Seit Abschluß unseres letzten Aufsatzes über den Stand der Indexzahlen (W. D. Nr. 3-1, S. 818 f.) hat sich der Stand der Mark, gemessen am amtlichen Berliner Dollarkurse, um fast das Tausendfache verschlechtert. Am 11. Oktober notierte der Dollar in Berlin 5 Milliarden, d. h. die Mark hatte mehr als das Milliardenfache ihres Friedenswertes verloren. Während eines Ablaufes von sieben Wochen sind die Devisenkurse in immer schnellerem Tempo angewachsen. Nur in den Tagen vom 22. bis 26. September trat bei plötzlich eintretender voller Zuteilung ein kurzer wirkungsvoller Rückschlag ein, der dann die Entwicklung der Großhandelspreise und der Lebenshaltungskosten, wenn auch in geringem Maße, beeinflußte. Die Meßzahlen von Dollar, Großhandelspreis und Lebenshaltungskosten seit Anfang Oktober beweisen sich wie folgt:
| (in Mill.) | Anfang September | Mitte September | Anfang Oktober | 8-9. Oktober |
|---|---|---|---|---|
| Dollarindex | 3,1 | 35,7 | 76,2 | 285,7 |
| Großhdls.-Index d. Stat. Reichamts | 2,98 | 36,0 | 84,5 | 307,4 |
| Lebenshaltungs-Index | 1,84 | 14,2 | 40,4 | 170 |
Die Preisindizes über die Dollarmeßzahl umgerechnet, würden folgende Reihen ergeben:
| Dollarindex | 100 | 100 | 100 | 100 |
|---|---|---|---|---|
| Großhandels-Index | 96,1 | 100,8 | 110,9 | 107,2 |
| Lebenshaltungs-Index | 59,3 | 39,7 | 55,9 | 59,5 |
Man sieht aus dieser Zusammenstellung, daß seit Mitte September der Großhandelsindex über der Dollarmeßzahl liegt, ein Beweis dafür, daß der allgemeine Übergang zur Goldmarkrechnung vollzogen ist. Dagegen liegen die Lebenshaltungskosten immer noch beträchtlich unter dem Goldniveau. Die Bewegung von Preisstand und Valuta während der einzelnen Wochen verlief nach den Berechnungen der Industrie- und Handelszeitung folgendermaßen:
Valutabewegung und Preisstand
Steigerung (+) und Abnahme (-) gegenüber Vorwoche in %
| 18. bis 24.8. | 25. bis 31.8. | 1. bis 7.9. | 8. bis 14.9. | 15. bis 21.9. | 22. bis 28.9. | 29.9. bis 5.10. | 6. bis 12.10. | |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Dollarkursniveau | +62,0 | +64,6 | +215,9 | −207,0 | +91,1 | −7,9 | −209,0 | +554 |
| Großhandelspreis | +52,0 | +62,5 | +162,8 | +223,1 | +148,2 | +4,1 | +173,5 | +540 |
| Lebenshaltungskosten | – | – | +85,8 | +248,9 | +141,0 | +77,7 | +80,0 | +225,7 |
Die zweite Oktoberwoche zeigt für die Devisenbewegung und die Preise im Großhandel den annähernd gleichen Auftrieb, für die Lebenshaltungskosten einen halb so großen. Nach den Berechnungen des Statistischen Reichsamtes ist der Großhandelsindex im Monatsdurchschnitt September stärker gestiegen als der Dollarkurs: Die Augustziffer wurde mit 994.000 ausgewiesen, im September war sie auf 23,9 Millionen angewachsen, d. h. auf das 24fache gestiegen. Demgegenüber zeigte der Dollardurchschnittskurs in Berlin eine Steigerung auf das 11½fache an. Die folgende Zusammenstellung gibt ein Bild über die Preisgestaltung seit Juni. Die Wochenziffern seit dem 4. September verstehen sich in Millionen.
Großhandelsindex des Statistischen Reichsamtes (1913 = 1) und der Frankfurter Zeitung (Mitte 1914 = 1).
| Index d. Dollark. | Lebensmittel | Industrie- rohstoffe |
Inlandswaren | Einfuhrwaren | Gesamtindex | Ges.-Ind. d. Frkft. Zeitg. | |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Juli | 84 184 | 64 865 | 93 351 | 69 695 | 100 244 | 74 787 | 39 8981 |
| Aug. | 1 100 632 | 658 400 | 1 478 063 | 867 771 | 1 325 388 | 944 041 | 3 063 3582 |
| Sept. | 23 548 309 | 10 400 000 | 38 000 000 | 22 300 000 | 400 000 | 23 900 000 | 25 649 2103 |
| 4. Okt.4 | 188 095 20 | – | – | – | – | – | 182 953 500 |
| 4. Sept. | 8,1 Millionen | 2,0 Millionen | 4,8 Millionen | 2,8 Millionen | 3,8 Millionen | 2,98 Millionen | – |
| 11. Sept. | – | 8,1 Millionen | 17,7 Millionen | 9,7 Millionen | 20,7 Millionen | 11,5 Millionen | – |
| 18. Sept. | – | 23,6 Millionen | 59,3 Millionen | 33,3 Millionen | 49,5 Millionen | 86,0 Millionen | – |
| 25. Sept. | – | 20,0 Millionen | 53,3Millionen | 34,3 Millionen | 44,2 Millionen | 86,2 Millionen | – |
| 2. Okt. | 76,2 Millionen | 52,0 Millionen | 145,1 Millionen | 79,4 Millionen | 110 Millionen | 84,5 Millionen | – |
| 9. Okt. | 285,7 Millionen | 185,5 Millionen | 530,3 Millionen | 289,8 Millionen | 395,9 Millionen | 807,4 Millionen | – |
1 Monatsanfang
2 Monatsende
3 14. September
4 Frankfurter Zeitung
Am 4. September war der Gesamtindex um 76 v. H. gegenüber der Vorwoche angewachsen. Der Dollar war während dieser Frist von 6,4 auf 13 Mill. im Wochendurchschnitt, d. h. um 103 v. H. gestiegen, so daß das Goldniveau der Großhandelspreise von 111,2 am 28. August auf 96,3 v. H. am 4. September fiel. Eine noch schärfere Ausprägung erfuhr diese Tendenz in der zweiten Septemberwoche. Die Steigerung des Dollars betrug 409 v. H., während die Großhandelsmeßzahl um 286 v. H. gegenüber der Vorwoche anwuchs. Das Goldniveau ging infolgedessen bis auf 73 v. H. zurück. Dieses verhältnismäßig starke Zurückbleiben der Großhandelsmeßzahl hinter der Devisenbewegung wurde hauptsächlich durch den sehr zögernden Anstieg der Inlandswaren hervorgerufen. Sie waren am 4. September nur um 69 v. H., am 11. nur um 244 v. H. gestiegen, wogegen die Einfuhrwaren mit der Devisenbewegung annähernd Schritt hielten. Eine starke Angleichung des Preisniveaus an den Stand der Golddevisen zeigt die Woche vom 11. bis 18. September. Während der Dollar um 126 v. H. stieg, erfuhr der in den Vorwochen zurückgebliebene Großhandelsindex eine Erhöhung um 218 v. H. Das Goldniveau wurde von 73 auf 100,8 v. H. aufgewertet. Auch diese Bewegung ist in starkem Maße durch die Gruppe der Inlandswaren bedingt, die mit 244 v. H. die größte Steigerung aufwies. Es sei daran erinnert, daß in dieser Woche die Neuregelung der Kohlenpreise sich erstmalig auswirkte und daß in der gleichen Woche der Abgabepreis der Reichsgetreidestelle für Roggen von 1,8 Mill. M. für 50 kg auf 33 Mill. M. erhöht wurde. Die Einfuhrwaren stiegen in dieser Woche um 138 v. H. und hielten sich auch mit dieser Ziffer wieder verhältnismäßig nahe dem Devisenstande. Auf die rückläufige Dollarbewegung in der vierten Septemberwoche reagierten die Großhandelspreise allgemein – die Meßzahl verharrte ungefähr auf dem Stand der Vorwoche; das Goldniveau der Großhandelsindexziffer erhob sich von 101 auf 125,1. Diese Steigerung wurde verursacht durch die Aufwertung der bisher immer noch zurückgebliebenen Lebensmittel im Großhandel und der Inlandswaren, sie wuchsen um 10,4 bzw. 4 v. H. an. Damit dürften auch die Inlandswaren das Friedensgoldniveau überschritten haben, hinter dem die Lebensmittel als letzte Gruppe allein noch zurückblieben. Inzwischen ist seit Ende September eine neue sehr starke Devisenhausse eingetreten, die das Dollarniveau weit über den Preisstand der Großhandelswaren brachte. Am 2. Oktober war der Dollar um 164,6, am 9. Oktober um 276 v. H. angewachsen, die Meßzahlsteigerungen für denselben Zeitabschnitt belaufen sich auf 133,2 bzw. 264 v. H. Das Goldniveau fiel dementsprechend von 125 auf 111 und 108. Wieder sind es die Einfuhrwaren und Industrierohstoffe, die sich der Devisenbewegung am engsten anlehnen, während die Inlandswaren und Lebensmittel nur zögernd nachrücken. Es stiegen in v. H. zur Vorwoche:
| Einfuhrwaren | Inlandswaren | Industrierohstoffe | Lebensmittel | |
|---|---|---|---|---|
| 2. Oktober | 148,8 | 129,2 | 162 | 99,9 |
| 9. Oktober | 260,1 | 265,1 | 269,5 | 256,7 |
Der Großhandelsindex der Frankfurter Zeitung belief sich am 4. Oktober auf das 183millionenfache des Friedensstandes, während das Dollarkursniveau am selben Tage erst das 138-millionenfache erreicht hatte. Seit dem 14. September war die Großhandelsmeßzahl um 619 v. H., die Meßzahl des Dollarkurses um 495 v. H. angewachsen, also auch hier die Tatsache, daß das Goldmarkniveau der Preise stark gestiegen ist. Die Sonderaufstellung der Frankfurter Zeitung über die Preisbewegung von 10 Inlands- und 10 Auslandswaren zeigt zum ersten Male seit Führung der Tabelle, daß die Meßzahl der Inlandswaren (737 v. H.) über die der Auslandswaren (409 v. H.) im Laufe des Monats September gestiegen ist. Ebenso zeigt der Vergleich von 10 Lebensmitteln im Groß- und Kleinhandel eine stärkere Steigerung auf Seiten der Kleinhandelspreise (349 v. H. gegenüber 315 v. H.). Nach den Berechnungen des Statistischen Reichsamtes verlief die Preisbewegung von 12 wichtigen Lebensmitteln im Groß- und Kleinhandel (1913 = 1) folgendermaßen:
Indexzahlen zur Preisbewegung von 12 wichtigen Lebensmitteln im Groß- und Kleinhandel in Berlin (1913 = 1)
| in Papiermark | in Goldmark | Kleinhandelspreise in v. H. der Großhandelspreise | |||
|---|---|---|---|---|---|
| Großhandel | Kleinhandel | Großhandel | Kleinhandel | ||
| 1913 | 1 | 1 | 1 | 1 | 137 |
| Juni 1923 | 22 223 | 13 520 | 0,81 | 0,49 | 83 |
| Juli | 112 066 | 65 587 | 1,24 | 0,74 | 84 |
| August | 1 070 806 | 804 262 | 1,16 | 0,84 | 100 |
| 3. Sept. | 3 209 456 | 2 538 959 | 1,39 | 1,10 | 108 |
| 10. Sept. | 14 042 307 | 9 540 690 | 1,16 | 0,80 | 95 |
| 17. Sept. | 37 118 906 | 22 751 533 | 1,18 | 0,70 | 82 |
Die Tabelle zeigt, daß sowohl der Großhandel als auch der Kleinhandel bei zunehmender Markentwertung während der Monate Juni bis Juli erfolgreicher bemüht waren, ihre „Substanz" zu retten. Der Anteil der Kleinhandelspreise an den Wiederbeschaffungspreisen hatte im August 100 v. H. erreicht, er sank dagegen bei erneuter starker Markverschlechterung in den folgenden Septemberwochen bis auf 82 v. H. hinab. Die Reichsindexziffer für die Lebenshaltungskosten stieg im Monat August um 1457 v. H. gegenüber Juli, während die Großhandelsmeßzahl im August um 1162 v. H. gegenüber dem Vormonat angewachsen war. Die Kleinhandelspreise haben sich während dieses Monats schneller auf den Verfall der Währung eingestellt als in früheren Monaten. In den letzten sechs Wochen verlief die Teuerung in folgender Bewegung:
| Datum | Teuerungsindex (Ernähr., Wohn., Heiz., Beleucht., u. Bekleidung) | Steigerung in % |
|---|---|---|
| 3. September | 1 845 261 | 55,9 |
| 10. September | 5 051 046 | 173,7 |
| 17. September | 14 244 900 | 182,0 |
| 24. September | 28 000 000 | 97,2 |
| 1. Oktober | 40 400 000 | 44,3 |
| 8. Oktober | 109 100 00 | 170,0 |
Am Weltmarkt ist die rückläufige Preisbewegung, die seit Monat März zu beobachten war, vorerst zum Stillstand gekommen. Verschiedene Hauptrohstoffe, besonders Weizen, Baumwolle und Zucker, haben im Laufe des Monats August scharf angezogen und dadurch die Großhandelsmeßzahlen nicht unwesentlich beeinflußt. So stieg der Großhandelsindex des „Economist“ von 163,3 Ende Juli auf 163,3 Ende August und 167,8 Ende September. Die Gruppe der Textilien stieg allein um 17 Punkte und weist eine Ziffer auf, die seit zwei Jahren nicht mehr erreicht war. Ebenso ist der „offizielle“ Index des Board of Trade von 164,6 im Augustdurchschnitt auf 157,9 im September angewachsen. In den Vereinigten Staaten stieg Fishers Wochenindex von 155 in der ersten Septemberwoche auf 156 in der zweiten und auf 167 in der ersten Oktoberwoche; der Wochendurchschnitt im August wies 153,6 auf. Auch Fairchilds Index für Baumwollwaren ist auf 16,997 gestiegen und befindet sich jetzt um 1,385 Punkte über dem niedrigsten Stand dieses Sommers, der am 4. August erreicht war. Die dritte Septemberwoche zeigt für Leder, Zinn, Weizen, Kohlen und Zucker höhere Preise gegenüber der letzten Augustwoche. Der französische Großhandelsindex der Statistique générale (1913 = 100) stieg von 406,7 im Juli auf 412,3 im August. Während derselben Zeit stieg der Dollar in Paris von 16,87 auf 17,71. Hier sind – im Gegensatz zu England und Amerika – auch die Preise für industrielle Rohstoffe im Ansteigen begriffen.
J. B.