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Während der Wirtschafts- und Finanzkrise 2009 brachen die deutschen Exporte stärker ein als die Importe. Inzwischen hat sich der Welthandel wiederbelebt. Die Autoren berechnen mit Hilfe des Gravitätsmodells die Außenhandelsentwicklung Deutschlands. Demnach dürften sich die Exporte mittelfristig stärker erhöhen als die Importe und der Außenbeitrag auf ein neues Allzeithoch steigen.

Mit der zunehmenden Globalisierung erhöhten sich sowohl die Warenexporte als auch die Warenimporte in Deutschland seit den 1980er Jahren kontinuierlich. In den 1990er Jahren kam es mit dem Fall des Eisernen Vorhangs zu einer Einbindung der osteuropäischen Staaten in den Welthandel, und in den 2000er Jahren kamen die großen Schwellenländer hinzu. Insbesondere die sogenannten BRIC-Staaten – Brasilien, Russland, Indien und China – verzeichneten seitdem hohe Wachstumsraten und integrierten sich in den internationalen Handelsverkehr. So kam es für Deutschland insbesondere seit Anfang der 2000er Jahre zu einer deutlichen Beschleunigung des Außenhandels, wobei die Warenexporte schneller stiegen als die Warenimporte. Damit konnte Deutschland den Überschuss im Außenbeitrag stetig ausbauen.

Mit dem deutlichen Einbruch des Welthandels 2009 im Zuge der weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise brachen die deutschen Warenexporte stärker ein als die Warenimporte, sodass der positive Außenbeitrag im Vergleich zum Vorjahr zurückging. Nach einer kräftigen Wiederbelebung des Welthandels 2010 und 2011 besteht durch die weltweite Schuldenkrise eine große Unsicherheit über die zukünftige Entwicklung der Weltwirtschaft. Insbesondere die Konjunkturaussichten innerhalb Europas – die Hauptzielregion deutscher Exporte sowie Hauptherkunftsregion deutscher Importe – haben sich deutlich eingetrübt. Die Bilanzkorrekturen der Banken sowie die Sparzwänge und die Austeritätsprogramme der EU-Staaten tragen maßgeblich zu der bestehenden Unsicherheit bei und belasten die Wirtschaft der einzelnen Länder. Gleichzeitig wächst die US-amerikanische Wirtschaft nur schwach, und die Furcht vor Sparmaßnahmen auch in den USA belastet deren Konjunkturausblick. Chinas Wirtschaft kühlt ebenfalls recht deutlich ab. Das geringere Wachstum legt sich gleichsam wie Mehltau auf die Wirtschaftsaktivität der Volkswirtschaften Asiens. Dies alles hat einen wesentlichen Einfluss auf die Entwicklung des deutschen Außenhandels.

Allerdings dürften diese trüben Wirtschaftsaussichten in den verschiedenen Teilen der Welt nicht auf Dauer anhalten, sondern sich mittelfristig etwas aufhellen. Zwar werden die Sparanstrengungen im Euroraum diese Länder noch weitere Jahre belasten, gleichzeitig dürften sich aber die Schwellenländer erholen und wahrscheinlich zu gewohnten Wachstumsraten zurückkehren. Aufbauend auf den Vorausberechnungen des Internationalen Währungsfonds (IWF) zur weltweiten Konjunkturentwicklung wird hier anhand eines Gravitätsmodells geschätzt, wie sich die Exporte und die Importe Deutschlands bis 2017 voraussichtlich entwickeln werden.

Gravitätsmodell

Für die Schätzung internationaler Handelsströme ist das Gravitätsmodell zu einer Standardanwendung avanciert. Es basiert auf dem Gravitätsgesetz von Isaac Newton, nach dem die Anziehungskraft (Handel) zweier Körper (Länder) durch deren Masse (BIP) und Distanz bestimmt wird. Dieses physikalische Gesetz wurde von Tinbergen, Pöyhönen und Linnemann auf volkswirtschaftliche Fragestellungen übertragen.1 Das Gravitätsmodell stand zunächst in der Kritik, nicht ausreichend theoretisch fundiert zu sein. Mittlerweile hat eine Vielzahl von Studien gezeigt, dass das Gravitätsmodell aus verschiedensten volkswirtschaftlichen Handelsmodellen abgeleitet werden kann.2 Die Grundform des Gravitätsmodells beschreibt die bilateralen Handelsflüsse zwischen Handelspartnern durch ihr BIP als Ausdruck ihres Angebots- und Nachfragepotenzials sowie der Distanz als Approximation der Transportkosten. So zeigen etwa Herz und Wagner, dass die typische Exportstärke, die Deutschland in den vergangenen zehn Jahren mehrfach den Titel des Exportweltmeisters eingebracht hat, insbesondere darin begründet ist, dass Deutschland im Kern eines globalen Handelszentrums liegt und dadurch Vorteile aus der geringen Distanz zu wichtigen Handelspartnern ziehen kann.3 Neben Transportkosten spielen aber weitere Kosten eine Rolle. So wurde das Gravitätsmodell im Lauf der Zeit um zusätzliche erklärende Variablen erweitert, wie etwa kulturelle, historische und institutionelle Faktoren. Beispielsweise wurde anhand des Gravitätsmodells der positive Einfluss von internationalen Handelsabkommen, die etwa im Rahmen der Welthandelsorganisation (WTO) geschlossen werden, auf bilateralen Handel untersucht.4

Der zugrundeliegende Datensatz umfasst bilaterale Handelsströme Deutschlands mit rund 190 Handelspartnern über den Zeitraum von 1953 bis 2009.5 Das aggregierte Exportvolumen ergibt sich aus der Summe der bilateralen Exporte Deutschlands in die jeweiligen Handelspartnerländer. Die aggregierten Importe Deutschlands werden aus den bilateralen Exportströmen der einzelnen Handelspartner nach Deutschland berechnet. Als erklärende Variable wird das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der einzelnen Länder, ebenfalls nominal und in US-Dollar denominiert, erfasst.6

Der Assoziation zwischen den Warenexporten Deutschlands und dem BIP der Zielländer sowie die zwischen den Warenimporten Deutschlands und dem BIP Deutschlands wird anhand der verfügbaren Datengrundlage der disaggregierten weltweiten Handelsströme und des BIP der einzelnen Länder geschätzt.7 Die Assoziationen zwischen den Veränderungen der logarithmierten Exporte, bzw. der logarithmierten Importe, und dem BIP sind die folgenden:

mit z: Zielland, h: Herkunftsland, d: Deutschland, t: Jahr; t-Werte in Klammern

Mit der aktuellen Prognose des BIP des IWF vom April 2012 bis 2017 werden die Exporte und Importe mit Hilfe der geschätzten Assoziationen fortgeschrieben. Die Schätzungen bilden trotz ihrer Einfachheit die Entwicklungen der Handelsströme gut ab. Gleichzeitig unterliegen die Prognosen für die Entwicklung der Exporte und Importe mitunter gewissen Einschränkungen: So sind die aktuellen IWF-Projektionen des BIP mit erheblichen Unsicherheiten verbunden. Insbesondere der Fortgang der Staatsschuldenkrise hat einen erheblichen Einfluss auf die Wirtschaftsentwicklung in den Ländern der EU, aber auch aufgrund der um sich greifenden Unsicherheit auf Länder außerhalb Europas. Die Europäische Zentralbank hat angekündigt, unter bestimmten Bedingungen „unbegrenzt“ Staatsanleihen von notleidenden Mitgliedsländern des Euroraums zu kaufen und Renditeanstiege über einen „fairen“ Wert nicht weiter zuzulassen. Dieser Schritt dürfte die Unsicherheit auf den Märkten eindämmen. Im Gegensatz dazu kann ein fortbestehendes Misstrauen der Märkte gegenüber der Tragfähigkeit der Finanzen der im Fokus stehenden Länder die Unsicherheit wieder schüren. Beide Entwicklungen dürften maßgeblich Einfluss auf die Projektion des BIP-Wachstums haben.

Darüber hinaus bestehen weitere Einschränkungen grundsätzlicher Natur: So können Handelsbeschränkungen, Veränderungen von Konsumentenpräferenzen, oder die Gründung und Erweiterung von Freihandelszonen die Handelsströme umlenken. Japan verfolgt beispielsweise als eine der größten Volkswirtschaften der Welt eine neue Strategie in seiner Handelspolitik und ist fortan bestrebt, Handelsabkommen weltweit aus- und aufzubauen. Laut Welthandelsorganisation8 unterhält Japan derzeit 13 Handelsabkommen, zumeist im asiatischen Raum. Lediglich ein Handelsabkommen besteht mit der Schweiz, zwei weitere mit Mexiko und Peru. Japan plant bis 2020 seine Handelsabkommen auszubauen. Bis dahin sollen 80% des japanischen Handels mit Ländern abgewickelt werden, mit denen Handelsabkommen bestehen.

Abbildung 1
Entwicklung der deutschen Warenexporte und -importe
in Mrd. US-$
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Quelle: eigene Berechnungen.

Export- und Importprojektion bis 2017

Entsprechend den obigen Schätzgleichungen dürften die Exporte von etwa 1130 Mrd. US-$ im Jahr 2010 auf rund 1540 Mrd. US-$ im Jahr 2017 steigen (vgl. Abbildung 1). Die Daten ab 2012 folgen einer Projektion, die auf den Vorausberechnungen für das BIP des IWF basiert. Der IWF geht davon aus, dass die Finanz- und Wirtschaftskrise langsam überwunden wird und das Wirtschaftswachstum weltweit in den kommenden Jahren wieder Tritt fasst. Der spürbare Anstieg der Exporte dürfte auch der starken internationalen Wettbewerbsposition der deutschen Volkswirtschaft zuzurechnen sein. So haben sich die Lohnstückkosten in Deutschland seit dem Beginn der Währungsunion kaum erhöht, wohingegen die Lohnstückkosten in anderen entwickelten Volkswirtschaften um ein Vielfaches schneller gestiegen sind. Gleichzeitig mit den Exporten legen auch die deutschen Importe zu, allerdings mit einer geringeren Wachstumsrate. So dürften die deutschen Einfuhren ausgehend von rund 940 Mrd. US-$ im Jahr 2010 einen Wert von etwa 1140 Mrd. US-$ im Jahr 2017 erreichen. Diese Aufspreizung zwischen Exporten und Importen führt gleichzeitig zu einem Anstieg des Außenbeitrags. Der dürfte bereits 2014 wieder das Niveau von 2008 übertreffen und bis 2017 auf annähernd 400 Mrd. US-$ anwachsen.

Dabei fließen die deutschen Exportströme nicht gleichermaßen in die verschiedenen Regionen der Welt (vgl. Abbildung 2). Insbesondere dürften die Ausfuhren Deutschlands in den westeuropäischen Raum weiter sinken. Deren Anteil hatte sich bereits von 1990 bis 2010 stetig reduziert und dürfte bis 2017 nochmals zurückgehen. Das liegt einerseits daran, dass die Volkswirtschaften in Westeuropa in den kommenden Jahren wohl aufgrund der Sparzwänge, die noch einige Zeit anhalten dürften, ein geringeres Wirtschaftswachstum aufweisen werden. Demgegenüber dürften andere Regionen schneller wachsen und bei den deutschen Exporten an Bedeutung gewinnen. So dürften insbesondere die Exporte nach Osteuropa und Ostasien/Pazifik schneller zulegen. Vor allem bei der Region Ostasien/Pazifik hat sich der Anteil an deutschen Exporten von gut 5% im Jahr 1980 bis 2010 auf etwas mehr als 10% fast verdoppelt, und dürfte bis 2017 nochmals zulegen.

Abbildung 2
Exporte und Importe nach Kontinenten
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Quelle: eigene Berechnungen.

Im Gegensatz zu den Exporten dürften sich die Importanteile laut der Projektion kaum verändern (vgl. Abbildung 2). Die Anteile der verschiedenen Weltregionen an den deutschen Einfuhren waren bereits in der Vergangenheit erstaunlich stabil. Lediglich zwischen 1980 und 2000 ergaben sich Anpassungen in der Zusammensetzung der Importe Deutschlands. So stieg der Anteil der Importe aus Osteuropa von 3% im Jahr 1990 auf 13% im Jahr 2000 relativ kräftig an. Bis 2010 kletterte der Anteil weiter auf 17%. Gesunken ist in dieser Zeit vor allem der Anteil der Importe aus westeuropäischen Ländern und den USA. Der Importanteil aus Westeuropa liegt relativ konstant bei knapp unter 60% der Gesamtimporte. Unsere Projektion zeigt, dass die Importanteile der verschiedenen Regionen an den deutschen Gesamtimporten bis 2017 weitgehend konstant bleiben dürften.

Mit den hier verwendeten stark disaggregierten Daten ist es möglich, die Entwicklung der deutschen Exporte und Importe auf Länderebene zu betrachten (vgl. Tabelle 1). Die deutschen Exporte dürften sich in den kommenden Jahren etwas gleichmäßiger auf die einzelnen Zielländer verteilen. So werden die Exportanteile 2017 jeweils weniger als ein Zehntel der Gesamtexporte betragen, wohingegen 2000 in die USA und nach Frankreich mehr als 10% der Gesamtexporte ausgeführt wurden. Diese Entwicklung führt zu einer diversifizierteren Exportstruktur und macht schließlich die deutsche Wirtschaft robuster gegenüber Fehlentwicklungen oder konjunkturellen Schwankungen in den einzelnen Ländern und Regionen.

Gleichzeitig findet eine Verschiebung innerhalb der Gruppe der Hauptexportländer statt. Die Länder des Euroraums sowie die USA und Großbritannien werden als Zielländer deutscher Exporte an Bedeutung verlieren. Diese Länder werden laut Vorausberechnung des IWF in den kommenden Jahren eine etwas langsamere Wirtschaftsentwicklung verzeichnen. Demgegenüber dürfte die Bedeutung von Schwellenländern wie China zunehmen. Diese aufstrebenden Volkswirtschaften werden in den kommenden Jahren schneller wachsen als die „reifen“ Volkswirtschaften und ihr Marktpotenzial für deutsche Exporte weiter ausbauen.

Auch in der Struktur der Importe der deutschen Volkswirtschaft findet eine Verschiebung statt (vgl. Tabelle 1). So dürften sich die Niederlande an die Spitze der Hauptherkunftsländer deutscher Importe setzen und Frankreich von dieser Spitzenposition verdrängen. Da für beide Länder eine ähnliche Wirtschaftsentwicklung vorhergesagt wird, dürfte diese Anpassung hauptsächlich auf die veränderte internationale Wettbewerbsfähigkeit zurückzuführen sein. So haben beispielsweise die Lohnstückkosten in den Niederlanden seit dem Beginn der Währungsunion in etwa im Durchschnitt der Länder des Euroraums zugelegt. Wenn man davon ausgeht, dass dies die niederländische Wettbewerbsfähigkeit erhalten hat, ist dies der Grund dafür, dass das Land – gemessen am weltweiten Güterhandel – sogar etwas an Exportanteilen hinzugewinnen konnte. Im Gegensatz dazu sind die Lohnstückkosten in Frankreich spürbar schneller gestiegen. In der Folge hat Frankreich deutlich an weltweiten Exportanteilen verloren. Neben den Niederlanden sind auch die Schwellenländer, allen voran China, die Gewinner. China dürfte in den kommenden Jahren seinen Anteil an den Importen Deutschlands im Vergleich zu 2000 annähernd verdoppeln können.

Entsprechend der unterschiedlichen Entwicklungen bei den Exporten und den Importen wird sich auch der Außenbeitrag, einzeln betrachtet für verschiedene Regionen, unterschiedlich entwickeln (vgl. Abbildung 3). Eine Besonderheit ist bereits für 2010 auszumachen. Während zuvor wenigstens gegenüber einzelnen Regionen ein negativer Außenbeitrag zu beobachten war, sind seit 2010 die Außenbeiträge gegenüber sämtlichen Regionen positiv. Dies ist Ausdruck der generell starken Export-Performance der deutschen Volkswirtschaft. Den Berechnungen entsprechend dürfte auch bis 2017 gegenüber keiner Region ein negativer Außenbeitrag zu verzeichnen sein. Da die deutschen Exporte generell deutlich schneller steigen dürften als die Importe, dürfte der Außenbeitrag gegenüber jeder Region anwachsen. Der größte Zuwachs dürfte gegenüber Osteuropa stattfinden.

Abbildung 3
Außenbeitrag nach Regionen
in Mrd. US-$
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Quelle: eigene Berechnungen.

Fazit

Die deutschen Exporte haben sich seit Mitte der 1980er Jahre kontinuierlich nach oben entwickelt. Mit Importen, die im Vergleich dazu etwas langsamer zugelegt haben, hat Deutschland stetig einen Überschuss im Außenbeitrag aufgebaut. Mit der Finanz- und Wirtschaftskrise, die die gesamte weltwirtschaftliche Entwicklung in Mitleidenschaft gezogen hat, sind auch die deutschen Exporte und Importe massiv eingebrochen. Allerdings deuten unsere Schätzungen darauf hin, dass sich der Trend des deutschen Außenhandels vor der Wirtschaftskrise im Wesentlichen in den kommenden Jahren ungebrochen fortsetzen wird. So dürften die Exporte und die Importe bis 2017 spürbar zulegen, wenngleich die Importe mit einer etwas geringeren Rate wachsen werden.

Da aller Voraussicht nach bis 2017 der positive Außenbeitrag Deutschlands wachsen wird, könnte dies dazu führen, dass für Deutschland ein Verfahren wegen übermäßiger makroökonomischer Ungleichgewichte eröffnet wird.9 Als Folge müsste Deutschland wirtschaftspolitisch reagieren und auf einen Abbau der Überschüsse hinwirken. Welche Maßnahmen dafür überhaupt von staatlicher Seite ergriffen werden könnten, ist höchst fraglich, da die Höhe der Exporte durch die äußerst gute Wettbewerbsposition der deutschen Unternehmen zustande kommt. Eine Sanktionierung der hohen internationalen Wettbewerbsfähigkeit dürfte wirtschaftspolitisch höchst problematisch sein. Es ist ohnehin zu diskutieren, wie strikt die Verfahren zu makroökonomischen Ungleichgewichten umgesetzt werden. Diese sind zwar als Teil des „Six-Packs“ am 13. Dezember 2011 in Kraft getreten. Allerdings sind bislang noch keine Verfahren gegen übermäßige makroökonomische Ungleichgewichte gegen einzelne Länder eröffnet worden, obwohl bei einigen Ländern einzelne Indikatoren die festgesetzten Schwellenwerte zum Teil extrem überschreiten.10

Gleichzeitig ist darauf hinzuweisen, dass die hier gezeigten Projektionen die kurze bis mittlere Frist abbilden. Eine Verlängerung dieser Projektionen auf längere Sicht kann irreführen, denn im „Lebenszyklus“ einer Volkswirtschaft sind zum Teil deutliche Handels- und Leistungsbilanzüberschüsse nicht ungewöhnlich.11

  • 1 H. Linnemann: An Econometric Study of International Trade Flows, Amsterdam 1966; P. Pöyhönen: A Tentative Model for the Volume of Trade between Countries, in: Weltwirtschaftliches Archiv, 90. Jg. (1963), Nr. 1, S. 93-99; L. Tinbergen: Shaping the World Economy: Suggestions for an International Economic Policy, New York 1962.
  • 2 J. Anderson: A Theoretical Foundation for the Gravity Equation, in: American Economic Review, 63. Jg. (1979), H. 5, S. 881-892; J. Anderson, E. van Wincoop: Gravity with Gravitas: A Solution to the Border Puzzle, in: American Economic Review, 93. Jg. (2003), H. 1, S. 170-192; J. Bergstrand: The Gravity Equation in International Trade: Some Micro-economic Foundations and Empirical Evidence, in: Review of Economics and Statistics, 67. Jg. (1985), H. 3, S. 474-481; ders.: The Generalized Gravity Equation, Monopolistic Competition, and the Factor-proportions Theory in International Trade, in: Review of Economics and Statistics, 71. Jg. (1989), H. 1, S. 143-153; A. Deardorff: Determinants of Bilateral Trade: Does Gravity Work in a Neoclassical World?, in: J. Frankel (Hrsg.): The Regionalization of the World Economy, Chicago 1998; E. Helpman, P. Krugman: Market Structure and Foreign Trade, Cambridge MA 1985.
  • 3 B. Herz, M. Wagner: Exportweltmeister Deutschland – ein Sommermärchen, in: Perspektiven der Wirtschaftspolitik, 9. Jg. (2008), H. 4, S. 446-464.
  • 4 Dies.: The ‘Real‘ Impact of GATT/WTO – a Generalized Approach, in: The World Economy, 34. Jg. (2011), H. 6, S. 1014-1041.
  • 5 Diese stammen aus der Direction of Trade Statistics des IWF, bilden den Warenhandel ab und sind nominal in US-Dollar ausgewiesen. Verwendet werden jeweils die Exportströme der Länder, da diese „free on board“ (f.o.b.) bewertet sind und nicht wie die dokumentierten Importe durch „cost including insurance and fright“ (c.i.f.) wertmäßig nach oben verzerrt sind.
  • 6 Die Daten basieren auf dem Datensatz des World Economic Outlook des IWF vom April 2012 und sind für 1980 bis 2017 verfügbar. Für einen Großteil der Länder sind die Daten bis 2011 dokumentiert; ab 2012 handelt es sich um prognostizierte Werte.
  • 7 Die Exporte, Importe und das BIP sind Variablen mit einem Trend und daher nicht stationär. Eine Schätzung in Niveaus könnte durchgeführt werden, wenn eine Kointegrationsbeziehung bestünde. Diese ist nach dem Kointegrationstest von Kao nicht gegeben. Daher wird eine Schätzung in Differenzen verwendet. Nach dem Fisher-Type-Test und dem Pesaran-Test kann bei der Schätzung eine Scheinkorrelation zwischen den Variablen ausgeschlossen werden und nach dem Kointegrationstest von Kao liegen sowohl für die Export- als auch für die Importgleichung Kointegrationsbeziehungen vor. Vgl. C. Kao: Spurious regression and residual-based tests for cointegration in panel data, in: Journal of Econometrics, 90. Jg. (1999), H. 1, S. 1-44; S. Merryman: XTFISHER: Stata module to compute Fisher type unit root test for panel data, Statistical Software Component, Nr. S448201, Boston College Department of Economics, 2005; H. Pesaran: A simple panel unit root test in the presence of cross section dependence, in: Journal of Applied Econometrics, 22. Jg. (2007), H. 2, S. 265-312. Es wurde eine Quantilsregressionsschätzung des Medians durchgeführt.
  • 8 Für mehr Details http://rtais.wto.org/UI/PublicMaintainRTAHome.aspx.
  • 9 Europäisches Parlament: Abänderungen des Parlaments zum Vorschlag der Kommission; Verordnung des Europäischen Parlaments und des Rates über die Vermeidung und Korrektur makroökonomischer Ungleichgewichte (A7-0183/3), 2011.
  • 10 European Commission: Alert Mechanism Report, COM(2012) 68 final, Brüssel, 14.2.2012.
  • 11 Siehe etwa K. Morrow, W. Roeger: The Economic Consequences of Aging Populations, Economic Papers 138, Europäische Kommission, Brüssel 1999.


Der Beitrag gibt die persönliche Meinung der Autoren wieder und nicht notwendigerweise die der Deutschen Bank oder der Commerzbank.

Tabelle 1
Die zehn bedeutendsten Handelspartner Deutschlands
Exporte nach den zehn größten Zielländeranteilen,in % der Gesamtexporte
1980 2000 2017
Frankreich 12,9 USA 11,1 Frankreich 9,0
Niederlande 10,1 Frankreich 10,3 USA 7,1
Italien 9,7 Großbritannien 7,9 Niederlande 6,2
Großbritannien 7,8 Italien 7,7 Österreich 5,7
Belgien 7,6 Niederlande 6,6 Italien 5,4
USA 7,2 Österreich 5,9 Großbritannien 5,3
Schweiz 5,9 Belgien 5,4 Belgien 5,2
Österreich 5,9 Schweiz 4,5 China 4,5
Schweden 3,3 Spanien 4,0 Schweiz 4,4
Dänemark 2,1 Schweden 2,4 Polen 4,0
Importe nach den zehn größten Herkunftsländeranteilen,in % der Gesamtimporte
1980 2000 2017
Niederlande 12,1 Frankreich 9,7 Niederlande 11,4
Frankreich 11,3 Niederlande 9,0 Frankreich 8,4
Italien 8,4 USA 8,7 Belgien 7,1
USA 7,9 Großbritannien 7,1 China 6,9
Belgien 7,1 Italien 6,8 Großbritannien 5,8
Großbritannien 7,0 Japan 5,0 Italien 5,3
Schweiz 3,7 Belgien 4,9 USA 4,7
Japan 3,2 Österreich 3,9 Russland 4,6
Saudi Arabien 3,0 Schweiz 3,6 Österreich 4,3
Österreich 3,0 China 3,4 Schweiz 3,7

Quelle: eigene Berechnungen.

Title: Projection: Germany’s Export Surplus Should Climb to New Peaks in the Medium Term

Abstract: The economic and financial crisis in 2009 triggered a stronger collapse in German exports compared to imports, with the high external surplus falling considerably. By now, global trade has recovered. The authors have calculated trends in German foreign trade, using a gravitation model. Based on IMF forecasts of global economic performance, the projections show that Germany’s export surplus looks set to reach new highs in the medium term.

JEL Classification: F17


DOI: 10.1007/s10273-012-1465-1

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