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Seit geraumer Zeit ist fast überall ein deutlicher Anstieg der Staatsanleiherenditen zu verzeichnen. Für viele Staaten haben sie mittlerweile ein seit über zwei Jahrzehnten nicht mehr gekanntes Niveau erreicht. Diese Entwicklung macht auch vor deutschen Staatsanleihen nicht Halt. So stieg die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe von 2,39 % Ende Dezember 2024 bis Ende September des laufenden Jahres um 119 Basispunkte auf 3,58 %. Besonders akzentuiert war der recht steile Anstieg um zwischenzeitlich über 40 Basispunkte seit Mitte August 2026.

Insbesondere Kritiker der stark steigenden deutschen Staatsverschuldung sowie Gegner der jüngsten und einer möglichen zukünftigen Reform der Schuldenbremse sehen darin Alarmsignale. Zwar beschwören sie nicht gerade einen Staatsbankrott herauf, wohl aber führen sie den Renditeanstieg auf gestiegene Risikoprämien zurück und werten ihn somit als Vertrauensverlust gegenüber deutschen Anleihen. Nun drohe eine Herabstufung des deutschen Triple-A-Ratings oder ein Verlust der Ankerfunktion innerhalb der europäischen Währungsunion mit gravierenden Folgen für die Zinskosten in den öffentlichen Haushalten. Ähnliche Sorgen wurden bereits anlässlich des zwischenzeitlichen Renditeanstiegs im März 2025 in zeitlicher Nähe zur Lockerung der Schuldenbremse im Grundgesetz geäußert. Eine statistische Zerlegung der Renditeentwicklung durch den Sachverständigenrat Wirtschaft ergab allerdings, dass die Renditeanstiege auf steigende Wachstumserwartungen infolge der expansiven Finanzpolitik und den daher erwarteten Zinsanstieg zurückzuführen waren. Auch aktuell lässt sich kaum belegen, dass die steigenden deutschen Renditen auf einen Vertrauensverlust zurückzuführen wären. Andere Faktoren, wie etwa die Erwartung steigender Ölpreise und Inflationsraten aufgrund der anhaltenden Blockade der Straße von Hormus mit entsprechenden Zinsreaktionen seitens der Europäischen Zentralbank, stellen mindestens ebenso gute Erklärungen dar. Insofern erscheint der Anstieg der Renditen und damit der für Neuemissionen relevanten Zinssätze zumindest für Deutschland aktuell wenig beunruhigend.

Allerdings steigen mit den erhöhten Zinssätzen die Zinsausgaben in den öffentlichen Haushalten. Mit einer durch die Laufzeit der Staatsanleihen bedingten zeitlichen Verzögerung passt sich schrittweise der Durchschnittszinssatz aller Staatsanleihen im Bestand an das gestiegene Zinsniveau an. Daher sind die gesamtstaatlichen Zinsausgaben seit den Niedrigzinsen der Vergangenheit von 0,6 % des Bruttoinlandsprodukts (BIP) im Jahr 2020 auf 1,1 % des BIP im Jahr 2025 gestiegen. Die Zinssteuerquote (Zinsausgaben im Verhältnis zu Steuereinnahmen) ist im selben Zeitraum von 2,8 % auf 4,8 % gestiegen. Für das Jahr 2028 dürften laut Gemeinschaftsdiagnose die Zinsausgabenquote (Zinsausgaben im Verhältnis zum BIP) auf 1,4 % des BIP und die Zinssteuerquote auf 6,3 % weiter kräftig steigen und auch danach noch zulegen. Allerdings ist dieses Niveau im historischen Vergleich immer noch eher gering und keineswegs besorgniserregend: Im Jahr 2011 hatte die gesamtstaatliche Zinsausgabenquote noch bei 2,5 % des BIP und die Zinssteuerquote bei 11 % gelegen. Insofern stellt die steigende Zinsbelastung lediglich eine Rückkehr zur finanzpolitischen Normalität nach Jahren außergewöhnlich niedriger Werte dar.

Auch wenn die Zinsanstiege und das absehbare Niveau der Zinsausgaben eine wenig beunruhigende Rückkehr zur Normalität darstellen, werden die Auswirkungen dieser Normalisierung für die Bürger:innen schmerzhaft sein. Für den Bundeshaushalt wird im Finanzplan mit einem rasanten Anstieg der Zinsausgaben von 30 Mrd. € im laufenden Jahr auf über 80 Mrd. € im Jahr 2030 gerechnet. Im Umfang dieses Anstiegs müssen andere Ausgaben gesenkt oder Steuern erhöht werden. Rein rechnerisch entspricht der erwartete Zinsanstieg der für das Jahr 2030 noch bestehenden Finanzierungslücke im Bundeshaushalt von 47,4 Mrd. €. Das heißt ohne den Zinsanstieg müssten bis 2030 keine zusätzlichen Konsolidierungsanstrengungen unternommen werden. So jedoch machen sie sich im Finanzplan im Wesentlichen durch eine restriktive Ausgabenpolitik bemerkbar. Die gesamten Primärausgaben des Bundeshaushaltes, also Ausgaben abzüglich der Zinsausgaben, dürften bis zum Jahr 2030 nominal lediglich um 1,4 % pro Jahr steigen und damit real spürbar rückläufig sein. Rechnet man noch die stark steigenden Verteidigungsausgaben heraus, gehen alle anderen Ausgaben nominal durchschnittlich um 2,1 % pro Jahr zurück; real dürfte der Rückgang bei etwa 4 % liegen. Apropos Verteidigungsausgaben: Die unter anderem durch den Zinsanstieg bedingte schmerzhafte Haushaltskonsolidierung im Umfang von 50 Mrd. € ist nichts im Vergleich zu dem, was Bürger:innen ab dem Jahr 2030 blüht, wenn die bis dahin über die Bereichsausnahme kreditfinanzierten Verteidigungsausgaben von über 150 Mrd. € schrittweise wieder regulär finanziert werden müssen.

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© Der/die Autor:in 2026

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DOI: 10.2478/wd-2026-0172

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