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wirkungslos sein, wenn etwa eine „Vollanpassung“ nach Maßgabe einer Teuerungszahl verlangt und zugestanden würde. Denn die neu geschaffene künstliche Kaufkraft müßte mit immer wachsender Beschleunigung die Preise treiben, damit die früher gekennzeichneten inflatorischen Wirkungen nach sich ziehen. In einer Denkschrift des Reichsfinanzministeriums, die in überaus gewissenhafter und theoretisch gründlicher Weise die Fragen der gleitenden Lohn- und Gehaltsskalen untersucht, heißt es sehr treffend1): „Die Verfechter der Vollanpassung wollen die Folgen der Inflation, die Teuerung, durch Vermehrung der Zahlungsmittel beseitigen. Sie übersehen dabei, daß sie auf diese Weise die Inflation erhöhen und damit die Grundlagen für eine kommende vermehrte Teuerung schaffen. Wenn der Gedanke der Vollanpassung richtig wäre, müßte man alle Teuerungen und Mehrausgaben durch Erhöhung der Inflation beseitigen können. Dann aber ist es unverständlich, warum der Staat neue Steuern und Zwangsanleihen einführt, warum er nicht auf dem einfacheren Wege der Vermehrung von Papiergeld die erforderlichen Ausgaben des Staates deckt. Die Folgen einer durch die Einführung der Vollanpassung notwendig gegebenen fortschreitenden Inflation werden schließlich auch zum Zusammenbruch der Industrie führen müssen. Volkswirtschaftlich würde das Geld aufhören, ein allgemeiner Wertmesser zu sein. Die folgerichtige Durchführung des Gedankens der Vollanpassung würde also schließlich dem Gelde den Charakter des allgemeinen Zahlungsmittels überhaupt nehmen.“

In Österreich ist die Vollanpassung in großem Umfange eingeführt worden, mit all den Wirkungen, die diese volkswirtschaftliche Selbsttäuschung haben mußte. Die tiefe Fragwürdigkeit aller Indexrechnungen kann aber nicht besser beleuchtet werden, als durch die Tatsache, daß der maßgebende Index in paritätischen Verhandlungen festgesetzt wurde (vergl. Denkschrift S. 13). Damit hebt sich der Automatismus der Indexzahl gerade bei seiner extremsten Verwendung selbst wieder auf und schlägt in das Zerrbild dessen um, was auch hier wieder allein helfen kann: eine freie Würdigung aller wirtschaftlichen, politischen und kulturellen Faktoren.

Nur solcher Mut zur Wirklichkeit kann vor verderblicher Täuschung schützen. Die Reparationskrisis ließ sich verschleppen, so lange das Ausland nach Keynes’ Worten — mit der ökonomischen Kurzsichtigkeit von „bankers and servant girls“ Marknoten kaufte und sich einbildete, durch sie die begehrte Kriegsentschädigung von Deutschland zu erhalten. Mit den stärksten Argumenten hat Deutschland immer wieder das Ausland vor diesem Selbstbetrug gewarnt, zumal es nicht schwer war, vorauszusehen, daß ihm hieraus eines Tages der heuchlerische Advokatenvorwurf des absichtlich herbeigeführten Währungsbankerotts gemacht werden würde. Diese Epoche ist jetzt abgeschlossen und wir haben kein Interesse daran, sie zu verlängern und den im Ausland schwimmenden Bestand an Marknoten zu vergrößern.

Pflicht jedes einzelnen und der Regierung ist jetzt, alle scheinhaften Mittel in ihrer Wirkungslosigkeit aufzudecken und dem Auslande erneut darzutun, daß wir am Ende der Leistungsmöglichkeit stehen. Nicht Indexpreise, Indexbilanzen und Indexlöhne können helfen, die schließlich nur zu einer ungeheuren volks- und finanzwirtschaftlichen Wechselreiterei führen würden, sondern nur ein wirklicher, aufrichtiger Zahlungsaufschub. Die Frist hätte Deutschland dann aber zu benutzen, um seine Arbeitsleistung zwecks Linderung der Unterkonsumtion zu steigern, seine Finanzen zu ordnen und seine Zahlungsbilanz schärfer als bisher von überflüssigen Waren zu entlasten. Bis dahin aber gilt es, die Folgen einer Markpanik ernst und klar zu überblicken, denn das letzte Geheimnis der Geltung einer Währung liegt trotz aller totgläubigen Stoffverehrer nicht im Golde, sondern in dem Willen einer Gemeinschaft, dies von ihr geschaffene Symbol auch über Zeiten unerhörter Spannung zu retten.

  • 1 Denkschrift über die selbsttätig gleitende Gehalts- und Lohnskala. Reichstag. 1. Wahlperiode. 1920/1922. Drucksache Nr. 5007, S. 13.

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