Ein Service der

Artikel als PDF herunterladen

Der weltweite Handel mit Waren hat im Jahr 2025 trotz der US-Zollpolitik kräftig zugelegt. Im Jahresdurchschnitt dürfte das Welthandelsvolumen gegenüber 2024 um rund 4,5 % gestiegen sein und damit deutlich stärker als im Jahr 2024 (2,5 %). Nachdem die meisten Beobachter, etwa der Internationale Währungsfonds (IWF) oder die Welthandelsorganisation (World Trade Organization, WTO), ihre Handelsprognosen im Frühjahr 2025 in Reaktion auf die US-Handelspolitik deutlich gesenkt hatten, revidierten sie ihre Erwartungen im Herbst wieder nach oben; auch diese dürften durch die tatsächliche Entwicklung noch übertroffen werden.

Für die überraschende Stärke des Welthandels gibt es mehrere Gründe. In den ersten Monaten des Jahres zogen die US-Importe spürbar an, um der Einführung der erwarteten hohen Zusatzzölle zuvorzukommen. Dieser Effekt erhöhte die US-Importe zwar nur vorübergehend, allerdings fielen sie auch nach Einführung der Zölle nicht merklich unter das Niveau, das ohne die Änderung der Handelspolitik durch die Trump-Administration zu erwarten gewesen wäre. Dies lag zum einen daran, dass es auch in den Sommermonaten noch Anreize gab, Importe vorzuziehen, da zunächst für viele Länder lediglich ein zusätzlicher Basiszoll von 10 % galt, der dann nach und nach durch längerfristige Vereinbarungen mit oft höheren Zollsätzen abgelöst wurde. Zum anderen haben Exporteure in die USA und US-Händler die höheren Zölle nur langsam weitergegeben, sodass der nachfragedämpfende Effekt in den USA bislang nicht sehr ausgeprägt ist.

Vor allem im asiatischen Raum hat sich der Außenhandel deutlich verstärkt. Diese Region profitiert besonders von dem weltweiten KI-Boom. Auch in den USA legten die Importe von IT-Ausrüstungsgütern im Jahresverlauf ungebremst zu, zumal diese in der Regel von den Zusatzzöllen ausgenommen sind. Insgesamt beläuft sich der Beitrag dieser Warengruppe zum Zuwachs des Welthandels im ersten Halbjahr 2025 nach Schätzungen der WTO auf nahezu die Hälfte. Darüber hinaus ist es China gelungen, den Einbruch der Exporte in die USA durch verstärkte Ausfuhren in andere Länder weitgehend zu kompensieren. So stiegen die Lieferungen in die EU beschleunigt. Vor allem aber stiegen die Exporte in den asiatischen Raum stark. Dabei gibt es allerdings Hinweise darauf, dass die im Ländervergleich sehr unterschiedlich hohen Zusatzzölle zu einer Handelsumlenkung geführt haben, die den Welthandel statistisch aufgebläht hat. So haben die Ausfuhren in Länder wie Thailand oder Vietnam seit April drastisch zugenommen – um 20 bis 30 % im Vergleich zum Vorjahr, während gleichzeitig die Importe der USA aus diesen Ländern entgegen dem allgemeinen Trend ebenfalls stark stiegen.

Der deutsche Außenhandel konnte von dem unerwartet starken Welthandel nicht profitieren. Stiegen die deutschen Warenexporte bis zum Jahr 2019 noch pro rata mit dem Welthandelsvolumen, so ist seit der COVID-19-Pandemie eine Entkopplung von der weltweiten Handelsaktivität zu beobachten: Einem Rückgang um 1,8 % im Jahr 2024 folgte in den ersten zehn Monaten des Jahres 2025 ein weiteres Absinken um 0,5 %. Auch der durch die OECD berechnete Exportperformance-Index, der das Verhältnis der Exporte eines Landes zu seinem Exportpotenzial misst, ist seit der Pandemie abwärtsgerichtet (Abbildung 1).

Abbildung 1
Welthandel, deutsche Warenexporte und Exportperformance
Welthandel, deutsche Warenexporte und Exportperformance

Quartalsdaten. Welthandel: 2021 = 100 (linke Skala). Deutsche Warenexporte: Zollhandel (Spezialhandel), 2021 = 100 (linke Skala). Exportperformance: Verhältnis von Exporten und Exportpotential (rechte Skala), Prognosezeitraum schattiert.

Quelle: Destatis (2025); CPB (2025); OECD (2025); Prognosen des Kiel Instituts (Boysen-Hogrefe et al., 2025) und der OECD (OECD, 2025).

Ausweislich monatlicher Zolldaten waren die deutschen Ausfuhren in die EU sowohl im Jahr 2023 als auch im Jahr 2024 rückläufig, jene nach China sogar schon seit dem Jahr 2022. Die Exporte in die USA hatten bis 2024 zwar noch zugenommen, gingen aber zuletzt unter dem Eindruck der Trump-Zölle deutlich zurück. Ausfuhren in andere Länder waren 2024 ebenfalls abwärtsgerichtet und stiegen in den ersten zehn Monaten des Jahres 2025 im Vorjahresvergleich nur leicht um 0,2 %. Ursächlich dürften nicht zuletzt strukturelle Probleme sein: So sinkt die Wettbewerbsfähigkeit des deutschen Verarbeitenden Gewerbes auf ausländischen Absatzmärkten sowohl innerhalb als auch außerhalb der Europäischen Union ausweislich von Unternehmensbefragungen bereits seit mehreren Jahren sehr deutlich. Dies gilt zwar auch für andere Länder des Euroraumes, doch ist der Rückgang für Deutschland besonders stark ausgeprägt (Abbildung 2).

Abbildung 2
Wettbewerbsfähigkeit des Verarbeitenden Gewerbes in Deutschland und im Euroraum
Wettbewerbsfähigkeit des Verarbeitenden Gewerbes in Deutschland und im Euroraum

Quartalsdaten. Veränderung der Wettbewerbsposition außerhalb der Europäischen Union: Angegeben sind der jeweilige Saldo der Anteile der Unternehmen, die von einer Verbesserung bzw. einer Verschlechterung ihrer Wettbewerbsposition gegenüber dem Vorquartal berichten.

Quelle: European Commission (2025).

Ein Grund für die gesunkene Wettbewerbsfähigkeit ist ein verstärkter Wettbewerb durch chinesische Konkurrenten. So ist der offenbarte komparative Vorteil Deutschlands schon seit 2012 relativ zu China rückläufig, was auf einen Verlust an z. B. technologischen Vorsprüngen deutscher Anbieter hindeutet (Projektgruppe Gemeinschaftsdiagnose, 2024, Kasten 2.2, S. 43; Projektgruppe Gemeinschaftsdiagnose, 2025, Kap. 5, S. 73 ff.). Zudem litt die Wettbewerbsfähigkeit der energieintensiven Industrien – die im Jahr 2021 einen Anteil von 14,8 % an der Bruttowertschöpfung hatten, zugleich aber 77 % des gesamten Energiebedarfs ausmachten – durch die im Zuge der Energiekrise gestiegenen Energiepreise. Hier sanken die Ausfuhren im Jahr 2023 deutlich, um nominal 12,8 %; nach einer Seitwärtsbewegung im Jahr 2024 gingen sie in den ersten zehn Monaten des Jahres 2025 erneut um 3,0 % zurück. Sie machten zuletzt lediglich noch 17,5 % der deutschen Warenexporte aus. Eine deutliche Erholung erscheint in Anbetracht der in Deutschland im internationalen Vergleich recht hohen Energiepreise unwahrscheinlich.

Die Lieferungen in die USA, die im Jahr 2024 rund 10 % der deutschen Warenausfuhren ausmachten, fielen in den ersten zehn Monaten insgesamt um nominal 7,8 %. Zu den höheren US-Zöllen kam die Aufwertung des Euro gegenüber dem US-Dollar als belastender Faktor hinzu. Der Anteil der Warenausfuhren nach China an den gesamten deutschen Warenausfuhren ist bereits seit einiger Zeit rückläufig und lag nach einem Höchststand von 7,9 % im Jahr 2020 in den ersten zehn Monaten des Jahres 2025 nur noch bei 5,2 %. Im Vorjahresvergleich sanken die Warenausfuhren nach China in den ersten zehn Monaten des Jahres 2025 um 11,9 %; maßgeblich waren die Exporte von Kraftfahrzeugen und Kraftfahrzeugteilen, die um 35,1 % einbrachen.

Derzeit gibt es keine Anzeichen, dass deutsche Unternehmen verlorene Weltmarktanteile in naher Zukunft rasch wieder zurückgewinnen könnten. Die Warenausfuhren haben sich zuletzt allerdings stabilisiert – abgesehen von den deutlichen Rückgängen in die USA; die Exporterwartungen sowie die Unternehmenszuversicht auf den Absatzmärkten sind im Jahresverlauf gestiegen, bleiben aber eingetrübt. Vor diesem Hintergrund könnten die Exporte ab dem kommenden Jahr wieder moderat steigen (Boysen-Hogrefe et al., 2025), allerdings wohl langsamer als der Welthandel, sodass vorraussichtlich auch weiterhin Weltmarktanteile verloren gehen werden.

Literatur

Boysen-Hogrefe, J., Groll, D., Hoffmann, T., Jannsen, N., Kooths, S., Krohn, J. & Schröder, C. (2025). Deutsche Wirtschaft im Winter 2025: Sand im Getriebe, Staat auf dem Gaspedal. Kieler Konjunkturberichte, Nr. 129.

CPB Netherlands Bureau for Economic Policy Analysis. (2025). World Trade Monitor September 2025.

Destatis. (2025). Aus- und Einfuhr (Außenhandel): Deutschland, Monate.

European Commission. (2025). Business and consumer surveys.

OECD – Organisation for Economic Co-operation and Development. (2025). Economic Outlook 118.

Projektgruppe Gemeinschaftsdiagnose. (2024). Deutsche Wirtschaft im Umbruch – Konjunktur und Wachstum schwach. Herbstgutachten.

Projektgruppe Gemeinschaftsdiagnose. (2025). Expansive Finanzpolitik kaschiert Wachstumsschwäche. Herbstgutachten.

Beitrag als PDF

© Der/die Autor:in 2026

Open Access: Dieser Artikel wird unter der Creative Commons Namensnennung 4.0 International Lizenz veröffentlicht (creativecommons.org/licenses/by/4.0/deed.de).

Open Access wird durch die ZBW – Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft gefördert.

DOI: 10.2478/wd-2026-0017