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Der Beginn des Konfliktes im Nahen Osten am 28. Februar 2026 zwischen den Vereinigten Staaten und Israel auf der einen sowie dem Iran auf der anderen Seite hatte erhebliche Auswirkungen auf die internationalen Energiemärkte. Im Zuge des Irankrieges kam es zu Einschränkungen der Versorgung mit Rohöl und weiteren Rohstoffen infolge von Transportengpässen. Gleichzeitig nahm die Unsicherheit auf den Kraftstoffmärkten deutlich zu. In Deutschland spiegelte sich diese Entwicklung unter anderem in erheblichen Preissteigerungen bei Kraftstoffen sowie auf den Energiemärkten wider. So kam es zu einer starken Zunahme der Preise im HWWI-Subindex für Energie sowie bei den Erdgaspreisen und den Rohölpreisen seit Beginn des Krieges (Abbildung 1).

Abbildung 1
Entwicklung des HWWI-Subindex für Energiepreise sowie der Erdgas- und Rohölpreise, seit 27. Februar 2026
Abbildung 1 zeigt die prozentuale Veränderung des HWWI-Energiepreisindex sowie der Erdgas- und Rohölpreise vom 27. Februar bis 12. Juni 2026; eine gestrichelte senkrechte Linie markiert den Beginn des Iran-Kriegs. Alle drei Preisreihen steigen zunächst stark und schwanken deutlich, erreichen im März und April Spitzen von rund 60 bis 70 % und gehen anschließend zurück. Mitte Juni liegen die Veränderungen nur noch bei etwa 25 bis 30 %, wobei sich die drei Kurven zuletzt weitgehend annähern.

Quelle: eigene Berechnung nach Berlemann et al. (2024).

Die höchsten Preisniveaus im HWWI-Energiepreisindex wurden am 19. März 2026 erreicht. Dieser Zeitpunkt fiel mit einer deutlichen Eskalation des Konfliktes im Nahen Osten zusammen. Die Erdgaspreise lagen an diesem Tag rund 71 % über dem Niveau vom 27. Februar 2026, der gesamte Energieindex verzeichnete einen Anstieg von rund 61 % gegenüber dem Vorkriegsniveau und auch die Rohölpreise erreichten in diesem Zeitraum ihren Höchststand.

In den folgenden vier Wochen gingen die Preise sukzessive zurück und erreichten am 17. April 2026 ihr niedrigstes Niveau seit den Höchstständen im März. Dieser Zeitraum fiel mit einer Deeskalation des Konfliktes zusammen, darunter die Ankündigung einer zweiwöchigen Waffenruhe (Tagesschau, 2026b) sowie die Lockerung der Sanktionen auf iranisches Öl, das bereits auf Schiffen verladen wurde (Tagesschau, 2026a). Zeitweise wurde zudem eine Bereitstellung strategischer Ölreserven durch die Internationale Energieagentur diskutiert (IEA, 2026a). Gegenüber den Höchstständen vom 19. März verringerte sich der Anstieg der Erdgaspreise um rund 62 % gegenüber dem Vorkriegsniveau, bei den Rohölpreisen um rund 30 % und beim HWWI-Subindex für Energie um rund 42 %.

Im weiteren Verlauf kam es erneut zu kurzfristigen Preisausschlägen. Ab Mitte Mai gingen insbesondere die Rohölpreise tendenziell zurück. Dieser Zeitraum fiel unter anderem mit der Freigabe strategischer Ölreserven sowie mit Verhandlungen über eine Beendigung des Konfliktes zusammen (IEA, 2026b). Seit Ende Mai entwickelten sich die Erdgas- und Rohölpreise weitgehend parallel und zeigten insgesamt eine stabilere Entwicklung.

Die hohen Preise für Energierohstoffe führten in Deutschland zu einer verstärkten Diskussion über die Auswirkungen des Konfliktes auf die Energiepreise und die Preisentwicklung für Verbraucher:innen (Grimm et al., 2026). Insbesondere vor dem Hintergrund der Erfahrungen mit den starken Energiepreisanstiegen nach Beginn des Ukrainekrieges bestanden Befürchtungen, dass der erneute Anstieg der Energiepreise zu einem deutlichen Anstieg der Inflation führen könnte.

Die bisherigen Entwicklungen zeigen jedoch einen eher moderateren Anstieg der Verbraucherpreise (Abbildung 2). Die Inflationsrate in Deutschland stieg nach Beginn des Konfliktes von 2,7 % im März 2026 auf 2,9 % im April 2026 und lag im Mai 2026 bei 2,6 % (Statistisches Bundesamt, 2026a). Gleichzeitig entwickelten sich die Energiepreise deutlich dynamischer als die Gesamtinflation. Im Mai 2026 lagen die Preise für Energieprodukte insgesamt 6,6 % über dem Niveau des Vorjahresmonats. Besonders deutlich war der Anstieg bei Kraftstoffen mit 18,0 % sowie bei leichtem Heizöl mit 47,9 %.

Abbildung 2
Inflationsraten in Deutschland seit 2020
Abbildung 2 zeigt in einer Säulengrafik die monatlichen Inflationsraten in Deutschland von Januar 2020 bis Mai 2026; eine gestrichelte senkrechte Linie markiert den Beginn des Irankrieges im Februar 2026, die dann folgenden Monate sind anders farblich hervorgehoben. Nach einem starken Anstieg bis auf knapp 9 % Anfang 2023 geht die Inflationsrate deutlich zurück und stabilisiert sich 2024 und 2025 auf einem niedrigeren Niveau. Nach Beginn des Irankrieges ist ein leichter Anstieg der Inflationsrate auf knapp 3% zu erkennen.

Quelle: Statistisches Bundesamt (2026b).

Damit zeigt sich bislang ein Anstieg der Inflation infolge der gestiegenen Energiepreise, allerdings ohne die außergewöhnlich hohen Inflationsraten, die nach Beginn des Ukrainekrieges beobachtet wurden. Die Entwicklung der Energiepreise stellte somit einen relevanten Faktor für die Verbraucherpreisentwicklung dar, führte bislang jedoch nicht zu einem vergleichbaren Anstieg der Gesamtinflation.

Literatur

Berlemann, M., Eurich, M. & Meyer, H. (2024). HWWI Commodity Price Index: A technical documentation of the 2023 revision. Review of Economics, 75(1), 1–20.

Grimm, V., Haucap, J., Kolev, S. & Wieland, V. (2026, 13. März). Eskalation im Nahen Osten: Auswirkungen auf Europa – und was (nicht) zu tun ist. Bundesministerium für Wirtschaft und Energie.

IEA – International Energy Agency. (2026a). The Middle East and Global Energy Markets.

IEA – International Energy Agency. (2026b, 17. Juni). Oil Market Report – June 2026.

Statistisches Bundesamt. (2026a, 12. Juni). Inflationsrate im Mai 2026 bei +2,6 %.Inflationsrate geht leicht zurück, weiter hohe Energiepreise. Pressemitteilung, Nr. 199.

Statistisches Bundesamt. (2026b, 5. Juli). Verbraucherpreisindex: Deutschland, Monate.

Tagesschau. (2026a, 21. März). Iran-Liveblog.

Tagesschau. (2026b, 8. April). USA und Iran kündigen zweiwöchige Feuerpause an.

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