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Der Abschluß des englischen Staatshaushaltes für das Jahr 1917/18 liegt jetzt vor. Die Summe der ordentlichen Einnahmen übersteigt den Haushalts-Voranschlag um 68 634 565 £, das Ergebnis des Jahres 1916/17 um 133 806 983 £. An der Steigerung gegen den Voranschlag nimmt die Kriegsgewinnsteuer mit 20,2 Mill. £, die Einkommensteuer mit 15,5 Mill. £ teil, an der Steigerung gegenüber dem letzten Jahr mit 80,2 Mill. £ bzw. 34,5 Mill. £. (Mindererträge gegen das letzte Jahr sind überhaupt nur bei den Posten: Verschiedene Anleihen usw. mit 2 Mill. £ und Verbrauchsabgaben mit 17,6 Mill. £ zu verzeichnen.) Es ist dabei zu beachten, daß im Jahre 1917/18 die Einkommensteuern nicht erhöht worden sind, so daß die Steigerung um 34,5 Mill. £ allein aus dem Anwachsen des versteuerten Einkommens folgt. Der Satz der Kriegsgewinnsteuer war um 20 % (von 60 auf 80 %) erhöht worden; daß sich der Ertrag von 140 auf 220 Mill. £ gehoben hat, ist natürlich nicht nur auf den höheren Steuersatz, sondern auch auf die Vermehrung der Kriegsgewinne zurückzuführen. Sonst waren nur noch die Tabaksteuer um 1 sh 10 d auf ein Pfund und die Vergnügungssteuer um 50 % erhöht worden. Diese beiden Abgaben sollten nach dem Voranschlag ein Mehr von 7,5 Mill. £ erbringen.

Die Abnahme der Erträge der Verbrauchsabgaben, die trotz diesen Erhöhungen erwartet werden mußte, die aber 3,8 Mill. geringer war als der Voranschlag, wird auf die Einschränkungen des Verkaufs alkoholischer Getränke und auf die Verdünnung von Bier und Spirituosen zurückgeführt, die nach ihrem Alkoholgehalt versteuert werden. Die vom englischen Schatzamt erwarteten Rückgänge der Einnahmen aus Post, Telegraphie und Telephon sind nicht eingetreten, es zeigen sich vielmehr auch hier Überschüsse gegen das Jahr 1916/17. Auch die Erträge der Erbschaftssteuer, der Zölle und Stempel zeigen, daß das englische Schatzamt hier über Reserven verfügte, die in dem Voranschlag nicht sichtbar gemacht waren. Die folgende Zusammenstellung gibt ein Bild von der Zusammensetzung und Veränderung des angespanntesten aller europäischen Steuerbudgets:

Tabelle 1

-

Einnahmen
£

Zunahme
oder
Abnahme
gegen den
Voranschlag
£

Zunahme
oder
Abnahme
gegen das
letzte Jahr
£

Zölle 71 261 000 511 000 700 000
Verbrauchsabgaben 38 772 000 3 822 000 17 608 000
Erbschaftssteuer 31 674 000 2 674 000 442 000
Stempel 8 300 000 300 000 422 000
Grundstück und Häuser 2 625 000 25 000 45 000
Einkommensteuer usw. 239 509 000 15 509 000 34 476 000
Kriegsgewinnsteuer 220 214 000 20 214 000 80 294 000
Grundstückwertsteuer 685 000 285 000 164 000
Post 25 200 000 1 000 000 850 000
Telegraphie 3 500 000 250 000 150 000
Telephon 6 600 000 350 000 200 000
Kronländereien 690 000 90 000 40 000
Versch. Anleihen usw. 6 056 250 1 443 750 1 999 567
Verschiedenes 52 148 315 25 048 315 35 631 550

Wie nötig es war, jene erwähnten Reserven zu schaffen, zeigt das Anwachsen der Ausgaben, die ohnehin durch ordentliche Haushaltseinnahmen nur zu etwa einem Viertel gedeckt werden können. Nach dem Voranschlag sollten die Ausgaben 2290,4 Mill. £ betragen. In Wirklichkeit sind sie im letzten Jahr auf 2696,2 Mill. £ angewachsen; sie sind um 498,1 Mill. £ höher als im Vorjahr, während der Zuwachs der ordentlichen Einnahmen nur 134 Mill. £ beträgt. Die Ausgaben setzen sich wie folgt zusammen:

Tabelle 2
Dauernder Schuldendienst 19 827 613 £
Kriegsschuldzinsen 170 023 453 £
Ausgabekonten 2 494 969 320 £
Andere Konten 11 401 019 £
- 2 696 221 405 £

Da die Einnahmen sich auf 707 234 565 £ belaufen, beträgt der Fehlbetrag rund 2 Milliarden £.

Die Staatsschuld war am Ende des Finanzjahres 1916/17 auf rund 4 Milliarden £ angewachsen. Sie hat sich im letzten Jahre um 50 % auf rund 6 Milliarden £ erhöht. Nach der auch von englischen Finanzkritikern stark bestrittenen Auffassung des Schatzsekretärs sind von dieser Summe erhebliche Posten „wiedereinbringlicher Ausgaben“, vor allem in Form von Vorschüssen an Verbündete und Kolonien abzuziehen. Im April 1917 waren diese Anleihen mit 964 Mill. £ angegeben. Im Voranschlag für 1917 war die Summe von 400 Mill. £ eingesetzt, sie ist jedoch, wie der Schatzsekretär bei der Einbringung der letzten Kreditvorlage mitteilte, um 229 000 £ überschritten worden. Die gesamten wiedereinbringlichen Ausgaben des Jahres gab Bonar Law mit 206,75 Mill. £ an; auch das wäre nur etwa die Hälfte der Steigerung der Ausgaben gegen den Voranschlag für das Jahr 1917/18.

Vergleicht man das Ergebnis des abgelaufenen Jahres mit dem des letzten Friedensjahres, so ergibt sich eine Steigerung der Gesamteinnahmen von 199 Mill. £ auf 707 Mill. £. An dieser Steigerung ist in erster Linie die Einkommensteuer beteiligt, deren Ertrag vor dem Kriege 45,95 Mill. £, im letzten Jahre aber 239,5 Mill. £ war. Der Ertrag hat sich also mehr als verfünffacht. Dazu kommt die Kriegsgewinnsteuer von 220,2 Mill. £, die ebenfalls als Einkommensteuer aufgefaßt werden muß. Man ist sich in England darüber klar, daß diese beiden Steuerquellen nach dem Kriege an Ergiebigkeit verlieren werden, denn nicht nur das Aufhören der Kriegsgewinne, sondern auch die erwartete Senkung der Preise müssen das Ergebnis der direkten Steuern empfindlich vermindern. Dagegen werden die indirekten Steuern, die jetzt unter den Verbrauchseinschränkungen zu leiden haben, künftig höhere Ergebnisse abwerfen müssen. Schon jetzt haben die Zölle fast doppelt so viel erbracht wie im letzten Friedensjahr (71,3 Mill. £ gegen 35,2 Mill. £). Die Verbrauchsabgaben sind im Erträgnis nur ganz unmerklich verringert, der Rückgang der Stempelsteuer von 9,8 auf 8,3 Mill. £ ist ebenfalls nicht empfindlich, ebensowenig wie der Minderertrag der Land- und Häusersteuer. Die Grundstückwertsteuer erbrachte 685 000 gegen 750 000 £ im letzten Friedensjahr. Post, Telegraphie und Telephon weisen zum Teil nicht unbeträchtliche Mehrerträge auf (Post 25,2 gegen 21,1 Mill. £, Telegraphie 3,5 gegen 3,15 Mill. £, Telephon 6,6 gegen 6,35 Mill. £). Die Ausgaben für den Dienst der Staatsschuld betrugen vor dem Kriege 24,5 Mill. £, Ende 1917/18 waren sie auf 190 Mill. £ angewachsen.

Die eigentlichen Friedensausgaben (außer Schuldendienst usw.) beliefen sich im Jahre 1913/14 auf 158,4 Mill. £. Nach dem Kriege wird das Zivilbudget, auch abgesehen von Renten und Entschädigungen, infolge der höheren Preise, Gehälter und Löhne erheblich mehr als diese Summe erfordern. Ob die bisher erschlossenen Einnahmequellen ausreichen werden, den Friedensstaatshaushalt im Gleichgewicht zu halten, ist eine von den Finanzkritikern in England lebhaft umstrittene Frage. Die Ausgaben werden dann schwerlich weniger als 600 Mill. £ betragen. Die Einnahmen erbringen jetzt ohne die Kriegsgewinnsteuer noch nicht 500 Mill. £. Die liberale Partei verlangt denn auch nach neuen Steuern, die der mit der Stimmung der Unternehmer- und Kapitalistenkreise wohlvertraute Bonar Law aber nur zögernd gewähren wird; eine für einen Finanzminister anscheinend ungewöhnlich glückliche, in Wirklichkeit nicht minder gefährliche Lage.

Am 23. April ist das Budget für das Jahr 1918/19 eingebracht worden. Die Gesamtausgaben sind darin mit 2972,2 Mill. £, die Gesamteinnahmen mit 842,05 Mill. £ veranschlagt. Durch Anleihen sind also mehr als 2 Milliarden £ zu decken, die zu ihrer Verzinsung über 100 Mill. £ erfordern, während durch neue Steuern und Steuererhöhungen (auch der Einkommen- und Ergänzungssteuer) um 67,86 Mill. £ gedeckt werden. Es scheint, daß die englische Steuerwirtschaft ihren Höhepunkt überschritten hat.

K. S.

  • Soweit die Schatzwechsel nicht (s. u.) als Diskonten gebucht werden.

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