Die Anzahl der mit Glasfaser versorgten bzw. versorgbaren Haushalte in Deutschland ist zuletzt stark angestiegen. Aktuelle Veröffentlichungen deuten jedoch darauf hin, dass diese Dynamik zeitnah wieder abnehmen könnte. Zahlreiche Unternehmen stellen ihre Expansionsziele infrage, sodass auch die politisch definierten Ziele zur Abdeckung und Nutzung von Glasfaseranschlüssen in Gefahr sind. Neben mangelnder Nachfrage und steigenden Baukosten werden auch steigende Finanzierungskosten infolge des Endes der Nullzinspolitik als Ursache genannt. Wir arbeiten heraus, wie sich die Finanzierungsmöglichkeiten und -konditionen zwischen Unternehmen verschiedener Eigentümerstrukturen und Geschäftsmodelle unterscheiden und wie die Unternehmen auf die steigenden Herausforderungen reagieren. Die staatliche Förderung günstigerer Kredite für Unternehmen sowie klare Regeln für die Abschaltung der Kupfernetze können dazu beitragen, die Dynamik des Glasfaserausbaus aufrechtzuerhalten.
Der Ausbau von Glasfaser bis in die Häuser bzw. Wohnungen (FTTH – Fiber to the Home) hat in den letzten Jahren stark an Fahrt aufgenommen und dazu geführt, dass Deutschland im internationalen Vergleich bei der Glasfaserverfügbarkeit aufgeholt hat.1 Seit Ende 2020 ist die Zahl der Homes Passed (HP)2 von 6,7 Mio. auf 24,6 Mio. Anschlüsse gestiegen, sodass von einer Homes-Passed-Abdeckung von ca. 55 % auszugehen ist (Bundesnetzagentur, 2025b). Diese Dynamik zahlt auf das Ziel eines „flächendeckenden Glasfaserausbau[s] FTTH“ im Koalitionsvertrag der aktuellen Bundesregierung ein (CDU, CSU & SPD, 2025).
Jüngst mehren sich jedoch die Anzeichen, dass einige Unternehmen ihre Ausbauaktivitäten herunterfahren bzw. auf die Verdichtung, Erstellung und Aktivierung von Hausanschlüssen in bestehenden Ausbaugebieten konzentrieren und den großflächigen (Neu-)Ausbau reduzieren. Diese Entwicklungen schlagen sich auch in den Prognosen von Marktbeobachtern nieder (Wernick et al., 2026). Die Deutsche Telekom hat ihre Ausbauziele von ca. 2,5 Mio. neuen HP pro Jahr bislang bekräftigt (Deutsche Telekom, 2026); gleichwohl dürfte sich auch hier die Frage stellen, ob, und wenn ja, wann die Telekom reagiert und ihrerseits die Ausbaugeschwindigkeit aufgrund des geringeren Wettbewerbsdrucks drosselt, insbesondere, wenn es sich hierbei nicht um einen kurzzeitigen Rückgang, sondern um einen mittelfristigen Trend handeln sollte.
Gründe für die sinkende Dynamik des Glasfaserausbaus
Es gibt diverse Gründe, warum die unter Druck stehenden Unternehmen ihre Ausbauziele reduzieren und weniger stark in den Ausbau und hierbei insbesondere in neue Expansionsgebiete investieren. Auf der Kostenseite schlagen sich neben den allgemeinen Kostensteigerungen (insbesondere bei Energie) vor allem die gestiegenen Baukosten nieder. Der Baupreisindex für den Straßenbau ist von 2020 bis 2025 um 49 % gestiegen (Statistisches Bundesamt, 2026). Verzögerungen beim Netzausbau (z. B. aufgrund von fehlenden Baukapazitäten und Fachkräften (VKU, 2024)) führen dazu, dass viele Projekte erst später als geplant fertiggestellt werden und Umsätze generieren.
Auf der Einnahmenseite stellen sich insbesondere die vergleichsweise niedrigen Take-up-Raten, d. h. die geringen prozentualen Anteile von gebuchten bzw. aktivierten Anschlüssen an den technisch versorgbaren Kunden, als Herausforderung dar.3 Die Take-up-Rate liegt im Gesamtmarkt bei etwa 24 %, bei den Wettbewerbern der Deutschen Telekom beträgt sie ca. 30 % (Bundesnetzagentur, 2025b). Hinzu kommt, dass auch die durchschnittlichen Umsätze je Kunde (average revenue per user (ARPU)) bislang hinter den prognostizierten Erwartungen zurückgeblieben sind. Bisherige Erfahrungen zeigen, dass die Anbieter, wenn überhaupt, nur geringe Preisaufschläge beim Wechsel von xDSL- auf FTTH-Technologie durchsetzen können (Braun et al., 2023). Im Ergebnis sind die Geschäftsergebnisse vieler im FTTH-Ausbau engagierter Anbieter hinter den Erwartungen zurückgeblieben, was insbesondere bei den Unternehmen ins Gewicht fällt, die über kein Bestandsgeschäft auf anderen Infrastrukturen verfügen.
Neben der geschäftlich-operativen Seite, auf der die Unternehmen zu geringe Cashflows generieren und unter gestiegenen Ausgaben leiden, ist schließlich auch die Finanzierungsseite zu betrachten. Auch wenn der Hauptrefinanzierungssatz der Europäischen Zentralbank seit Mitte 2025 stabil ist und davor sogar gesenkt wurde, liegt er mit 2,15 % immer noch deutlich höher als in der Niedrig- bzw. Nullzinsphase und könnte aufgrund einer möglichen steigenden Inflation infolge des Irankrieges in näherer Zukunft wieder erhöht werden.
Finanzierungsmöglichkeiten für Glasfaser ausbauende Unternehmen
In dieser Phase niedriger Zinsen sind die meisten investorenfinanzierten Glasfaser ausbauenden Unternehmen in den Markt gestartet, haben ihre initialen Finanzierungen mit maximalem, günstigem Fremdkapitalhebel abgeschlossen und Ende der 2010er Jahre den Ausbau begonnen. Bei branchentypischen Finanzierungszyklen von etwa sieben Jahren (Forzati & Pantalissi, 2024, S. 55) bedeutet dies, dass sich viele dieser Unternehmen aktuell in der Refinanzierung ihres Fremdkapitals befinden.
Neben schlechteren Zinskonditionen haben die im vorigen Abschnitt beschriebenen operativen Aspekte, wie insbesondere die niedrigen Take-up-Raten, generell zu einer gewissen Investorenzurückhaltung geführt. Einige institutionelle Investoren, die bereits in großem Stil in Glasfaserprojekte investiert sind, sind aufgrund der resultierenden Klumpenrisiken auch vorsichtig damit, zusätzliche Kreditmittel für Glasfaserunternehmen bereitzustellen.
Grundsätzlich streben die im FTTH-Ausbau engagierten Unternehmen Eigen- zu Fremdkapitalverhältnisse von 20 % bis 40 % zu 60 % bis 80 % an (Knips et al., 2025). Branchentypisch ist, dass während der Ausbauphase in Ermangelung freier Cashflows kaum Eigenkapital aus dem Geschäftsbetrieb heraus gebildet werden kann. Vielmehr müssen hier in der Regel gerade bei Unternehmen, die neu in den Markt eintreten, Investoren als (Teil-)Eigentümer gewonnen werden. Es ist davon auszugehen, dass Eigenkapitalgeber neuer, mit stärker ausgeprägten Investitionsrisiken behafteter Glasfaserunternehmen höhere Eigenkapitalrenditen erwarten als die Eigenkapitalgeber/Aktionäre etablierter börsennotierter Telekommunikationsunternehmen.
Für die Fremdfinanzierung kommen maßgeblich zwei Typen von Instrumenten infrage, die Ausgabe von Anleihen sowie die Aufnahme von Krediten bei Banken und institutionellen Investoren, welche sich wiederum in kurzfristige Kreditlinien, mittel- bis langfristige Unternehmensfinanzierungen oder mittel- bis langfristige Projektfinanzierungen unterscheiden lassen (Knips et al., 2025).
Je nach Unternehmenstyp unterscheiden sich insbesondere die zur Verfügung stehenden mittel- bis langfristigen Fremdfinanzierungsarten: Anleihen als Finanzierungsmöglichkeit kommen für Unternehmen infrage, die hohe, regelmäßige und stetige Cashflows generieren, mit denen fixe Zinszahlungen bedient werden können. Sie setzen ein Rating einer Ratingagentur voraus. Unternehmen mit einer hohen Verschuldung, einem ungünstigen Verhältnis zwischen Verschuldung und EBITDA (Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen) sowie fehlenden Ratings sind diese hingegen verschlossen. Auch Unternehmensfinanzierungen setzen stabile Cashflows voraus, was Glasfaser ausbauende Unternehmen ohne nennenswertes Bestandsgeschäft von dieser Finanzierungsquelle ebenfalls (weitgehend) ausschließt. Entsprechend bleibt diesen als Fremdfinanzierungsquelle nur die Nutzung von Projektfinanzierungen. Projektfinanzierungen sind individuell auf das jeweilige Projekt und seinen Businessplan zugeschnitten, wobei es sich bei einem Projekt im Falle des Glasfaserausbaus nicht um ein konkretes Ausbauprojekt handeln muss, sondern aus Finanzierungssicht auch mehrere (oder sogar alle) Ausbauprojekte eines Unternehmens umfasst sein können. Eine Besonderheit der Projektfinanzierung ist, dass das Erreichen bzw. Nichterreichen konkreter Meilensteine mit entsprechenden Implikationen Vertragsbestandteil der Finanzierung wird, wie z. B. die Verknüpfung der Auszahlung von Kredittranchen an den Ausbaufortschritt (sogenannte Covenants).
Während investorenfinanzierte und andere eigenständige, privatwirtschaftliche „New Entrants“ ohne nennenswertes Bestandsgeschäft in erheblichem Umfang auf Projektfinanzierungen angewiesen sind, stehen großen, etablierten börsennotierten Unternehmen wie der Deutschen Telekom, Vodafone und e.on, die die Risiken des Glasfaserausbaus über Cashflows aus anderen Bereichen (DSL/Kabel-Netz, Mobilfunk, Energie) absichern können und Zugang zum organisierten Kapitalmarkt haben, Anleihen als kostengünstige(re) Fremdfinanzierungsform zur Verfügung. Auch Stadtwerke, die in einigen Regionen sehr aktiv im Glasfaserausbau sind, können, vorausgesetzt sie leihen sich das Geld „gegen die gesamte Bilanz“ des Mutterunternehmens, von günstigeren Finanzierungskonditionen profitieren (Knips et al., 2025).
Dementsprechend finanzieren sich große börsennotierte Telekommunikationsunternehmen deutlich günstiger als das Gros der New Entrants im Glasfaserausbau. So gab die Deutsche Telekom am 28. April 2026 eine Anleihe im Wert von 750 Mio. € mit zwölf Jahren Laufzeit und einem Zinskupon von 3,375 % und damit ca. 0,63 Prozentpunkte über dem durchschnittlichen 12-Monats-EURIBOR (Euro InterBank Offered Rate, Referenzzinssatz im Interbankengeschäft) im April aus. Es ist zu erwarten, dass sich andere börsennotierte Großunternehmen im Telekommunikationssektor gegebenenfalls etwas, jedoch nicht deutlich teurer finanzieren. So lag der nach Ausgabevolumen gewichtete Zinskupon der ausstehenden Anleihen der Vodafone zuletzt einen halben Prozentpunkt über dem entsprechenden Wert der Deutschen Telekom (Knips et al., 2025).
Auf der anderen Seite finanzieren sich Unternehmen aus der Glasfaserbranche mit hohen Schulden und relativ geringen Cashflows laut Medienberichten mit 3 bis 4 Prozentpunkte über dem 12-Monats-EURIBOR bei Laufzeiten im Bereich von sieben Jahren (Rohde, 2025). Das korrespondiert auch mit den entsprechenden Zinssätzen, die von der KfW im Investitionskredit Digitale Infrastruktur angesetzt werden (KfW, o. D.).
Auch bei der erwarteten Eigenkapitalrendite liegen investorenfinanzierte Glasfaserunternehmen deutlich höher als große börsennotierte Telekommunikationsunternehmen. So rechnet die Bundesnetzagentur für die Deutsche Telekom mit einem Eigenkapitalkostensatz vor Steuern von 7,71 % (Bundesnetzagentur, 2025a). Währenddessen wird für risikoreiche Investitionen von New Entrants im Bereich des kompletten Neuaufbaus von Glasfaser-Infrastruktur („Greenfield“) ein Wert von 10 bis 15 % (Torres, 2023) je nach Umfang des Kapitaleinsatzes und Sicherheit der zukünftigen Umsatzströme angesetzt (Hamilton Lane, 2024).
In Summe ist damit davon auszugehen, dass zwischen etablierten börsennotierten Großunternehmen mit Aktivitäten im FTTB/H-Ausbau und neuen Wettbewerbern bei den durchschnittlichen Finanzierungskosten ein Delta von mindestens 2,5 Prozentpunkten besteht, was umgelegt auf branchentypische Ausbaukosten und Betrachtungszeiträume rein finanzierungskostenbedingten Mehrkosten in Höhe von mindestens 3 € monatlich pro aktiviertem Anschluss entspricht (Knips & Wernick, 2026). Dies impliziert, dass Unternehmen ohne Zugang zu Anleihen und Unternehmensfinanzierungen, um wettbewerbsfähig zu sein, höhere Umsätze pro Kunde, höhere Take-up-Raten oder niedrigere Ausbaukosten als ihre Konkurrenten erreichen müssen.
Preiserhebungen zeigen, dass sich die Endkundenpreise für Glasfaserprodukte national orientierter Anbieter in der Regel nicht erheblich voneinander unterscheiden. Unternehmen, die sich in ihrem Engagement auf sehr ländliche Gebiete konzentrieren, können jedoch infolge geringeren Wettbewerbsdrucks und einer schlechteren Ist-Versorgung (noch) Preisaufschläge gegenüber dem nationalen Niveau realisieren (Braun et al., 2023). Fraglich ist, ob diese bei einer zunehmenden Verfügbarkeit leistungsfähiger Breitbandanschlüsse und einem wachsenden regulatorischen Druck zur Öffnung der Netze für dritte Vorleistungsanbieter perspektivisch aufrechterhalten werden können.
Die Take-up-Raten für Glasfaseranschlüsse liegen in Deutschland insgesamt auf vergleichsweise niedrigem Niveau, auch wenn alternative Netzbetreiber ihre Netze im Durchschnitt etwas besser auslasten als die Deutsche Telekom. Die Durchschnittskosten für den Glasfaserausbau lassen sich durch die Auswahl und den Zuschnitt der Ausbaugebiete in gewissem Umfang beeinflussen. Konkret lässt sich dies dadurch erreichen, dass der Ausbauumfang auf die kostengünstiger erschließbaren Haushalte begrenzt wird.
In der Praxis lässt sich in der Tat beobachten, dass gerade investorenfinanzierte Unternehmen überwiegend abseits der bereits gut erschlossenen und wettbewerbsintensiveren urbanen Gebiete bevorzugt punktuell in ländlichen und halbstädtischen Regionen aktiv sind, wo ein größeres Potential für Preisaufschläge bei gleichzeitig hohen Take-up-Raten erwartet wird. Im Zuge der wachsenden Glasfaserverfügbarkeit nimmt die Zahl solcher Gebiete jedoch kontinuierlich ab.
Zusammenhang von operativen Herausforderungen und schwierigerer Finanzierungssituation
Wie beschrieben haben viele Unternehmen, die heute im Markt aktiv sind, Ende der 2010er bis Anfang der 2020er Jahre mit dem Glasfaserausbau begonnen und dementsprechend zu dieser Zeit Finanzierungen aufgenommen. Zwar wurden die Zinskonditionen nicht in jedem Fall für die gesamte Laufzeit starr festgelegt, jedoch zumindest auf Basis des niedrigen allgemeinen Zinsniveaus gegen zu starke Steigerungen abgesichert. Bei üblichen Finanzierungszyklen für Glasfaserprojekte von rund sieben Jahren müssen sich die Unternehmen aktuell bzw. in näherer Zukunft zu deutlich gestiegenen Zinsen refinanzieren.
Dies bedeutet, dass operative Herausforderungen wie die Erzielung einer geplanten Take-up-Rate für die Unternehmen Hand in Hand gehen mit der verschlechterten Finanzierungssituation. Wenn die Glasfaser ausbauenden Unternehmen höhere Take-up-Raten erreichen würden, wären sie auch robuster gegenüber einem erhöhten Zinsniveau aufgestellt. In der aktuellen Situation kann die verschlechterte Finanzierungslage aber dazu beitragen, dass Unternehmen keine neuen Ausbauprojekte mehr starten und sich auf die Nachverdichtung, also das Anschließen von Gebäuden in der unmittelbaren Umgebung der bereits verlegten Glasfaserinfrastruktur, konzentrieren.
Für die Unternehmen kann dies jedoch auch den Anfang einer Negativspirale bedeuten: Zunächst stellt sich die Herausforderung der Beschaffung von Mitteln für die Nachverdichtung in Gebieten, in denen bisherige Vertriebsbemühungen nicht zum gewünschten Erfolg geführt haben. Die mit der Nachverdichtung verbundenen Kosten für das Herstellen von Haus- und Wohnungsanschlüssen liegen höher als beim initialen Ausbau (Wernick et al., 2024a), sind aber gleichwohl niedriger als die komplette Neuerschließung in bislang nicht versorgten Gebieten. Abgesehen von der zwar notwendigen, aber zugleich operativ und vertrieblich aufwändigen Nachverdichtung stellt der Verzicht auf eine weitere Expansion zum jetzigen Zeitpunkt auch eine strategisch riskante Weichenstellung dar, da der Ausbauwettbewerb um attraktive Cluster heute und nicht in der Zukunft stattfindet. Schließlich stellt sich beim Verzicht auf weitere Expansionen auch die Frage nach der mittel- bis langfristigen Wettbewerbsfähigkeit in einem Markt, der durch Größen- und Verbundvorteile charakterisiert ist (Lachmann et al., 2025). In letzter Konsequenz kann ein Rückzug vom Markt die logische Konsequenz darstellen.
In Anbetracht der gesamtwirtschaftlichen Relevanz flächendeckender Glasfasernetze für den Standort Deutschland handelt es sich hierbei nicht um ein Problem spezifischer Unternehmen oder Typen von Unternehmen. Es ist unbestritten, dass der flächendeckende Ausbau von Glasfasernetzen eine Aufgabe ist, die kein Unternehmen allein stemmen kann (Deutsche Telekom, 2019). Wesentlich für die Ausbauintensität und -geschwindigkeit ist angesichts der schwierigen wirtschaftlichen Replizierbarkeit der Infrastruktur vor allem der Wettbewerbsdruck um First-Mover-Vorteile bei der Ersterschließung der Ausbaugebiete. Führt man sich vor Augen, dass in den letzten Jahren regelmäßig mehr als die Hälfte aller FTTH-Anschlüsse durch Wettbewerber der Deutschen Telekom errichtet worden sind, wird offensichtlich, dass bei dauerhaft fehlendem Druck im Ausbauwettbewerb auch ein deutlicher Rückgang des Engagements der Telekom und anderer etablierter Anbieter droht. Im Ergebnis könnte sich die Glasfasererschließung um Jahre verzögern mit negativen gesamtwirtschaftlichen Implikationen für den Standort Deutschland.
Wirtschaftspolitische und regulatorische Handlungsmöglichkeiten
Mögliche Optionen für die öffentliche Hand, um die Dynamik des Glasfaserausbaus aufrecht zu erhalten, können an zwei Seiten ansetzen. Einerseits können günstigere Kredite bereitgestellt werden bzw. über Garantien ermöglicht werden. Dies könnte z. B. über die KfW geschehen, die bereits entsprechende Förderkredite anbietet. Mit dem Deutschlandfonds wurde kürzlich ein Dach geschaffen, unter dem unter anderem vergünstigte Kredite im Energiebereich bereitgestellt werden (Bundesregierung & KfW, 2025). Vergleichbares wäre auch im Bereich digitaler Infrastruktur als risikoabsorbierende Maßnahme denkbar, auch wenn Bürgschaftsprogramme sehr genau ausgestaltet sein müssten, um effektiv zu sein und keine zu großen Klumpenrisiken für die öffentliche Hand einzugehen.
Darüber hinaus kann die öffentliche Hand dazu beitragen, die Nachfrage nach Anschlüssen zu verbessern und so die Herausforderungen durch die verschlechterten Finanzierungskonditionen für die Unternehmen zu dämpfen – auch wenn es zuvorderst Aufgabe der Unternehmen sein sollte, ihre Anschlüsse besser zu vermarkten und/oder höhere ARPUs zu generieren. Als Erstes sind hier klare Regelungen zur Abschaltung der Kupfernetze und zur Migration der Kunden auf Glasfasernetze zu nennen, damit die ausbauenden Unternehmen einen hohen Grad an Planungssicherheit haben. Das Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung hat hierzu Eckpunkte herausgebracht (BMDS, 2025). Ebenso wurde jüngst ein Regulierungskonzept der Bundesnetzagentur (2026) veröffentlicht und auch der Entwurf des Digital Networks Act enthält entsprechende einschlägige Vorgaben.
Grundsätzlich wäre auch eine Nachfrageförderung über sogenannte Voucher, also Geldzahlungen des Staates an die Haushalte, die einen Glasfaseranschluss nachfragen, denkbar, um die Take-up-Raten zu steigern und die Wirtschaftlichkeit des Ausbaus zu erhöhen. Wie wir an anderer Stelle gezeigt haben, gilt es dabei insbesondere, das Risiko von Mitnahmeeffekten durch ein entsprechendes Förderdesign möglichst zu reduzieren (Wernick et al., 2024b). Schließlich könnte auch ein konsequentes Öffnen der Netze für Dritte, die dann ebenfalls Anschlüsse auf den betreffenden Infrastrukturen vermarkten können, ein Mittel sein, um die Netzauslastung zu erhöhen. Es ist davon auszugehen, dass sich eine größere Anbieter- und Produktvielfalt positiv auf die Netzauslastung auswirkt. Auf diese Weise können zusätzliche Einnahmen generiert und der Konsolidierungsdruck gemindert werden (Lachmann et al., 2025).
- 1 Im Folgenden verwenden wir durchgehend die Formulierung FTTH und subsumieren darunter auch Fiber to the Building (FTTB-)Anschlüsse, bei denen die Glasfaser bis in den Gebäudekeller verlegt wird.
- 2 Als „Home Passed“ werden Haushalte bezeichnet, bei denen eine Glasfaserleitung in unmittelbarer Nähe der Grundstücksgrenze vorbeiführt; es ist nicht notwendigerweise ein Hausanschluss ausgebaut oder gar aktiv.
- 3 Die Take-up-Rate ist nach Branchenkonventionen definiert als Anteil der „Homes Activated“, also aktivierter Kunden, an den „Homes Passed“, also der Zahl der potenziellen Kunden, bei denen die Glasfaser in unmittelbarer Nähe der Grundstücksgrenze vorbeiführt.
Literatur
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