Subventionen sind ein zentrales wirtschaftspolitisches Steuerungsinstrument. Der Beitrag analysiert die Auswirkungen dreier Subventionstypen. Besonders verbreitet ist die prozentuale Subvention, bei der der Zuschuss proportional zum Preis des geförderten Gutes gewährt wird. Diese wirkt zwar nachfragesteigernd, führt jedoch in Märkten mit unvollständigem Wettbewerb zu preistreibenden Effekten bei begrenzter Mengenausweitung. In solchen realistischen Marktformen erreichen inverse Subventionen, deren Höhe mit sinkendem Marktpreis steigt, eine effizientere Mengenausweitung bei moderaten Kosten. Sie bleiben jedoch aufgrund politökonomischer Trägheit und kommunikativer Komplexität unterrepräsentiert.
Im Zuge der grünen Transformation setzen viele Regierungen auf Subventionen, um Investitionen in klimafreundliche Technologien zu fördern, etwa beim Kauf von Wärmepumpen, Solaranlagen oder Elektroautos. In Deutschland etwa wird der Einbau einer Wärmepumpe mit bis zu 70 % der Investitionskosten bezuschusst. Dabei handelt es sich um eine sogenannte Ad Valorem-Subvention, bei der der Zuschuss proportional zum Preis des geförderten Gutes gewährt wird.
Subventionen als Steuerungsinstrument
Die wirtschaftspolitische Intuition hinter dieser Förderform ist klar: Der Staat möchte Haushalten einen bestimmten Anteil der Investitionskosten abnehmen und so die Nachfrage anregen. Wir zeigen in Dertwinkel-Kalt und Wey (2025), dass dieser Ansatz erhebliche Nebenwirkungen haben kann – insbesondere dann, wenn Anbieter über Marktmacht verfügen. Wir erweitern damit bestehende steuerökonomische Literatur (z. B. Wicksell, 1896; Suits & Musgrave, 1953) um eine systematische Analyse inverser Subventionen (Kiso, 2022) im Kontext unterschiedlicher Marktstrukturen.
Drei Subventionstypen im Vergleich
Es werden drei gängige Subventionstypen verglichen (Tabelle 1). Bei der pauschalen Subvention wird pro Einheit des Gutes ein fester Betrag gewährt (Abbildung 1a). Im Fall der Ad Valorem-Subvention erfolgt ein prozentualer Zuschuss proportional zum Marktpreis (Abbildung 1b). Bei der inversen Subvention nimmt die Subvention mit sinkendem Marktpreis zu; sie ist proportional zur Differenz zwischen einem staatlich festgelegten Referenzpreis und dem tatsächlichen Marktpreis (Abbildung 1c).
Abbildung 1
Subventionswirkung im Vergleich
Quelle: eigene Darstellung, wobei p die Preise, x die Menge und p(x) die Preisabsatz- bzw. Nachfragefunktion bezeichnet.
Tabelle 1
Subventionstypen im Vergleich
| Subventionstyp | Beschreibung | Beispiele |
|---|---|---|
| Pauschale Subvention | Fester Betrag pro Einheit | Deutschland: E-Auto Kaufprämie (bis 2023); Frankreich: Förderung von Wärmepumpen |
| Ad Valorem-Subvention | Prozentuale Subvention relativ zum Marktpreis | Deutschland: Wärmepumpenförderung (z. B. 30 % bis 70 % der Kosten) |
| Inverse Subvention | Subvention steigt, wenn der Marktpreis fällt, basierend auf einem Referenzpreis | Japan: Solarpanelsubventionierung mit Bezugauf Referenzpreis |
Quelle: eigene Darstellung.
Alle drei Subventionstypen haben gemeinsam, dass sie den effektiven Preis für Konsument:innen senken. Ihre Auswirkungen auf Marktpreise, gehandelte Mengen und fiskalische Kosten unterscheiden sich jedoch deutlich in Abhängigkeit von der Marktstruktur.
Die Ad Valorem-Subvention: Viel genutzt, aber oftmals ineffizient
Die Ad Valorem-Subvention wirkt stets stark preistreibend. Bei vollständiger Konkurrenz und einer ansteigend verlaufenden Angebotsfunktion bedeutet das aber auch eine große Ausweitung der abgesetzten Menge. Das erklärt, warum sie in der Praxis so beliebt ist – etwa in der aktuellen deutschen Förderung von Wärmepumpen. Diese Subvention sorgt also dafür, dass der Absatz jener Produkte, deren Verbreitung politisch gewünscht ist, besonders stark zunimmt.
Problematisch wird die Ad Valorem-Subvention in Märkten mit unvollständigem Wettbewerb, etwa wenn Anbieter über Marktmacht verfügen oder kapazitive Engpässe bestehen, wie beim Einbau von Wärmepumpen. Im letzteren Fall führt der preissteigernde Effekt der Subvention nicht zu einer deutlichen Mengenausweitung, weil diese schlicht kurzfristig nicht realisierbar ist. Im ersten Fall haben Anbieter einen Anreiz, ihre Preise gezielt anzuheben, um damit zugleich die Subvention zu maximieren. Die Folge: Die fiskalischen Kosten steigen erheblich, ohne dass ein entsprechender zusätzlicher Mengeneffekt erzielt wird.
In der Tat zeigt sich empirisch: Wärmepumpen sind in Deutschland deutlich teurer als etwa in Großbritannien (siehe z. B. Octopus Energy Germany GmbH 2025): eine Differenz, die laut unserer Studie auch auf unterschiedliche Subventionsprogramme zurückgeführt werden kann.
Die inverse Subvention: Effizient, aber wenig verbreitet
Wenn die Politik ein bestimmtes Mengenziel mit möglichst geringen fiskalischen Kosten erreichen will, ist eine inverse Subvention unabhängig von der Marktstruktur das effektivste Instrument. Dabei wird die Höhe des staatlichen Zuschusses an die Differenz zwischen einem politisch festgelegten Referenzpreis und dem tatsächlich beobachteten Marktpreis gekoppelt. So entfällt für Anbieter der Anreiz, die Preise anzuheben; im Gegenteil, ein sinkender Marktpreis führt zu einer steigenden Subvention für die Käufer. Diese haben somit einen Anreiz tendenziell relativ niedrige Preise zu setzen. Insbesondere in Märkten mit Marktmacht ermöglicht die inverse Subvention eine deutlich stärkere Ausweitung der gehandelten Menge, und das zu vergleichsweise geringen fiskalischen Kosten. Dennoch findet dieses Instrument bislang kaum praktische Anwendung. Eine Ausnahme bildet Japan, das beim Ausbau der Solarenergie auf ein solches, invers konstruiertes Subventionssystem setzt.
Politische Praxis: Einfachheit schlägt Effizienz?
Warum ist die inverse Subvention trotz ihrer klaren Effizienzvorteile in der Praxis so selten anzutreffen? Zwei Gründe erscheinen plausibel. Erstens erweist sich die kommunikative Vermittlung als anspruchsvoll: Eine Förderlogik, deren Höhe sich dynamisch an den aktuellen Marktpreis anpasst, ist deutlich schwerer zu erklären als ein fixer Zuschuss oder das politisch eingängige Versprechen, 70 % der Kosten zu übernehmen. Komplexe Förderprogramme laufen Gefahr, missverstanden zu werden und dadurch nicht die gewünschte Wirkung zu entfalten – wie am Beispiel der Gaspreisbremse deutlich wurde (Dertwinkel-Kalt et al., 2024). Zweitens spielt politökonomische Trägheit eine Rolle. Förderprogramme entstehen häufig unter erheblichem Zeitdruck, etwa im Kontext energie- oder klimapolitischer Sofortmaßnahmen. In solchen Situationen bieten Ad Valorem-Subventionen administrative Einfachheit und scheinen auf den ersten Blick ausreichend zielgerichtet.
Gerade hier droht jedoch ein folgenschwerer Trugschluss. Denn in Märkten mit unelastischem Angebot, wie etwa im Handwerkssektor, kann eine Ad Valorem-Subvention vollständig in höheren Preisen aufgehen. Die fiskalische Förderung versickert, ohne dass zusätzliche Mengen bereitgestellt werden. Die Folge: Der Staat gibt mehr aus, doch es werden nicht mehr Wärmepumpen installiert, und die gewünschte Lenkungswirkung bleibt aus.
Was heißt das für die Politik?
Die Wahl der Subventionsform ist keine bloße technische Frage, sondern entscheidend für die Zielerreichung und die fiskalische Nachhaltigkeit. Die inverse Subvention stellt, obwohl in der Praxis unterrepräsentiert, eine ernstzunehmende Alternative zu konventionell genutzten Subventionen dar. Sie ist besonders dann überlegen, wenn Anbieter Marktmacht besitzen oder Angebotselastizitäten gering sind, wie es in vielen realen Märkten der Fall ist.
Die wirtschaftspolitische Empfehlung lautet daher: Wenn die Politik Mengeneffekte zu vertretbaren fiskalischen Kosten erzielen möchte, sollte sie häufiger zur inversen Subvention greifen.
Literatur
Dertwinkel-Kalt, M. & Wey, C. (2025). Comparing the Effects of Subsidies on Target Goods. CESifo Working Paper, Nr. 12010.
Dertwinkel-Kalt, M., Feldhaus, C., Ockenfels, A. & Sutter, M. (2024). Household reduction of gas consumption in the energy crisis is not explained by individual economic incentives. Proceedings of the National Academy of Sciences, 121(48), e2411740121.
Kiso, T. (2022). A subsidy that is inversely related to the product price. Economic Journal, 132(646), 2173–2206.
Octopus Energy Germany GmbH. (2025, 6. März). Wärmepumpen in Deutschland fast doppelt so teuer wie in Großbritannien: Studie deckt deutliche Preisunterschiede auf [Pressemitteilung].
Suits, D. B. & Musgrave, R. A. (1953). Ad valorem and unit taxes compared. Quarterly Journal of Economics, 67(4), 598–604.
Wicksell, K. (1896). Finanztheoretische Untersuchungen: Nebst Darstellung und Kritik des Steuerwesens Schwedens. G. Fischer.