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Um die Alterssicherung für künftige Generationen auf eine breitere Basis zu stellen, plant die Bundesregierung die Einführung einer Frühstart-Rente: ein kapitalgedecktes Altersversorgungssystem, das bereits im frühen Kindesalter mit geringen staatlichen Einzahlungen beginnt. Der zentrale Gedanke ist, dass frühe und wiederkehrende Berührungspunkte mit dem Kapitalmarkt Vertrauen, Verständnis und ein nachhaltiges Anlageverhalten fördern. Wer von klein auf Erfahrungen mit Sparen und Investieren sammelt, entwickelt langfristig ein anderes Verhältnis zu Risiko und Rendite. Im Gegensatz zu anderen Ländern hat sich in Deutschland das Anlageverhalten nämlich noch nicht an die modernen Möglichkeiten breit gestreuter Anlagen im Aktienmarkt angepasst – zum Nachteil des Vermögensaufbaus in der breiten Bevölkerung. Die Frühstart-Rente zielt damit vor allem auf den kulturellen Wandel hin zu einer breiteren Beteiligung am Kapitalmarkt ab.

Bei der Umsetzung sind jedoch verschiedene Aspekte zu beachten, damit die Frühstart-Rente zum Erfolg wird. Zunächst sollten alle Kinder zwischen dem 6. und 18. Lebensjahr, deren Eltern Kindergeld beziehen und deren Wohnort in Deutschland ist, automatisch erfasst werden und die Frühstart-Rente erhalten. Nur so wird man wirklich alle Kinder in der gesamten Bevölkerung erreichen. Eine Antragspflicht würde Familien mit geringerem Einkommen oder wenig Finanzwissen benachteiligen, da für sie die Hürden einer Antragstellung deutlich höher sein könnten. Stattdessen sollte die Familienkasse anhand der Kindergelddaten die Berechtigung prüfen und die Einzahlungen veranlassen. Sie verfügt bereits über alle relevanten Informationen wie Geburtsdatum, Anschrift und Steuer-ID. Eine Verknüpfung mit dem Kindergeldbezug garantiert eine nahezu vollständige Erfassung der Anspruchsberechtigten und reduziert den Verwaltungsaufwand erheblich. Damit wird der Zugang einfach und unbürokratisch gestaltet.

Im Rahmen der Frühstart-Rente erhalten alle berechtigten Kinder dann jeweils monatliche staatliche Einzahlungen von 10 € in ein Depot. Die Einzahlungen der Frühstart-Rente sollten ausschließlich in renditestarke Aktienfonds investiert werden (OGAW-Fonds Risikoklasse 4 und 5). Nach dem Vorbild der schwedischen Prämienrente sollten Einzahlungen, je nach Wahl der Eltern, in ein staatlich verwaltetes Standardprodukt („Frühstart-Fonds“) oder in eine eingeschränkte Auswahl an privat verwalteten Fonds erfolgen. Wird keine aktive Wahl getroffen, werden die Einzahlungen automatisch im Frühstart-Fonds angelegt. Ein Wechsel zwischen den Fonds sollte jederzeit möglich sein. Der Frühstart-Fonds könnte entweder durch die Deutsche Bundesbank, die KfW oder den KENFO verwaltet werden. Die staatliche Einzahlung kann durch private Zuzahlungen in unbegrenzter Höhe ergänzt werden. Es wäre wünschenswert, wenn Kinder und Familien diese Möglichkeit des langfristigen Vermögensaufbaus auch für selbst verdientes Geld zunehmend nutzen. Gewinne bleiben bis zur Auszahlung steuerfrei. Die Fondsauswahl für die Frühstart-Rente sollte im Rahmen eines strukturierten Beschaffungsprozesses stattfinden. Nach schwedischem Vorbild sollte eine kleine, unabhängige Fondsauswahlbehörde gegründet werden. Diese überwacht die Auswahl, Ausschreibung und laufende Qualität der Fonds. So sollen Fehlentwicklungen wie bei der Riester-Rente, hohe Kosten, komplexe Produkte und Vertrauensverlust vermieden werden. Zentrale Kriterien bei der Fondsauswahl sind die Gebühren und die Qualität.

Mit Erreichen der Volljährigkeit sollten die angesparten Beträge automatisch in eine reformierte kapitalgedeckte Altersvorsorge überführt werden, sodass Ansparphase, Vermögensaufbau und Auszahlung in einem System verbunden sind. Institutionelle und regulatorische Rahmenbedingungen beider Systeme müssen dafür kompatibel gestaltet werden, insbesondere bei der Fondsbeschaffung. Das gemeinsame Ziel ist ein einheitliches Vorsorgedepot, das Menschen über verschiedene Lebensphasen und Beschäftigungsformen hinweg begleitet. Dieses Depot folgt einem Lebenszyklusmodell: In jungen Jahren überwiegen renditestarke Fonds, mit zunehmendem Alter wird schrittweise in risikoärmere Anlagen umgeschichtet. So entsteht ein durchgängiges Vorsorgesystem vom Kindesalter bis in den Ruhestand, das Sicherheit und Rendite verbindet. Ein Bruch mit dem 18. Lebensjahr oder getrennte Verträge würden dagegen unnötige Bürokratie schaffen und den langfristigen Anlageerfolg gefährden.

Die Frühstart-Rente ist damit mehr als eine neue Fördermaßnahme. Sie ist ein Instrument, um langfristig Vertrauen in kapitalgedeckte Vorsorgeformen zurückzugewinnen und eine echte Aktienkultur zu fördern. Wenn automatische Teilnahme, einfache Fondsstrukturen, geringe Kosten und eine starke Bildungsbegleitung zusammenwirken, kann die Frühstart-Rente zu einem Wendepunkt werden: hin zu einer Generation, die finanziell selbstbewusster, besser vorbereitet und aktiver am Kapitalmarkt teilnimmt.

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© Der/die Autor:in 2025

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Open Access wird durch die ZBW – Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft gefördert.

DOI: 10.2478/wd-2025-0194