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Ihrem Koalitionsvertrag zufolge will die schwarz-rote Bundesregierung die Energiewende „transparent, planbar und pragmatisch zum Erfolg machen“. Diesen Zielen dürfte die Mehrheit aus Wirtschaft, Gesellschaft und Wissenschaft zustimmen. Allerdings gibt es unterschiedliche Auffassungen darüber, was eine erfolgreiche Energiewende ausmacht. Aus Perspektive des Klimaschutzes steht ein zügiger Ausbau erneuerbarer Energien im Fokus, um fossile Energieträger zu substituieren. Der energiepolitische Diskurs drehte sich dagegen zuletzt eher um die Kosten der Energiewende und wie sie möglichst gering gehalten werden könnten.

Die letzte Bundesregierung war angetreten, die Energiewende deutlich zu beschleunigen. Hierzu hat die Ampel-Koalition die Ausbauziele für verschiedene Schlüsseltechnologien deutlich erhöht, beispielsweise für erneuerbaren Strom, die Elektromobilität oder grünen Wasserstoff. Die meisten dieser Ziele sind im Einklang mit aktuellen Energieszenarien, die Klimaneutralität im Jahr 2045 erreichen – wozu sich auch die neue schwarz-rote Regierung bekannt hat. Außerdem hat die Ampel vielfältige Maßnahmen ergriffen. Beispielsweise wurden die Ausschreibungsmengen für erneuerbare Energien deutlich erhöht, Planungs- und Genehmigungsprozesse verbessert und diverse Fördermaßnahmen aufgesetzt. Dadurch hat sich das Energiewendetempo in vielen Bereichen deutlich erhöht. Dennoch ist die Geschwindigkeit bei fast allen Schlüsseltechnologien noch zu gering, um die für das Jahr 2030 gesetzten Zwischenziele zu erreichen. Dies gilt ganz besonders für die sogenannte Sektorenkopplung: Die Flotte von Elektroautos wächst bisher nur langsam, unter den neu installierten Heizungen sind immer noch mehr Gas- und Ölheizungen als Wärmepumpen, und der grüne Wasserstoff steckt noch in den Kinderschuhen (Schill et al., 2025).

Die Voraussetzungen für die nötige Beschleunigung der Energiewende haben sich jedoch zuletzt deutlich verbessert. Beispielsweise sind bei der Windkraft an Land die Genehmigungszahlen seit 2024 auf einem Rekordniveau, bei der Windkraft auf See wurden im großen Umfang neue Anlagen erfolgreich ausgeschrieben und Netzanschlüsse geplant. Der weitere Photovoltaikausbau kann davon profitieren, dass die Kosten von PV-Anlagen und Batteriespeichern stark gesunken sind. Zudem wurden erste Schritte unternommen, um den wachsenden Herausforderungen der Einspeisung von Aufdachanlagen zu begegnen. Bei den Wärmepumpen wurden die Kapazitäten in Industrie und Handwerk erweitert. Nicht zuletzt ist bei der Elektromobilität die Schnellladeinfrastruktur zuletzt deutlich schneller gewachsen als die Fahrzeugflotte.

Trotz dieser verbesserten Voraussetzungen scheint die Beschleunigung der Energiewende für die aktuelle Bundesregierung keine Priorität zu haben. Vielmehr deuten die angestrebte Synchronisation von Windkraft- und Netzausbau sowie der angekündigte „Realitätscheck“ der benötigten Strommengen darauf hin, dass die Transformation eher gebremst als beschleunigt werden soll. Auf den ersten Blick mag es effizient erscheinen, den durchaus mit Friktionen verbundenen Ausbau der erneuerbaren Energien nicht übermäßig zu forcieren, wenn die Stromnachfrage sich schwächer entwickelt. Allerdings ist es kein Grund zum Feiern, wenn für Elektroautos, Wärmepumpen und grünen Wasserstoff weniger Strom gebraucht wird als geplant – denn somit werden auch weniger fossile Kraft- und Brennstoffe eingespart, was die Erreichung der Klimaziele erschwert. Hinzu kommt, dass insbesondere der Ausbau der Windkraft aufgrund langer Vorlaufzeiten sehr träge ist. Kurzfristig können die Ausbauraten nur begrenzt gesteigert werden, dies haben die Erfahrungen der letzten Jahre gezeigt. Außerdem ist langfristige Planungssicherheit wichtig für Investitionen in viele Energiewendetechnologien – nicht nur für die Realisierung und Finanzierung einzelner Projekte, sondern auch für leistungsfähige und resiliente Lieferketten.

Daher wäre es ein Fehler, die Energiewende nun aus falsch verstandenen Kostenerwägungen wieder abzuwürgen. Beim Ausbau der erneuerbaren Energien sollte der bereits eingeschlagene Kurs gehalten werden, ergänzt durch einen Abbau von Hürden für Speicher und andere Flexibilitätstechnologien. Vor allem aber benötigt die Sektorenkopplung einen deutlichen Wachstumsimpuls. Hierfür hat die aktuelle Regierung deutlich größere Spielräume als die letzte – nicht zuletzt aufgrund der verbesserten Finanzierungsmöglichkeiten in Zeiten der Sondervermögen. Zu beachten ist, dass Deutschland keine Insel und bei vielen Technologien nicht einmal mehr ein Vorreiter ist: Wind- und Solarenergie, Wärmepumpen und Elektroautos entwickeln sich in anderen Ländern mittlerweile deutlich dynamischer, auch was die Entwicklung der Technologien betrifft. Was es braucht, sind also keine weiteren „Realitätschecks“ – sondern die tatsächliche Umsetzung der Energiewende in Deutschland.

Literatur

Schill, W.-P., Guéret, A., Roth, A. & Schmidt, F. (2025). Bilanz des Ampel-Monitors: Mehr Tempo für die Energiewende. DIW Wochenbericht, 7, 87–95.

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© Der/die Autor:in 2025

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Open Access wird durch die ZBW – Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft gefördert.

DOI: 10.2478/wd-2025-0141