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Die Weltmarktpreise für Rohstoffe sind in diesem Jahr nach dem Tiefstand im Dezember 2008 weiter gestiegen. Im April war der Abstand des HWWI-Rohstoffpreisindex zum Rekordniveau von Mitte 2008 in US-$ auf 31% geschrumpft, in Euro verminderte er sich auf 19%. Deutlich weiter fortgeschritten ist die Verteuerung bei den Industrierohstoffen, deren Dollarpreise, gemessen am HWWI-Index, kaum noch niedriger sind als auf dem Höhepunkt vor knapp zwei Jahren. In Euro sind Industrierohstoffe mittlerweile sogar teurer. Der Umfang der Preissteigerungen bei der Mehrzahl der Rohstoffe – mit Ausnahme von Nahrungsmitteln – überrascht angesichts einer immer noch schwachen, wenn auch voranschreitenden Erholung der Weltwirtschaft. Dies lässt vermuten, dass der Preisauftrieb zumindest teilweise auch von Seiten der Finanzmärkte beeinflusst wurde.

Die Ölpreise haben, wie schon zuvor beim Abschwung im Jahr 2008, auf die Nachfragebelebung besonders stark reagiert. Im April war Rohöl mit ca. 85 US-$ je Barrel 70% teurer als ein Jahr zuvor. Anfang Mai allerdings fielen die Spotnotierungen unter dem Einfluss der Staatsschuldenkrise unter 80 US-$. Auf der Angebotsseite wurden die Ölpreise ab Anfang 2009 durch deutliche Förderkürzungen der OPEC-Länder gestützt. Die gemeinsame Produktion der Mitglieder ist jedoch seither tendenziell gestiegen, auf mittlerweile rund 2 Mio. Barrel am Tag (8%) über der vereinbarten Grenze.

Rohstoffpreise¹ 2009/2010

Tageswerte, 1. April 2009 = 100

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¹ HWWI-Index auf US-$-Basis.

Quelle: HWWI.

Deutlich verteuert haben sich auch Metalle. Die Preise für NE-Metalle lagen auf Dollarbasis im April um 75% über dem Vorjahrsniveau, die Nickelnotierungen erhöhten sich sogar um 130%. Zuletzt sorgten allerdings die Bemühungen der chinesischen Regierung, das rasche Wachstum der heimischen Wirtschaft zu dämpfen, für niedrigere Notierungen. Die Vertragspreise für Eisenerz für die Stahlindustrie, die ab April dieses Jahres nur noch für jeweils ein Quartal statt wie bisher ein Jahr lang gelten sollen, wurden im zweiten Quartal für Feinerz um 85% angehoben. Agrarische Rohstoffe wurden in den letzten zwölf Monaten um durchschnittlich 58% teurer, wobei der Preis für Naturkautschuk durch Angebotsausfälle sowie weiter steigende Nachfrage nach Fahrzeugreifen – vor allem in Asien – fast doppelt so stark stieg (+111%). Nur Nahrungsmittel verteuerten sich insgesamt kaum (+2,8%). Dabei standen Preiserhöhungen bei Zucker und tropischen Getränken (Kaffee, Kakao und Tee) sinkenden Getreidepreisen aufgrund besserer Ernte(aussichte)n gegenüber.

Rohstoffpreise¹ 2004-2011

Quartalswerte, 2000 = 100

Rohstoffpreise¹ 2004-2011

¹ HWWI-Index auf US-$-Basis. Ab 2. Quartal 2010 Prognose.

Quelle: AIECE-Rohstoffgruppe, Mai 2010.

Der Aufwärtstrend der Rohstoffpreise dürfte sich fortsetzen. Die Arbeitsgruppe Rohstoffe der Europäischen Konjunkturinstitute rechnet in ihrer Frühjahrsprognose1 damit, dass die Erholung der Weltwirtschaft weiterhin mit zwei unterschiedlichen Geschwindigkeiten erfolgt, mit einem nur mäßigen Wachstum in den Industrieländern, aber starkem Wachstum in China und anderen Schwellenländern. Die daraus resultierende zusätzliche Nachfrage nach Rohstoffen wird die Rohstoffpreise weiter erhöhen, wenn auch in geringerem Tempo als bisher. Die Erhöhung konzentriert sich auf die Energiepreise. Bei den übrigen Rohstoffpreisen wird sie dagegen nach der Prognose in der zweiten Jahreshälfte auslaufen, hauptsächlich aufgrund von Angebotsreaktionen auf die hohen Preise.

Bei Rohöl wird, ausgehend vom Preisniveau im April, nur eine mäßige weitere Zunahme bis Ende 2011 auf 90 US-$ prognostiziert, vor allem aufgrund nachlassender Förderzurückhaltung bei den OPEC-Ländern und einer Ausweitung der Kapazitäten außerhalb der OPEC. Bei Metallen wird zunächst ein weiterer Anstieg erwartet, der jedoch später in diesem Jahr mit zunehmender Erhöhung des Angebots zu Ende geht. Ähnliches gilt für agrarische Rohstoffe, deren Preise teilweise bereits neue Höchststände erreicht haben. Die Preise für Nahrungsmittel werden – bei normalen Witterungsbedingungen – niedrig bleiben, mit prognostizierten jährlichen Änderungsraten von -3% (2010) und -4% (2011). Im Jahresvergleich ähneln sich die prognostizierten Änderungsraten bei den Energierohstoffen und den übrigen Rohstoffen, mit einer starken Erhöhung in diesem Jahr – um 35% bei Energie- und 29% bei anderen Rohstoffen – und einer deutlich geringeren Rate im kommenden Jahr (8% gegenüber 3%).

  • 1 Vgl. AIECE Working Group on Commodity Prices: World Commodity Prices 2010 to 2011, Mai 2010.

HWWI-Index der Weltmarktpreise für Rohstoffe

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2000 = 100, auf US-Dollar-Basis.

HWWI-Index mit Untergruppena 2009 Okt 09 Nov. 09 Dez. 09 Jan. 09 Feb. 10 Mrz. 10 Apr. 10
Gesamtindex 209,7 242,3 253,1 250,0 259,4 250,1 262,6 284,2
  (-33,6) (1,2) (32,6) (56,6) (58,8) (58,7) (58,0) (60,8)
Gesamtindex, ohne Energie 184,0 201,7 207,6 215,3 218,6 210,6 216,5 243,7
  (-22,1) (5,9) (19,7) (30,8) (35,3) (33,6) (36,7) (45,9)
Nahrungs- und Genussmittel 202,2 206,3 212,1 219,3 217,9 207,9 200,9 199,5
  (-13,2) (10,2) (19,0) (25,2) (13,3) (11,2) (9,2) (2,8)
Industrierohstoffe 176,0 199,7 205,6 213,6 218,9 211,8 223,4 263,0
  (-25,9) (4,0) (19,9) (33,4) (47,8) (46,2) (51,8) (69,5)
Agrarische Rohstoffe 125,4 145,8 152,8 156,9 158,7 157,7 164,3 169,9
  (-16,8) (11,0) (30,2) (42,2) (44,5) (50,7) (57,3) (58,5)
NE-Metalle 171,9 205,1 212,3 225,6 237,0 219,7 239,8 253,2
  (-29,0) (16,0) (43,4) (83,9) (89,7) (80,6) (86,7) (75,2)
Eisenerz, Stahlschrott 337,6 345,8 344,5 350,0 350,1 351,5 355,5 566,2
  (-30,0) (-16,3) (-12,6) (-14,2) (8,1) (7,7) (9,5) (73,5)
Energierohstoffe 222,2 262,0 275,1 266,7 279,1 269,2 284,9 303,7
  (-37,3) (-0,4) (38,0) (69,6) (69,9) (70,8) (67,7) (67,4)

a 2000 = 100, auf US-Dollar-Basis, Periodendurchschnitte; in Klammern: prozentuale Änderung gegenüber Vorjahr.

Weitere Informationen: http://hwwi-rohindex.org/


DOI: 10.1007/s10273-010-1080-y