 | + 74 | + 74 | + 24 | + 25 |
| Saldo der erwelt. Handelsbilanz | + 208 | + 802 | + 513 | + 205 | + 588 | + 850 | + 484 |
| Neue private Darlehen, Anlagen und Depositen | |||||||
| Reinzugang langfristiger amerikan. Anlagen im Ausland (pari) | – 258 | – 869 | – 872 | – 888 | – 972 | – 1318 | – 808 |
| Abzügl. Disagio u. Kommissionen | + 48 | + 125 | + 119 | + 121 | + 119 | + 122 | + 26 |
| Netto | – 210 | – 744 | – 753 | – 687 | – 853 | – 1196 | – 782 |
| Reinzugang langfristiger Auslandsanlagen in den Verein. Staaten | + 240 | + 11 | + 193 | + 147 | + 158 | + 448 | + 396 |
| Veränderung der Reinverschuldung amerikan. Banken an das Ausland | + 3 | + 216 | – 61 | + 359 | - | – 226 | + 13 |
| Kapitalbewegung (lang- u. kurzfr.) | + 33 | – 517 | – 621 | – 181 | – 665 | – 934 | – 373 |
| Andere Ausgleichsposten | |||||||
| Goldbewegung (netto) | – 295 | – 216 | + 102 | – 72 | + 154 | + 272 | – 120 |
| Amerikanisches Papiergeld | + 50 | – 20 | – 30 | - | - | - | - |
| Differenz, auf Fehlerquellen zurückzuführen | + 4 | – 49 | + 36 | + 48 | – 47 | + 12 | + 9 |
1) Vorläufig.
Der kennzeichnende Zug der amerikanischen Zahlungsbilanz des Jahres 1929 ist die Abnahme dieses Saldos von 922 Mill. $ im Vorjahr auf 364 Mill. $. Er ist nur zweimal in den letzten acht Jahren unter diesen Betrag gesunken: 1923 mit einem Kapitaleinfuhrüberschuß von 37 Mill. $, 1926 mit einem Kapitalausfuhrüberschuß von nur 133 Mill. $. Seit dem Jahre 1924 hielt sich die Kapitalausfuhr sonst ständig im Spielraum von 500 Mill. bis 1000 Mill. $. Das Vorwort des amerikanischen Handelsministers zu der Hallschen Arbeit zeigt, daß sich Mr. Lamont der weltwirtschaftlichen Tragweite dieser Änderung bewußt geworden ist. „Das wichtigste Ereignis in unseren auswärtigen Geschäften während des Jahres 1929 war die Abnahme unserer Nettokapitalausfuhr um 561 Mill. $ ... Diese Abnahme war zweifellos zum Teil verantwortlich für die finanziellen und valutarischen Schwierigkeiten einiger Länder, für einen Teil der weltwirtschaftlichen Stockung und für einen Teil der Abnahme unserer Warenausfuhr während der zweiten Hälfte 1929 und Anfang 1930; sie mag auch zum Fallen der Weltmarktpreise beigetragen haben. Der Goldeinstrom während der 15 Monate bis Oktober 1929 war ein Hauptergebnis dieser empfindlichen Abnahme unserer Kapitalausfuhr. Der Reinzugang an Gold betrug in dieser Zeit 307 Mill. $, gleich ungefähr 3 % des gesamten Weltgoldbestandes. In unserem Lande angekommen, nachdem es die Kreditbasis und die Kaufkraft der Außenwelt verringert hatte, diente das Gold ersichtlich keinem nützlichen Zweck; es erhöhte unseren schon großen Bestand an ‚freiem Gold‘. Allen tauglichen Mitteln, durch die solche Schwankungen der Kapitalausfuhr dieses Landes verringert werden könnten, sollte ernste Beachtung geschenkt werden“.
Mr. Lamont hat recht. Es gibt keinen wichtigeren Störungsfaktor der weltwirtschaftlichen Konjunktur als die Unstetigkeit der amerikanischen Kapitalausfuhr. Wichtiger als Preisstabilisierung und Produktionsbegrenzung wäre die Sorge für die Beständigkeit des Anteils, den die Vereinigten Staaten an der Finanzierung der Außenwelt zu nehmen gedenken. Wenn sie fortfahren, das Ausland als einen Notmarkt anzusehen, so mag das im Warenhandel unangenehm aber erträglich sein. Auf dem Kapitalmarkt muß es zu schweren Störungen führen, wenn die Kapitalversorgung und Kreditgewährung des Auslandes von den spekulativen Debauchen oder Ernüchterungen der hemmungslosesten aller großen Wertpapierbörsen bestimmt werden sollen. Die Weltwirtschaft leidet an wenig Dingen so stark wie an dem Umstand, daß die wirtschaftliche Vormachtstellung an ein Land übergegangen ist, dessen Bankorganisation und dessen Geldmarkt einer solchen Rolle nicht gewachsen ist.
Daß der Rückgang der Kapitalausfuhr auf Vorgänge der amerikanischen Kapital- und Kreditmärkte zurückzuführen ist, höchstens zum kleinsten Teil auf Änderung des Warenverkehrs, ist leicht an den Zahlen deutlich zu machen. Die berichtigte Warenhandelsbilanz (ohne Gold) zeigt gegen das Vorjahr nur eine leichte Verringerung des Ausfuhrüberschusses um 116 Mill. $, die erweiterte Handelsbilanz eine Verringerung des Aktivsaldos um 166 Mill. $. Da sich die in der erweiterten Handelsbilanz mitenthaltenen Einnahmen aus ausländischen Anlagen per saldo um 28 Mill. $ vermehrt haben, beträgt die Verringerung des Aktivsaldos der Bilanz der Dienste und einseitigen Zahlungen (ausschließlich Zinsen usw.) 78 Mill. $; sie ist in der Hauptsache bedingt durch Zunahme der Fracht- und Touristenausgaben. Ob in der gesteigerten Inanspruchnahme ausländischer Dienstleistungen und Waren Ursache oder Folge einer gleichgroßen Kapitalausfuhr-Minderung zu sehen ist, wird heute nicht aufgehellt werden können; es bedarf dazu sorgfältiger und umfassender Untersuchungen über die Preis- und Zinsbewegung in den Hauptländern. Sicher ist aber, daß der Hauptteil des Rückganges der Kapitalausfuhr nicht in einer Zunahme der Nachfrage nach ausländischen Diensten und Waren zu suchen ist. Zwei Drittel sind vielmehr durch Änderungen der Goldbilanz ausgeglichen worden: einer Goldausfuhr des Vorjahrs in Höhe von 272 Mill. $ steht 1929 eine Goldeinfuhr von 120 Mill. $ gegenüber. Auch in den Jahren 1923 und 1926 war die Verringerung der amerikanischen Kapitalausfuhr von Goldeinflüssen begleitet, während alle Jahre starker Kapitalausfuhr, mit einer Ausnahme (1924), zugleich Jahre erheblicher Goldausfuhr waren. Im Vergleich mit dem Vorjahr ergibt sich, daß das vergangene Jahr die normale Beziehung von Zinseinnahmen aus dem Ausland und Kapitalinvestierungen im Ausland wiederhergestellt hat. In den sieben Jahren 1922 bis 1928 hatten die Vereinigten Staaten aus dem Ausland im Jahresdurchschnitt 666 Mill. $ (per Saldo) an ausländischen Kapitalanlagen bezogen, bei einer Kapitalausfuhr von durchschnittlich nur 460 Mill. $. Im Jahre 1928 schien sich das Verhältnis umzukehren: 934 Mill. $ Investitionen, bei 741 Mill. $ Zinseinnahmen im weitesten Sinn. Es lag nahe zu vermuten, daß diese Forcierung des Kapitalexports nur bei Andauer des Willens zu erheblichen Goldabflüssen durchgehalten werden konnte. Die Geldmarktkonstellation des letzten Jahres hat diese Voraussetzung zerstört: so hat sich das alte Verhältnis wiederhergestellt: von 769 Mill. $ Auslandszinsen sind nur 373 Mill. $ per Saldo wieder im Ausland angelegt worden — vorausgesetzt, daß die Zahlen für den internationalen Effektenhandel wenigstens im Saldo richtig sind.
Weitaus die stärksten Veränderungen gegenüber dem Vorjahr zeigt der Posten Emissionen von Auslandsanleihen, der zugleich der sicherste Posten der Zahlungsbilanz ist: er ist von 1,5 Milliarden auf 0,7 Milliarden $ gesunken. Auf der anderen Seite sind infolge der amerikanischen Kapitalmarktverhältnisse aber auch die Tilgungskäufe ausländischer Schuldner und die Konversionen älterer Anleihen empfindlich zurückgegangen, nämlich um rund 300 Mill. $. Eine merkwürdige Konstanz zeigen die Käufe und Verkäufe im Effektenhandel. Es scheint demnach, als ob die einzigartige Effektenkonjunktur des letzten Jahres ohne jede Wirkung auf den internationalen Effektenhandel geblieben sei. Nicht nur der Saldo hält sich mit 310 Mill. $ Kapitaleinfuhr nur ganz wenig über dem des Vorjahrs, sondern auch die einzelnen Posten zeigen nur sehr geringfügige Änderungen. Es mag Zufall sein. Einstweilen würde ich den (geschätzten) Zahlen mißtrauen.
Sehr geringe Änderungen weist auch die Bilanz der kurzfristigen Kapitalbewegungen aus: nur eine Zunahme um 13 Mill. $ wird verzeichnet, im Gegensatz zu einem Ausfuhrsaldo von 226 Mill. $ im Vorjahr. Das Bild würde andere Züge tragen, wenn die Bilanz auf Ende September, unmittelbar vor dem Zusammenbruch der Wertpapier-Hausse, statt auf den 31. Dezember abgestellt wäre. Denn in jenem Vierteljahr sind die Maklerdarlehn (außer den von New Yorker Banken gewährten) nach der Statistik der New Yorker Mitgliedsbanken des Bundes-Reserve-Banksystems von 5,2 auf 2,5 Milliarden $ vermindert worden, und ein erheblicher Teil dieses Rückgang von 2,7 Milliarden $ ist direkt oder indirekt auf Rückwanderung von Auslandsgeldern zurückzuführen, die durch die ungeheuerlichen Zinssätze angezogen worden waren.
Auch nach ihrem Rückzug bleibt der Betrag der ausländischen kurzfristig in den Vereinigten Staaten angelegten Mittel riesenhaft: nach den Ergebnissen des im vorigen Jahre verbesserten Fragebogens ist für Ende 1929 eine gesamte kurzfristige Brutto-Verschuldung an das Ausland, ausgenommen Handelskredite, von 3 Milliarden $ festzustellen (netto 1,5 Milliarden), davon 1,7 Milliarden $ Depositen und 1,2 Milliarden an amerikanischen Geldmärkten ausgeliehene Mittel. Von diesen wiederum waren 0,3 unmittelbar in Maklerdarlehn angelegt, der größere Teil (0,9 Milliarden $) in amerikanischen Bankakzepten. Das Halten von europäischen Währungsreserven in Amerika führt also dazu, daß die Hälfte des amerikanischen Bankakzeptumlaufs (Ende 1929 1,7 Milliarden) mit europäischen Mitteln diskontiert wird; die amerikanischen Banken bleiben also, entgegen den Erwartungen der Schöpfer des Bundes-Reserve-Bank-Gedankens, auf die Gewährung von Börsenkrediten zwecks Schaffung einer Liquiditätsreserve angewiesen, denn die Zahl der sonstigen Geschäftswechsel ist sehr geringfügig: das Federal Reserve Bulletin schätzt auf Grund privater Informationen den Umlauf Ende 1929 auf 0,3 Milliarden $. So werden irrationale Börsenbewegungen gefördert, die die Instabilität der weltwirtschaftlichen Konjunkturen lebhaft verstärken müssen — infolge der an sich richtigen Praxis der europäischen Banken, Währungsreserven in Gestalt von Auslandsguthaben zu halten. Wird die Bank für internationale Zahlungen imstande sein, diesem wenig sinnvollen Zustand ein Ende zu machen?
- 1) Vorläufig.