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Die Neuausrichtung der US-Zollpolitik unter Präsident Trump zeigt deutliche Auswirkungen auf deutsche Exporte: Vorzieheffekte im Frühjahr 2025 gingen ab April in spürbare Rückgänge über. Besonders betroffen sind Warengruppen mit Sonder- oder Basiszöllen, etwa Fahrzeuge und Maschinen. Exporteure müssen mit Preisdruck und sinkenden Margen rechnen. Gleichzeitig steigen deutsche Importe in Bereichen wie chinesischer Bekleidung und Spielzeug, was neue Wettbewerbsrisiken birgt. Die deutsche Wirtschaft steht vor der Herausforderung, Effizienz zu steigern und neue Märkte zu erschließen.

Wir präsentieren erste Beobachtungen und Untersuchungen dazu, inwiefern die Neuausrichtung der US-amerikanischen Zollpolitik nach der zweiten Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten im November 2024 den deutschen Export in die USA beeinflusst hat. Bereits im Wahlkampf hatte Trump drastische Maßnahmen angekündigt, vorrangig mit dem Ziel, die bestehenden Handelsungleichgewichte zu beseitigen und neue Produktion im eigenen Land anzusiedeln. Mit einem Gesamtausfuhrwert von 11,5 Mrd. €, Stand Juni 2025, sind die USA der wichtigste Exportpartner Deutschlands (Statistisches Bundesamt, 2025a). Zu den wichtigsten exportierten Warengruppen gehören Maschinen, Apparate, mechanische Geräte (2,4 Mrd. €), pharmazeutische Erzeugnisse (2,1 Mrd. €), Kraft- und Landfahrzeuge (2,1 Mrd. €), elektrotechnische Erzeugnisse (1,2 Mrd. €) sowie optische und fotografische Erzeugnisse (1 Mrd. €).

Die Zollpolitik der vergangenen Monate war geprägt von mehrfachen und teils wechselhaften Ankündigungen, Zollerhöhungen und -aussetzungen, die zu einer immensen Unsicherheit führten.

Erwartete Auswirkungen höherer Importzölle

Zölle müssen vom Importeur getragen werden und können bei abgeschlossenen Verträgen nicht auf den Exporteur überwälzt werden. Damit tragen also amerikanische Unternehmen und, wenn sie die Erhöhungen entsprechend weitergeben, auch deren Kunden – also überwiegend amerikanische Haushalte – die Konsequenzen (Schneemann et al., 2025). Diese Verteuerung kann zu Ausweicheffekten führen, d. h. Käufer suchen nach günstigeren Produkten und internationale Liefer- und Handelsketten werden verändert. Die Exportunternehmen in Deutschland müssen davon ausgehen, dass mit neuen Vertragsabschlüssen die Absatzmengen zurückgehen und seitens der US-Importeure Druck auf die Warenpreise (vor Zoll) und damit auf die Gewinnmargen ausgeübt wird.

Deshalb kann es zu Vorzieheffekten kommen: Um noch vor Zollerhöhung von den zuvor günstigeren Bedingungen zu profitieren, können Unternehmen versuchen, Warenexporte vorzuziehen. In den USA müssen dafür Lagerbestände erhöht werden, was attraktiv ist, solange die zusätzlichen Lagerhaltungskosten geringer sind als die zukünftigen Zoll- und Preissteigerungen.

Tatsächliche Exportentwicklung

Abbildung 1 zeigt einen deutlichen Rückgang der preis-, saison- und kalenderbereinigten Ausfuhrwerte1 aus Deutschland seit April 2025, dem Monat der Einführung des Basiszolls sowie der meisten Sonderzölle. Zuvor, in den Monaten Februar und März, erkennt man starke Exportanstiege, was auf Vorzieheffekte hindeutet. Im Vergleich dazu entwickelten sich die Exporte in den Rest der Welt seit Jahresanfang stabil. Preiseffekte haben bis Juni 2025 offensichtlich keine relevante Rolle gespielt.

Abbildung 1
Exporte aus Deutschland in die USA und in den Rest der Welt, Vergleich der Preiseffekte
Oktober 2024 bis Juni 2025, saison- und kalenderbereinigt, real und nominal, Oktober 2024 = 100
Exporte aus Deutschland in die USA und in den Rest der Welt, Vergleich der Preiseffekte

Quelle: Statistisches Bundesamt (2025a), eigene Berechnung.

Zur genaueren Untersuchung haben wir ausgewählte Warengruppen mit relevantem Exportwert nach ihrer Betroffenheit von den Zollankündigungen bzw. -entscheidungen kategorisiert und in ihrer Exportentwicklung miteinander verglichen. Tabelle 1 zeigt die preis-, saison- und kalenderbereinigten Ausfuhr-Indexwerte der jeweils enthaltenen Warengruppen normiert auf Oktober 2024 = 100. Die hellblaue Markierung in den Spalten veranschaulicht die Betroffenheit.

Tabelle 1
Exporte Deutschlands in die USA, Oktober 2024 bis Juni 2025
Index: Oktober 2024 = 100
Monat November 2024 Dezember 2024 Januar 2025 Februar 2025 März 2025 April 2025 Mai 2025 Juni 2025 Durch­schnitt Jan bis März Durch­schnitt April bis Juni Waren­wert Juni 2025 (Mrd. €)
Insgesamt 109,95 102,84 103,57 113,54 114,45 105,59 101,53 95,14 110,5 100,8 12.538
Kategorie 1: Sonderzoll
Kraftfahr­zeuge, Landfahr­zeuge 97,39 90,30 105,63 107,36 103,59 94,29 84,01 80,47 105,5 86,3 2.506
Waren aus Eisen oder Stahl 109,25 116,93 117,13 106,74 109,70 105,22 121,25 102,11 111,2 109,5 222
Eisen und Stahl 97,68 114,55 110,18 117,14 102,94 105,62 107,98 89,95 110,1 101,2 103
Aluminium und Waren daraus 101,44 96,94 84,24 105,83 99,75 90,75 92,09 89,11 96,6 90,7 58
Summe 98,21 92,86 106,09 107,61 103,88 95,27 87,24 82,28 105,9 88,3 2.888
Kategorie 2: Basiszoll
Maschinen, Apparate und mechanische Geräte 105,02 102,75 101,33 109,21 105,19 100,35 99,33 98,51 105,2 99,4 2.805
Luftfahr­zeuge, Raumfahr­zeuge 212,32 88,48 27,07 85,19 47,61 45,58 26,10 24,22 53,3 32,0 93
Optische, foto­grafische usw. Er­zeugnisse 100,30 103,40 107,70 109,73 112,16 109,20 107,34 109,71 109,9 108,7 1.247
Kunst­stoffe und Waren daraus 100,53 105,78 103,16 104,84 100,79 98,56 96,61 98,80 102,9 98,0 285
Summe 112,48 101,91 96,85 107,08 101,85 97,86 95,05 95,11 101,9 96,0 4.430
Kategorie 3: Teilausnahme
Perlen, Edel­steine, Edel­metalle 96,66 86,31 95,74 153,91 117,08 68,11 94,91 102,07 122,2 88,4 211
Verschiedene Er­zeugnisse der Che­mischen Industrie 98,82 72,11 87,29 90,38 86,60 81,61 81,54 70,65 88,1 77,9 164
Organische che­mische Er­zeugnisse 108,00 104,50 117,89 110,79 130,43 246,71 121,94 108,65 119,7 159,1 182
Anorgan­ische chemische Erzeug­nisse 315,12 91,11 130,52 111,62 115,27 337,83 130,03 98,95 119,1 188,9 67
Andere unedle Metalle, Cermets usw. 80,84 119,25 104,19 140,44 119,17 102,12 106,34 79,52 121,3 96,0 31
Summe 119,81 88,21 101,94 118,35 110,23 141,82 100,85 91,85 110,2 111,5 656
Kategorie 4: Ausnahme
Pharma­zeutische Erzeug­nisse 108,30 100,24 82,57 119,80 136,29 106,01 113,11 94,28 112,9 104,5 1.893
Elektro­technische Erzeugnisse 108,25 107,49 113,36 112,01 120,74 107,94 109,26 103,26 115,4 106,8 1.360
Kupfer und Waren daraus 104,92 103,45 219,01 127,43 110,77 116,39 117,08 113,32 152,4 115,6 95
Holz, Holz­waren, Holzkohle 97,80 115,39 124,52 117,00 96,18 100,33 99,66 113,20 112,6 104,4 71
Nickel und Waren daraus 109,94 103,90 101,31 106,67 116,10 109,25 90,32 105,16 108,0 101,6 26
Summe 108,02 103,35 98,33 116,91 128,96 106,91 111,35 98,53 114,7 105,6 3.444

Quelle: Statisches Bundesamt (2025a), eigene Berechnungen.

Kategorie 1: Sonderzölle

In einer ersten Kategorie sind jene Warengruppen enthalten, für die bereits im Februar hohe Sonderzölle diskutiert und anschließend schnell umgesetzt wurden. Auf sie entfallen 23 % des deutschen Warenexportwertes in die USA. Insgesamt zeigt sich sowohl ein Vorzieh- als auch ein Zolleffekt: Der Exportindex stieg preis-, saison- und kalenderbereinigt im Zeitraum Januar bis März auf 105,9 an und sank anschließend auf 88,3 für den Zeitraum April bis Juni. So zeigte beispielsweise die exportstärkste Gruppe der Kraft- und Landfahrzeuge (bereinigter Exportwert knapp 2,5 Mrd. €) deutliche Vorzieheffekte in den Monaten Januar bis März. Nach der Einführung der Sonderzölle von 27,5 % im April sanken die Werte unter das Niveau im Herbst 2024.

Die Warengruppen in dieser Kategorie reagieren je nach (vorübergehender) Substituierbarkeit der verteuerten Ware. Die Exporte von Autos sind deutlich gesunken. Demgegenüber sind viele amerikanische Industriebetriebe auf bestimmte Mengen an Stahl, Eisen und Aluminium angewiesen – hinsichtlich Eisen und Stahl haben die Importe entsprechend verzögert reagiert.

Kategorie 2: Basiszoll

Für diese Warengruppen galt seit April 2025 ein Basiszoll von 10 %, sie machen rund ein Drittel der Exporte aus. Mit einem durchschnittlichen Indexwert von 101,9 für Januar bis März sind die Vorzieheffekte in dieser Kategorie niedriger, aber der Rückgang der Exporte ist mit 96,0 für April bis Juni ebenfalls deutlich. Hierzu zählen beispielsweise der Maschinenbau und Kunststoffe. Optische und fotografische Erzeugnisse haben demgegenüber stabile und im Vergleich zum Herbst höhere Indexwerte, hier zeigen sich kaum Veränderungen nach der Zollerhöhung.

Kategorie 3: Teilausnahmen

In einer dritten und mit 5 % Exportanteil kleinen Kategorie befinden sich Warengruppen, für welche in Teilbereichen Ausnahmen von den neuen Zolltarifen gelten. Inwiefern sie durch den Basiszoll beeinflusst sind, lässt sich aufgrund der Warenmischung schwer abschätzen. Aggregiert betrachtet nehmen die Exporte dieser Gruppe im Vergleich zu Herbst 2024 zu, was in Zusammenhang mit Vorzieheffekten stehen kann. Indirekt können auch einige ausgenommene Waren betroffen sein, da Zollerhöhungen in der Zukunft nicht ausgeschlossen werden können.

Kategorie 4: Ausnahmen

Für diese Warengruppen (Exportanteil von rund 25 %) gelten bislang Ausnahmen, allerdings führt die USA in Teilbereichen Untersuchungen (Section 232) durch, um die zukünftige Zollhöhe für diese zu bestimmen. So wurde für pharmazeutische Produkte mehrfach eine Erhöhung angekündigt, teils mit einem Zollsatz von 250 %. Exporteure und Importeure dürften deshalb bemüht sein, so viele Geschäfte wie möglich vorzuziehen, was sich in der Exportentwicklung auch zeigt. Für Januar bis März liegt der durchschnittliche Indexwert bei 114,7. In den drei Folgemonaten geht er auf 105,6 zurück, gegenüber Herbst 2024 zeigt sich also keine Ver­schlecht­erung.

Die Export reduzierende Wirkung der Einführung der Sonder- und Basiszölle wird auch bei einer Differenzen-in-Differenzen-Schätzung sichtbar, wobei wir für das Treatment Kategorie 1 und 2 ab April 2025 betrachten. Dabei zeigt sich eine Reduktion um 14 %.

Erste Veränderungen bei chinesischen Importen

Für China schwankte das Handelsverhältnis zu den USA zwischen hohen Zollandrohungen und deren Aussetzung. Im Durchschnitt wurde im betrachteten Zeitraum ein Zoll von ungefähr 50 % auf chinesische Waren wirksam. Die deutsche Wirtschaft fürchtet daher Ausweichreaktionen (Hutter, 2023). Ein höherer Import von Waren, die China deutlich kostengünstiger herstellen kann, würde in Deutschland Preisdruck nach unten erzeugen und manche Produktion unrentabel machen. Bei Kupfer (+91 %), bei Bekleidung (+24 %) und bei Spielzeug, Spielen und Sportgeräten (+12 %) zeigt sich tatsächlich eine deutliche Zunahme der preis-, saison- und kalenderbereinigten Importe.2 Der Gesamtimport weist dagegen noch keine klare Tendenz auf.

Zusammenfassung

In unseren Analysen beobachten wir deutliche Reaktionen auf die US-Zollpolitik im Sinne von Vorzieheffekten und Exportrückgängen. Dabei scheinen Einsetzen und Ausmaß aktuell vor allem davon bestimmt, ob auf amerikanischer Seite die betreffenden Waren substituiert bzw. Käufe aufgeschoben werden können und ob die eingeführten Waren als Vorprodukte der amerikanischen Wirtschaft kurzfristig ersetzbar sind. Ein erster Blick auf die Importe aus China weist zudem darauf hin, dass es auch global zu Veränderungen in den Handelsbeziehungen kommt. In einigen Warengruppen, die China kostengünstiger herstellen kann als Deutschland, sind die deutschen Importe zuletzt sichtbar gestiegen.

Angesichts der Herausforderungen für die deutsche Wirtschaft werden deutliche Effizienzsteigerungen unumgänglich sein (Matthes & Sultan, 2025). Zudem kommt es darauf an, neue Märkte und Geschäftsmodelle zu erschließen: So könnten die Bruttoinlandsprodukt-Verluste infolge eines 15 %-igen Basiszolls durch Halbierung der Zölle gegenüber dem Rest der Welt kompensiert werden (Schneemann et al., 2025).

  • 1 Preisbereinigung auf Basis von Indizes des U.S. Bureau of Labor Statistics für Importe aus Deutschland sowie der Wechselkurse. In der Regel wurde der Index für Waren der NAICS-Kategorie „Manufacturing pt.3“, in Einzelfällen auch der spezialisierte Index „Computer and Electronic Product Manufacturing“ angewandt. Für alle weiteren Warengruppen wurde ein Index für alle Restwerte abgeleitet und angewandt. Es erfolgte eine Saison- und Kalenderbereinigung auf Basis von ARIMA 12, angelehnt an Statistisches Bundesamt (2021).
  • 2 Vgl. Indexbildung mit Normierung auf Oktober 2024, in Anlehnung an die Analysen zur USA. Einfuhrwerte des Statistischen Bundesamts (2025a) und Bereinigung mit Index der Einfuhrpreise Nicht-Euro-Länder des Statistischen Bundesamts (2025b).

Literatur

Hutter, C., Stepanok, I. & Weber, E. (2023, Juni). A note on export redirection: Evidence following the onset of the war in Ukraine. IAB-Discussion Paper, 07/2023. Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung.

Matthes, J. & Sultan, S. (2025). Deutsches Exportmodell unter Druck – eine Analyse der Exportentwicklung nach 2015. Wirtschaftsdienst, 105(2), 118–124.

Schneemann, C., Mönnig, A., Maier, T., Weber, E., Zenk, J. & Zika, G. (2025, April). Die Auswirkungen von Zöllen der USA auf Wirtschaft und Arbeitsmarkt in Deutschland. IAB-Forschungsbericht, 09/2025. Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung.

Statistisches Bundesamt. (2021, 18. Mai). Außenhandel. Erläuterungen zur Saisonbereinigung im Außenhandel.

Statistisches Bundesamt. (2025a, 20. August). 51000-0008: Aus- und Einfuhr (Außenhandel): Deutschland, Monate, Länder, Warensystematik [Datensatz].

Statistisches Bundesamt. (2025b, 22. August). 61411-0010: Index der Einfuhrpreise: Deutschland, Monate, Euro-Länder und Nicht-Euro-Länder [Datensatz].

Title:The chaos of the tarriffs conflicts: An interim assessment

Abstract:The realignment of US customs policy under President Trump is having a significant impact on German exports: advance effects in spring 2025 turned into noticeable declines from April onwards. Product groups subject to special or basic customs duties, such as vehicles and machinery, are particularly affected. Exporters must expect price pressure and declining margins. At the same time, German imports are rising in areas with favourable customs tariffs, such as Chinese clothing and toys, which poses new competitive risks. The German economy faces the challenge of increasing efficiency and opening up new markets.

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© Der/die Autor:in 2025

Open Access: Dieser Artikel wird unter der Creative Commons Namensnennung 4.0 International Lizenz veröffentlicht (creativecommons.org/licenses/by/4.0/deed.de).

Open Access wird durch die ZBW – Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft gefördert.

DOI: 10.2478/wd-2025-0171

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