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Durch die effektive Schließung der Straße von Hormus im Gefolge des Angriffs der Vereinigten Staaten und Israels auf den Iran Anfang März 2026 wurde ein beträchtlicher Teil des weltweiten Ölangebots aus dem Markt genommen. Die Länder am Golf (Saudi-Arabien, Irak, Iran, Vereinigte Arabische Emirate (VAE), Katar und Bahrain) zeichneten im Jahr 2025 für gut 20 % der weltweiten Förderung und sogar nahezu 40 % der international gehandelten Menge von 44,6 Mio. Barrel täglich (Februar 2026) verantwortlich. Zwar konnte von Saudi-Arabien und den VAE ein Teil der üblicherweise durch die Straße von Hormus verschifften Mengen durch Pipelines an zugängliche Verladeorte umgeleitet werden. Im Fall von Saudi-Arabien wurde damit der Rückgang des Exportvolumens auf etwa ein Drittel des Vorkriegsniveaus reduziert, in den VAE auf etwa die Hälfte. Geringe Mengen konnten auch weiterhin die Straße von Hormus passieren.1 Insgesamt fielen die Exporte aus den Golfländern bis April aber um reichlich 60 % (rund 10 Mio. Barrel pro Tag). Gleichzeitig erhöhten andere Länder ihre Exporte um 3,5 Mio. Barrel pro Tag, darunter insbesondere die Vereinigten Staaten, Kasachstan und Venezuela, aber auch Russland, das von einer Aussetzung der US-Sanktionen profitierte.2 Im Ergebnis reduzierten sich die weltweit verschifften Rohölmengen zwischen Februar und April um 6,6 Mio. Barrel pro Tag.

In ihrem Monatsbericht vom Mai 2026 schätzt die Internationale Energieagentur (IEA, 2026) den Rückgang des globalen Rohölangebots im zweiten Quartal auf knapp 12 % (Abbildung 1). Gleichzeitig ging zwar auch der Verbrauch spürbar zurück. Maßgeblich hierfür war ein starker Rückgang der Importe Chinas. Weltweit reduzierten insbesondere die petrochemische Industrie und die Fluggesellschaften ihre Nachfrage deutlich. Dennoch ergibt sich rechnerisch ein massives Angebotsdefizit von 6,5 Mio. Barrel täglich, das aus den Lägern bedient werden muss. Auch die US Energy Information Administration (EIA) rechnet mit einem weltweiten Lagerabbau im zweiten Quartal von 6,3 Mio. Barrel pro Tag (EIA, 2026).

Abbildung 1
Weltölmarktbilanz
Die Abbildung zeigt die Ölproduktion und den Ölverbrauch pro Quartal von 2023 bis zum Q2 2026 und daraus abgeleitete Differenz die Lagerveränderung in Mio. Barrel pro Tag.

Quartalsdaten, alle Angaben in Mio. Barrel pro Tag (mbbl/d), Lagerveränderung als Differenz von Produktion und Verbrauch. 2026Q2: Schätzung.

Quelle: IEA (2026), Berechnungen des Kiel Institut.

Tatsächlich zeigen die verfügbaren Daten, dass die Lagerbestände weltweit stark gesunken sind. Hierzu hat beigetragen, dass 32 Mitgliedsländer der IEA in einer konzertierten Aktion 400 Mio. Barrel Öl und Ölprodukte aus ihren strategischen Reserven freigegeben haben, von denen inzwischen mehr als die Hälfte abgeflossen sein dürfte. Dies hat dem Markt etwa 3 Mio. Barrel täglich zugeführt. Hinzu kommen Lagerbestände der Industrie, die ebenfalls deutlich gesunken sind, was durch gelockerte amtliche Vorgaben zur Lagerhaltung gefördert wurde.

Offenbar hat der Lagerabbau im Verlauf des Frühjahrs an Fahrt aufgenommen. So berichtet die EIA, dass die außerhalb der strategischen Reserve gehaltenen Lagerbestände an Rohöl in den Vereinigten Staaten allein zwischen Mitte Mai und Mitte Juni zusammengenommen um 68 Mio. Barrel gesunken sind, was rund 4,5 % des Bestandes entspricht. Auch wenn die Öllager zu Beginn der Krise durch die ausgeprägte Überproduktion im Jahr 2025 außergewöhnlich gut gefüllt waren, könnte ein Lagerabbau in diesem Tempo nicht lange aufrechterhalten werden. Zwar liegen die beobachtbaren Lagerbestände (überwiegend in den OECD-Ländern; über die massiven Reserven, die China in den vergangenen Jahren aufgebaut hat, gibt es wenig verlässliche Informationen), nach Schätzungen der IEA derzeit in einer Größenordnung von 7,5 Mrd. Barrel. Bei dem zuletzt verzeichneten Abflusstempo würde dies rechnerisch für mehr als zwei Jahre reichen. Allerdings ist ein erheblicher Teil der Lagerbestände für ein reibungsloses Funktionieren der Produktionsketten notwendig. Beispielsweise befinden sich zu jedem Zeitpunkt schätzungsweise 1 bis 1,5 Mrd. Barrel Rohöl und Ölprodukte in Tankern auf See, die ebenfalls zu den Lagern gezählt werden (floating storage). Vor diesem Hintergrund wäre bei einem anhaltenden Lagerabbau in den kommenden Monaten mit starken Reaktionen beim Ölpreis zu rechnen gewesen. Insofern kam die Nachricht von einer bevorstehenden Einigung in den Verhandlungsbemühungen zwischen den Vereinigten Staaten und Iran zur rechten Zeit.

Die Regierungen der Vereinigten Staaten und des Iran haben am 17. Juni 2026 eine Rahmenvereinbarung unterzeichnet, die eine Einstellung der Kampfhandlungen sowie die Öffnung der Straße von Hormus vorsieht und in den nächsten 60 Tagen die Erarbeitung einer dauerhaften Konfliktlösung durch Verhandlungen festlegt. Auf diese Nachricht reagierten die Märkte mit Erleichterung, der Ölpreis gab um rund 15 % auf etwa 80 US-$ (Sorte Brent) nach. Ende Juni notierte er bei nur noch etwas mehr als 70 US-$. In der Spitze hatte der üblicherweise betrachtete Börsenpreis für den nächstfälligen Futureskontrakt bei knapp 120 US-$ gelegen. Allerdings waren die Märkte offenbar immer von einem baldigen Ende der Angebotsstockung ausgegangen. Die Terminpreise für Öl zur Lieferung im nächsten Jahr haben sich deutlich weniger verringert als die Spotpreise. Sie waren eigentlich nie über 80 US-$ gestiegen und betragen derzeit etwas mehr als 70 US-$ (Abbildung 2).

Abbildung 2
Rohöl-Futurespreise (Brent) an verschiedenen Daten
Die Abbildung zeigt den Röhöl Futurespreis bis Ende 2027 zu verschiedenen Zeitpunkten im ersten Halbjahr 2026.

Die Linien bezeichnen den Preis, der am jeweiligen Stichtag für ein Fass Rohöl (Brent) zur Lieferung am auf der Abszisse abgetragenen Monat in der Zukunft gezahlt werden musste.

Quelle: International Petroleum Exchange via Refinitiv Datastream.

Der Ölmarkt wird allerdings wohl auch bei geöffneter Straße von Hormus noch einige Zeit eng bleiben und der Ölpreis volatil auf politische Nachrichten reagieren. Zwar kommt zunächst ein Schwall Rohöl aus den im Golf liegenden Tankern auf die Märkte, doch dürfte es einige Monate dauern, bis wieder die gewohnte Menge aus dem Persischen Golf fließt. Dies liegt zum einen an logistischen Faktoren wie der Verfügbarkeit von Tankern und Hafenkapazitäten zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Zum zweiten sind einige Förderanlagen am Golf beschädigt, andere heruntergefahren worden, weil das Öl nicht mehr abtransportiert oder gelagert werden konnte. Die Wiedererlangung der Vorkriegsproduktionsmengen dürfte daher einige Zeit brauchen (vermutlich bis zu einem halben Jahr, im Fall von LNG aus Katar wird sogar mit einer Reparaturdauer der beschädigten Anlagen von mehr als zwei Jahren gerechnet). Auch dürfte die Verfügbarkeit von russischem Öl mit der Wiederaufnehme oder sogar einer Verschärfung der Sanktionen wieder abnehmen. Dem steht allerdings voraussichtlich die Freigabe des Handels mit iranischem Öl gegenüber. Schließlich wird die Nachfrage hoch sein, da Öl nicht nur zum sofortigen Verbrauch, sondern auch zur Wiederaufstockung der Läger verwendet werden wird.

Auf längere Sicht ist indes mit einem zunehmend gut versorgten Ölmarkt zu rechnen. Die Golfländer werden versuchen, ihre vor dem Krieg gehaltenen Marktanteile wiederzuerlangen, während die Produktionskapazitäten in der übrigen Welt weiter ausgebaut werden. Gleichzeitig dürfte die Nachfrage strukturell nur noch langsam zulegen, nicht zuletzt weil die Dekarbonisierungsstrategien weltweit zunehmend Resultate zeigen. Das Risiko, das von der geopolitischen Situation am Persischen Golf ausgeht, dürfte zudem dadurch verringert werden, dass weitere Projekte umgesetzt werden, die eine Umgehung der Straße von Hormus auch für Länder ermöglichen, die bislang weitgehend darauf angewiesen sind. So sind neben dem Ausbau bestehender Routen in Saudi-Arabien und den VAE, aber auch dem Iran, Projekte zur Verbindung des Irak mit dem Golf von Akaba und eine Wiederbelebung alter Exportwege zum Mittelmeer über Syrien in der Diskussion.

  • 1 Im März konnten vor allem iranische Exporte noch in kaum verändertem Umfang durchgeführt werden. Seit die Vereinigten Staaten die iranischen Häfen Anfang April mit einem Embargo belegten, ist dieser Exportstrom jedoch ebenfalls weitgehend versiegt.
  • 2 Die russischen Exporte stiegen, obwohl die Produktion zurückgefahren wurde, weil aufgrund von Schäden an Raffinerien und Tanklagern durch ukrainische Drohnenangriffe die Verwendung im Inland deutlich reduziert werden musste.

Literatur

EIA – Energy Information Administration. (2026, Juni). Short-Term Energy Outlook.

IEA – International Energy Agency. (2026, Mai). Oil Market Report.

 

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© Der/die Autor:in 2026

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Open Access wird durch die ZBW – Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft gefördert.

DOI: 10.2478/wd-2026-0129

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